{"id":3492,"date":"2011-12-11T23:28:22","date_gmt":"2011-12-11T22:28:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3492"},"modified":"2011-12-13T23:30:32","modified_gmt":"2011-12-13T22:30:32","slug":"macbeth-leipzig-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3492","title":{"rendered":"MACBETH &#8211; Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodramma in 4 Akten, Libretto: Francesco Maria Piave u. Andrea Maffei nach William Shakespeares gleichnamigem St\u00fcck; UA: 21.April 1865 Paris, Th\u00e9\u00e2tre-Lyrique<\/p>\n<p>Regie: Peter Konwitschny, B\u00fchne: J\u00f6rg Kossdorff, Kost\u00fcme: Michaela Mayer-Michnay, Dramaturgie: Bettina Bartz u. Bernd Krispin<\/p>\n<p>Dirigent: Ulf Schirmer, Gewandhausorchester und Chor der Oper Leipzig<\/p>\n<p>Solisten: Bert Franzke (Duncan), Marco di Felice (Macbeth), James Moellenhoff (Banquo), Amarilli Nizza(Lady Macbeth), Giuseppe Varano (Macduff), Norman Reinhardt (Malcolm), Jean Broekhuizen (Kammerfrau), Milcho Borovinov (Arzt\/M\u00f6rder\/Diener)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. Dezember 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Leipzig-Macbeth.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3493\" title=\"Leipzig-Macbeth\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Leipzig-Macbeth.gif\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Leipzig-Macbeth.gif 231w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Leipzig-Macbeth-198x300.gif 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Hexen weissagen den Feldherren Macbeth und Banquo, da\u00df Macbeth Cawdor und K\u00f6nig von Schottland, Banquo aber Stammvater eines K\u00f6nigsgeschlechts werden soll. Der Weissagung Glauben schenkend, \u00fcberredet Lady Macbeth ihren Gemahl, den K\u00f6nig zu ermorden, um so seinen Aufstieg an die Macht zu bef\u00f6rdern. Sich an die Prophezeiung der Hexen erinnernd, versucht der mittlerweile zum K\u00f6nig gekr\u00f6nte Macbeth, Banquo und dessen Sohn Fleance umbringen zu lassen. Weitere Hexen-Weissagungen treiben Macbeth und seine Frau in einen m\u00f6rderischen Blutwahn, dem schlie\u00dflich beide selber zum Opfer fallen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Inszenierung handelt es sich um eine Koproduktion mit der Tokyo Nikikai Opera Foundation, die nach anderthalb Jahren von Leipzig nach Tokyo umziehen wird. Das B\u00fchnengeschehen wechselt dabei mehrmals zwischen zwei Hauptb\u00fchnenaufbauten, welche die einzelnen Bilder dominieren. Die Hexenszenen spielen in einer heruntergekommenen K\u00fcche mit dem Charme einer engen Hinterhofwohnung aus der Mitte des 20. Jahrhundert. Aus dem K\u00fchlschrank, den Oberschr\u00e4nken, dem Backofen und der Waschkaue tauchen die bunt gekleideten und mit langer Pappnase ausgestatteten Fabelwesen auf, wobei als Hexenkessel ein \u00fcberdimensionaler Schnellkochtopf herhalten mu\u00df. Die anderen Szenen spielen sich auf einer zum Zuschauerraum geneigten Halb-Rotunde ab, auf der, je nach Szene, ein Bett, Grabstelen oder auch einzelne Nadelb\u00e4ume aufgestellt sind. Ein mehrere Meter in die H\u00f6he ausfahrbarer Friseurstuhl dient als Thron. Hinter der Rotunde erhebt sich eine durchbrochene Wand mit Blick auf ein Foto einer schottischen Mittelgebirgslandschaft.