{"id":3525,"date":"2012-01-04T21:41:48","date_gmt":"2012-01-04T20:41:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3525"},"modified":"2012-01-12T20:27:09","modified_gmt":"2012-01-12T19:27:09","slug":"amadis-de-gaule-opera-comique-paris","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3525","title":{"rendered":"AMADIS DE GAULE &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Johann Christian Bach (1735-1782), Trag\u00e9die Lyrique in drei Akten, Libretto: Alphonse des Vismes du Valgay, nach Philippe Quinault Libretto zur Oper Amadis von Jean-Baptiste Lully (1684), U.A.: 14. Dezember 1779 Paris, Acad\u00e9mie Royale de Musique<\/p>\n<p>Regie: Marcel Bozonnet, B\u00fchne: Antoine Fontaine, Kost\u00fcme: Renato Bianchi,\u00a0 Licht: Dominique Brugui\u00e8re. Choreographie: Natalie van Parys<\/p>\n<p>Dirigent: J\u00e9r\u00e9mie Rhorer, Orchester: <em>Le Cercle de l\u2019Harmonie<\/em>, Compagnie de Danse <em>Les Cavatines<\/em>, Les Chantres du Centre de musique baroque de Versailles<\/p>\n<p>Solisten: Philippe Do (Amadis), H\u00e9l\u00e8ne Guilmette (Oriane), Allyson McHardy (Arcabonne), Franco Pomponi (Arcala\u00fcs), Julie Fuchs (Urgande\/1. Coryph\u00e9e), Alix Le Saux (La Discorde\/2. Coryph\u00e9e), Solisten des Opernchors Laibach: Peter Martin\u010di\u010d (La Haine\/Schatten von Ardan Canil), Ana De\u017eman, Martin Su\u0161nik<strong> <\/strong><\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Januar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Paris-Amadis.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3526\" title=\"Paris-Amadis\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Paris-Amadis.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Paris-Amadis.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Paris-Amadis-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p><em>Amadis de Gaule<\/em> ist gewisserma\u00dfen eine Zwitteroper, denn als J. C. Bach den Auftrag von der Acad\u00e9mie Royal de Musique bekam, eine franz\u00f6sische Oper zu schreiben, lieferten sich gerade die Opern-Reformer unter Gluck, die einen dynamischen Ablauf der Opernhandlung vertraten und die Orthodoxen der statischen italienischen <em>Opera seria<\/em> unter Niccol\u00f2 Piccini erbitterte Gefechte (Gluckisten gegenPiccinisten). Vielleicht erwartete man von Bach einen Schiedsspruch oder eine ganz neue Richtung. Doch der kam nicht zustande. Bach beh\u00e4lt gewisse Z\u00fcge der franz\u00f6sischen Trag\u00e9die lyrique bei, wie die Balleteinlagen am Ende eines jeden Aktes, die gro\u00dfangelegten magischen Unterhaltungsszenen oder die Kerkerszenen mit Amadis, aber auch die durchkomponierten Rezitative. Er l\u00e4\u00dft aber auch italienische Elemente in die Oper einflie\u00dfen, wie der Stil einiger Da-Capo-Arien oder die Virtuosit\u00e4t des Gesangs, wie im Arioso der Coryph\u00e9e am Ende des 2. Akts. Mozart, der damals in Paris weilte und den j\u00fcngsten Bachsohn gut kannte, wird diese Entwicklung im Hinblick auf seinen <em>Idomeneo <\/em>(1781)<em> <\/em>f\u00fcr M\u00fcnchen mit Interesse verfolgt haben.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Magierin Arcabonne hat sich gegen ihren Willen in einen unbekannten Held verliebt, der ihr das Leben gerettet hat. Doch Ihr Bruder Arcala\u00fcs treibt sie an, weiterhin ihrer einzigen Leidenschaft, dem Ha\u00df, zu fr\u00f6nen. Sie wollen Amadis und seine Geliebte Oriane zu vernichten. Oriane wird entf\u00fchrt und Amadis\u2019 Heldenmut ist hilflos gegen\u00fcber der Magie der b\u00f6sen Geister. Arcabonne will nun Amidis t\u00f6ten, als sie in ihm ihren unbekannten Retter erkennt. Aus Dankbarkeit l\u00e4\u00dft sie ihn und ihre s\u00e4mlichen Gefangenen frei. Oriane ist weiterhin gefangen und Arcala\u00fcs zeigt ihr, um sie zu qu\u00e4len, den Leichnam Amadis. Sie f\u00e4llt ohnm\u00e4chtig auf ihn nieder. Urgande, die gute Fee erscheint, Arcala\u00fcs l\u00e4uft wutentbrannt davon, w\u00e4hrend Arcabonne sich umbringt und in die Unterwelt hinabf\u00e4hrt. Urgande erweckt Amadis und Oriane und verheiratet sie. Amadis wird wieder der heldenhafte Streiter f\u00fcr Freiheit und Gerechtigkeit.