{"id":358,"date":"2008-08-30T13:06:00","date_gmt":"2008-08-30T11:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=358"},"modified":"2008-09-01T13:21:39","modified_gmt":"2008-09-01T11:21:39","slug":"bregenzer-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=358","title":{"rendered":"BREGENZER FESTSPIELE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>Schwerpunkt der Bregenzer Festspiele waren neben Puccinis Tosca auf der Seeb\u00fchne einige zu Unrecht selten gespielte Werke von Ernst Krenek. Gezeigt wurde Karl V. (im Festspielhaus) und Kehraus um St. Stephan (in der Operette am Kornmarkt).<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"tosca-bregenz.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/tosca-bregenz.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"tosca-bregenz.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/09\/tosca-bregenz.jpg\" \/><\/a>Eigentlich war es nicht wirklich schade, da\u00df es geregnet hat und deshalb<strong> Tosca<\/strong> im <strong>Festspielhaus<\/strong> stattgefunden hat. So blieb von der tollen B\u00fchnenshow mit dem beweglichen riesigen Auge fast nichts \u00fcbrig, nur ein farbenpr\u00e4chtiges B\u00fchnenbild \u2013 kaum vergleichbar mit der Show auf dem See. Daf\u00fcr konnte man ohne Mikroports und Lautsprecher\u00fcbertragung sich vollst\u00e4ndig auf S\u00e4nger und Orchester konzentrieren, wie sich im Nachhinein als Vorteil herausgestellt hat, denn auf der Seeb\u00fchne h\u00e4tte man<strong> Catherine Naglestad<\/strong> als Tosca niemals so geh\u00f6rt wie im Festspielhaus. Sie stellt auch an diesem Abend unter Beweis, da\u00df sie \u00fcber eine durchschlagsstarke Stimme verf\u00fcgt, die eine beispiellose Eloquenz und Wortverst\u00e4ndlichkeit bereith\u00e4lt und dabei traumhafte Koloraturen vorf\u00fchrt. Da k\u00f6nnen ihre beiden m\u00e4nnlichen Gegenspieler kaum dagegen halten (auch hinsichtlich der Lautst\u00e4rke!), weder <strong>Carlo Barricelli<\/strong> als Cavaradossi noch  <strong>Scott Hendricks <\/strong>als Scarpia. Mit der \u00dcbertragungstechnik h\u00e4tte man das wohl ausgleichen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr demonstrieren aber alle Beteiligten eine perfekte Personenf\u00fchrung, eben eine perfekte B\u00fchnenshow. Es ist daher empfehlenswert, die Vorstellung im Festspielhaus zu verfolgen &#8211; wenn man den Schwerpunkt auf die musikalische Darstellung legt. Und wenn man die Inszenierung sehen will: die H\u00f6hepunkte sind im n\u00e4chsten Bond-Film zu sehen.<\/p>\n<p>Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, da\u00df Bregenz \u201emehr ist\u201c, als eine tolle Show auf der Seeb\u00fchne. Im Festspielhaus und auf den kleineren B\u00fchnen in Bregenz wird so solide gearbeitet, so da\u00df der Seitenblick auf Salzburg oder Baden-Baden durchaus zul\u00e4ssig ist. Dieses Jahr lag der Schwerpunkt auf den (selten gespielten) Opern von Ernst Krenek.<\/p>\n<p>Am meisten Aufsehen hat <strong>Karl V.<\/strong> in der Inszenierung von <strong>Uwe Eric Laufenberg<\/strong> hervorgerufen: Ein Drama, das sich im Vordergrund abspielt, als Beichte Karls bei seinem Beichtvater bzw. dem Jesuiten Francisco Borgia (toller Tenor: <strong>Christoph Homberger<\/strong>). Im Hintergrund laufen die wichtigsten Szenen aus seinem Leben ab, quasi als Beweisst\u00fccke zur Rechtfertigung.<\/p>\n<p>Die Handlung wird aus der Renaissance in die Neuzeit verlegt: sie beginnt in den drei\u00dfiger Jahren wie die Feuerzangenbowle in einem Schulzimmer mit<strong> <\/strong>Karl V. als Lehrer (<strong>Dietrich Henschel<\/strong> bleibt zwar bla\u00df, meistert aber die gewaltige Partie recht gut) und endet mit der Staatsgr\u00fcndung \u00d6sterreichs nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese verschiedenen Handlungen und Handlungsstr\u00e4nge werden zusammengepre\u00dft, was optisch eindrucksvoll ist, sich jedoch nicht sinnvoll zusammenf\u00fchren l\u00e4\u00dft. Und sp\u00e4testens wenn Moritz von Sachsen (ein F\u00fchrer der Lutheraner, dargestellt vom gro\u00dfartigen <strong>Ludwig Boettger<\/strong>) als Nazigeneral Karls Mutter auf Karls Totenbett vergewaltigt, bleibt ein unverdaulicher Gesamteindruck. Der wahre Gewinner ist <strong>Lothar Koenigs<\/strong>, der die Wiener Symphoniker durch ein wahrlich bewegendes Meisterst\u00fcck der 12-Ton-Technik f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ganz anders <strong>Kehraus um St. Stephan<\/strong>, das v\u00f6llig zu Recht in der <strong>Operette am Kornmarkt<\/strong> herauskam., passend als \u201eSatire mit Musik\u201c tituliert. <strong>Michael Scheidl<\/strong> l\u00e4\u00dft die Geschichte, wie vom Komponisten gew\u00fcnscht, in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg spielen und f\u00fchrt den Aufstieg der \u201erechten Kr\u00e4fte\u201c vor Augen, Anleihen an Cabaret sind in der Inszenierung als Nummern-Revue deutlich sp\u00fcrbar. Die Charaktere werden mit \u00f6sterreichischem Charme gezeichnet: Der Spielbariton<strong> Albert Pesendorfer<\/strong> ist ein typischer Weinbauer, der auch mal zur Querfl\u00f6te greift. <strong>Sebastian Holecek<\/strong> ist der typische Lebemann, der die Firma wieder aufbaut. <strong>Wolfgang Gratschmaier<\/strong> ist der schmierige Schwarzmarkth\u00e4ndler, <strong>Lars Woldt<\/strong> der unsympathische Piefke, ein reicher Industrieller aus Berlin und <strong>Gerhard Ernst<\/strong> der dumme Polizist, der einem Lebenden einen Totenschein ausstellt. Gesanglich freut man sich \u00fcber eine sehr einheitliche und ausgewogene Leistung, die alle Anspr\u00fcche erf\u00fcllt. Und unter <strong>John Axelrod<\/strong> stellt sich mit dem Symphonieorchester Vorarlberg und dem Schrammel-Quartet auch das heitere \u201eSchrammeln-Gef\u00fchl\u201c ein.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMag auch das eine St\u00fcck erfolgreicher in Szene gesetzt worden sein als das andere: Die Bregenzer Festspiele beweisen damit eindrucksvoll, da\u00df Kreneks Opernschaffen v\u00f6llig zu Unrecht in Vergessenheit zu geraten droht.<br \/>\nHochkultur in einer bisher typischen Genu\u00df- und Ferienregion? Ein Kultur-Event als Alternative zum Urlaub in den Bergen oder zum Bummel in Lindau, Mainau oder Dornbirn? Warum eigentlich nicht! Nur um die \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit sollte man sich rechtzeitig k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwerpunkt der Bregenzer Festspiele waren neben Puccinis Tosca auf der Seeb\u00fchne einige zu Unrecht selten gespielte Werke von Ernst Krenek. Gezeigt wurde Karl V. 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