{"id":3597,"date":"2012-01-28T22:21:49","date_gmt":"2012-01-28T21:21:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3597"},"modified":"2012-01-29T22:22:56","modified_gmt":"2012-01-29T21:22:56","slug":"aufstieg-und-fall-der-stadt-mahagonny-wien-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3597","title":{"rendered":"AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY &#8211; Wien, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper in drei Akten von Kurt Weill (1900-1950), Libretto:\u00a0 Berthold Brecht. UA: 9. M\u00e4rz 1930 Leipzig, Neues Theater<\/p>\n<p>Regie: J\u00e9r\u00f4me Deschamps, B\u00fchne: Olivia Fercioni, Kost\u00fcme: Vanessa Sannino, Licht: Marie-Christine Soma, Regiemitarbeit und Dramaturgie: Ellen Hammer<\/p>\n<p>Dirigent: Ingo Metzmacher, Wiener Philharmoniker, Chor der Wiener Staatsoper, Einstudierung: Thomas Lang<\/p>\n<p>Solisten: Elisabeth Kulman (Leokadja Begbick), Tomasz Konieczny (Dreieinigkeitsmoses), Angelika Kirchschlager (Jenny Hill), Christopher Ventris ( Jim Mahoney), Herwig Pecoraro (Fatty), Norbert Ernst (Jack O&#8217;Brien), Clemens Unterreiner (Bill), Il Hong ( Joe), Wolfram Igor Derntl (Tobby Higgins)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Januar 2012 (B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Wien-Mahagonny.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3598\" title=\"Wien-Mahagonny\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Wien-Mahagonny.gif\" alt=\"\" width=\"247\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Wien-Mahagonny.gif 247w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Wien-Mahagonny-211x300.gif 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 247px) 100vw, 247px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die drei steckbrieflich gesuchten Betr\u00fcger Leokadja Begbick, Fatty, der \u201eProkurist\u201c, und der \u201eDreieinigkeitsmoses\u201c gr\u00fcnden auf der Flucht eine Stadt in der W\u00fcste: Mahagonny. Diese \u201eNetzestadt\u201c<\/p>\n<p>(1. Bild) wird schon bald von Gesindel aller Art bewohnt, unter ihnen der Holzf\u00e4ller Jim Mahoney und die Prostituierte Jenny. Alle vergn\u00fcgen sich zun\u00e4chst eintr\u00e4chtig bei Whiskey und Liebe, bis ein Sturm aufkommt. In Angst vor dem Sturm wird Jim aggressiv, er verk\u00fcndet die Gesetze der menschlichen Gl\u00fcckseligkeit: Jeder d\u00fcrfe nun tun, was er wolle, im Klartext: Fressen, Lieben, Boxen und Saufen. Der Sturm verschont die Bewohner Mahagonnys, die jedoch bald zu Opfern ihres eigenen Gesetzes werden: Der Holzf\u00e4ller Jack fri\u00dft sich zu Tode und sein Freund Joe wird totgepr\u00fcgelt. Auch Jim wird sein Gesetz zum Verh\u00e4ngnis: Weil er kein Geld mehr hat, wird er zum Tode verurteilt. Seine Freunde haben ihn in letzter Minute verlassen, denn bei Geld h\u00f6rt bekanntlich die Freundschaft auf. Die Bewohner Mahagonnys beweinen Jims Tod keineswegs, denn sie \u201ek\u00f6nnen einem toten Mann nicht helfen\u201c (20.Bild).