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine erfreulich traditionelle Inszenierung, die Charme, Geschmack und Grazie vereint. Das Regieteam hat dabei aus zwei Hauptquellen gesch\u00f6pft: aus der h\u00f6fischen und l\u00e4ndlichen Kultur des ausgehenden 18. Jahrhunderts \u2013 die Schlu\u00dfszene wirkt wie ein Fest in Versailles, die Gefangenenszenen wie die Illustration der Aristokraten in den Verlie\u00dfen der\u00a0 franz\u00f6sischen Revolution, die reizvollen T\u00e4nze und Lieder der Sch\u00e4ferinnen mit ihren Dirndln und Stroh\u00fcten; aus der griechischen Trag\u00f6die \u2013 die <em>Dea-ex-machina<\/em>, der Schleiertanz der schwarzen Klageweiber, auch der Chor der b\u00f6sen Geister mit ihren furchterregenden Masken und insektenhaften Kost\u00fcmen lehnt sich zweifellos an den antiken Chor an.<\/p>\n<p>Die B\u00fchnenbilder: Felsenlandschaften, alte Gem\u00e4uer, S\u00e4ulen, scheinen alten kolorierten Stichen entnommen. Die Kost\u00fcme der Solisten, Adamis als gewappneter Held mit prunkvollem Umhang, Oriane tr\u00e4gt nur ein schlichtes, wei\u00dfes Kleid, Arcala\u00fcs\u2018 schmucklose Leder Kleidung mit Lederkrone. Bei Arcabonne, hingegen, hat sich die Phantasie entfesselt: ein mohnrot-schwarzes Federkleid, wie es die Amazonasindianer tragen m\u00f6gen, Widderh\u00f6rner auf dem Haupt, umgeben von roten Haarschlangen, wie ein Medusenkopf. Sehr verf\u00fchrerisch!<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger\u00a0 und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>H\u00e8l\u00e8ne Guilmettes<\/strong> etwas herber Sopran und <strong>Philippe Dos<\/strong> wohlklingender Belcanto-Tenor ergeben ein ernstes, leidgepr\u00fcftes Liebespaar. Doch der Star des Abends ist <strong>Allyson McHardy<\/strong>. Eine volle kr\u00e4ftige Mezzosopranstimme, die auch in der H\u00f6he und in den darmatischen Szenen nichts vor seinem reichen Timbre verliert. Ihre lyrische Arcabonne in der ersten Szene der Oper <em>Amour! Que veux-tu de moi?<\/em> schl\u00e4gt im anschlie\u00dfenden Duett mit Arcala\u00fcs ins Dramatische um, in dem J.C. Bach schon etwas von der Szenendynamik der Da Ponte-Opern Mozarts vorwegnimmt. Der stimmgewaltige Franco Pomponis kommt am eindrucksvollsten zum Ausdruck im Rache-Duett mit Arcabonne und Geisterchor <em>Tremblez! Tremblez<\/em> (3. Akt). Auch hier klingt Mozart an. <strong>Julie Fuchs, Alix le Saux<\/strong> und die drei Choristen aus Laibach sind eine erfreuliche Erg\u00e4nzung des Ensembles.<\/p>\n<p><strong>Jeremie Rhorer<\/strong> and der <strong><em>Cercle de l\u2019Harmonie<\/em><\/strong> lassen die unglaublich reichhaltigen Klangfarben vom Johann Christian Bachs Musik, sowohl in den Streichern, wie in den Bl\u00e4sernm klar hervortreten.<\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg dieser letzten Oper J.C. Bachs blieb aus, keiner der beiden Parteien erkannte sich in diesem Werk und es verschwand sehr bald in der Versenkung, um erst 200 Jahre sp\u00e4ter wieder aufzutauchen. Gl\u00fccklicherweise, denn es ist wieder ein Kleinod, das uns die Op\u00e9ra Comique f\u00fcr ihre Saisoner\u00f6ffnung 2012 beschert hat.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Pierre Grosbois, l&#8217;Op\u00e9ra Comique<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: dea-ex-machina (die gute Fee),\u00a0 Philippe Do (Amadis), \u00a0H\u00e9l\u00e8ne Guilmette (Oriane): (Bildmitte) und Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Johann Christian Bach (1735-1782), Trag\u00e9die Lyrique in drei Akten, Libretto: Alphonse des Vismes du Valgay, nach Philippe Quinault Libretto zur Oper Amadis von Jean-Baptiste Lully (1684), U.A.: 14. 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