{"id":3678,"date":"2012-02-05T14:30:19","date_gmt":"2012-02-05T13:30:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3678"},"modified":"2012-02-28T14:32:39","modified_gmt":"2012-02-28T13:32:39","slug":"lulu-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3678","title":{"rendered":"LULU &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: A. Berg nach Frank Wedekind, dritter Akt vervollst\u00e4ndigt von Eberhard Kloke, UA: Juni 1937 (2 Akte)<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm<\/p>\n<p>Dirigent: Cornelius Meister, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Gisela Stille (Lulu), Christa Mayer (Gr\u00e4fin Geschwitz), Markus Marquardt (Dr. Sch\u00f6n\/Jack the Ripper), J\u00fcrgen M\u00fcller (Alwa), Barbara Senator (Theatergarderobiere\/Gymnasiast\/Groom), Nils Harald Sodal (Maler\/Neger), Ketil Hugaas (Schigolch), Almas Svilpa (Athlet), Aaron Pegram (Prinz), Joachim Goltz (Medizinalrat\/Bankier Puntschu), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. Februar (\u00dcbernahme-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Dresden-Lulu.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3679\" title=\"Dresden-Lulu\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Dresden-Lulu.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Dresden-Lulu.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Dresden-Lulu-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Journalist Dr. Sch\u00f6n hat vor Jahren die kindlich-verf\u00fchrerische Lulu von der Stra\u00dfe aufgelesen und ist ihr seitdem rettungslos verfallen. Um sich von ihr zu l\u00f6sen, verkuppelt er sie immer wieder an andere M\u00e4nner. Ohne Erfolg: Lulus ersten Gatten, den Medizinalrat, trifft der Schlag, der zweite, ein Maler, schneidet sich die Kehle durch. Resigniert l\u00e4\u00dft sich Dr. Sch\u00f6n von Lulu \u00fcberreden und heiratet sie. Zur Katastrophe kommt es, als Dr. Sch\u00f6n in der gemeinsamen Wohnung gleich eine ganze Reihe von Nebenbuhlern antrifft, darunter die lesbische Gr\u00e4fin Geschwitz und seinen Sohn Alwa. Lulu erschie\u00dft Dr. Sch\u00f6n und kommt ins Gef\u00e4ngnis. Mit Hilfe der Gr\u00e4fin, des Athleten Rodrigo und des zwielichtigen Landstreichers Schigolch kann Alwa sie befreien. Wie Dr. Sch\u00f6n verf\u00e4llt Alwa ihr mit Haut und Haar. In dem von Berg nicht mehr vollst\u00e4ndig vertonten dritten Akt wird Lulu zur Prostituierten und schlie\u00dflich von Jack the Ripper ermordet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Produktion mit der Erg\u00e4nzung des dritten Akts durch Eberhard Kloke hatte am 15. Oktober 2010 Premiere in Kopenhagen. Sie und wurde bereits in Operapoint 1\/2011 besprochen. Hier\u00a0 zur Auff\u00fchrung in Dresden: Die Welt der Lulu spielt in einer Art Zirkus-Arena der zwanziger Jahre. In der Vorstellung verwandelt sich die Schlange in Eva. Zun\u00e4chst in einer Jugendstil-Zeichnung, bis Lulu als diese Eva aus der Zeichnung steigt. Das Zirkus-Portal ist drehbar und verwandelt sich in das Atelier des Malers Schwarz, wobei oben auf dem Portal die Clowns, die auch die Kapelle bedienen, erhalten bleiben. Lulus M\u00e4nner verwandeln sich nacheinander nach ihrem Tod in diese Clowns. Alwa ist eindeutig als autobiografisches Abziehbild von Alban Berg dargestellt. Die Gr\u00e4fin Geschwitz und Schigolch sind eher dekadente Gestalten der zwanziger Jahre. Der Clown, der einmal Dr. Sch\u00f6n war, verwandelt sich in Jack the Ripper und beendet den Abstieg Lulus mit einem Regenschirm \u2013 zusammen mit den anderen Clowns. Als der letzte Vorhang f\u00e4llt, sieht man eine leere B\u00fchne.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In Kopenhagen war es 2010 gelungen, eine ideale Lulu-Besetzung zu finden. <strong>J\u00fcrgen M\u00fcller<\/strong> als Alwa erinnert genauso an Alban Berg wie Johnny van Hal in Koppenhagen, ist aber nicht so durchschlagsstark wie dieser Tenor. Er pa\u00dft daher besser zu der lyrischen Leichtigkeit des zur\u00fcckhaltenden Soprans der <strong>Gisela Stille<\/strong> als Lulu, die sich nicht wesentlich von Sine Bundgaard unterscheidet. Johann Reuter war in Koppenhagen ein stimmgewaltiger Bariton, der Dr. Sch\u00f6n bzw. Jack the Ripper viel Wut in der Stimme lieh. Da kann <strong>Markus Marquardt<\/strong> nicht dagegenhalten. W\u00e4hrend Randi Stene als Gr\u00e4fin Geschwitz mit ihrem gut fundierten Mezzo eine interessante Rolleninterpretation bieten konnte, bringt der dramatische Wagner-Sopran von <strong>Christa Mayer<\/strong> der Rolle in Dresden mehr Gewicht.<\/p>\n<p><strong>Cornelius Meister<\/strong> f\u00fchrte die S\u00e4chsische Staatskapelle sehr verschmitzt und verspielt durch die Kompliziertheit der Zw\u00f6lftonmusik. W\u00e4hrend diese Klangbilder sonst manchmal abschreckend wirken, wirken sie hier eher elegisch und romantisch.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Auch die zweite Begegnung mit dieser Produktion (diese wurde auch in Augsburg verwendet) hinterl\u00e4\u00dft einen sehr positiven Eindruck. Stefan Herheim hat lediglich das B\u00fchnenportal der Semperoper in das B\u00fchnenbild \u00fcbernommen. Dabei ist sicher eine allgemeing\u00fcltige Inszenierung gelungen: Zum einen weil die Verlegung in die Entstehungszeit der Oper, der Wiener Sezession, sinnf\u00e4llig ist, zum anderen weil die Clowns, der Zirkus und Eva aus der Handlung und der Partitur entwickelt wurden. Es gibt keine weiteren Erz\u00e4hlebenen und keine sexuellen Exzesse, sondern eher die familienfreundlich \u2013 aber bildgewaltig und tiefgr\u00fcndige \u2013 Darstellung des Aufstiegs und Niedergangs eines \u201eleichten\u201c M\u00e4dchens. Auch die Spielfassung von Eberhard Kloke kommt dem Original Alban Bergs sehr nahe. Das f\u00fchrt auch hier zu dem Eindruck, da\u00df die Lulu in die \u00c4ra der Sp\u00e4tromantiker ger\u00fcckt wurde \u2013 und nicht der Zw\u00f6lftontechnik. Dazu kommt, da\u00df die Staatskapelle Dresden einen weichen romantischen von Strauss und Wagner gepr\u00e4gten Grundton hat. Wie in Kopenhagen auch in Dresden riesiger Beifall f\u00fcr die Sternstunde einer Auff\u00fchrung von Alban Bergs <em>Lulu!<\/em><\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: J\u00fcrgen M\u00fcller (Alwa), Aaron Pegram (Der Prinz), Barbara Senator (Eine Garderobiere), Gisela Stille (Lulu)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Libretto: A. 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