{"id":3558,"date":"2012-01-20T11:37:59","date_gmt":"2012-01-20T10:37:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3558"},"modified":"2012-01-25T20:50:56","modified_gmt":"2012-01-25T19:50:56","slug":"lear-hamburg-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3558","title":{"rendered":"LEAR &#8211; Hamburg, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Aribert Reimann (geb. 1936), Oper in zwei Teilen nach William Shakespeare, Libretto: Claus H. Henneberger, UA: 9.7.1978 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Karoline Gruber, B\u00fchne: Roy Spahn, Kost\u00fcm: Mechthild Seipel Licht: Hans Toelstede Dramaturgie: Kerstin Sch\u00fcssler-Bach<\/p>\n<p>Dirigent: Simone Young\/Alexander Soddy, Philharmoniker Hamburg, Herrenchor der Staatsoper, Choreinstudierung\u00a0Florian Csizmadia<\/p>\n<p>Solisten: Bo Skovhus (Lear), Katja Pieweck (Goneril), Hellen Kwon (Regan), Ha Youg-Lee (Cordelia), Andrew Watts (Edgar), Martin Hormich (Edmund) Lauri Vasar (Graf v. Gloster), Peter Galliard (Herzog von Cornwall), Moritz Glogg (Herzog v. Albany) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Januar 2012 (B-Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Hamburg-Lear.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3559\" title=\"Hamburg-Lear\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Hamburg-Lear.gif\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Hamburg-Lear.gif 233w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Hamburg-Lear-199x300.gif 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Lear tritt aus der gottgegebenen Erbfolge vorzeitig aus und will sein Land seinen T\u00f6chtern Regan, Goneril und Cordelia vermachen. Die, welche ihn am meisten liebt, bek\u00e4me den gr\u00f6\u00dften Teil. Goneril und Regan heucheln in sch\u00f6nen Worten \u00fcberschw\u00e4ngliche Liebe, w\u00e4hrend Cordelia ehrlich und aus tiefstem Herzen bescheiden antwortet. Lear verst\u00f6\u00dft daraufhin Cordelia und teilt das Land durch zwei. Regan und Goneril intrigieren gegen ihren Vater, ihre Ehem\u00e4nner und sp\u00e4ter gegen sich selbst, um die Alleinherrschaft in England an sich zu rei\u00dfen. Nebenbei wird die Geschichte des Hauses Gloster erz\u00e4hlt. Edmund, der uneheliche Sohn Gloster, intrigiert gegen seinen \u201elegitimen\u201c Bruder Edgar, der daraufhin inkognito als Tom durch die Lande zieht. Edmund verr\u00e4t seinen Vater an Regan und ihren Mann, die den Grafen von Gloster daraufhin blenden. Der Blinde Gloster, der verkleidete Edmund, der wahnsinnige Lear sowie sein Narr ziehen durch die Wirren des Krieges und geraten bei Dover in die R\u00e4der der Intrigen Gonerils und Regans.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Karoline Gruber setzt die B\u00fchnenhandlung in ein realit\u00e4tsnahes Machtmilleu. Lear ist nicht mehr der greise Monarch, sondern wirkt eher wie ein skrupelloser Firmenchef. Von seiner Verblendung und Arroganz hat er jedoch nichts eingeb\u00fc\u00dft. Im ersten Teil ist die \u00c4sthetik von B\u00fchnenbild und Kost\u00fcm eher \u201eklassisch-modern\u201c. Die ganze Inszenierung hindurch werden aphoristische Worte und Wort-Kombinationen bzw. Wort-Entwicklungen an die Wand projiziert (z.B.: Ich\u00e0Licht\u00e0Sicht\u00e0Nichts). <strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Hamburger Ensemble \u2013 Solisten, Orchester wie Regie \u2013 haben Gro\u00dfes geleistet, das urspr\u00fcnglich zur Urauff\u00fchrung in Hamburg geplante Werk endlich \u201enach Hause\u201c