{"id":3615,"date":"2012-01-22T20:51:22","date_gmt":"2012-01-22T19:51:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3615"},"modified":"2012-02-03T20:55:21","modified_gmt":"2012-02-03T19:55:21","slug":"kat%e2%80%98a-kabanova-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3615","title":{"rendered":"K\u00c1T\u2018A KABANOV\u00c1 &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek, Oper in drei Akten nach A.N. Ostrowskijs Gewitter, Deutsch von Reinhold Schubert, UA: 23. November 1921 Br\u00fcnn, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Alessandro Talevi, Kost\u00fcme: Annemarie Woods<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester und Chor, Choreinstudierung: Stefan Meier<\/p>\n<p>Solisten: Michael Lion (Dikoj), Roman Payer (Boris), Gabriele K\u00fcnzler (Kabanicha), Karsten M\u00fcnster (Tichon), Betsy Horne (Katja), Milen Bozhkov (Kudrjas), Verena Usemann (Varvara), Martin Trepl (Kuligin), Hayley Sugars (Glasa), Juliana Parra (Feklusa), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. Januar 2012 (Premiere, in tschechischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Coburg-Katja.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3616\" title=\"Coburg-Katja\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Coburg-Katja.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Coburg-Katja.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Coburg-Katja-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00e1t\u2018a Kabanov\u00e1 ist einer ungl\u00fccklichen Ehe mit Tichon gefangen, denn sie wird von ihrer eifers\u00fcchtigen Schwiegermutter gequ\u00e4lt \u2013 ihr schwacher Ehemann vermag nicht f\u00fcr sie einzutreten. Als Kabanicha ihren Sohn demonstrativ auf Dienstreise schickt, arrangiert K\u00e1t\u2018as Freundin Barbara ein Treffen mit Boris, der selbst unter der Knute seines Pflegeonkels Dikoj steht. Nach der R\u00fcckkehr Tichons scheint K\u00e1t\u2018a v\u00f6llig ver\u00e4ndert. W\u00e4hrend eines Gewitters, die Blitze als Zorn Gottes deutend, gesteht K\u00e1t\u2018a in aller \u00d6ffentlichkeit ihren Ehebruch. Boris wird daraufhin nach Sibirien verbannt. Von ihrem Geliebten \u00a0zur\u00fcckgelassen und von der Familie ausgesto\u00dfen, sieht sie nur noch den Freitod in der Wolga. Tichon versucht sich nun schmerzerf\u00fcllt gegen seine Mutter aufzulehnen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der farbenfrohe Himmel erinnert an Edvard Munchs Schrei, das sich davor abzeichnende Haus an seine Bilder. Nach dem Sonnenaufgang \u00fcber der Wolga \u00f6ffnet sich die Vorderfront und gibt den Blick frei auf \u00a0das Innere des Hauses, dominiert vom \u00fcbergro\u00dfen Reifrock der Kabanicha, die gewisserma\u00dfen auf diesem thront, alle anderen rutschen vor ihr auf den Knien. F\u00fcr das Sch\u00e4ferst\u00fcndchen der Paare im Abendnebel versinkt der Reifrock-Thron, die Wand \u00f6ffnet sich einen Spalt als Lichtportal f\u00fcr die Liebenden. W\u00e4hrend des Gewitters, unter der zunehmenden Verzweiflung K\u00e1t\u2018as, sieht man nur ein \u00fcbergro\u00dfes Altarbild mit gefallenen Engeln. Der Chor zerfetzt dieses Bild w\u00e4hrend K\u00e1t\u2018a Selbstmord begeht. Die tiefschwarzen Kost\u00fcme passen zur russischen Kaiserzeit um 1900, k\u00f6nnen aber nicht genau zugeordnet