{"id":3288,"date":"2011-10-24T11:52:35","date_gmt":"2011-10-24T10:52:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3288"},"modified":"2011-11-15T17:23:52","modified_gmt":"2011-11-15T16:23:52","slug":"les-contes-d%e2%80%99hoffmann-hoffmanns-erzahlungen-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3288","title":{"rendered":"Les Contes d\u2019Hoffmann &#8211; Hoffmanns Erz\u00e4hlungen &#8211; Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Jacques Offenbach (1819-1880), Fantastische Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Jules Barbier, UA 10. Februar 1881 (posthum)<\/p>\n<p>Regie: Dietrich Hilsdorf, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Johannes Leiacker<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker, Chor des Aalto Theaters, Einstudierung: Alexander Eberle<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Piffka (Hoffmann), Michaela Selinger (Muse\/Niklausse), Thomas J. Mayer (Lindorf\/Copp\u00e9lius\/Dr. Miracle\/Dapertutto), Rebecca Nelsen (Olympia), Olga Mykytenko (Antonia), Ieva Prudnikovaite (Giulietta), Rainer Maria R\u00f6hr (Andr\u00e8s\/Cochenille\/Frantz\/Pitichinaccio), Ren\u00e9e Morloc (Antonias Mutter), Marcel Rosca (Luther\/Spalanzani\/Crespel\/Schl\u00e9mil) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 22. Oktober 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Essen-Hoffmann.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3289\" title=\"Essen-Hoffmann\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Essen-Hoffmann.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"231\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Essen-Hoffmann.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Essen-Hoffmann-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der heruntergekommene Dichter und Komponist Hoffmann feiert mit Freunden in einer Studentenkneipe, w\u00e4hrend er auf die S\u00e4ngerin Stella wartet. Stadtrat Lindorf, wie Hoffmann in Stella verliebt, provoziert den K\u00fcnstler. Die Situation entsch\u00e4rft sich vor\u00fcbergehend, als Hoffmann von seinen vergangenen Liebschaften erz\u00e4hlt: von Olympia, die eigentlich eine Puppe ist, von Antonia, die sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode singt \u2013 und von der Kurtisane Giulietta, durch die Hoffmann zum M\u00f6rder wird. Unheimliche, Lindorf sehr \u00e4hnliche Widersacher kommen ihm immer wieder in die Quere. Am Ende der drei Erz\u00e4hlungen ist Hoffmann heillos betrunken und erkennt Stella nicht. Von allen verspottet bleibt ihm nur noch seine Muse, die ihm \u2013 verkleidet als sein Gef\u00e4hrte Niklausse \u2013 nie von der Seite gewichen ist.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Schauplatz dieser <em>Hoffmann<\/em>-Auff\u00fchrung ist die leere B\u00fchne eines modernen Theaters. Hier hat die Primadonna Stella eben noch ihren Triumph gefeiert, hier ergibt sich jetzt Hoffmann seinem Katzenjammer und l\u00e4\u00dft sich nur m\u00fchsam von seinen Fans \u2013 allesamt Opernbesucher \u2013 aus der Lethargie rei\u00dfen. Die Muse ist eine in Hoffmann verliebte Zuschauerin, die sich kurzerhand von einem ebenfalls im Publikum plazierten Statisten den Anzug ausleiht, um sich in Niklausse zu verwandeln. \u00dcberhaupt wird der im ersten und letzten Akt \u00fcbrigens komplett beleuchtete Zuschauerraum immer wieder in die Auff\u00fchrung einbezogen. W\u00e4hrend Hofmanns Erz\u00e4hlungen erh\u00e4lt die leere B\u00fchne die notwendigsten Requisiten und Kulissen. So kann etwa aus dem Horrorszenario des \u201eAntonia\u201c-Akts (die Mutter ist hier nicht als Bild pr\u00e4sent, sondern liegt im Sarg, bewacht von einem \u201e\u00fcberlebensgro\u00dfen\u201c Tod im