{"id":3592,"date":"2012-01-29T21:39:08","date_gmt":"2012-01-29T20:39:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3592"},"modified":"2012-01-29T21:39:08","modified_gmt":"2012-01-29T20:39:08","slug":"castor-e-pollux-dusseldorf-deutsche-oper-am-rhein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3592","title":{"rendered":"CASTOR E POLLUX &#8211; D\u00fcsseldorf, Deutsche Oper am Rhein"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Trag\u00e9die in Musik gesetzt in f\u00fcnf Akten und einem Prolog<em>, <\/em>Libretto: Pierre-Joseph Bernard, UA 24. Oktober 1737 Paris, Op\u00e9ra Palais Royal<\/p>\n<p>Regie\/Choreographie: Martin Schl\u00e4pfer, B\u00fchne\/Kost\u00fcme und Lichtobjekte: rosalie, Licht: Volker Weinhart, Dramaturgie: Anne de Paco<\/p>\n<p>Dirigent: Axel Kober, Neue D\u00fcsseldorfer Hofmusik, Chor der Deutschen Oper am Rhein, Einstudierung: Gerhard Michalski, Ballett am Rhein<\/p>\n<p>Solisten: Jussi Myllys (Castor), G\u00fcnes G\u00fcrle (Pollux), Alma Sad\u00e9 (T\u00e9la\u00efre), Claudia Braun (Ph\u00e9b\u00e9), Sami Luttinen (Jupiter), Iryna Vakula (V\u00e9nus), Christophe Gay (Mars), Katarzyna Kuncio (Minerve), Ovidiu Purcel (L\u2019amour) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 28. Januar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/D\u00fcsseldorf-Castor1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3594\" title=\"D\u00fcsseldorf-Castor\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/D\u00fcsseldorf-Castor1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"236\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/D\u00fcsseldorf-Castor1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/D\u00fcsseldorf-Castor1-300x202.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die G\u00f6tter, angewidert vom Krieg, f\u00fchren ein Spiel auf, in dem die Liebe siegt. Helden sind die Halbbr\u00fcder Castor und Pollux. Als Castor im Kampf f\u00e4llt, dr\u00e4ngt Castors Verlobte T\u00e9la\u00efre Pollux, seinen Vater Jupiter um Gnade zu bitten. Jupiter lehnt ab. Kurzerhand macht sich Pollux, heimlich in T\u00e9la\u00efre verliebt, selbst auf den Weg in die Unterwelt \u2013 obwohl er wei\u00df, da\u00df er mit Castor den Platz tauschen mu\u00df, um ihm das Leben zur\u00fcckzugeben. T\u00e9la\u00efres Schwester Ph\u00e9b\u00e9, von Pollux zur\u00fcckgewiesen, hetzt die Geister der Unterwelt gegen ihn auf. Trotzdem dringt Pollux zu Castor vor. Dieser aber weigert sich, sein Opfer anzunehmen, verlangt nur einen Tag, um T\u00e9la\u00efre noch einmal zu sehen. Ger\u00fchrt l\u00e4\u00dft Jupiter schlie\u00dflich Gnade walten: Als unsterbliche Dioskuren (G\u00f6tters\u00f6hne), Leitsterne der Seefahrer, sollen Castor und Pollux k\u00fcnftig gemeinsam mit T\u00e9la\u00efre den Himmel zieren. Die anderen Sterne hei\u00dfen sie willkommen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Schon vor Beginn liegt eine reglose Gestalt auf der B\u00fchne, die \u201eSeele\u201c des gefallenen Castor. \u00dcberhaupt haben alle Protagonisten T\u00e4nzer an ihrer Seite, ein Alter Ego, das ihre Gef\u00fchle in Bewegung umsetzt und sie zwingt, sich durch K\u00f6rpersprache zu \u00e4u\u00dfern. Immer wieder durchbrechen Tanzszenen die Handlung, solistisch oder als aufwendige Gruppenchoreographie. Fantasie-Kost\u00fcme deuten die Antike an, erinnern aber auch an Science-Fiction-Filme oder zeitgen\u00f6ssische Musicals. Die G\u00f6tter kommen w\u00fcrdevoll auf Kothurnen daher. Wichtigstes Element der B\u00fchne ist eine riesige Skulptur aus wei\u00dfen R\u00f6hren, die durch Lichteffekte unterschiedliche Formen annimmt. Blau