<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein Conf\u00e9rencier f\u00fchrt die Zuschauer in die Handlung ein und sagt die Szenen\u00fcberschriften an \u2013 ganz in Brechtscher Manier. Doch ansonsten setzt Deschamps die Mittel des epischen Theaters \u2013 abgesehen von dem eingezogenen wei\u00dfen Halbvorhang \u2013 eher sp\u00e4rlich ein. Vor den im Hintergrund der projizierten Hochhaus- und Industrielandschaften kommen die bonbonfarbenen, phantasievollen Kost\u00fcme von Vanessa Sannino gut zur Geltung. Im dritten Akt dominiert dann die Farbe schwarz als Trauerfarbe f\u00fcr die Kost\u00fcmierung, effektvolle Kontraste entstehen durch die roten Handschuhe, die alle Darsteller tragen: Das Blut Jim Mahoneys klebt nun an ihren H\u00e4nden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dirigent Ingo Metzmacher und die Wiener Philharmoniker haben sichtlich Spa\u00df an der polystilistischen Musik, sie swingen und jazzen, da\u00df es eine Freude f\u00fcrs Ohr ist. Metzmacher beweist ein sicheres Gesp\u00fcr f\u00fcr Feinheiten der Musik Weills, das Largo des Finales nimmt er z.B. tats\u00e4chlich so langsam, da\u00df eine ungeheure Spannung \u00fcber eine sehr lange Distanz entstehen kann. Er schafft es trotz des Fragment-Charakters der Musik einen Spannungsbogen \u00fcber die gesamte Oper zu halten, so da\u00df die Oper nicht in viele Einzelnummern zerf\u00e4llt. Die Philharmoniker geben sich beschwingt und flink, dabei immer pr\u00e4zis in der Rhythmik. Die Besetzung der Solo-Parts ist exquisit, die Solisten geh\u00f6ren zu den Publikumslieblingen der Wiener Staatsoper: In der Rolle des Jim ist der Wagner-erprobte Tenor <strong>Christopher Ventris <\/strong>zu h\u00f6ren, der besonders in der Arie im dritten Akt (17. Bild: <em>Wenn der Himmel hell wird\u2026<\/em>) sowohl stimmlich als auch schauspielerisch zu ber\u00fchren vermag. <strong>Andrea Kirchschlager<\/strong> (Jenny) beweist, da\u00df Operns\u00e4ngerinnen auch Songs singen k\u00f6nnen: Sie singt den Alabama-Song mit aller gebotenen Laszivit\u00e4t und Verruchtheit. Fulminant auch <strong>Elisabeth Kulman <\/strong>als Leokadja Begbick: Die Sopranistin gibt der Partie die Sch\u00e4rfe und stimmliche Virilit\u00e4t, die sie braucht, um glaubhaft zu sein. Insgesamt agiert das Ensemble auf h\u00f6chstem Niveau, wovon der lange Schlu\u00dfapplaus und die zahlreichen Bravo-Rufe f\u00fcr die Hauptdarsteller Zeugnis geben.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Wiener Staatsoper ist es ein Deb\u00fct: Die Mahagonny-Oper gelangt in der Inszenierung von J\u00e9r\u00f4me Deschamps zur Erstauff\u00fchrung im Opernhaus am Ring. Kritische Stimmen betonten vorab, da\u00df ein Traditionshaus wie die Wiener Staatsoper nicht passend sei, um die Brecht\/Weill-Oper auf die B\u00fchne zu bringen. Da\u00df dies ein Trugschlu\u00df ist, beweist der kr\u00e4ftige und langanhaltende Beifall des Wiener Opernpublikums. Dieser gilt jedoch vor allem dem exzellenten S\u00e4nger-Ensemble sowie Dirigent und Orchester. Die Inszenierung bleibt jedoch hinter der Farbigkeit der Musik zur\u00fcck. Sowohl die sozialpolitische Brisanz der Oper als auch die spannenden, handlungstragenden Momente wie das Heraufziehen des Taifuns werden leider uninspiriert umgesetzt.<\/p>\n<p>Annika Klanke<\/p>\n<p>Bild: Michael P\u00f6hn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christopher Ventris (Jim Mahoney), Angelika Kirchschlager (Jenny Hill), Clemens Unterreiner (Sparb\u00fcchsenbill)<\/p>\n<p>p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper in drei Akten von Kurt Weill (1900-1950), Libretto:\u00a0 Berthold Brecht. UA: 9. 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