{"id":3562,"date":"2012-01-23T20:22:30","date_gmt":"2012-01-23T19:22:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3562"},"modified":"2012-01-24T20:28:12","modified_gmt":"2012-01-24T19:28:12","slug":"lohengrin-freiburgtheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3562","title":{"rendered":"LOHENGRIN &#8211; Freiburg,Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 1850, Weimar, Gro\u00dfherzogliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Frank Hilbrich, B\u00fchne: Stefan Heyne, Kost\u00fcme: Nicole von Graevenitz, Licht: Michael Philipp Dramaturgie: Dominica Volkert<\/p>\n<p>Dirigent: Fabrice Bollon, Orchester: Philharmonisches Orchester, Opernchor, Extrachor und Zusatzchor Freiburg, Choreinstudierung: Bernhard Moncado<\/p>\n<p>Solisten: Christian Voigt (Lohengrin), Christina Vasileva (Elsa), Neal Schwantes (Telramunt), Jin Seok Lee (K\u00f6nig Heinrich), Sigrun Schell (Ortrud), Juan Orozco (Heerrufer), Vera St\u00f6ckle (K\u00f6nigin Mathilde), Andreas Hauser (Gottfried), Se-Hun Jin, Moritz Kallenberg, Se Hun Park, Won Kim (Brabantischen Edlen), Kristina Bolkenius, Franziska G\u00fcndert, Claudia Mundi, Katharina Schwesinger (Brautjungfern)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. Januar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Freiburg-Lohengrin.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3563\" title=\"Freiburg-Lohengrin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Freiburg-Lohengrin.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Freiburg-Lohengrin.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Freiburg-Lohengrin-300x196.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Am Gerichtstag unter K\u00f6nig Heinrich dem Vogler verteidigt ein mysteri\u00f6ser, von einem Schwan \u00fcber das Wasser gezogene Ritter, die von Friedrich von Telramund angeklagte Elsa von Brabant. Elsa soll ihren Bruder, den Thronfolger Gottfried, ermordet haben. Der Schwanritter besiegt Telramund im Zweikampf, l\u00e4\u00dft ihn aber am Leben. Unter der Bedingung, da\u00df ihn Elsa nie nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen d\u00fcrfe, willigt er ein, Elsa zu heiraten und die Herrschaft \u00fcber Brabant zu \u00fcbernehmen. Telramund und Ortrud, seiner Frau, jedoch gelingt, es nach und nach Zweifel in Elsa zu wecken, so da\u00df sie die Frage nach der Hochzeit mit dem Schwanritter schlie\u00dflich doch stellt. Da gibt Lohengrin sich zu erkennen: Er ist ein Gralsritter und der Sohn Parzivals. Nun m\u00fcsse er f\u00fcr immer auf die Gralsburg Montsalvat zur\u00fcckkehren. Zuvor jedoch verwandelt er den von Ortrud in einen Schwan verzauberten Gottfried wieder in seine menschliche Gestalt zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die in einer riesigen Bibliothek spielende Auff\u00fchrung arbeitet mit und gegen Wagner die negativen Seiten von dessen K\u00fcnstlerbild heraus. So bricht nach dem Sieg des revolution\u00e4ren Erl\u00f6sers Lohengrin \u00fcber den Denker-B\u00fcrokraten Telramund ein Tumult aus, der sich in der Zerst\u00f6rung der Bibliothek durch die b\u00fcrgerlichen Massen \u00e4u\u00dfert. Die vom gesellschaftlichen Au\u00dfenseiter Lohengrin freigesetzte Dynamik schafft keine Utopie, sondern dr\u00fcckt sich in der gewaltt\u00e4tigen Entladung des kollektiven Ressentiments gegen alles Intellektuelle aus. In der Folge nimmt die Verehrung Lohengrins und Elsas kultisch groteske Z\u00fcge an: Seine Untergebenen kriechen auf dem Boden, indem sie die Bewegungen eines Schwans imitieren. Zu Beginn des dritten Aktes wird ein echter Schwan wie ein G\u00f6tze angebetet, seine Eier als Machtsymbole hochgehalten. Lohengrins Abschiedsbekundung m\u00fcndet am Ende in die Selbstzerfleischung der Menge, die die gest\u00e4ndige Ortrud lyncht, und der anschlie\u00dfend zur\u00fcckverwandelte Gottfried scheint wie tot. Da\u00df Lohengrin am