{"id":3246,"date":"2011-09-26T11:24:27","date_gmt":"2011-09-26T10:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3246"},"modified":"2011-10-06T13:23:49","modified_gmt":"2011-10-06T12:23:49","slug":"l%e2%80%99africaine-%e2%80%93-die-afrikanerin-vasco-da-gama-wurzburg-mainfranken-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3246","title":{"rendered":"L\u2019AFRICAINE \u2013 DIE AFRIKANERIN (VASCO DA GAMA) &#8211; W\u00fcrzburg, Mainfranken Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Oper in 5 Akten, Text: Eug\u00e8ne Scribe und Charlotte Birch-Pfeiffer, UA: 28. April 1865, Paris<\/p>\n<p>Regie: Gregor Horres, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Jan Bammes<\/p>\n<p>Dirigent: Enrico Calesso, Philharmonisches Orchester W\u00fcrzburg, Opernchor und Extrachor des Mainfranken Theaters W\u00fcrzbug, Choreinstudierung: Markus Popp<\/p>\n<p>Solisten: Johann F. Kirsten (Don P\u00e9dro), Paolo Ruggiero (Don Diego), Nathalie de Montmollin (In\u00e8s), Paul McNamara (Vasco de Gama), Yong Bae Shin (Don Alvar), J\u00f6rn E. Werner (Gro\u00dfinquisitor), Adam Kim (N\u00e9lusko), Karen Leiber (S\u00e9lika), Paolo Ruggiero (Oberpriester des Brahma), Sonja Koppelhuber (Anna), Kenneth Beal (Ratsdiener), David Hieronimi (Matrose), Deuk-Young Lee (Priester)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 25. September 2011 (Premiere, in franz\u00f6sischer Sprache)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Klein-Wuerzburg-Hohlbach40.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3248\" title=\"Klein Wuerzburg Hohlbach40\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Klein-Wuerzburg-Hohlbach40.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Klein-Wuerzburg-Hohlbach40.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Klein-Wuerzburg-Hohlbach40-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Br\u00fcche und Ungereimtheiten der Handlung dieser unvollendeten Oper ist Folge der Bearbeitung der nachgelassenen Materialien Meyerbeers f\u00fcr die Pariser Urauff\u00fchrung durch Fran\u00e7oise Joseph F\u00e9tis. So reaktivierte er den urspr\u00fcnglichen Werktitel <em>L\u2019Africaine,<\/em> den Meyerbeer inzwischen durch <em>Vasco de Gama <\/em>ersetzt hatte. Eine \u00dcberwindung der Gegens\u00e4tze zwischen den Kulturen ist weder auf politischer noch auf privater Ebene m\u00f6glich, es gibt immer auf beiden Seiten Sieger und Besiegte, wenngleich eine Schwarz-Wei\u00df-Malerei der Parteien unterbleibt. F\u00fcr Meyerbeer gibt es nur die reine Liebe, hier die Liebe der Inderin zum Europ\u00e4er S\u00e9likas zu Vasco, aber sie findet keine Erwiderung; Vasco verl\u00e4\u00dft S\u00e9lika wegen seiner portugiesischen Geliebten In\u00e8s. S\u00e9lika aber sucht den Tod im giftigen Bl\u00fctenduft des Manzanillo-Baums.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das Regieteam und der Dirigent haben sich weitgehend an der F\u00e9tis-Fassung orientiert, bei 3,5 Stunden Spieldauer fehlen nur etwa 30 Minuten. Man sieht<strong> <\/strong>zwischen zwei verschiebbaren, leicht schr\u00e4gen Eisenw\u00e4nden abwechselnd einen portugiesischen Ratssaal, Kerker, Schiffsr\u00fcmpfe sowie das Brahma-Heiligtum. Nur wenige St\u00fchle oder Bischofsst\u00e4be komplettieren das Bild. Die Kost\u00fcme charakterisieren ihren Tr\u00e4ger und sind zeitlos gehalten. So sehen sich der Gro\u00dfinquisitor und der Brahma-Priester sehr \u00e4hnlich: Beide K\u00f6pfe sind gelb geschminkt, der eine tr\u00e4gt das Beffchen eines katholischen Priesters, der andere einen Sakko-Umhang. Zus\u00e4tzlich sind die Gesichter, K\u00f6rper oder Teile der Gew\u00e4nder der Inder mit Hennatattoos (Mehndi) bemalt. Die Inder tragen zun\u00e4chst nur Hosen, sp\u00e4ter ebenfalls einen schwarzen Sakko-Umhang, S\u00e9lika als Sklavin eine schwarze