{"id":3575,"date":"2012-01-16T23:31:12","date_gmt":"2012-01-16T22:31:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3575"},"modified":"2012-01-26T20:48:51","modified_gmt":"2012-01-26T19:48:51","slug":"il-trionfo-del-tempo-e-del-disinganno-%e2%80%93-der-triumph-von-zeit-und-vergnugen-berlin-staatsoper-im-schillertheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3575","title":{"rendered":"IL TRIONFO DEL TEMPO E DEL DISINGANNO \u2013 DER TRIUMPH VON ZEIT UND VERGN\u00dcGEN &#8211; Berlin, Staatsoper im Schillertheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1653\u20131730)<\/p>\n<p>Oratorium in zwei Teilen, Libretto: Benedetto Pamphili, urspr\u00fcnglich ein Oratorium, hier szenisch gegeben, in Italienisch<\/p>\n<p>UA: Mai 1707 Rom, Collegio Clementino<\/p>\n<p>Regie: J\u00fcrgen Flimm\/Gudrun Hartmann, Kost\u00fcme: Florence von Gerkan, B\u00fchne: Erich Wonder, Dramaturgie: Ronny Dietrich\/Detlef Giese, Licht: Martin Gebhardt<\/p>\n<p>Dirigent: Marc Minkowski, Les musiciens du Louvre<\/p>\n<p>Solisten: Sylvia Schwartz (Bellezza-Sch\u00f6nheit), Delphine Galou (Disinganno-Erkenntnis), Charles Workman (Tempo-Zeit), Inga Kalna (Piacere-Vergn\u00fcgen)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Januar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Berlin-Il-Trionfo.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3576\" title=\"Berlin-Il-Trionfo\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Berlin-Il-Trionfo.gif\" alt=\"\" width=\"238\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Berlin-Il-Trionfo.gif 238w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Berlin-Il-Trionfo-204x300.gif 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Vier allegorische Figuren er\u00f6rtern menschliche Existenzfragen. Dabei soll die Sch\u00f6nheit (Bellazza) von ihrer Verg\u00e4nglichkeit \u00fcberzeugt werden, und das Vergn\u00fcgen (Piacere) verlangt von ihr Treue, um nicht dem gleichen Schicksal ausgesetzt zu sein. Zeit (Tempo) und Entt\u00e4uschung (Disinganno) als Vertreter der Wahrheit beeinflussen Bellazza. Sie zweifelt an ihrem Aussehen, will sich an einsame Orte zur\u00fcckziehen und wendet sich mit ihrer Klage an himmlische Wesen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine tief in die B\u00fchne hineinlaufende, in die erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts geh\u00f6rende Bar ist Gastst\u00e4tte und Raum der Begegnung f\u00fcr Gruppen unterschiedlichen Alters und gesellschaftlicher Zugeh\u00f6rigkeit: Alte, Kinder, Kellner, Hochzeitspaare, Tanzende, Models und Behinderte kommen und gehen. Vom festlichen Kleid \u00fcber den Matrosenanzug, von der barocken Kost\u00fcmierung bis zum abgewetzten Mantel eines gerupften Engels \u2013 Florence von Gerkan sorgt mit den Kost\u00fcmen f\u00fcr eine vom Alltag abgehobene Stimmung.<\/p>\n<p>Auf der linken Seite der B\u00fchne stehen gedeckte Tische, gegen\u00fcber befindet sich die Theke. Immer wieder nehmen Gestalten Platz, die viel trinken und durch ihre stummen und vor\u00fcberziehenden Begegnungen Zeit- und Beziehungslosigkeit erzeugen. Im Gegensatz dazu friert bisweilen jegliche Bewegung ein, scheint die Zeit stillzustehen. Viele Details werden \u2013 vergleichbar mit dem Da-capo-Prinzip der Arien \u2013<sup> <\/sup>im zweiten Teil wiederholt und begleiten die Inszenierung assoziativ: so rei\u00dft die Zeit einer Puppe die Gliedma\u00dfen aus, treten im Winter des Lebens verschneite M\u00e4nner in die Bar, l\u00e4\u00dft Tempo den Sand durch die Finger rinnen. Das Vergn\u00fcgen tanzt, die Zukunft tritt in Gestalt von vier Nonnen seitlich in den Raum, der sich selbst zerst\u00f6rende Mensch als Drogendealer. H\u00e4ndel selbst erscheint als Orgelspieler. Bellazzas Verwandlung zur Nonne findet im Vordergrund der sich leerenden Bar statt, in der am Schlu\u00df die Tischt\u00fccher von den Tischen gerissen werden.