{"id":3496,"date":"2011-12-15T23:09:42","date_gmt":"2011-12-15T22:09:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3496"},"modified":"2011-12-15T23:09:42","modified_gmt":"2011-12-15T22:09:42","slug":"aus-einem-totenhaus-%e2%80%93-z-mrtveho-domu-%e2%80%93-wien-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3496","title":{"rendered":"AUS EINEM TOTENHAUS \u2013 Z MRTV\u00c9HO DOMU \u2013 Wien, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten. Libretto: der Komponist nach F. M. Dostojewskijs Roman <em>Aufzeichnungen aus einem Totenhaus<\/em>, UA am 12. April. 1930 Br\u00fcnn, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Peter Konwitschny, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Johannes Leiacker, Licht: J\u00fcrgen Hoffmann<\/p>\n<p>Dirigent: Franz Welser-M\u00f6st, Wiener Philharmoniker und Chor, Einstudierung: Martin Schebesta<\/p>\n<p>Solisten: Sorin Coliban (Alexandr Petrovic Gorjancikov), Misha Didyk (Luka Kusmitsch), Herbert Lippert (Skuratov), Christopher Maltman (Siskov), Gergely N\u00e9meti (Aljeja), Alexandru Moisiuc (Der Platzkommandant), Donna Ellen (Dirne), Michael Roider (\u0160apkin), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Dezember 2011 (Premiere 11.12.2011)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Wien-Totenhaus.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3497\" title=\"Wien-Totenhaus\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Wien-Totenhaus.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Wien-Totenhaus.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Wien-Totenhaus-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der intellektuelle Adlige Alexandr Petrovic Gorjancikov ist der Neuling in einem sibirischen Gefangenenlager. Gleich nach der Ankunft wird er vom Kommandant verh\u00f6rt und ausgepeitscht. Gewalt, Brutalit\u00e4t und harte Arbeit bestimmen den Alltag im Lager. Ein Jahr vergeht, Gorjancikov und der junge Gefangene Aljeja haben sich inzwischen angefreundet. An einem\u00a0 Feiertag d\u00fcrfen die Str\u00e4flinge ein Fest begehen, bei dem sie zwei Theaterst\u00fccke improvisieren. Auch dieser Abend endet im Streit, Aljeja wird dabei schwer verletzt. Im Lazarett wacht Gorjancikov an der Seite seines jungen Freundes, der in ihm einen Vater sieht. F\u00fcr Gorjancikov ist es der Tag der Freiheit, denn er wird vom Kommandant begnadigt und entlassen. Die Handlung wird immer wieder unterbrochen durch die Monologe der H\u00e4ftlinge, die ihr Schicksal erz\u00e4hlen, so hat z.B. Schischkow seine Frau aus Eifersucht auf den Rivalen Filka erdolcht. Den einstigen Feind erkennt Schischkow in einem Mitgefangenen: Luka ist Filka, der im Augenblick der Wiedererkennung stirbt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der f\u00fcr provokante Inszenierungen bekannt gewordene Regisseur Peter Konwitschny verzichtet auch in dieser Inszenierung, die bereits im Opernhaus Z\u00fcrich (4. Juni 2011) zu sehen war, auf eine dem Libretto getreue Darstellung \u2013 und dies auf allen Ebenen der Oper au\u00dfer der der Musik: Er siedelt die Handlung statt in einem sibirischen Gefangenenlager in der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Gegenwart an. Ein elegantes Loft wird zum Gef\u00e4ngnis, die H\u00e4ftlinge tragen moderne Anz\u00fcge von heute \u2013 Manager, Makler oder Mafiosi, alle in schwarz, bis auf den Kommandanten, der ein wei\u00dfes Dinnerjacket tr\u00e4gt. Das Spiel im Spiel im