{"id":345,"date":"2008-06-28T15:27:02","date_gmt":"2008-06-28T13:27:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=345"},"modified":"2008-06-28T17:38:06","modified_gmt":"2008-06-28T15:38:06","slug":"dusseldorf-deutsche-oper-am-rhein-lucio-silla","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=345","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorf, Deutsche Oper am Rhein  &#8211; LUCIO SILLA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart, Dramma per musica in drei Akten, Libretto von Giovanni di Gamerra<br \/>\nU.A: 26. Dezember 1772, Mailand, Regio Ducal Teatro<br \/>\nRegie: Christof Loy, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Herbert Murauer<br \/>\nDirigent: Andreas Stoehr, Chor der Deutschen Oper am Rhein<br \/>\nSolisten: Bruce Rankin (Lucio Silla), Simone Kermes (Giunia), Mariselle Martinez (Cecilio), Kerstin Avemo (Lucio Cinna), Romana Noack (Celia), Mirko Roschkowski (Aufidio)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 21. Juni 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/duesseldorf-lucio-silla.jpg\" TITLE=\"duesseldorf-lucio-silla.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/duesseldorf-lucio-silla.jpg\" ALT=\"duesseldorf-lucio-silla.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Cecilio, der vom Diktator Lucio Silla verbannte Senator Roms, kehrt in die Stadt am Tiber zur\u00fcck, um seine Braut Giunia zu treffen. Diese will Silla jedoch selbst zur Frau nehmen. Da Silla der Erzfeind ihres verstorbenen Vaters ist, weigert sich Giunia heftig und trifft sich heimlich mit ihrem Geliebten Cecilio. Gemeinsam mit seinem Freund Cinna hegt dieser Mordpl\u00e4ne gegen Silla, welche aber scheitern. Daraufhin wird Cecilio zum Tode verurteilt und nimmt im Gef\u00e4ngnis Abschied von Giunia. Durch einen pl\u00f6tzlichen Sinneswandel l\u00e4\u00dft Silla zuletzt doch Gnade walten: Er l\u00e4\u00dft die Liebenden zueinander kommen, verheiratet auch seine Schwester Celia mit Cinna und legt alle seine \u00c4mter nieder.<br \/>\n<strong>Inszenierung<\/strong><br \/>\nDa\u00df die Wahl der Farben Schwarz und Wei\u00df als alles dominierende Grundt\u00f6ne nicht zwingend Schwarz-Wei\u00df-Malerei hei\u00dft, beweisen <strong>Christof Loy<\/strong> und <strong>Herbert Murauer<\/strong> mit dieser Inszenierung. Geschickt wissen sie die B\u00fchne mit wenigen Elementen in mehrere Raumebenen aufzuteilen, was die Personenregie zu Charakterstudien durch Personenkonstellationen anregt. Obwohl in <em>Lucio Silla<\/em> ausschlie\u00dflich Solo-Arien gesungen werden, ist selten die jeweils seinen Regungen Ausdruck gebende Figur allein auf der B\u00fchne. H\u00e4ufig befindet sich diejenige Figur, die Ausl\u00f6ser der Emotionen ist, in einer anderen Ebene des Raumes, sei sie auf einer gro\u00dfen Hebeb\u00fchne, sei sie mit dem Putzen der Kronleuchter besch\u00e4ftigt. Dies erm\u00f6glicht, gleichzeitig mehrere Handlungen nebeneinander ablaufen zu lassen. Einzig die Wahl, Sillas Monolog, in dem sich sein Sinneswandel vollzieht, durch ein Mikrophon singen zu lassen, ist mehr am\u00fcsant denn nachvollziehbar, erinnert dies doch stark an die Geb\u00e4rden eines drittklassigen Schlagers\u00e4ngers.