{"id":3671,"date":"2012-02-21T21:22:44","date_gmt":"2012-02-21T20:22:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3671"},"modified":"2012-02-27T21:26:24","modified_gmt":"2012-02-27T20:26:24","slug":"griselda-kassel-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3671","title":{"rendered":"GRISELDA &#8211; Kassel, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alessandro Scarlatti (1660-1725), Opera Seria in drei Akten, Libretto: Apostolo Zeno, UA: (?) Januar 1721\u00a0 Rom, Teatro Capranica<\/p>\n<p>Regie: Stephan M\u00fcller, B\u00fchne: Hyun Chu, Kost\u00fcme: Carla Caminati, Licht: Albert Geisel, Bewegungscoach: Michael Langeneckert<\/p>\n<p>Dirigent: J\u00f6rg Halubek, Staatsorchester Kassel,<\/p>\n<p>Solisten: Igor Durlovski (K\u00f6nig Gualtiero), Nina Bernsteiner (Griselda), Runette Botha (Costanza), J\u00fcrgen Appel (Ottone), Gideon Poppe (Corrado), Ulrike Schneider (Roberto)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Februar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Kassel-Griselda.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3672\" title=\"Kassel-Griselda\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Kassel-Griselda.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Kassel-Griselda.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Kassel-Griselda-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Ottone, ein Edler des Reiches, hetzt das Volk auf gegen K\u00f6nigin Griselda, einer Hirtin, die \u2013 wegen ihrer nicht standesgem\u00e4\u00dfen Herkunft \u2013 gro\u00dfe Schande \u00fcber K\u00f6nig Gualtiero und Sizilien gebracht hat. Griselda wird vom K\u00f6nig versto\u00dfen und beginnt einen langen Leidensweg: Ottone bel\u00e4stigt sie, ihre totgeglaubte Tochter Costanza wird ihr als neue K\u00f6nigin vorgestellt, auch ihr Sohn soll get\u00f6tet werden, wenn sie nicht Ottone erh\u00f6rt. Doch statt Ottone zu heiraten, w\u00e4hlt sie lieber den Tod. Durch diesen letzten Beweis ihrer Liebe zu Gualtiero sind alle Zweifel ausger\u00e4umt und sie kehrt an die Seite des K\u00f6nigs zur\u00fcck, Ottone wird entfernt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Gespielt wird vor einem B\u00fchnenbild ausschlie\u00dflich auf der B\u00fchnenrampe. Die B\u00fchne besteht aus einer Wand aus Dreht\u00fcren. Im zweiten Akt wird die Wand durch eine massive Holzwand ersetzt, in die die einfache Kammer einer Sch\u00e4ferin eingef\u00fcgt ist. Hinter den W\u00e4nden befindet sich ein transparenter Vorhang, auf dem Himmelswolken projiziert werden. Die zeitlosen Kost\u00fcme sind von der Antike, der barocken Sicht auf die Antike und moderner Kleidung inspiriert. Eine Bewegungsgruppe als k\u00f6nigliche Garde stellt den Druck auf die leidenden Personen plastisch auf der B\u00fchne dar.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eine Sternstunde wird diese <em>Griselda<\/em> durch <strong>J\u00f6rg Halubek<\/strong>, exzellenter Fachmann f\u00fcr Alte Musik. Zusammen mit dem Staatsorchester erreicht er ein Maximum an musikalischem Gef\u00fchl: So ausdrucksstark gelingen barocke Auff\u00fchrungen selten. F\u00fcr Halubek sind nicht allein die Arien wichtig, auch die Rezitative \u2013 bei Scarlatti mit Orchesterbegleitung \u2013 werden besonders einf\u00fchlsam dargestellt. Dieses Werk kann man als Testament Alessandro Scarlattis bezeichnen, denn hier gelingt es ihm, die seelischen Abgr\u00fcnde der Figuren h\u00f6rbar zu machen \u2013 eine Meisterleistung, die man von der Wirkung