{"id":3313,"date":"2011-11-03T22:10:49","date_gmt":"2011-11-03T21:10:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3313"},"modified":"2011-11-04T22:12:46","modified_gmt":"2011-11-04T21:12:46","slug":"alcina-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3313","title":{"rendered":"ALCINA &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel, Dramma per musica in drei Akten, Libretto: unbekannter Verfasser, UA: 16. April 1735, Covent Garden Theatre, London<\/p>\n<p>Regie: Jan Philipp Gloger, B\u00fchne: Ben Baur<\/p>\n<p>Dirigent: Rainer M\u00fchlbach, Staatskapelle Dresden, Continuo: Simon Kalbhenn (Violoncello), Stefan Maass (Laute, Barockgitarre), Stephan Rath (Laute), Diethard Krause (Viola da Gamba), Johannes Wulff-Woesten, Jobst Schneiderat (Cembali)<\/p>\n<p>Solisten: Amanda Majeski (Alcina), Barbara Senator (Ruggiero), Christa Mayer (Bradamante), Simeon Esper (Oronte), Nadja Mchantaf (Morgana), Markus Butter (Melisso), Elena Gorshunova (Oberto)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Oktober 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Dresden-alcina.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3314\" title=\"Dresden-alcina\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Dresden-alcina.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Dresden-alcina.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/Dresden-alcina-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Alcina hat Ruggiero verzaubert und bei ihm jede Erinnerung an sein fr\u00fcheres Leben vertilgt. Bradamante, verkleidet als Ritter Riccardo, trifft auf der Suche nach ihrem Verlobten Ruggiero auf Alcinas Schwester Morgana. Diese verliebt sich in den Ritter, was die Mi\u00dfgunst ihres Verlobten Oronte hervorruft. Es gelingt, Ruggiero vom Zauber Alcinas zu befreien. Sogleich will Alcina Rache nehmen, um Ruggiero zur\u00fcckzugewinnen, den sie liebt. Aber wegen dieser Liebe versagen ihre Zauberkr\u00e4fte. Bradamante, Ruggiero und Melisso k\u00f6nnen fliehen, Alcinas zu wilden Tiere verhexten fr\u00fchere Liebhaber (darunter Obertos Vater) werden wieder Menschen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist ein einfacher wei\u00dfer Raum mit barocken Verzierungen. Jedoch k\u00f6nnen die teilbaren W\u00e4nde in den Raum hinein- und wieder hinausfahren, so da\u00df labyrinthartige Seiteng\u00e4nge und Neben-R\u00e4ume entstehen, die es den handelnden Personen erm\u00f6glichen, auf- und abzutreten oder unsichtbar, aber nicht erreichbar, auf der B\u00fchne zu verweilen. Als Alcinas Macht erlischt, verschwindet das Labyrinth, der einfache Raum ist wieder da. Die Kost\u00fcme sind modern: bunte Abendkleider f\u00fcr die Damen, Anz\u00fcge f\u00fcr die Herren oder legere Stra\u00dfenkleidung. Dazu geh\u00f6ren ein Koffer und eine viel herumgereichte Pistole, mit der sich Ruggiero am Ende erschie\u00dft. Der Raum versinkt auf den Seitenb\u00fchnen, Alcina setzt sich zu den auf der Hinterb\u00fchne plazierten Requisiten, der Rest des Ensembles verschwindet im Parkett.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><em>Die S\u00e4chsische Staatskapelle\u2026in der Continuo-Gruppe um historische Instrumente erg\u00e4nzt\u2026musiziert Alcina in historisch informierter Auff\u00fchrungsweise<\/em>, so steht es im Programmheft, das allerdings verschweigt, wer dieser Informant gewesen sein soll, denn Spezialisten der barocken Auff\u00fchrungspraxis finden, sich au\u00dfer den f\u00fcnf Musikern dieser Continuo-Gruppe, nicht auf dem Besetzungszettel. Der Unterschied des Spiels der Continuo-Gruppe zur Staatskapelle ist deutlich: W\u00e4hrend diese Gruppe den Klangwelten des Barock zustrebt, bleibt die Staatskappelle im harten wuchtigen Klang der Romantik verhaftet. Nach einem furiosen Auftakt gewinnt man au\u00dferdem den Eindruck, da\u00df die Staatskapelle zunehmend die heftigen Ruderbewegungen von Rainer M\u00fchlbach ignoriert. Statt barockem Wohlklang entsteht farblose Musik, statt technisch brillanter Koloraturen erlebt man technische Probleme der S\u00e4nger, sogar bei der Hauptrolle. Aber da man die Arien nicht k\u00fcrzte, f\u00e4llt es auf, wenn <strong>Amanda Majeski<\/strong> (Alcina) die Kraft ausgeht, die H\u00f6hen nur mit Kraft und zunehmender Sch\u00e4rfe erreicht, und so die Koloraturen glanzlos kommen. Im Gegensatz dazu sind die H\u00f6hen und Koloraturen von <strong>Christa Mayer <\/strong>klanglich einwandfrei, ihr dramatischer Sopran (mittlerweile im Wagner-Fach zu Hause) ist jedoch deutlich zu schwer f\u00fcr Bradamante. <strong>Nadja Mchantaf<\/strong> (Morgana) versucht sich ins Piano zu retten, jedoch tremoliert sie, was manchmal dazu f\u00fchrt, da\u00df die Stimme sich zu \u00fcberschlagen droht. Am besten gef\u00e4llt <strong>Barbara Senator<\/strong> als Mezzo in der Hosenrolle des Ruggiero. Sie schafft auch die hohen Spitzent\u00f6ne und kann Feuer auch in den tiefen Lagen entfachen. Das Feuer vermi\u00dft man wiederum bei <strong>Simeon Esper<\/strong> als Oronte, ein solider Charaktertenor, der aber keine barocke Farbenpracht entwickeln kann. <strong>Markus Butter<\/strong> ist der solide Hausbariton in der Nebenrolle des Melisso.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Abgesehen von einigen historischen Instrumenten deutete nichts darauf hin, da\u00df Alcina oder Georg Friedrich H\u00e4ndel wichtige Vertreter der Barockzeit waren und sind. Schwerpunkt der Staatskapelle ist mittlerweile die deutsche Romantik und in der Tat, so h\u00f6rte sich diese Oper auch an: Keine barocke Harmonie, keine mitrei\u00dfenden Koloraturen, sondern der schwere, wuchtige, mit aller Kraft gesungene romantische Klang. Das Publikum feierte die Inszenierung mehr als die musikalische Seite. Verst\u00e4ndlich, denn Jan Philipp Gloger nimmt das St\u00fcck, die Handlung und die Charaktere ernst. Die Regietheater-Einf\u00e4lle halten sich in Grenzen, so entsteht eine stringente Personenf\u00fchrung, die auch den Spannungsbogen h\u00e4lt, wenn die barocken Arien etwas l\u00e4nger dauern \u2013 auch wenn der Schlu\u00df mit dem Selbstmord von Ruggiero etwas befremdlich wirkte.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Amanda Majeski (Alcina) und Statisten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel, Dramma per musica in drei Akten, Libretto: unbekannter Verfasser, UA: 16. 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