zweiten Akt wird zu einer Strip-Show, die in einer mehrfachen Vergewaltigung endet. Die M\u00e4nner tragen nun gestreifte Str\u00e4flingsjacken \u00fcber ihren Anz\u00fcgen, eine parodistische Anspielung auf die eigentlich vorgesehene Szenerie. Im dritten Akt zeigen alle M\u00e4nner deutliche Blessuren der vorangegangenen Gewaltexzesse, sie spielen selbstverloren mit gro\u00dfen Holz-Babuschkas. Auch das Ende der Oper ver\u00e4ndert Konwitschny radikal: Statt in die Freiheit entlassen zu werden, wird Gorjancikov erschossen. Ebenso drastisch verf\u00e4hrt er \u00a0bei der Untertitelung der Oper: Der Text des Libretto wird nicht linear \u00fcbersetzt, sondern in eine derbe, von Sexismen und Vulgarit\u00e4ten gepr\u00e4gte Sprache \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Dirigent Franz Welser-M\u00f6st stellt die Musik Jan\u00e1\u010deks kraftvoll in all ihrer Schroffheit dar, die immer wieder aufscheinenden lyrischen, kantablen Stellen werden dagegen zart und fein gezeichnet. Hervorzuheben sind die zahlreichen virtuos gemeisterten Solo-Parts, die die Partitur vorsieht. In der Ouvert\u00fcre z.B. zitiert Jan\u00e1\u010dek einige Takte aus seinem unvollendeten Violinkonzert, die der erste Geiger technisch perfekt meistert. Gleiches gilt f\u00fcr die zahlreichen offen liegenden Stellen der Holzbl\u00e4ser im zweiten und dritten Akt, die ebenso rein intoniert wie pr\u00e4zis artikuliert waren. So bekommen Dirigent und Orchester viel Applaus f\u00fcr eine musikalische Darbietung auf h\u00f6chstem Niveau. Den kr\u00e4ftigsten Beifall unter den S\u00e4ngern erhielten <strong>Christopher Maltman<\/strong> (Siskov) und <strong>Herbert Lippert<\/strong> (Skuratov). Maltman, der den ausf\u00fchrlichsten Gefangenen-Monolog (3. Akt) zu bew\u00e4ltigen hat, stellt die verschiedenen Stimmen, die in seiner Erz\u00e4hlung vorkommen, stimmlich sehr differenziert mit unterschiedlichen Timbre-F\u00e4rbungen dar. Lippert verleiht dem Part des Skuratow belcantohafte Z\u00fcge. Ba\u00df-Bariton <strong>Sorin Coliban<\/strong> (Gorjantschikow) gef\u00e4llt mit einem warmen, vollen Ba\u00df; er singt seine Partie mit Innigkeit und kontrastiert so mit den \u00fcbrigen Gefangenen, die ihren Monologen eine innere Spannung und geradezu aggressive Intensit\u00e4t verleihen. Besonders gut gelingt dies <strong>Michael Roider<\/strong> als \u0160apkin.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p><em>In jedem Menschen steckt ein Funke Gottes<\/em> \u2013 Dieses Diktum stellte Jan\u00e1\u010dek seiner Partitur voran. Peter Konwitschny l\u00e4\u00dft auf der B\u00fchne davon nicht mehr viel sehen, vielmehr l\u00f6st er fast alle Vorgaben des Librettos dialektisch auf. Damit verringert er den \u201eSicherheitsabstand\u201c, den das Publikum angesichts einer Handlung, die weit weg in Sibirien in der Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist, einnehmen k\u00f6nnte. Das gef\u00e4llt nicht allen Zuschauern: Einige Buhs mischen sich unter den Schlu\u00dfapplaus.<\/p>\n<p>Annika Klanke<\/p>\n<p>Bild: Wiener Staatsoper\/Michael P\u00f6hn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Markus Eiche (Don Juan), Peter Jelosits (Kedril), Donna Ellen (Dirne)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek (1854-1928), Oper in drei Akten. Libretto: der Komponist nach F. M. Dostojewskijs Roman Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, UA am 12. 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