her mit <em>Tristan und Isolde<\/em> von Richard Wagner gleichsetzen kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr die musikalische Umsetzung dieses Meisterwerkes bedarf es eines exzellenten S\u00e4nger-Ensembles. Herausragend <strong>Igor Durlovski<\/strong>! In Kassel sang er als Ba\u00df den Nachtw\u00e4chter in Wagners <em>Meistersingern<\/em>, nun macht er als Altus Furore. Ausgehend von einer tief timbrierten Ba\u00dfstimme klingt er im Falsett wie eine dunkle Knabenstimme im Alt. So etwas h\u00f6rt man so selten, da\u00df die Verwunderung im Publikum sp\u00fcrbar war. Dem Gualtiero verleiht er k\u00f6nigliche Ausstrahlung \u2013 gelegentlich eingeschobene Machtworte im Ba\u00df erregen Aufmerksamkeit und G\u00e4nsehaut. <strong>Nina Bernsteiner<\/strong> in der Titelrolle der Griselda verf\u00fcgt \u00fcber einen weichen warmen Sopran und erzeugt so ein breites Gef\u00fchlsspektrum. H\u00f6rt man ihre Arie <em>Finir\u00e0, barbara sorte \u2013 grausames Schicksal<\/em>, knapp dreihundert Jahre sp\u00e4ter, kann man sich dem Ma\u00df an Trauer, Einsamkeit und Leid einer gro\u00dfen Seele nicht entziehen. Das spricht aus der Musik Scarlattis, das entsteht aus der Leistung von Nina Bernsteiner. <strong>J\u00fcrgen Appel<\/strong> ist mit einem fast schwarzem Ba\u00df und souver\u00e4ner Stimmf\u00fchrung f\u00fcr den b\u00f6sartigen Charakter Ottone verantwortlich. <strong>Ulrike Schneider<\/strong> kann mit zur\u00fcckhaltenden Mezzo die Gef\u00fchlsausbr\u00fcche des verdr\u00e4ngten Liebhabers Roberto nicht recht glaubhaft machen, w\u00e4hrend <strong>Runette Botha<\/strong> als jugendlicher Sopran durchgeht, der sich bereits in Richtung dramatisch weiterentwickelt. In Costanzas <em>Qualor tiranno Amore \u2013 so wie die tyrannische Liebe<\/em> (2. Akt) vergleicht sie ihre ungl\u00fcckliche Liebe mit einem Jungen, der einen bunten Vogel streichelt und dann t\u00f6tet. Bei Scarlatti ger\u00e4t diese Arie zu einem psychologischen Spiel der Orchesterfarben: Von unb\u00e4ndiger Lebensfreude bis zu b\u00f6sartiger Grausamkeit. <strong>Gideon Poppe<\/strong> kann in der Nebenrolle des Corrado mit sehr melodi\u00f6ser tenoraler Stimmf\u00fchrung seine Erfahrung als Tenor in anderen Barockopern einbringen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Anhaltender Jubel und viele Bravos f\u00fcr alle Darsteller. Etwas verhaltener f\u00fcr die Inszenierung, die sich zwar redlich m\u00fchte mit barocken Methoden (Rampentheater und \u201epsychoanalytische Gesten\u201c zur Darstellung der inneren Anspannung) dem Werk gerecht zu werden, jedoch ist eine Oper, die eigentlich nur aus dem Leiden der Darsteller und der Wut der Peiniger besteht, somit auf komische Einlagen, B\u00fchneneffekte und \u2013 bis auf das kurze furiose Finale \u2013 Jubelarien verzichten mu\u00df, nur schwer vermittelbar. Daran ist das Werk schon 1721 gescheitert. Gek\u00fcrzt auf ca. drei Stunden kommen die barocken Juwelen Scarlattis und seine reiche Auswahl an mitf\u00fchlenden Instrumentalfarben mitrei\u00dfend zur Geltung und sind allemal jede Reise wert.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: N. Klinger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nina Bernsteiner (liegend, Griselda), Igor Durlovski (Gualtiero) und Runette Botha (Costanza)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alessandro Scarlatti (1660-1725), Opera Seria in drei Akten, Libretto: Apostolo Zeno, UA: (?) 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