{"id":3474,"date":"2011-12-11T22:39:32","date_gmt":"2011-12-11T21:39:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3474"},"modified":"2011-12-11T22:39:32","modified_gmt":"2011-12-11T21:39:32","slug":"die-fledermaus-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3474","title":{"rendered":"DIE FLEDERMAUS &#8211; Essen, Aalto Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Johann Strau\u00df jun. (1825-1899), Operette in drei Akten, Libretto: Karl Haffner\/Richard Gen\u00e9e, UA 1874, Wien<\/p>\n<p>Regie: Gil Mehmert, B\u00fchne: Jens Kilian, Kost\u00fcme: Dagmar Morell<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker, Chor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle<\/p>\n<p>Solisten: Peter Bording (Eisenstein), Alexandra Reinprecht (Rosalinde), Heiko Trinsinger (Falke), Hulkar Sabirova (Adele), Andreas Hermann (Alfred), Matthias Rexrodt (Orlofsky), Michael Haag (Frank), Tom Zahner (Frosch) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 10. Dezember 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Essen-Fledermaus.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3475\" title=\"Essen-Fledermaus\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Essen-Fledermaus.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Essen-Fledermaus.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Essen-Fledermaus-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Wien, Ende des 19. Jahrhunderts: Wegen Beamtenbeleidigung soll Eisenstein ins Gef\u00e4ngnis, wird aber von seinem Freund Falke zu einer Soiree beim Prinzen Orlofsky \u00fcberredet: In die Haftanstalt komme er am n\u00e4chsten Morgen immer noch rechtzeitig. W\u00e4hrend es auch Eisensteins Hausm\u00e4dchen Adele zur Soiree zieht, empf\u00e4ngt seine Frau Rosalinde ihren ehemaligen Liebhaber, Tenor Alfred. Dieser wird von Gef\u00e4ngnisdirektor Frank f\u00fcr Eisenstein gehalten und kurzerhand verhaftet. Der echte Eisenstein freundet sich bei Orlofsky mit einem gewissen Chevalier Chagrin an, in Wirklichkeit kein anderer als Frank. Und die ungarische Gr\u00e4fin, mit der Eisenstein heftig flirtet, ist eigentlich Rosalinde. Am n\u00e4chsten Morgen ist der Katzenjammer gro\u00df, im Gef\u00e4ngnis kl\u00e4rt sich unter den Augen des W\u00e4rters Frosch alles auf: Falke hat sich f\u00fcr einen Streich ger\u00e4cht, den ihm Eisenstein einst spielte und in den ein besonderes Requisit verwickelt war: ein Fledermaus-Kost\u00fcm.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang steht eine leere B\u00fchne: Hier schmachtet Alfred nach Rosalinde, freut sich Adele auf die Soiree, beide von Falke wie Marionetten an unsichtbaren F\u00e4den gef\u00fchrt. B\u00fchnenarbeiter tragen nach und nach die notwendigsten Einrichtungsgegenst\u00e4nde f\u00fcr eine moderne Wohnung zusammen. In diesem Interieur braucht Rosalinde vor Schreck \u00fcber die Begegnung mit Alfred erst einmal einen Cognac, der vom Gericht heimkehrende Eisenstein nimmt eine Dusche. Auch im zweiten Akt baut sich die Kulisse, Orlofskys Nachtclub, erst langsam auf, wieder auf Anweisung von Falke. Conf\u00e9rencier Orlofsky schwebt vom Schn\u00fcrboden herab und fr\u00f6nt dem Absinth ebenso gern wie dem Champagner. F\u00fcr seine Erz\u00e4hlung vom Fledermaus-Streich nutzt Eisenstein ein Smartphone-Video, das ihn als Elvis Presley, Falke im Batman-Kost\u00fcm zeigt. Das Gef\u00e4ngnis des dritten Aktes entsteht aus St\u00fctzen und Verstrebungen der Unterb\u00fchne \u2013 eine unheimliche Umgebung, in der Polizist Frosch mit Fernbedienung f\u00fcr das \u00dcberwachungssystem, Wandschmuck und Telefon k\u00e4mpft. Anschlie\u00dfend rauft er sich mit Direktor Frank um einen Hering. Und Eisenstein kommt mit seinen Unschuldsbeteuerungen an diesem Abend nicht weit: Er wird mit detaillierten Beweisfotos konfrontiert. Ende gut, alles gut?