<br \/>\n<strong>Ausf\u00fchrende<\/strong><br \/>\nWo anfangen mit all dem Lob, wenn im Grunde genommen nur eine Trennung zwischen den Stimmlagen vorgenommen werden kann? S\u00e4mtliche Soprane \u2013 die Mezzosopranistin eingeschlossen \u2013 \u00fcberzeugen mit einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Stimmgewalt und einer darstellerischen Leistung, da\u00df es einem die Sprache verschl\u00e4gt. Jede unter ihnen mei\u00dfelt die Regungen ihrer Seele mit unglaublicher Pr\u00e4zision und absolut treffsicherer Intonation heraus. <strong>Simone Kerres<\/strong> (Giunia) erntet frenetischen Zwischenapplaus, den die barockgeschulte S\u00e4ngerin f\u00fcr die meisterhafte Ausf\u00fchrung ihrer Kadenzen mehr als verdient hat. Mit einer warmen Klangfarbe, die durchaus energische Interpretationen zul\u00e4\u00dft, erweist sich <strong>Mariselle Martinez<\/strong> als perfekte Wahl f\u00fcr die Besetzung von Cecilio. Ihrer besonders \u00fcberzeugenden Darstellung kommt <strong>Kerstin Avemos<\/strong> (Lucio Cinna) androgynes Erscheinungsbild zu Gute, doch wei\u00df sie auch ihr kaltes, nahezu maskulines Timbre einzusetzen. <strong>Romana Noack<\/strong> spielt in der Figur der Celia eher eine Nebenrolle, ihre wenigen Auftritte sind jedoch Beweis genug f\u00fcr ihre hervorragende Sangestechnik.<br \/>\nDagegen schw\u00e4cheln die Ten\u00f6re: <strong>Bruce Rankins<\/strong> (Lucio Silla) Stimme ist zwar frei von jedweden Manieren, er h\u00e4lt sich fern von unangemessen gro\u00dfem Vibrato, doch beherrscht er die italienischen Vokalf\u00e4rbungen nicht. Dadurch wirkt sein Gesang wie gequ\u00e4kt, was auch noch dadurch unterst\u00fctzt wird, da\u00df er in einer Lage, die f\u00fcr einen Tenor keineswegs extrem ist, schon unsauber wird. Man wird ihn wohl eher ob seines schauspielerischen K\u00f6nnens denn ob seiner Sangeskunst besetzt haben. An solchen Defiziten leidet <strong>Mirko Roschkowski<\/strong> (Aufidio) zwar nicht, doch resultiert aus dem K\u00f6rpervolumen eines jungen Pavarotti noch lange nicht dessen Stimmvolumen. Wenn dem S\u00e4nger schon Raum gelassen wird zu eigenen Kadenzen, dann sollten diese nicht verpatzt werden.<br \/>\nEinen Kenner der historisierenden Auff\u00fchrungspraxis ans Dirigentenpult zu engagieren, stellt sich als \u00fcberaus treffsichere Entscheidung dar. So klingen unter der Leitung von <strong>Andreas Stoehr<\/strong> die an und f\u00fcr sich nicht spezialisierten <strong>D\u00fcsseldorfer Symphoniker<\/strong>, als h\u00e4tten sie ihr Lebtag nichts anderes als in einer Opera seria gespielt. Hut ab vor einem so vielseitigen Orchester!<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin Fest der starken Frauen, an dem eine Koloratur brillanter ist als die andere! F\u00fcr Liebhaber von sehr hoher Sangeskultur ist dieser Opernabend, der auch noch in der kommenden Spielzeit \u2013 auch im Schwesterhaus in Duisburg \u2013 gegeben wird, geradezu ein Pflichttermin! Dar\u00fcber war sich auch das Publikum einig. Doch in Sachen Inszenierung scheidet ein Christof Loy erneut die Geister. Fraglich bleibt jedoch, ob die wenigen, daf\u00fcr lautstarken Buh-Rufe tats\u00e4chlich der eigentlich sehr schlichten und wenig Angriffsfl\u00e4che bietenden Inszenierung gelten, oder dem Ph\u00e4nomen Loy per se.<\/p>\n<p>Chr. Lauter<br \/>\nBild: Eddy Straub<br \/>\nDas Bild zeigt Bruce Rankin (Lucio Silla), Simone Kerres (Giunia, auf dem Podest), Kerstin Avermo (Lucio Cinna) und Romana Noack (Celia).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart, Dramma per musica in drei Akten, Libretto von Giovanni di Gamerra U.A: 26. 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