{"id":3551,"date":"2012-01-20T21:16:37","date_gmt":"2012-01-20T20:16:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3551"},"modified":"2012-01-20T22:17:31","modified_gmt":"2012-01-20T21:17:31","slug":"norma-%e2%80%93-koln-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3551","title":{"rendered":"NORMA \u2013 K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragische Oper in zwei Akten, Libretto: Felice Romani nach der Trag\u00f6die <em>Norma ou L\u2019Infanticide<\/em> (1831) von Alexandre Soumet, UA: 26. Dezember 1831 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Dirigent: Andriy Yurkevych, G\u00fcrzenich-Orchester und Chor K\u00f6ln, Choreinstudierung: Andrew Ollivant<\/p>\n<p>Solisten: Zoran Todorovich (Pollione), Nikolai Didenko (Oroveso), Edita Gruberova (Norma), Regina Richter (Adalgisa), Machiko Obata (Clotilde), Jeongki Cho (Flavio)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 18. Januar 2012 (Premiere)  <strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Koeln-Norma.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3552\" title=\"Koeln-Norma\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Koeln-Norma.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Koeln-Norma.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Koeln-Norma-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der r\u00f6mische Prokonsul Pollione, der von der Oberpriesterin Norma zwei Kinder hat, liebt jetzt die Novizin Adalgisa. Bei einer Kultfeier f\u00fcr die Mondg\u00f6ttin \u00a0gibt Norma aber nicht das erwartete Zeichen zum Angriff auf die R\u00f6mer, da sie ihren Geliebten Pollione nicht der Kriegsgefahr aussetzen will. Indessen vertraut Adalgisa ihr an, da\u00df sie in einen R\u00f6mer verliebt sei. Als sich herausstellt, da\u00df es ihr Geliebter Pollione ist, klagt Norma diesen w\u00fctend des Verrats an. Sie gibt das Zeichen zum Angriff auf die R\u00f6mer. Zur selben Zeit entdeckt man Pollione im Tempel, der Adalgisa entf\u00fchren will, die lieber bei Norma geblieben w\u00e4re. Vergeblich ist Normas Versuch, Pollione zum Verzicht auf Adalgisa zu \u00fcberreden. In ihrer tiefen Entt\u00e4uschung pr\u00e4sentiert sie sich den Druiden als wortbr\u00fcchige Priesterin und wird zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Als Pollione erkennt, welcher Frau er untreu geworden war, folgt er ihr in den Tod.  <strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dynamisch sehr genau, aber heftig und laut beginnt das Orchester. Fl\u00f6ten, Oboen, Klarinetten und auch H\u00f6rner spielen akkurat und ihre Tonbildung ist sehr angenehm. <strong>Nikolai Didenko<\/strong> (Oroveso) hat eine volumin\u00f6se Ba\u00dfstimme, seine Tiefen kommen rund und genau, und das anf\u00e4nglich kehlige seiner Stimme verliert sich im Verlauf v\u00f6llig (Anpassung an den Raum?). Das Orchester \u00fcberdeckte ab und zu selbst seine m\u00e4chtige Stimme. Gl\u00fccklicherweise steht er ja bei dieser konzertanten Auff\u00fchrung vor dem Orchester. Als dann <strong>Zoran Todorovich<\/strong> (Pollione) auftritt, wird sein kraftvoller Tenor nicht mehr vom Orchester \u00fcberdeckt. Er artikuliert gut und intonationssicher. Anf\u00e4nglich geringes Pressen verschwindet und seine Stimmf\u00fchrung ist von angenehmem, lyrischem Timbre gepr\u00e4gt, besonders in den Duetten mit Adalgisa und Norma, wo auch seine ungemein biegsame Art, sich den vielen Verz\u00f6gerungen und dynamischen Schwankungen anzupassen, von gro\u00dfer Musikalit\u00e4t zeugen.