{"id":3412,"date":"2011-10-23T11:10:56","date_gmt":"2011-10-23T10:10:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3412"},"modified":"2011-12-02T11:13:26","modified_gmt":"2011-12-02T10:13:26","slug":"orpheus-in-der-unterwelt-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3412","title":{"rendered":"ORPHEUS IN DER UNTERWELT &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffon in 2 Akten, Libretto: Hector Cr\u00e9mieux u. Ludivic Hal\u00e9vy; Deutsch von Peter Lund, UA: 1858, Paris (erste Fassung), 1874, Paris (zweite Fassung)<\/p>\n<p>Regie: Bernd Mottl, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Friedrich Eggert<\/p>\n<p>Dirigent: Johannes Pell, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Erfurt, Choreinstudierung: Andreas Ketelhut<\/p>\n<p>Solisten: Marwan Shamiyeh (Orpheus), Julia Neumann (Eurydike), Jens Goebel (\u00d6ffentliche Meinung), Andreas Schagerl (Pluto), Mate Solyom-Nagy (Jupiter), Astrid Thelemann (Juno), Michalina Bienkiewicz (Diana), Grit Redlich (Venus), Christoph Dyck (Cupido), Dario S\u00fc\u00df (Mars), Dirk Biedritzky (Merkur), J\u00f6rg Rathmann (Hans Styx) u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. Oktober 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Erfurt-Orpheus.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3413\" title=\"Erfurt-Orpheus\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Erfurt-Orpheus.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Erfurt-Orpheus.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Erfurt-Orpheus-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Orpheus und Eurydike haben sich auseinander gelebt. Orpheus, der die Nymphe Chloe verehrt, freut sich, da\u00df seine Frau von Pluto, der sich als deren Geliebter Aristeus ausgegeben hat, in die Unterwelt entf\u00fchrt wird. Die \u00d6ffentliche Meinung jedoch verlangt von ihm, da\u00df er Eurydike von den G\u00f6ttern zur\u00fcck erbittet. Zusammen mit dem Olymp tritt Orpheus die Reise in die Unterwelt an. Dort versucht Jupiter sie f\u00fcr sich selber in Gestalt einer Fliege zu entf\u00fchren. Von Pluto ermahnt, sie Orpheus zur\u00fcckzugeben, stellt er jenem die Bedingung, sich bei Verlassen des Hades nicht umzublicken, sonst m\u00fcsse Eurydike in der Unterwelt verbleiben. Als Jupiter einen Blitzstrahl entsendet, blickt sich Orpheus doch noch um, und Eurydike verweilt voller Freude von nun an bei den G\u00f6ttern.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Akt sehen wir die bunte Wohnk\u00fcche in der Art der Familie Feuerstein: Memos werden mit Hammer und Mei\u00dfel in Stein geritzt. Kamin und moderne Couch d\u00fcrfen nicht fehlen. Der Olymp gleicht einem Gartenpavillon auf einem Berggipfel mit Gartenst\u00fchlen und Liegen. Die Unterwelt ist ein H\u00f6hlensystem, das sich auf gro\u00dfe Dino-Knochen st\u00fctzt. Die Toten aus der Unterwelt haben wirres Haar und tragen verschmutze Leichengew\u00e4nder. Pluto hat von Anfang an Teufelsh\u00f6rner und Motorrad-Rocker-Lederkluft \u2013 er macht gar nicht den Versuch, sich als Aristeus auszugeben. Die G\u00f6tter haben wallendes Haar, lange B\u00e4rte und historisierende Gew\u00e4nder im Faltenlook. Zus\u00e4tzliche haben sie noch ihre Attribute in der Hand: Blitze f\u00fcr Jupiter, Bogen f\u00fcr Diana. Orpheus und Eurydike sind Figuren \u2013 wie sollte es anders sein &#8211; der <em>Familie Feuerstein<\/em> (amerikanische Zeichentrickserie in den 1960 Jahre) entlehnt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Meinung mit <strong>Jens Goebel<\/strong> zu besetzen kann man als Theatercoup, aber auch zwiesp\u00e4ltig sehen, denn der ehemalige Th\u00fcringer Kultusminister wurde mit der Schlie\u00dfung kultureller Einrichtungen in Zusammenhang gebracht, die lokale Presse verwendete die Bezeichnung <em>Banause<\/em>. \u00dcber eine abgeschlossene Sprechausbildung verf\u00fcgt der Professor f\u00fcr Mathematik ohrenscheinlich nicht, macht seine Sache aber doch ganz gut.<\/p>\n<p><strong>Johannes Pell<\/strong> nimmt den richtigen Schwung f\u00fcr diese klassische Operette. Das geht nicht auf Kosten der vielen Details und musikalischen Kostbarkeiten Offenbachs. Auch achtet er beispielhaft darauf, da\u00df die S\u00e4nger das richtige Tempo f\u00fcr eine deutliche Artikulation haben. Der Chor pa\u00dft ebenfalls in diesen Kanon: Und wenn er nicht nur in der Bewegung harmoniert, sondern auch mit seinen vierzig Stimmen mit dem Orchester eine Einheit bildet, da kann es passieren, da\u00df das Publikum beim Cancan mitklatscht. Die S\u00e4ngerriege befindet sich einheitlich auf gutem Niveau: Wie gewohnt souver\u00e4n <strong>Mate Solyom-Nagy<\/strong> als Jupiter, der aber auch gewaltig donnern kann. Sein Gegenspieler <strong>Andreas Schagerl<\/strong> als Pluto hat als Operettentenor sowohl lyrische als auch d\u00e4monische Momente. <strong>Marwan Shamiyeh<\/strong> ist ein erfreulich klangsch\u00f6ner Tenor, der die Rolle des Orpheus mit viel Durchschlagskraft singen kann, aber auch die lyrischen T\u00f6ne trifft in der Gluck-Arie <em>Ach ich habe sie verloren<\/em>. Dagegen bleibt die Eurydike <strong>Julia Neumann<\/strong> eher bla\u00df. Der Operetten-Spielbariton <strong>J\u00f6rg Rathmann<\/strong> kommt in der Ba\u00df-Partie des Hans Styx auch mit den tiefen T\u00f6nen erstaunlich gut zurecht. Auch die G\u00f6ttinnen sind rollengerecht besetzt: <strong>Michalina Bienkiewcz<\/strong> (Diana) singt sehr klangsch\u00f6n, ebenso <strong>Grit Redlich<\/strong> als Venus, w\u00e4hrend <strong>Astrid Thelemann<\/strong> als Jupiter-Gattin Juno mit Haaren auf den Z\u00e4hnen auch den hysterisch keifenden Ton sehr gut trifft.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Vieles macht diesen Abend zu einem Gewinn: Zum einen, da\u00df hier fast ohne Striche oder Umstellungen gearbeitet wird, denn Arien, Ch\u00f6re und sonstige Einlagen sind kaum ver\u00e4ndert oder aktualisiert. Dar\u00fcber hinaus bem\u00fchen sich alle S\u00e4nger, absolut textverst\u00e4ndlich zu singen und siehe da: Sogar der Humor der Originalfassung sorgt f\u00fcr so manchen Lacher. Ein buntes, comicartiges B\u00fchnenbild, hippe hellenistische Kost\u00fcme und eine absolut perfekte Bewegungschoreographie (absolut sehenswerter H\u00f6llen-Cancan zum Mitschunkeln!) f\u00fchren so zu einem heiter beschwingten Abend, den das belustigte Publikum mit viel Beifall goutiert.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Der Schiedsspruch des Jupiter: Orpheus darf Eurydike nicht ansehen beim Hinausf\u00fchren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jacques Offenbach (1819-1880), Op\u00e9ra-bouffon in 2 Akten, Libretto: Hector Cr\u00e9mieux u. 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