Biedermeier-Kost\u00fcm) innerhalb von Sekunden Giuliettas Bordell entstehen. Am Ende erneut Leere: Auf der verwaisten B\u00fchne l\u00e4\u00dft sogar die Pistole Hoffmann im Stich, mit der er sich die Kugel geben will. Die Muse, nun wieder ganz Frau, erbarmt sich seiner, w\u00e4hrend der Chor aus dem Zuschauerraum die Schlu\u00df-Apotheose anstimmt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In der Titelpartie steht ein hervorragender S\u00e4nger-Darsteller auf der B\u00fchne des Aalto-Theaters: <strong>Thomas Piffka<\/strong> (Hoffmann) spielt den gescheiterten, in lichten Momenten immer noch charismatischen K\u00fcnstler mit Totaleinsatz. Wenn er am Schlu\u00df auf dem Boden hockt, apathisch das \u201eKlein-Zack\u201c-Lied vor sich hin singend, ist das ein Bild, das man so schnell nicht vergi\u00dft. Musikalisch orientiert sich Piffka an stilsicheren Vorbildern (etwa Alfredo Kraus): Schlank f\u00fchrt er seinen hell timbrierten Tenor durch die Partie, heldische T\u00f6ne blitzen nur in der strahlenden H\u00f6he auf. Die technisch heikle Arie <em>O dieu, de quelle ivresse \u2013 Gott, mit welcher Glut<\/em> gelingt nahezu m\u00fchelos. Auch <strong>Michaela Selinger <\/strong>(Muse\/Niklausse) sch\u00f6pft das darstellerische Potential ihrer Rolle voll aus und steht zudem mit ihrem agilen, glutvollen Mezzo hoch in der Publikumsgunst. Ein Schurke wie aus dem Bilderbuch ist <strong>Thomas J. Mayer<\/strong> (Lindorf\/Copp\u00e9lius\/Dr. Miracle\/Dapertutto) in den vier \u201eB\u00f6sewichter\u201c-Partien \u2013 seinem stimmgewaltigen, etwas groben Bariton mangelt es jedoch an der vor allem f\u00fcr den Verf\u00fchrer Dr. Miracle unentbehrlichen Eleganz.<\/p>\n<p>Konkurrenzf\u00e4hig auch auf internationalem Niveau sind Hoffmanns Liebschaften: Virtuos und koloraturgewandt <strong>Rebecca Nelsen<\/strong> (Olympia), leidenschaftlich-warm und mit sich in der H\u00f6he wunderbar \u00f6ffnender Stimme <strong>Olga Mykytenko<\/strong> (Antonia), sinnlich-herb und glamour\u00f6s <strong>Ieva Prudnikovaite<\/strong> (Giulietta). Kom\u00f6diantisches Urgestein schlie\u00dflich steht mit Marcel Rosca (Luther\/Spalanzani\/Crespel\/Schl\u00e9mil) und Rainer-Maria R\u00f6hr (Andr\u00e8s\/Cochenille\/Frantz\/Pitichinaccio) auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p>Die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> unter ihrem Chef <strong>Stefan Soltesz<\/strong> spielen pr\u00e4zise und dynamisch angenehm zur\u00fcckhaltend \u2013 aus dem Graben kommt der z\u00fcndende Funke an diesem Abend allerdings nicht. Da sorgt der spielfreudige, intonationssicher singende <strong>Chor des Aalto-Theaters<\/strong> doch f\u00fcr wesentlich mehr Schwung.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Da\u00df die Inspiration im Orchester mitunter fehlt, tut der musikalisch herausragenden Auff\u00fchrung keinen Abbruch. Bei der Inszenierung kommen Romantiker nicht auf ihre Kosten \u2013 daf\u00fcr gelingt es Regisseur <strong>Dietrich Hilsdorf<\/strong> und Ausstatter <strong>Johannes Leiacker<\/strong>, die schaurig-groteske Atmosph\u00e4re des Werkes mit wenigen Versatzst\u00fccken einzufangen. Und die (sehr effektvoll umgesetzte) Idee, den Zuschauerraum mit einzubinden, mag nicht neu sein, \u00fcberraschen l\u00e4\u00dft sich das Publikum so aber allemal. Gro\u00dfer Beifall f\u00fcr alle Beteiligten!<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Thomas Piffka (Hoffmann), Michaela Selinger (Muse\/Niklausse)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jacques Offenbach (1819-1880), Fantastische Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Jules Barbier, UA 10. 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