und wei\u00df sind die vorherrschenden Farben, weitere Akzente kommen etwa durch gro\u00dfe bunte Stoffrosen ins Spiel. Auf seinem Weg zu Castor durchquert Pollux den Styx, hier ein Meer aus schwarzgewandeten Choristen. Ein ekstatischer Tanz, an dessen Ende Castor und Pollux als neue Sterne in goldenes Licht getaucht sind, bildet den Schlu\u00df der Auff\u00fchrung. Zufrieden zieht sich Castors Seele an den B\u00fchnenrand zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das hochmotivierte Ensemble geht musikalisch und k\u00f6rperlich bis an seine Grenzen. Eine echte Entdeckung ist die junge <strong>Alma Sad\u00e9 <\/strong>(T\u00e9la\u00efre): ein bezaubernd nat\u00fcrlicher Sopran mit viel Substanz und \u00e4therischen T\u00f6nen, der in der Szene <em>Tristes apr\u00eats, p\u00e2les flambeaux \u2013 Bleiche Fackeln der Trauer<\/em> zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt. Wunderbar ist auch der mit Totaleinsatz spielende Bariton G\u00fcnes G\u00fcrle (Pollux), der sich m\u00fchelos gegen die Donnermaschine durchsetzt, aber die Stimme auch bis zu einem im Nichts verklingenden Piano zur\u00fccknehmen kann. Jussi Myllys (Castor) ist mit verhangen klingendem Tenor zu sehr mit der blo\u00dfen Bew\u00e4ltigung der heiklen Partie besch\u00e4ftigt, um zu einem \u00fcberzeugenden Rollenportr\u00e4t zu finden. Vermutlich w\u00e4re Ovidiu Purcel (L\u2019amour) f\u00fcr die Partie besser geeignet gewesen, der zwar mit Lampenfieber k\u00e4mpft, aber bei seinem kurzen Auftritt stilistisches Gesp\u00fcr f\u00fcr Rameaus Musik beweist. Die energiegeladene Claudia Braun (Ph\u00e9b\u00e9) bildet mit dunkel get\u00f6ntem und in der Unterweltszene dramatisch auftrumpfendem Sopran <em>\u201eSortez, sortez d\u2019esclavage \u2013 Heraus aus der Sklaverei<\/em> das Gegenst\u00fcck zu Sad\u00e9s fragiler T\u00e9la\u00efre. Zum f\u00fcnften Protagonisten wird der in der Szene <em>Qu\u2019H\u00e9b\u00e9 de fleurs toujours nouvelles \u2013 Aus Hebes immer neuen Blumen<\/em> wahrhaft himmlische Kl\u00e4nge produzierende Chor.<\/p>\n<p>Auch wenn Dirigent <strong>Axel Kober<em> <\/em><\/strong>kein ausgewiesener Barock-Spezialist ist: Die <strong>Neue D\u00fcsseldorfer Hofmusik<em> <\/em><\/strong>pr\u00e4sentiert sich mit gewohnter Brillanz. Ob es der lange Atem bei den Lamenti ist oder doch die pulsierenden Rhythmen der Unterweltszene \u2013 Rameaus Divertissements (Orchester-Zwischenspiele) rei\u00dfen das Publikum bis zum wilden Ende mit. Nat\u00fcrlich auch, und das nicht nur nebenbei gesagt, weil das <strong>B<\/strong><strong>allett am Rhein<\/strong> einfach ph\u00e4nomenal tanzt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Hauschoreograph <strong>Martin Schl\u00e4pfer<\/strong> hat eine faszinierende Einheit von Musik und Bewegung geschaffen, die erstaunliche Einblicke in die Psychologie der Figuren liefert: ein Experiment, auf das sich die S\u00e4nger mit Haut und Haar einlassen. Und mag die Ausstattung der Performance-K\u00fcnstlerin <strong>rosalie<\/strong> mitunter auch gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig sein, dem Ganzen tut das keinen Abbruch. Frenetischer Jubel, am Ende sogar stehende Ovationen, f\u00fcr alle Beteiligten.<\/p>\n<p>Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Gerd Weigelt<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: G\u00fcnes G\u00fcrle (Pollux), Alma Sad\u00e9 (T\u00e9la\u00efre)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Trag\u00e9die in Musik gesetzt in f\u00fcnf Akten und einem Prolog, Libretto: Pierre-Joseph Bernard, UA 24. 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