{"id":3624,"date":"2012-02-06T16:24:19","date_gmt":"2012-02-06T15:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3624"},"modified":"2012-02-06T16:24:19","modified_gmt":"2012-02-06T15:24:19","slug":"tosca-chemnitz-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3624","title":{"rendered":"TOSCA &#8211; Chemnitz, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach dem gleichnamigen Schauspiel von Victorien Sardou; UA: 14. Januar 1900 Rom, Teatro Costanzi<\/p>\n<p>Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchne: Markus Meyer, Kost\u00fcme: Sven Bindseil<\/p>\n<p>Dirigent: Frank Beermann, Robert-Schumann-Philharmonie, Opernchor Chemnitz<\/p>\n<p>Solisten: Claudia Sorokina (Tosca), C\u00e9sar Augusto Guti\u00e9rrez (Cavaradossi), Oliver Zwarg (Scarpia), Andr\u00e9 Eckert (Angelotti), Martin G\u00e4bler (Mesner), Spoletta (Andr\u00e9 Riemer), Sciarrone (Andreas Kindschuh), Roland Glass (Schlie\u00dfer), El\u017eb\u011bta Laabs (Hirt)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 4. Februar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Chemnitz-Tosca.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3625\" title=\"Chemnitz-Tosca\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Chemnitz-Tosca.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"244\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Chemnitz-Tosca.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Chemnitz-Tosca-300x209.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der von Polizeichef Scarpia eingekerkerte politische Gefangene Angelotti konnte aus der Engelsburg in die Kirche Sant\u2019Andrea della Valle entfliehen. Hier ist sein Freund, der Maler Cavaradossi dabei, ein Altargem\u00e4lde der Maria Magdalena zu vollenden. Tosca, die ihn hier aufsucht, ist eifers\u00fcchtig, da\u00df er ein Bildnis der Marchesa Attavani f\u00fcr sein Altargem\u00e4lde benutzt. Scarpia ist Angelottis Spur gefolgt und erkennt seine Verbindung zu Cavaradossi, den er verhaftet. Tosca wird von Scarpia in den Palazzo Farnese eingeladen, wo sie im Nebenzimmer Cavaradossis Verh\u00f6rt mitbekommt. Er soll Angelottis Versteck verraten. Tosca h\u00f6rt die Schreie des gefolterten Cavaradossi. Sie verr\u00e4t daher Angelottis Versteck. Dann gibt Tosca scheinbar dem Dr\u00e4ngen Scarpias, der sie begehrt, nach. Daf\u00fcr verspricht er ihr, da\u00df Cavaradossi nur zum Schein exekutiert werden w\u00fcrde. Als er seinen Preis einfordert, erdolcht ihn Tosca. Kurz vor der Hinrichtung weiht Tosca Cavaradossi in den Plan ein, da\u00df er nur zum Schein exekutiert werden w\u00fcrde. Doch Cavaradossi wird wirklich erschossen, und Tosca st\u00fcrzt sich von der Engelsburg in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung ist optisch im Zeitgeist der Mussolini-\u00c4ra der 20er bzw. 30er Jahre des 20. Jh. angelegt. Dies \u00e4u\u00dfert sich nicht allein in den Kost\u00fcmen der staatlichen Handlanger, es wird auch im ersten Akt, im angedeuteten Interieur der Kirche, das Magdalenen-Bildnis von einem \u00fcberdimensionalen Ausschnitt eines Portr\u00e4ts im Stil jener Zeit ausgedr\u00fcckt. Davor erhebt sich auf mehreren Etagen ein Malerger\u00fcst. Links davon befindet sich eine Gittert\u00fcr als Zugang zur Kapelle \u2013 Angelottis Versteck \u2013 mit einer Marienstatue im Hintergrund. Im zweiten Akt bildet ein steriler, schaukastenartiger und von Neonr\u00f6hren an der Decke ausgeleuchteter Verh\u00f6rraum mit Sitzgruppe den Mittelteil des B\u00fchnenbildes. Darunter erstreckt sich eine Rampe in die eine Klappt\u00fcr integriert ist, die zum Folterkeller f\u00fchrt. Im dritten Akt ist als Ausdruck der Verlies-Tristesse der Blick zur dunklen Feuerschutzwand offen, wobei im Verlauf des Aktes eine gro\u00dfe Freitreppe aus der Versenkung auftaucht.