Kombination, sp\u00e4ter Pelzrobe und Krone. Die Portugiesen sind in stilisierte Renaissance Gew\u00e4nder und &#8211; auch die Damen \u2013 eine Halskrausegekleidet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Anforderungen Meyerbeers an alle Mitwirkenden sind sehr hoch, es gelingt jedoch <strong>Enrico Calesso<\/strong> Orchester, Chor und S\u00e4nger Einheit zu verschmelzen. So werden die manchmal auftretenden L\u00e4ngen mit orchestraler Eleganz \u00fcberspielt und die Emotionen mit Tempo\u00e4nderungen und mitrei\u00dfenden Crescendi hochgekocht. Calesso l\u00e4\u00dft das Publikum Meyerbeers Belcanto genie\u00dfen, denn alle Solisten verf\u00fcgen \u00fcber die vokale Souver\u00e4nit\u00e4t, um diese Emotionen darzustellen: An erster Stelle ist da <strong>Adam Kim<\/strong> (N\u00e9lusko) zu nennen. Es ist schon beeindruckend wie geschickt er sich diese m\u00f6rderisch lange Partie einteilt. Sicherlich st\u00f6\u00dft er manchmal dabei konditionell an seine Grenzen, aber bei seiner Glanznummer, der Erz\u00e4hlung von <em>Adamastor, dem K\u00f6nig der Wellen<\/em> rei\u00dft er das Publikum zu Begeisterungsst\u00fcrmen hin. <strong>Karen Leiber<\/strong> als K\u00f6nigin S\u00e9lika gl\u00e4nzt mit technisch sauberen, klaren H\u00f6hen. \u00dcberzeugend in den nachdenklichen Passagen mit tragender Piano-Stimme, furios im Forte bei ihren Wutausbr\u00fcchen. Fast das Gleiche gilt f\u00fcr <strong>Nathalie de Montmollin<\/strong> (Ines), deren Rolle genauso anspruchsvoll, aber k\u00fcrzer ist: Nur in den H\u00f6hen ist sie nicht so klar. <strong>Paul McNamara<\/strong> (Vasco de Gama), der Wagner-Tenor des Hauses, k\u00e4mpft sich mit viel Strahlkraft durch die Rolle, bei den schwierigen Koloraturen mu\u00df er sich zur\u00fcckhalten. Seine <em>Arie Land, so wunderbar!<\/em> im vierten Akt wird seine neue Visitenkarte. Interessant auch das Fernduell der beiden B\u00e4sse <strong>J\u00f6rn E. Werner<\/strong> und <strong>Paolo Ruggiero<\/strong> als Gro\u00dfinquisitor bzw. Brahma-Priester. Beide verf\u00fcgen \u00fcber technisch hervorragende Koloraturen und gro\u00dfe Strahlkraft &#8211; besonders in den Tiefen dieser Partien. Einen Ehrenkranz f\u00fcr den erweiterten Chor unter <strong>Markus Popp<\/strong>, der ein gro\u00dfes Kollektiv zu einem berauschenden Einheitsklang zusammenf\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Eines mu\u00df man dem Mainfranken Theater attestieren: Da\u00df es alle Kr\u00e4fte mobilisiert hat, um die gro\u00dfen Ensembleszenen klangvoll und \u00fcberzeugend auf die B\u00fchne zu bringen \u2013 ein St\u00fcck vom Glanz der <em>Grand Op\u00e9ra<\/em>. So war der Chor mit fast 60 Personen fast so gro\u00df wie das Orchester, das die dazu passende und ad\u00e4quate Klangkulisse lieferte. Au\u00dferdem verst\u00e4rkt das einfache B\u00fchnenbild die Akustik, was vor allem die Solisten unterst\u00fctzt \u2013 gerade N\u00e9lusko und S\u00e9lika sch\u00e4tzen diese Unterst\u00fctzung. Die Regie konzentriert sich auf das Liebesdrama und das Verh\u00e4ltnis zwischen Kolonialisten und Kolonie (damals wie heute: keine von beiden Seiten ist moralisch besser!). Das war sicherlich eine Meyerbeer mehr als w\u00fcrdige Inszenierung. Lang anhaltender und donnernder Applaus war der Dank des Publikums f\u00fcr die gro\u00dfartige Leistung des W\u00fcrzburger Stadttheaters, die damit Meyerbeers die Hoffnung sch\u00fcrt, da\u00df Meyerbeer wieder \u00f6fters gespielt wird.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Falk von Traubenberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Adam Kim (N\u00e9lusko), Karen Leiber (S\u00e9lika)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Oper in 5 Akten, Text: Eug\u00e8ne Scribe und Charlotte Birch-Pfeiffer, UA: 28. 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