{"id":3277,"date":"2011-10-18T18:40:03","date_gmt":"2011-10-18T17:40:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3277"},"modified":"2011-10-21T10:27:02","modified_gmt":"2011-10-21T09:27:02","slug":"faust-weimar-deutsches-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3277","title":{"rendered":"FAUST &#8211; Weimar, Deutsches Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper in vier Akten von Charles Gounod (1818\u20131893), Text nach Goethe von Jules Barbier und Michel Carr\u00e9, UA: 19. M\u00e4rz 1859<\/p>\n<p>Regie: Karsten Wiegand, B\u00fchne: B\u00e4rbl Hohmann, Kost\u00fcme: Ilse Welter, Choreographie: Otto Pichler, Choreinstudierung: Markus Oppeneiger, Fabian W\u00f6hrle<\/p>\n<p>Dirigent: Felix Bender, Staatskapelle Weimar, Opernchor des DNT Weimar, Philharmonischer Chor Weimar, Statisterie<\/p>\n<p>Solisten: Alexander G\u00fcnther (Faust alt), Artjom Korotkov (Faust jung), Remigiusz Lukomski (M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s), Larissa Krokhina (Marguerite), Uwe Schenker-Primus (Valentin), Ulrika Str\u00f6mstedt (Si\u00e9bel), Jie Zhang (Marthe Schwerdtlein), Alexandra Schenker-Primus (T\u00e4nzerin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Oktober 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Weimar-Faust.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3278\" title=\"Weimar-Faust\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Weimar-Faust.gif\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Weimar-Faust.gif 233w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Weimar-Faust-199x300.gif 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der greise Gelehrte Faust l\u00e4\u00dft sich auf einen Pakt mit dem Teufel ein, um seine Jugend wiederzugewinnen. Verj\u00fcngt verliebt er sich in die gl\u00e4ubige Marguerite und verf\u00fchrt sie mit Hilfe des Teufels. Nach der Liebesnacht verl\u00e4\u00dft er sie jedoch sofort, um mit dem Teufel neue Abenteuer zu erleben. Marguerite wird schwanger und mu\u00df nun mit der Schande ihrer S\u00fcnde leben, ohne famili\u00e4ren Halt, denn der Bruder ist in den Krieg gezogen. Ausgeschlossen aus ihrer Gemeinde bringt sie das Kind auf die Welt. In ihrer Verzweiflung t\u00f6tet sie es und wird als Kindsm\u00f6rderin zum Tode verurteilt. Faust wird sich seiner frevlerischen Tat bewu\u00dft und versucht Marguerite zu retten. Diese weigert sich jedoch, mit ihm zu fliehen und kann somit wenigstens ihre Seele vor den F\u00e4ngen des Teufels besch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>In Karsten Wiegands Inszenierung spielt sich das Drama um die verf\u00fchrte Marguerite lediglich im vorderen B\u00fchnenbereich ab. Eine massive, schwarze Wand aus undefinierbarem Material dominiert das B\u00fchnenbild. Mit nur wenigen Ausstattungselementen und einer raffinierten Ausleuchtung dieser Wand werden in jedem einzelnem Bild der Auff\u00fchrung andere R\u00e4ume geschaffen. So haust der greise Faust zun\u00e4chst in einer winzigen Holzbox und verziert dessen W\u00e4nde gedankenverloren mit Zahlenreihen. Marguerite wohnt in einer Miniaturversion von Goethes Gartenhaus \u2013 au\u00dfen mit Ilmpark-Stimmung, innen mit Kinderbildern geschm\u00fcckt \u2013\u00a0 und den Kirchenraum des dritten Aktes bilden sogar lediglich die Choristen, in dem sie sich zu einem Kreuz aufstellen. Nur ein einziges Mal \u00f6ffnet sich die Wand und gibt den Blick frei auf ein festliches Bankett, nachdem Marguerite am Ende des Dramas gerichtet wird, und erinnert unweigerlich an das ber\u00fchmte Abendmahlgem\u00e4lde Leonardo da Vincis. Die Kost\u00fcme von Solisten und Ensemble sind moderne Alltagskleider unserer Epoche.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter dem leidenschaftlichen Dirigat des jungen Kapellmeisters <strong>Felix Bender<\/strong> spielte die <strong>Staatskapelle Weimar<\/strong> gl\u00e4nzend. Das Orchester spielte die bildgewaltige Musik Gounods mit instrumentaler Transparenz und dynamischer Differenziertheit. Auch das Blechbl\u00e4serensemble zur Heimkehr der Soldaten, das im dritten Akt auf der B\u00fchne in \u00fcberspitzter Lautst\u00e4rke spielt, verfehlte seinen Effekt nicht.<\/p>\n<p>Der zun\u00e4chst etwas befremdet wirkende <strong>Remigiusz Lukomski<\/strong> (M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s) fand im Verlauf der Auff\u00fchrung mehr und mehr in seine Rolle und wurde ihr auch stimmlich mit seinem geschmeidigem Ba\u00df gerecht. Der kurze Auftritt <strong>Alexander G\u00fcnthers<\/strong> als alter Faust war herausragend. Die klagende Arie des verbitterten Universalgenies wurde dank der Akustik der Holzbox zwar verst\u00e4rkt, h\u00e4tte aber auch ohne diesen Effekt nichts an ihrem Ausdruck und Leidenschaft verloren. Der Tenor <strong>Artjom Korotkov<\/strong> (junger Faust) wirkte hingegen etwas fahl in Darstellung und Gesang. Die hohen Spitzent\u00f6ne gelangen ihm nur mit M\u00fche und hatten keine strahlende Kraft. Nur im Liebesduett mit <strong>Larissa Krokhina<\/strong> (Marguerite) konnte er \u00fcberzeugen. Die Sopranistin hingegen bezauberte mit ihrer kindisch-naiven Darstellung, welche anschlie\u00dfend umso dramatischer in ihre Darstellung der von Sehnsucht, Entt\u00e4uschung und Verzweiflung ersch\u00fctterten S\u00fcnderin Marguerite umschlug. Auch in ihrem Gesang fand sich diese emotionale Palette wieder. Sowohl der Bariton <strong>Uwe Schenker-Primus<\/strong> (Valentin) als auch die Mezzosopranistin <strong>Ulrika Str\u00f6mstedt<\/strong> (Si\u00e9bel) rundeten neben der klangvollen Altistin <strong>Jie Zhang<\/strong> (Marthe Schwerdtlein) das Solistenensemble gut ab.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn auch minimalistisch in der Ausstattung, so besticht Gounods Faust in Weimar dennoch durch seine atmosph\u00e4rische Dramaturgie, die Lichtregie und einzelne ironische Elemente wie dem erw\u00e4hnten Gartenhaus Goethes. Die drastische und an unsere Fernseh\u00e4sthetik erinnernde Darstellung des Kindesmords bleibt hingegen eine Frage des Geschmacks. Die Phantasie des Zuschauers wird dadurch jedenfalls in keiner Weise angeregt. Musikalisch verdiente die Auff\u00fchrung den langanhaltenden Premierenapplaus des Publikums vollauf.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Artjom Korotkov (Faust jung) verf\u00fchrt Larissa Krokhina (Marguerite) in einer lauschigen Sommersnacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper in vier Akten von Charles Gounod (1818\u20131893), Text nach Goethe von Jules Barbier und Michel Carr\u00e9, UA: 19. 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