zu holen In der Titelrolle zog <strong>Bo Skovhus<\/strong> (Lear) alle Register. Der d\u00e4nische Bariton verf\u00fcgt nicht nur \u00fcber einen beeindruckenden Ambitus, er wei\u00df ihn auch in jeder Lage nahezu perfekt einzusetzen. Sei es in dem rezitativischen Beginn ohne Orchesterbegleitung oder in der \u00fcberspr\u00fchenden Melancholie und Weltentr\u00fccktheit des nahezu wagnerianischen Schlu\u00dfgesangen \u2013 sei es Wahnsinn, sei es Zorn, sei es tenoresk hoch, sei es profund tief \u2013 Bo Skovhus wirkte stets sicher und nat\u00fcrlich, emotional und glaubhaft. Auch die Femmes fatales <strong>Katja Pieweck<\/strong> (Goneril) und <strong>Hellen Kwon<\/strong> (Regan) gl\u00e4nzten in ihren gesanglich schweren Partien. Katja Pieweck begeisterte vor allem durch ihren atemberaubenden Stimmumfang und Hellen Kwon schien kein Ton zu hoch und keine Koloratur zu schwer. In der Rolle ihrer Schwester konnte <strong>Ha Young-Lee<\/strong> (Cordelia) wieder einmal ihren glockenhellen, mittlerweile stark auf neue Musik eingespielten Sopran zeigen. Besonders in ihrem Schlu\u00dfmonolog am Ende des zweiten Teils begeisterte sie in zerrissenem Kleid durch gro\u00dfe B\u00f6gen, pr\u00e4zise H\u00f6hen. Die Ehegatten der weiblichen Protagonisten \u2013 aus dem Ensemble besetzt \u2013 waren hingegen teilweise wohl etwas \u00fcberfordert. <strong>Peter Galliard<\/strong> (Cornwall) wirkte oftmals sehr angespannt und unnat\u00fcrlich<strong>, Moritz Glogg<\/strong> (Albany) war gesanglich zwar sicherer, konnte dennoch wenig \u00fcberzeugen. Das Haus Gloster wiederum zeige eine gewisse stimmliche Ambivalenz. Der Herzog selbst, dargestellt von <strong>Lauri Vasar<\/strong> wirkte im ersten Teil v\u00f6llig aufgesetzt, verkrampft und eng w\u00e4hrend er im zweiten Abschnitt durch sch\u00f6ne B\u00f6gen und gro\u00dfe Emotionalit\u00e4t zu begeistern wu\u00dfte. <strong>Andrew Watts<\/strong> (Edgar) war nicht nur durch seine Exotenposition als normalerweise auf die alte Musik limitierter Countertenor ein Highlight des Abends. Er demonstrierte nicht nur die sph\u00e4risch-hellen Klangdimensionen des fr\u00fcheren Kastratenfaches in seinen zahlreichen, von mystischen Orchesterkl\u00e4ngen untermalten Soli, sondern zeigte sich auch gekonnt in der Kompensation der in der Partitur erw\u00fcnschten Br\u00fcche von Kopf- und Burstregister. Einzig sein Deutsch w\u00e4re noch verbesserungsw\u00fcrdig. Sein Gegner <strong>Martin Holmich<\/strong> (Edmund) hatte gravierende Startschwierigkeiten, konnte jedoch im zweiten Teil einiges an Boden gut machen.<\/p>\n<p>Die Hamburger Philharmoniker unter <strong>Simone Young<\/strong> interpretierten die Partitur mit gro\u00dfer Pr\u00e4zision, ohne dabei an Ausdrucksf\u00e4higkeit einzub\u00fc\u00dfen. Besonders das Schlagwerk setzte die herkulischen Vorschriften des Komponisten in Bezug auf Instrumentarium, Spieltechnik und Pr\u00e4zision hervorragend um.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Philharmoniker sowie das Ensemble haben sich das Lob des bis zur Generalprobe anwesenden Komponisten und des begeisterten Hamburger Publikums redlich verdient.<\/p>\n<p>Maik Hoppe<\/p>\n<p>Bild: Brinkhoff-Moegenburg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt K\u00f6nig Lear (Bo Skovhus) und seinen Narren (Erwin Leder)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Aribert Reimann (geb. 1936), Oper in zwei Teilen nach William Shakespeare, Libretto: Claus H. 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