{"id":3544,"date":"2012-01-16T19:13:40","date_gmt":"2012-01-16T18:13:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3544"},"modified":"2012-01-17T19:19:18","modified_gmt":"2012-01-17T18:19:18","slug":"der-freischutz-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3544","title":{"rendered":"DER FREISCH\u00dcTZ &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Carl Maria von Weber (1786-1826), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen. Libretto: Johann Friedrich Kind, UA: 18. Juni 1821 Berlin, K\u00f6nigliches Schauspielhaus, UA (Version Berlioz): 7. Juni 1841 Op\u00e9ra de Paris<\/p>\n<p>Regie: Dominique Horwitz, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Hank Irwin Kittel<\/p>\n<p>Dirigent: Walter E. Gugerbauer, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Erfurt, Choreinstudierung: Andreas Ketelhut<\/p>\n<p>Solisten: Kelly God (Agathe), Andreas Schager (Max), Daniela Gerstenmeyer (\u00c4nnchen), Albert Pesendorfer (Kaspar), Dario S\u00fc\u00df (Kuno), J\u00f6rg Rathmann (Kilian),\u00a0 Florian G\u00f6tz (Ottokar), Vazgen Ghazaryan (Eremit), Samiel gestrichen<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Januar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Erfurt-Freisch\u00fctz.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3545\" title=\"Erfurt-Freisch\u00fctz\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Erfurt-Freisch\u00fctz.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Erfurt-Freisch\u00fctz.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Erfurt-Freisch\u00fctz-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Max, J\u00e4gerbursche des Erbf\u00f6rsters Kuno und Br\u00e4utigam von dessen Tochter Agathe, hat beim Sch\u00fctzenfest verloren. Und das bevor er am n\u00e4chsten Tag den Probeschu\u00df abgeben mu\u00df, von dem seine weitere Laufbahn, aber auch die Hochzeit mit Agathe abh\u00e4ngt. Der verzweifelte Max l\u00e4\u00dft sich von Kaspar \u00fcberreden von Samiel Freikugeln zu fordern, die nie ihr Ziel verfehlen. Max erh\u00e4lt in der Wolfsschlucht um Mitternacht sieben Freikugeln, von denen die letzte vom Teufel geleitet wird. Beim Probeschu\u00df hat Max nur noch diese letzte Freikugel \u00fcbrig. Er schie\u00dft auf eine wei\u00dfe Taube, Agathe schreit auf und sinkt zu Boden \u2013 jedoch nur in Ohnmacht, w\u00e4hrend Kaspar t\u00f6dlich getroffen ist. Max gesteht seinen Pakt mit dem Teufel. Aber weil der Eremit f\u00fcr ihn bittet, mu\u00df er nur ein Probejahr bestehen, bis er Agathe heiraten darf.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild besteht aus \u00fcberdimensionalen Quadern, die \u00fcbereinander geschichtet ein un\u00fcbersichtliches Gebilde von Stufen ergeben. Dazu gesellen sich ein \u00fcberdimensionaler umgekippter Bilderrahmen und ein genauso \u00fcberdimensionaler Nagel, der sich durch die Stufen bohrt. Die Wolfsschlucht befindet sich unmittelbar darunter, die Baumriesen und Schlingpflanzen im B\u00fchnennebel werden per Hubpodium sichtbar. Oben links eine Empore, von der Ottokar und Kuno gr\u00fc\u00dfen, oben rechts thront auf einem Podest ein Schneegeier, der dem Geschehen die kalte Schulter zeigt. Unbeschreiblich die dunklen Einheits-Kost\u00fcme, aus denen eine kohlartige Masse herausquillt, die geplatzten Kohlk\u00f6pfe werden auch als Kopfbedeckung getragen. Nur der Eremit tr\u00e4gt ein wei\u00dfes Neglig\u00e9, hingegen verwandeln sich der J\u00e4gerbursche Max und die bunt gekleidete Agathe zum Ende hin ebenfalls in einen Kohlkopf.