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Ba\u00dfbariton <strong>Marco di Felice<\/strong> bleibt wie seine hellbraune Armeeuniform in Spiel und Gesang \u00fcber weite Strecken recht bla\u00df. Wie bestellt und nicht abgeholt wirkt seine zuweilen fast statisch wirkende Verk\u00f6rperung der tragischen Figur des Macbeth. So kann er selber auch gesanglich mit zuweilen hohl raunender Mittellage und zu arg gepressten, nicht ausgehaltenen H\u00f6hen den Zuschauer in seinem Monolog nicht wirklich abholen. Weniger \u00fcberfordert mit ihrer Rolle erschien hingegen <strong>Amarilli Nizza<\/strong> als Lady Macbeth. \u00dcberzeugend gestaltet sie spielerisch und gesanglich in glei\u00dfenden Spitzen ihres Soprans die anstachelnd treibende Kraft hinter Macbeths Machthunger, so da\u00df ihr <em>Nel d\u00ec della vittoria<\/em> \u2013 <em>Am Tag des Sieges<\/em> zu einer eindrucksvollen Darbietung ihres Stimmvolumens ger\u00e4t. Ebenso gelingt ihr auch in der Schlafwandelszene mit wendiger Stimmnuancierung das Scheitern f\u00fchlbar werden zu lassen. Ein weiterer gesanglicher Lichtblick der Auff\u00fchrung wird mit <strong>James Moellenhoff <\/strong>(Banquo) geboten. Sein erdiger Bass taucht das <em>Come dal ciel precipita l\u2019ombra<\/em> \u2013 <em>Sieh, wie vom Himmel schwer herab finstre Wolken<\/em> in ein warmes Aufleuchten druckvoller Stimmpr\u00e4senz. Die \u00fcbrigen Beteiligten liefern im Rahmen ihrer st\u00fccktechnisch begrenzten B\u00fchnenpr\u00e4senz solide ab, mehr aber auch nicht.<\/p>\n<p><strong>Ulf Schirmer<\/strong> treibt das <strong>Gewandhausorchester <\/strong>unter extrem wuchtig-massig klingendem Spiel durch die Partitur, wobei die S\u00e4nger lautst\u00e4rketechnisch unter ihren strahlenden Tutti f\u00f6rmlich begraben werden.<\/p>\n<p>Der <strong>Chor <\/strong>der Oper Leipzig<strong> <\/strong>gl\u00e4nzt als perfekt abgestimmter Klangk\u00f6rper mit klarem Duktus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung bleibt weit hinter den M\u00f6glichkeiten zur\u00fcck, die das St\u00fcck in Bezug auf schicksalhafte Handlungswendungen und innere Seelenkonflikte bietet und zeugt, von selten gesehener Uninspiriertheit. Eine weit ge\u00f6ffnete, von B\u00fchnenaufbauten fast g\u00e4nzlich befreite B\u00fchne, in der sich die Protagonisten verlieren, wird niemals die Verflechtungen der Personen und ihre innerlichen Bewegungen eindrucksvoll dramatisch bzw. intim vermitteln k\u00f6nnen. So wirkt ein mehrere Meter in die H\u00f6he gefahrener Macbeth auf seinem Friseurstuhl-Thron auf einer kahlen B\u00fchne wie ein groteskes Spiegelbild f\u00fcr die Ideenlosigkeit des Regisseurs. Hinzu kommt, da\u00df von machtgetriebener Gier bei den S\u00e4ngern durch wenig ambitioniertes Spiel und gesanglich oberfl\u00e4chlich gestaltete Rollenauslotung auch wenig zu sp\u00fcren war. Statt hei\u00dfem, gesanglichem Blutrausch wurde stark unterzuckerte, lasche Kost feilgeboten.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Andreas Birkigt<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Marco di Felice (Macbeth) und Amarilli Nizza (Lady Macbeth)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodramma in 4 Akten, Libretto: Francesco Maria Piave u. Andrea Maffei nach William Shakespeares gleichnamigem St\u00fcck; UA: 21.April 1865 Paris, Th\u00e9\u00e2tre-Lyrique Regie: Peter Konwitschny, B\u00fchne: J\u00f6rg Kossdorff, Kost\u00fcme: Michaela Mayer-Michnay, Dramaturgie: Bettina Bartz u. 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