{"id":3208,"date":"2011-09-23T21:25:35","date_gmt":"2011-09-23T20:25:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3208"},"modified":"2011-09-26T21:30:09","modified_gmt":"2011-09-26T20:30:09","slug":"faust-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3208","title":{"rendered":"FAUST &#8211; Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Charles Gounod, Oper in f\u00fcnf Akten,\u00a0 Libretto: Jules Barbier und Michel Carr\u00e9, UA: 19. M\u00e4rz 1859, Th\u00e9\u00e2tre Lyrique, Paris (Version mit gesprochenen Dialogen), 3. M\u00e4rz 1869, Salle Le Peletier, Paris (endg\u00fcltige Fassung mit Rezitativen)<\/p>\n<p>Regie: Jean-Louis Martinoty, B\u00fchne: Johan Engels, Kost\u00fcme: Yan Tax, Licht: Fabrice Kebbour<\/p>\n<p>Dirigent: Alain Altinoglu, Chorleiter: Patrice Marie Auber, Chor und Orchester de l\u2019Op\u00e9ra National de Paris<\/p>\n<p>Solisten: Roberto Alagna (Faust), Paul Gay (Mephistophl\u00e9l\u00e8s), Inva Mula (Marguerite), Tassis Christoyannis (Valentin), Ang\u00e9lique Noldus (Siebel), Marie-Ange Todorovitch (Dame Marthe), Alexandre Duhamel (Wagner), R\u00e9my Corrazza (Faust II)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung:\u00a0 22. September 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Paris-Faust.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3209\" title=\"Paris-Faust\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Paris-Faust.gif\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Paris-Faust.gif 234w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Paris-Faust-200x300.gif 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Faust, des Lebens \u00fcberdr\u00fcssig, will sich vergiften, doch willigt er schlie\u00dflich gegen\u00fcber Mephisto ein, seine Seele gegen erneute Jugend einzutauschen. Valentin, in den Krieg ziehend, bittet seine Freunde, seine Schwester Marguerite zu besch\u00fctzen. Faust lernt Marguerite kennen\u00a0 und schenkt ihr Schmuck. Sie kann der Versuchung ihn anzulegen nicht\u00a0 widerstehen. Faust, mit Marguerite alleine gelassen, erkl\u00e4rt ihr seine Liebe. Sie entbrennt in Liebe und gibt sich ihm schlie\u00dflich hin. Im Duell Faust gegen den heimgekehrten Valentin wird letzterer durch Mephistos Zutun get\u00f6tet. Von allen versto\u00dfen, sucht Marguerite Zuflucht im Gebet, doch Mephistos verfolgt sie bis in die Kirche. Mitten in Mephistos Hexensabbat, der Walpurgisnacht, erscheint Faust Marguerites Bild. Er sucht sie und findet sie als M\u00f6rderin ihres Neugeborenen zum Tode verurteilt im Kerker. Als Faust und Mephisto sie zur Flucht verleiten wollen, erkennt sie den Teufel und st\u00f6\u00dft damit auch ihren einstigen Geliebten zur\u00fcck &#8212; lieber sterben als dem Teufel folgen &#8212; und rettet damit ihre Seele.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Nach alter franz\u00f6sischer Gewerkschaftstradition haben die B\u00fchnentechniker der Pariser Oper das Publikum wieder mal zu Gei\u00dfeln gemacht, indem sie kurzfristig f\u00fcr den Premierenabend ein Streik ansetzten, was eine szenische Auff\u00fchrung ausschlo\u00df. Die Direktion hat prompt und phantasievoll reagiert und vier Reihen Plastikst\u00fchle auf die offene B\u00fchne gestellt, auf dem der etwas 80 Personen starke Chor in dunklen B\u00fc\u00dfergew\u00e4ndern zu sitzen kam. Davor sangen und gaben die Solisten in Frack und Abendkleid eine beschr\u00e4nkte, aber ausreichende schauspielerische Darbietung, um den Verlauf der Handlung verst\u00e4ndlich zu machen. Verallgemeinernd kann man fast sagen, da\u00df eine solche szenische Improvisation mancher schlechten Inszenierung vorzuziehen w\u00e4re, weil sich das Publikum verst\u00e4rkt auf die Musik konzentrieren kann.