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Tenor <strong>C\u00e9sar Augusto Guti\u00e9rrez<\/strong> legt seinen Cavaradossi, ganz im Sinne der emotional aufw\u00fchlenden Handlung, darstellerisch als tief entschlossen handelnden, vorw\u00e4rtsstrebenden Freigeist an, dem es auch an liebendem Feuer nicht mangelt. So leuchtet auch gesanglich sein <em>Recondita harmonia<\/em> \u2013 <em>Wie sich die Bilder gleichen<\/em> mit st\u00e4hlern gl\u00e4nzenden H\u00f6hen und das <em>E lucevan le stelle<\/em> \u2013 <em>Und es blitzen die Sterne<\/em> wird mit leidenschaftlich geschmeidigem Timbre in ber\u00fcckendem Legato vorgetragen. <strong>Claudia Sorokina<\/strong> empfiehlt sich mit ihrem sich weit \u00f6ffnenden, lichten und ausdrucksvollen Sopran im <em>Vissi d\u2019arte<\/em> <em>\u2013 ich lebte nur der Kunst <\/em>sowie insbesondere auch in den Duetten mit eleganter Phrasierung als packend b\u00fchnenpr\u00e4sente Tosca. Nachdem beide Hauptprotagonisten im ersten Bild noch ein wenig an unterk\u00fchlter Interaktion kr\u00e4nkeln, gelingt ihnen die Wende im zweiten Akt. Insbesondere der von <strong>Oliver Zwarg<\/strong> verk\u00f6rperte Scarpia sei hier hervorzuheben. So leuchtet er den Charakter in seiner ganzen Bandbreite vom tyrannischen, selbstverliebten Willk\u00fcr-Despoten bis zum l\u00fcsternen Ekel-Intriganten gesanglich wunderbar \u00fcberzeugend aus. Sein mit zupackendem Esprit in satter F\u00fclle ergl\u00fchender Ba\u00dfbariton gl\u00e4nzt in klarer Diktion und dynamischer Wendigkeit. \u00dcberzeugend auch <strong>Andr\u00e9 Eckert <\/strong>(Angelotti) mit straffer Linienf\u00fchrung seines nuancenreichen, geschmeidigen Basses sowie <strong>Martin G\u00e4bler<\/strong> (Mesner), dessen Ba\u00dfbariton in nat\u00fcrlicher Phrasierung aufhorchen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Frank Beermann<\/strong> versteht es zudem, die \u00e4u\u00dferst ambitioniert aufspielende<strong> Robert-Schumann-Philharmonie<\/strong> zu einem raumgreifenden, aufpeitschend wuchtigen Klang zu f\u00fchren. Zu loben ist auch der gut situierte <strong>Opernchor<\/strong>, der sauber abgestimmt ist.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung von Jakob Peters-Messer macht sich in Ausstattung und Charakterf\u00fchrung durchaus \u00fcberzeugend die bedr\u00fcckende Atmosph\u00e4re des St\u00fcckes zu eigen. Gepaart mit den spielerisch und gesanglich engagiert zu Werke gehenden Darstellern gelingt es, den bewu\u00dft verst\u00f6renden Charakter emotional aufw\u00fchlend hervorgehoben, so da\u00df gen\u00fcgend Raum zur inneren Reflektion bleibt, auch lange nachdem der Schlu\u00dfakkord verklungen ist.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Dieter Wuschanski<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Claudia Sorokina (Tosca) und C\u00e9sar Augusto Guti\u00e9rrez (Cavaradossi)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach dem gleichnamigen Schauspiel von Victorien Sardou; UA: 14. 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