\u00a0 Ebenso entf\u00fchrt seine rhythmische Genauigkeit den Zuh\u00f6rer in die Belcantoseligkeit Bellinis. Gro\u00dfer Applaus schon bei seiner ersten Arie.<\/p>\n<p>Die <strong>Ch\u00f6re<\/strong> dieser Oper sind technisch schwierig. Aber der ber\u00fchmte \u201eKriegschor\u201c <em>Guerra, guerra \u2013 Krieg, Krieg<\/em> als Aufforderung der Druiden zum Aufstand wird mit einem rhythmischen Elan geboten, der seinesgleichen sucht.  In den beiden Duetten <strong>Edita Gruberovas<\/strong> (Norma) und <strong>Regina Richters<\/strong> (Adalgisa) (Ende\u00a0 1., Beginn 2. Akt) zeigen die beiden S\u00e4ngerinnen eine gro\u00dfe rhythmische und dynamische Einheit. Ihre beiden Stimmen weisen eine sublime klangliche Einheit und ein wunderbares Ebenma\u00df an Tonsch\u00f6nheit auf, ganz abgesehen von der untadeligen Tongenauigkeit, was einen riesigen Beifallssturm ausl\u00f6st. Besonders <strong>Regina Richter <\/strong>erreicht eine H\u00f6chstform, die vielleicht nur durch eine solch gro\u00dfartige Partnerin m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Mit Spannung wird <strong>Edita Gruberova<\/strong>, die einmalige Belcantistin erwartet. Bellini hat mit dem Gebet (Preghiera) an den Mond <em>Casta diva, che inargenti\u2013 keusche G\u00f6ttin, die du im Silberglanz <\/em><em> <\/em>eine au\u00dferordentliche gesangliche Schwierigkeit am Opernbeginn f\u00fcr die betreffende S\u00e4ngerin geschaffen: Nach<em> <\/em>einem langen Orchestervorspiel, bei dem die Fl\u00f6te die ungemein eindringliche Melodie der S\u00e4ngerin gewisserma\u00dfen zur Nachahmung vorlegt, kommt die Stimme zur Geltung \u2013 eine kolossale Nervenanspannung f\u00fcr die Solistin. Sie mu\u00df den schmelzenden Fl\u00f6tenton noch um einiges intensivieren, gewisserma\u00dfen ihre ganze Fr\u00f6mmigkeit hineinlegen, und ihrer sich Ton f\u00fcr Ton emporschwingende\u00a0 Gesangslinie einen Schmelz vermitteln, so da\u00df wir Zuh\u00f6rer gewisserma\u00dfen mit ihr beten. Diese wenigen Andeutungen der in der gesamten Belcanto-Literatur einzigartigen Arie bringen deutlich zutage, was Edita Gruberova hier leisten mu\u00dfte. Und sie bleibt un\u00fcbertroffen: welche Intensit\u00e4t der Phonation (Stimmbildung), welche enorme Energie in den hohen und h\u00f6chsten Stimmlagen (sie hatte die h\u00f6here Version in G-Dur, statt in F-Dur gew\u00e4hlt), das zarteste Piano, das sie bis zum gr\u00f6\u00dften Forte anschwellen l\u00e4\u00dft mit ihrer unnachahmlichen F\u00e4higkeit der <em>messa di voce<\/em> (das An- und Abschwellen der Stimme). Ihre schlanke Stimme bekommt dann und wann eine ungeheure Durchschlagskraft, ihre Atemtechnik erlaubt langgezogene Legatostellen, die schier unendlich sind. Hinzu kommt ihre geradezu best\u00fcrzende Musikalit\u00e4t, die eigentlich den gesamten Abend pr\u00e4gt, steht sie doch fast unentwegt auf der B\u00fchne, auch physisch ein ganz gro\u00dfe Leistung.  <strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein Abend von gro\u00dfer unverge\u00dflicher Eindringlichkeit, eine Festabend f\u00fcr die Oper K\u00f6ln. Das Publikum ist zu Recht begeistert und gibt im Stehen Befallssalven.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Paul Leclaire  Das Bild zeigt: Edita Gruberova (Norma), Zoran Todorovich (Pollione)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vincenzo Bellini (1801-1835), Tragische Oper in zwei Akten, Libretto: Felice Romani nach der Trag\u00f6die Norma ou L\u2019Infanticide (1831) von Alexandre Soumet, UA: 26. 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