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Kein Titel in der gewohnten Reihenfolge, die Nummern gewaltig durcheinander gewirbelt, teilweise unvollst\u00e4ndig oder neu zusammengesetzt. So beginnt der Abend mit <em>Kommt ein schlanker Bursch gegangen<\/em> und f\u00e4hrt mit Kaspars Trinklied fort \u2013 das Vorspiel wird h\u00e4ppchenweise sp\u00e4ter eingestreut. Auch stirbt Kaspar nicht am Ende, sondern bildet mit \u00c4nnchen in einem ungewohnten doppelten Duett ein Gegenpaar zu Max und Agathe. Die Darsteller haben Probleme ihre Eins\u00e4tze in den durcheinandergewirbelten Nummern wiederzufinden, ergeben sich doch neue Klangbilder und Texte ohne Reim. Die S\u00e4nger f\u00fchlen sich ohrenscheinlich unwohl, normale Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr eine Beurteilung der Gesangsleistung kann man hier nicht ansetzen. Am besten kommt <strong>J\u00f6rg Rathmann<\/strong> zurecht, der zeigt, wie witzig man den hier omnipr\u00e4senten Kilian gesanglich gestalten kann. Schauspielerisch ebenb\u00fcrtig ist <strong>Daniela Gerstenmeyer<\/strong> als \u00a0lyrisch verhaltenes \u00c4nnchen, auch wenn <em>Nero, der Kettenhund<\/em> gestrichen ist. <strong>Kelly God<\/strong> (Agathe) und <strong>Andreas Schager<\/strong> (Max) k\u00f6nnen insgesamt \u00fcberzeugen, mit <strong>Albert Pesendorfer<\/strong> (zuletzt in N\u00fcrnberg als Sachs) hat man einen sehr intelligenten Kaspar ohne falsche D\u00e4monie gefunden. <strong>Vazgen Ghazaryan<\/strong> als Eremit ist ein sehr volumenstarker Ba\u00df. <strong>Walter Gugerbauer<\/strong> behielt die \u00dcbersicht, bem\u00fcht sich um Eins\u00e4tze und um einen dynamischen Flu\u00df, die Sambatrommel-Einlage beim h\u00fcfteschwingenden Kugelgie\u00dfen mu\u00df er verantworten. Der Chor ist wie gewohnt sehr souver\u00e4n.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4tte man den Abend als Opernexperiment <strong>nach<\/strong> dem <em>Freisch\u00fctz<\/em> von Weber bezeichnet, h\u00e4tte man sich einstellen k\u00f6nnen \u2013 auf ein dann sicherlich interessantes Opernexperiment a la Schlingensief. So aber urteilte das Publikum gnadenlos, mit einem f\u00fcr Erfurter Verh\u00e4ltnisse lautstarken Buhkonzert f\u00fcr Dominique Horwitz, der in dieser Produktion Gesp\u00fcr f\u00fcr Webers Musik vermissen lie\u00df. Die vielen offenen Fragen an ihn lassen sich in der gestrichenen Textzeile Ottokars manifestieren: <em>Nur du kannst dieses R\u00e4tsel l\u00f6sen, wohl schwere Untat ist geschehn!<\/em> Wer sich f\u00fcr Opernexperimente interessiert wird hier gl\u00fccklich werden, wer Webers Werk sucht, wohl weniger.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<\/p>\n<p>Bildlegende: Das Bild fiel von der Wand: Vazgen Ghazaryan (Eremit), Daniela Gerstenmeyer (\u00c4nnchen), Andreas Schager (Max), Kelly God (Agathe), und Albert Pesendorfer (Kaspar), betrachten den Unfall. (v.l.n.r.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Carl Maria von Weber (1786-1826), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen. Libretto: Johann Friedrich Kind, UA: 18. Juni 1821 Berlin, K\u00f6nigliches Schauspielhaus, UA (Version Berlioz): 7. 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