werden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Schon vom ersten Takt des Vorspiels, vom ersten Ton der Kabanicha (ein dissonanter tschechischer Zischlaut: Wenn Sie fl\u00fcstert bricht schon Glas) werden die seelischen Abgr\u00fcnde K\u00e1t\u2018as deutlich. <strong>Roland Kluttig<\/strong> f\u00fchrt Orchester und Solisten durch ein musikalisches Drama, das sich \u00e4hnlich anspruchsvoll und mitrei\u00dfend wie Wagners <em>Tristan und Isolde<\/em> gestaltet. Das gelingt, weil ihn ein ausgezeichnetes Ensemble zur Verf\u00fcgung steht: Drei Ten\u00f6re, ein Sopran und ein Mezzo \u2013 alle vom Haus und nur ein Gast. Dieser Gast ist <strong>Gabriela K\u00fcnzler<\/strong> als Kabanicha. Schon mit ihrem besagtem ersten Ton stellt sie mit Donnerhall ihre Dominanz in den Raum \u2013 immer im Forte und ohne ihre harte Alt-Stimme wirklich zu forcieren. Ihre Gegenspielerin ist <strong>Betsy Horn<\/strong>, die Katja ist die Paraderolle f\u00fcr diesen schweren Sopran: Ausdrucksstark in den dramatischen Momenten, lyrisch verhalten mit technischem Glanz \u2013 und fast immer mit einer hochanstrengenden Ekstase, die den Rahmen des Hochdramatischen sprengt. Unterst\u00fctzt wird sie von <strong>Verena Usemann<\/strong>, die in der Rolle der Varvara der jugendlich-naive und glasklar-leichte Mezzo ist. Die drei Ten\u00f6re verk\u00f6rpern zwar schwache Charaktere, stimmlich k\u00f6nnen sie jedoch mit den Damen mithalten. So ist <strong>Karsten M\u00fcnster<\/strong> (Tichon) wieder ein dynamischer Spieltenor, der hinsichtlich Klangvolumen bis an seine Grenzen geht. Gl\u00e4nzend aufgelegt ist <strong>Roman Payer<\/strong>, der aus einer baritonal fundierten Mittellager heraus auch hohe T\u00f6ne spielerisch trifft. Kein Wunder, da\u00df ihm K\u00e1t\u2018a verf\u00e4llt. <strong>Milen Bozhkov<\/strong> in der dritten Tenorrolle des Kudrjas kann eher mit den leisen T\u00f6nen \u00fcberzeugen, wenn er die Sch\u00f6nheit der Wolga zartschmelzend besingt. <strong>Michael Lion<\/strong>, der in allen Belangen \u00fcberzeugende Haus-Ba\u00df, findet auch in der Rolle des Dikoj mit tiefer sonorer und raumf\u00fcllend wohlklingender Stimme den passenden verachtenswerten Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diesen Abend kann man uneingeschr\u00e4nkt als H\u00f6hepunkt der expressionistischen Romantik feiern. Deutlich wird auch, wie Originalsprache und Musik eine Einheit bilden \u2013 so werden Emotionen nicht nur phonetisch, sondern auch musikalisch h\u00f6rbar. Unterst\u00fctzt vom wahrlich depressiv wirkenden B\u00fchnenbild f\u00fchrt Roland Kluttig den Zuh\u00f6rer \u00fcber eine Klippe aus Liebe, Eifersucht und Verzweiflung, wobei jederzeit der Absturz in jedwede Richtung droht. Ein starkes Schlu\u00dfbild: Tichon st\u00fcrmt faustschwingend auf seine Mutter zu, hat aber wieder nicht die Kraft zur Konfrontation und lehnt weinend den Kopf an ihre Schulter. Dann: D\u00fcsteres Schweigen, bis sich begeisterter Applaus die Bahn bricht.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Verena Usemann (Varvara) und Betsy Horne (Katja) versuchen gegen Ihre Mutter sich durchzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek, Oper in drei Akten nach A.N. Ostrowskijs Gewitter, Deutsch von Reinhold Schubert, UA: 23. 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