{"id":343,"date":"2008-06-28T15:19:00","date_gmt":"2008-06-28T13:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=343"},"modified":"2008-06-28T15:19:00","modified_gmt":"2008-06-28T13:19:00","slug":"leipzig-oper-ariadne-auf-naxos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=343","title":{"rendered":"Leipzig Oper &#8211; ARIADNE AUF NAXOS"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (1864 \u2013 1949), Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel, Dichtung von Hugo von Hofmannsthal; UA: 1. Fassung 1912; Stuttgart, 2. Fassung, 1916 Wien<br \/>\nRegie: Karoline Gruber, B\u00fchnenbild: Roy Spahn, Kost\u00fcme: Michaela Barth, Licht: Michael R\u00f6ger, Choreographie: Winfried Schneider<br \/>\nDirigent: Lawrence Foster, Gewandhausorchester<br \/>\nSolisten: Friedhelm Erbele(Haushofmeister), Thuomas Pursio (Musiklehrer), Gabriela Scherer (Komponist), Wolfgang Schwaniger(Tenor bzw. Bacchus), Stephan Breithaupt (Offizier), Dan Karlstr\u00f6m (Tanzmeister), Andreas David (Per\u00fcckenmacher), Mikl\u00f3s Sebesty\u00e9n(Lakai), Olesya Golovneva (Zerbinetta), Dara Hobbs (Primadonna bzw. Ariadne), Paul Armin Edelmann (Harlekin), Timothy Fallon (Scaramuccio), Carsten Sabrowski (Truffaldin), Adrian Strooper (Brighella), Viktorija Kaminskaite (Najade), Genevi\u00e8ve King (Dryade), Jennifer Porto (Echo)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 20. Juni 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"leipzig-ariadne.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/leipzig-ariadne.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"leipzig-ariadne.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/leipzig-ariadne.jpg\" \/><\/a>Der reichste Mann Wiens gibt ein Fest. Dazu hat er von einem jungen Komponisten eigens eine Oper komponieren lassen: Ariadne auf Naxos. Allerdings mu\u00df der Komponist feststellen, da\u00df nach seinem Werk auch eine Kom\u00f6diantentruppe, die nach dem Vorbild der eher derben Commedia dell\u2019arte auf der B\u00fchne zu improvisieren pflegt, auftreten soll. Dann kommt kurz vor Beginn der Feier die Anordnung des Gastgebers, wegen Zeitmangels beides gleichzeitig aufzuf\u00fchren: die ernste Oper und die Sp\u00e4\u00dfe der Kom\u00f6dianten. Dies geschieht, trotz des Protestes des Komponisten und seiner S\u00e4nger.<br \/>\nAriadne, von Theseus auf Naxos verlassen, erwartet den Tod. Zerbinetta und ihre vier Liebhaber versuchen sie aufzuheitern, indem sie Ariadnes Leid als einen seelischen Zustand deuten, den jede verlassene Frau kenne und der sich durch eine neue Liebe ohne weiteres beheben lasse. In diesem Moment ereignet sich ein Wunder: Bacchus landet auf der Insel, wird von Ariadne versehentlich f\u00fcr Hermes gehalten, der die Toten in den Hades geleitet, und nimmt sie mit sich.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nMusikalisch \u00fcberzeugten die Leistungen aller, sowohl die der S\u00e4nger \u2013 allen voran die der Titelpartien, von denen <strong>Olesya Golovnevas<\/strong> Zerbinetta herausragte \u2013 als auch die der Musiker im Orchestergraben. Die kammermusikalischen Qualit\u00e4ten dieser Strauss\u2019schen Partitur kamen voll zur Geltung, und dementsprechend wurden Orchester und S\u00e4nger mit lautem Beifall bedacht, ebenso wie das Regieteam um Karoline Gruber. Diese Neuinszenierung wird vom Publikum also dankbar angenommen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr liegen auf der Hand: Die Regisseurin hat, und dies ohne Zweifel in den bildlichen Zitaten und Mitteln sehr intelligent und anspielungsreich, die Hofmannsthal\u2019sche Vorlage ernst genommen und lediglich behutsam aktualisiert.