<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Wiener Operette ist szenisch wenig pr\u00e4sent, und auch musikalisch versucht sich die Produktion von Gewohntem zu l\u00f6sen: <strong>Stefan Soltesz<\/strong> l\u00e4\u00dft die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> durchweg z\u00fcgig-beschwingt musizieren. Eigentlich vorbildlich, aber die dynamische Sentimentalit\u00e4t und \u00dcberdrehtheit, der Tempowechsel sowie das charakteristische Nebeneinander (freilich ironisch gemeinter) werden dabei vernachl\u00e4ssigt. Wienerisches Flair kommt noch am ehesten bei der am Pausenende gespielten und (daran \u00e4ndern auch strafende Blicke des Dirigenten nichts) im Geraune des Publikums untergehenden Strau\u00df-Polka auf. Durchweg bestens aufgelegt ist das Ensemble, allen voran <strong>Peter Bording<\/strong> (Eisenstein), ein Vollblut-Kom\u00f6diant mit sch\u00f6n timbriertem, h\u00f6hensicherem Bariton. Wohlklang verbreitet auch <strong>Heiko Trinsinger<\/strong> (Falke): Sein Solo <em>Br\u00fcderlein, Schwesterlein<\/em> wird zu einem vokalen Glanzpunkt. <strong>Alexandra Reinprecht<\/strong> (Rosalinde) hat es darstellerisch faustdick hinter den Ohren, dabei kontrolliert sie ihre gro\u00dfe Stimme bis zu den Piani des Cs\u00e1rd\u00e1s <em>Kl\u00e4nge der Heimat<\/em> perfekt. Reinprechts wie ein Irrwisch \u00fcber die B\u00fchne tobende Kollegin <strong>Hulkar Sabirova<\/strong> (Adele) l\u00e4\u00dft die Koloraturen funkeln <em>Alles macht vor Ehrfurcht mir Spalier<\/em>, w\u00e4hrend <strong>Michael Haag<\/strong> (Frank) zwar vokal bla\u00df bleibt, aber im dritten Akt eine fantastische Slapstick-Pantomime liefert und sich dabei auch von dem urkomischen <strong>Tom Zahner<\/strong> (Frosch) nicht die Show stehlen l\u00e4\u00dft. <strong>Andreas Hermanns<\/strong> (Alfred) Tenor \u00f6ffnet sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten auch in der H\u00f6he und hat schlie\u00dflich noch genug Energie f\u00fcr eine Lohengrin-Einlage. <strong>Matthias Rexrodt<\/strong> (Orlofsky) meistert die f\u00fcr einen Countertenor unbequem liegende (und \u00fcblicherweise mit einem Mezzo besetzte) Partie mit Bravour \u2013 und nebenbei in zehn Zentimeter hohen Lackpumps auch manche szenische Herausforderung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr manchen Operetten-Puristen mag die bei Musical und Revuetheater kr\u00e4ftig Anleihen nehmende Inszenierung von <strong>Gil Mehmert<em> <\/em><\/strong>gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig sein. Aber die Gags z\u00fcnden, ohne je flach oder gar geschmacklos zu werden. Und die Idee, Falke als Theatermacher auftreten zu lassen, ist dramaturgisch durchaus plausibel. Musikalisch springt der Funke sp\u00e4testens beim (von Peter Bording unter der Dusche absolvierten) Duett <em>Ein Soup\u00e9e uns heute winkt<\/em> \u00fcber. Begeisterter Schlu\u00dfapplaus f\u00fcr alle Beteiligten.<\/p>\n<p>Dr. Eva Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Iko Freese<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michael Haag (Frank), Hulkar Sabirova (Adele), Heiko Trinsinger (Falke), Peter Bording (Eisenstein), Alexandra Reinprecht (Rosalinde) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Johann Strau\u00df jun. (1825-1899), Operette in drei Akten, Libretto: Karl Haffner\/Richard Gen\u00e9e, UA 1874, Wien Regie: Gil Mehmert, B\u00fchne: Jens Kilian, Kost\u00fcme: Dagmar Morell Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker, Chor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle Solisten: Peter Bording<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3474\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67,1],"tags":[],"class_list":["post-3474","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-essen-aalto-theater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3474"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3474\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3477,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3474\/revisions\/3477"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}