<sup> <\/sup><\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Oratorium wird von den <em>Musiciens du Louvre<\/em> und ihrem Dirigenten feinsinnig gestaltet. So unterst\u00fctzen sie die S\u00e4nger leise und sind als Tr\u00e4ger des emotionalen Gehaltes des Werkes beeindruckend.<\/p>\n<p><strong>Sylvia Schwartz<\/strong> (Bellezza) entwickelt ihre stimmlichen M\u00f6glichkeiten erst im zweiten Teil. Mit der Schlu\u00dfarie <em>Pure del cielo intelligenze eterne \u2013 reine und ewige Wesen des Himmels<\/em> kann sie zusammen mit dem durchsichtigen Violonsolo mit einer von unendlicher Spannung getragenen und im piano gehaltenen stimmlichen Konzentration begeistern. <strong>Delphine Galou<\/strong> (Disinganno) mit ihrem androgynen Alt ist eine musikalisch und von ihrer Erscheinung her passende Gegenspielerin zu <strong>Inga Kalna<\/strong> (Piacere) mit ihrem warmen Sopran. Beifall erhielt sie f\u00fcr die Arie <em>Crede l\u2019uom<\/em> <em>ch\u2019egli risposi <\/em>\u2013 <em>Der Mensch glaubt, da\u00df die Zeit schl\u00e4ft<\/em> sowie f\u00fcr ihr Duett mit Charles Workman <em>Il bel pianto dell\u2019aurora- Die sch\u00f6nen Tr\u00e4nen der Morgenr\u00f6te. <\/em><\/p>\n<p><strong>Charles Workman<\/strong> (Tempo) verk\u00f6rpert die erbarmungslose Zeit mit seinem manchmal hart wirkenden Tenor. Den eindr\u00fccklichen Text der Arie <em>Nasce l\u2019uomo, ma nasce bambino \u2013 Geboren wird der Mensch, jedoch als Kind <\/em>interpretierte er \u00fcberzeugend. Inga Kalna als ein rotgelocktes Energieb\u00fcndel singt ihre mit weiten ausladenden Koloraturen gespickte Partie mit verbl\u00fcffender Flexibilit\u00e4t. Als einen besonderen H\u00f6hepunkt im zweiten Teil gestaltet sie die wunderbare Arie <em>Lascia la spina cogli la rosa \u2013 La\u00df die Dornen, pfl\u00fccke die Rose<\/em> mit einem geradezu sph\u00e4risch wirkenden Piano als ruhig str\u00f6mende Kantilene.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die vom erst 21j\u00e4hrigen H\u00e4ndel realisierte kompositorische Menschenkenntnis ist nicht nur verbl\u00fcffend, sondern hat dazu noch Aktualit\u00e4t. Die Auff\u00fchrung bietet trotz oder gerade wegen der vielseitigen Komparserie Raum f\u00fcr Resonanz und f\u00fcr das Nachdenken \u00fcber menschliche Werte. Das Barockensemble und die vier Solisten legen eine musikalische Perle auf die B\u00fchne. Am Ende verlangte das begeisterte Publikum mehrere Vorh\u00e4nge, es gab Beifall f\u00fcr Marc Minkowski und sein brillantes Ensemble, Bravorufe f\u00fcr die S\u00e4nger und ab und zu ein Buh f\u00fcr den Regisseur.<\/p>\n<p>Carola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: Hermann und Cl\u00e4rchen Baus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Delphine Galou (Disinganno), Sylvia Schwartz (Bellezza), Charles Workman (Tempo) (v.l.n.r.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1653\u20131730) Oratorium in zwei Teilen, Libretto: Benedetto Pamphili, urspr\u00fcnglich ein Oratorium, hier szenisch gegeben, in Italienisch UA: Mai 1707 Rom, Collegio Clementino Regie: J\u00fcrgen Flimm\/Gudrun Hartmann, Kost\u00fcme: Florence von Gerkan, B\u00fchne: Erich Wonder, Dramaturgie: Ronny Dietrich\/Detlef<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3575\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155,1],"tags":[],"class_list":["post-3575","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-staatsoper-im-schillertheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3575"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3580,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3575\/revisions\/3580"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}