<br \/>\nDie Handlung spielt in einem Hotel, und zwar im Falle des Vorspiels in demjenigen Teil, den nur das Personal zu sehen bekommt: In dem Bereich zwischen K\u00fcche und Parkdeck, der prinzipiell unansehnlich und lieblos ist, und an dem den K\u00fcnstlern r\u00fcckhaltlos deutlich gemacht wird, da\u00df ihre Leistungen f\u00fcr den Geldgeber auf demselben Niveau wie die der Putzkolonnen und K\u00f6che rangieren. Die eigentliche Oper findet im Hotelrestaurant statt, als Unterhaltung f\u00fcr die \u2013 im \u00fcbrigen ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlichen \u2013 G\u00e4ste.<br \/>\nNun ist die Inszenierung als ganze sicherlich sehr durchdacht und kommt ohne unsch\u00f6ne \u00dcberraschungen und Regieeinf\u00e4lle aus, und dennoch befriedigt sie nicht ganz.<br \/>\nHierf\u00fcr d\u00fcrften vor allem drei Gr\u00fcnde ausschlaggebend sein: Zum einen mi\u00dftraut die Regisseurin wie viele ihrer Kollegen dem szenischen Stillstand, also den Momenten, in denen prim\u00e4r nichts anderes als gesungen wird. An solchen Stellen werden viele stumme Gesten eingef\u00fcgt, die nicht immer wirklich motiviert erscheinen. Im zweiten Teil der Oper wird das Hotelpublikum zum szenischen Kommentator: So bewegen sich die G\u00e4ste w\u00e4hrend Ariadnes Klagen traumverloren in Zeitlupe auf sie zu und entledigen sich ihrer Kleidung, und w\u00e4hrend des Duetts mit Bacchus verwandelt sich die B\u00fchne in eine wahrhaft phantastische Szene, die voll von fremdartigen, surrealen Wesen, riesigen Gew\u00e4chsen und pantomimischen Aktionen ist.<br \/>\nAuch im Vorspiel, das ungleich bewegter ist und in dem nicht selten Dutzende von stummen Handlungen nebeneinander zu sehen sind, wird so verfahren. Vielleicht w\u00e4re hier weniger mehr gewesen. Zum anderen muten diese zahlreichen Regieeinf\u00e4lle zum Teil recht naiv an. Wenn etwa der Zauber der Musik am Ende der Oper um sich greift, ist es \u00fcbertrieben, ja sogar st\u00f6rend, wenn versucht wird, auch optisch etwas Analoges zu bieten. Diese schlichte Doppelung der Medien \u00fcberzeugt nicht. Zum dritten ist das Timing der Aktionen oft nicht gut. Zwar werden alle heiteren Momente, so wie sie in dem St\u00fcck angelegt sind, brav herausgearbeitet, doch dar\u00fcber hinaus fehlt es etlichen Aktionen, die man zu sehen bekommt, an Eleganz der Ausf\u00fchrung, an Leichtigkeit. Hier w\u00e4re aus dem St\u00fcck und dem Regiekonzept mehr herauszuholen gewesen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine musikalisch untadelige, darstellerisch und b\u00fchnenbildnerisch reflektierte, wenn auch etwas kalt lassende Inszenierung. Empfehlenswert, aber sicher kein Meilenstein der Inszenierungsgeschichte von Strauss\u2019 Ariadne.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<br \/>\nBild: Andreas Birkigt<br \/>\nDas Bild zeigt: Paul Armin Edelmann (Harlekin), Adrian Strooper (Brighella), Timothy Fallon (Scaramuccio), Carsten Sabrowski (Truffaldin) von links, Olesya Golovneva (Zerbinetta), vorne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (1864 \u2013 1949), Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel, Dichtung von Hugo von Hofmannsthal; UA: 1. Fassung 1912; Stuttgart, 2. 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