Ende doch nicht geht, sondern von erh\u00f6hter Position aus auf sein Tr\u00fcmmerfeld herabschaut, wirkt so hoffnungslos wie egoistisch. Dies zumal auch die in Wagners Textbuch nicht vorgesehene Figur der Mathilde, Heinrichs Frau, stumme Zuschauerin bleibt, ohne jeglichen Einflu\u00df auf das Geschehen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christian Voigt<\/strong> singt mit wenig Vibrato, klarer Diktion und tenoralem H\u00f6henglanz einen \u00fcberzeugenden Lohengrin. Da\u00df ihm auf dem H\u00f6hepunkt der Gralserz\u00e4hlung kurz die Stimme wegbricht, vergi\u00dft man darum rasch. Ebenso macht <strong>Christina Vasileva<\/strong> als Elsa ihre leichten sprachlichen Defizite durch ein weites Spektrum an Klangfarben und Tonf\u00e4llen vergessen. Die Gewandtheit der Stimmf\u00fchrung steht bei ihr im Dienst der dramatischen Auslotung ihrer Rolle. Von der vokalen Durchdringung her steht ihr <strong>Sigrun Schells<\/strong> Ortrud in nichts nach, so da\u00df die Duette zwischen den beiden zu den H\u00f6hepunkten der Auff\u00fchrung z\u00e4hlen. Majest\u00e4tische Gr\u00f6\u00dfe verstrahlt der in seiner vokalen Plastizit\u00e4t nahezu ideale K\u00f6nig Heinrich von <strong>Jin Seok Lee<\/strong>, dessen Anweisung <strong>Juan Orozcos<\/strong> Heerrufer mit vollt\u00f6nender W\u00fcrde bekannt gibt. <strong>Neal Schwantes<\/strong> liefert als Telramund ein vokal \u00e4u\u00dferst vielseitiges wie darstellerisch einf\u00fchlsames Charakterportrait ab. Auch die brabantischen Edlen sowie die Brautjungfern bieten mehr als ad\u00e4quate Ensembleleistungen. Zu den eindr\u00fccklichsten Teilen der Auff\u00fchrung z\u00e4hlen jedoch die Szenen mit dem <strong>Freiburger Opernchor<\/strong>, der den Hochzeitszug sublim gestaltet, in den anderen Szenen dagegen so kraftvoll agiert, da\u00df die Gewalt der Massen auf fast be\u00e4ngstigende Weise verdeutlicht wird. In den hohen Streichern des Vorspiels anfangs noch ungenau, steigert sich das Philharmonische Orchester Freiburg unter <strong>Fabrice Bollon<\/strong> in einen veritablen Wagner-Rausch, der die instrumentatorischen Besonderheiten dieser romantischen Oper prachtvoll zur Entfaltung bringt.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum zeigte sich am Premierenabend einhellig begeistert. Selbst die obligatorischen Buhs f\u00fcr die Regie blieben aus. Der entlarvende, dabei nie am Werk vorbeigehende Blick auf Wagners K\u00fcnstlerbild macht diesen Lohengrin in Verbindung mit den herausragenden musikalischen Leistungen wohl zu einem der Glanzpunkte in der aktuellen Freiburger Spielzeit.<\/p>\n<p>Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: M. Korbel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christian Voigt (Lohengrin), Christina Vasileva (Elsa), und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Akten, Libretto: Richard Wagner, UA: 1850, Weimar, Gro\u00dfherzogliches Hoftheater Regie: Frank Hilbrich, B\u00fchne: Stefan Heyne, Kost\u00fcme: Nicole von Graevenitz, Licht: Michael Philipp Dramaturgie: Dominica Volkert Dirigent: Fabrice Bollon, Orchester: Philharmonisches Orchester, Opernchor,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3562\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[82,1],"tags":[],"class_list":["post-3562","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-freiburg-theater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3562","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3562"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3562\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3566,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3562\/revisions\/3566"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3562"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3562"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3562"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}