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Der geb\u00fcrtige Franzose sizilianischer Abstammung, <strong>Roberto Alagna<\/strong>, singt mit wohl timbrierter Ternorstimme erst den lebens\u00fcberdr\u00fcssigen Greis in <em>L\u2019amour! \u2026. la guerre&#8230;tous les instincts et tous les d\u00e9sirs de la jeunesse \u2013 Die Liebe! \u2026 der Krieg \u2026 alle Instinkte und alle W\u00fcnsche der Jugend<\/em> (1. Akt) sp\u00e4ter den sensiblen, verliebten J\u00fcngling in <em>Salut! demeure chaste et pure \u2013 sei gegr\u00fc\u00dft Unschuld und Reinheit <\/em>(3. Akt) und im zarten Liebesduett mit Marguerite am Ende des dritten Akts. <strong>Inva Mula<\/strong> (Marguerite) kreiert mit reiner klarer Sopranstimme \u2013 statt der sonst oft \u00fcblichen hoch dramatischen Blaustrumpf-Matrone \u2013 ein bezauberndes, sensibles junges M\u00e4dchen, das zu Liebe und Sinnlichkeit erwacht. Ihre feinf\u00fchlige Interpretation, sowohl stimmlich wie schauspielerisch, entsprechen dieser Rolle, als sei sie f\u00fcr sie geschrieben worden. Sie singt verhalten und doch lebendig und l\u00e4\u00dft die St\u00e4rke ihrer Stimme nur dort durchdringen, wo es absolut notwendig erscheint. So wird auch aus der <em>Schmuckarie<\/em> (3. Akt) nicht, wie so oft, ein Bravourst\u00fcck, sondern der subtil psychologische und entscheidende Wendepunkt der Handlung. <strong>Paul Gay<\/strong> (Mephistopheles) dominiert mit sch\u00f6ner gewaltiger Ba\u00dfstimme und intelligentem d\u00e4monisch-zynischem Spiel die kleine Welt um ihn herum. Er ist besonders teuflisch-mitrei\u00dfend in der <em>Ronde du veau d\u2019or<\/em> (Lied vom goldenen Kalb, 2. Akt) in dem der Chor mit <em>Et Satan conduit bal \u2013 und Satan beginnt den Ball <\/em>die Repliken gibt. Er ist es auch, der der Oper ihre phantastische Dimension gibt.<\/p>\n<p><strong>Tassis Christoyannis<\/strong> (Valentin) erfreut mit warmer Baritonstimme in <em>Avant de quitter ces lieux<\/em> \u2013 Bevor ich diesen Ort verlassen mu\u00df (2. Akt). <strong>Ang\u00e9lique Noldus<\/strong> als Siebel, <strong>Marie-Ange Todorovitch<\/strong> (Marthe) und <strong>Alexandre Duhamel<\/strong> (Wagner) erg\u00e4nzen das ausgezeichnete Ensemble.<\/p>\n<p>Zu erw\u00e4hnen sei noch der hervorragende <strong>Chor<\/strong>, besonders beeindruckend in der Walzermelodie <em>Ainsi que la brise l\u00e9g\u00e8re<\/em> (2. Akt) sowie als M\u00e4nnerchor im <em>Soldatenchor<\/em>.<\/p>\n<p>Der junge Dirigent <strong>Alain Altinoglu<\/strong> f\u00fchrt Solisten, Chor und das Orchester dynamisch und pr\u00e4zise, aber dennoch mit nuancierter Musikalit\u00e4t durch die unglaublich reichhaltige Partitur.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Goethes <em>Faust<\/em> in G\u00e9rard de Nervals \u00dcbersetzung hat in der franz\u00f6sischen Opernliteratur des 19. Jahrhunderts zwei gro\u00dfe Werke inspiriert: Berlioz\u2019 <em>La Damnation de Faust<\/em> und Gounods <em>Faust<\/em>. Letztere ist nach Bizets <em>Carmen<\/em> die meistgespielteste franz\u00f6sische Oper. Sie ist quasi zu ihrem Inbegriff geworden, mit der schnellen Abfolge kontrastierter Melodien, Tempi und Bilder, mit dem Wechsel von Ch\u00f6ren, Chansons, lyrischen Szenen und melodramatischem Finale.<\/p>\n<p>Die Premiere dieser Neuinszenierung ist der materiellen Widrigkeiten zum Trotz zu einem Triumph geworden und wurde entsprechend mit Beifall bedacht.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Op\u00e9ra national de Paris\/ Charles Duprat<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Inva Mula (Marguerite), Roberto Alagna (Faust), oben, Paul Gay (M\u00e9phistoph\u00e9l\u00e8s)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Charles Gounod, Oper in f\u00fcnf Akten,\u00a0 Libretto: Jules Barbier und Michel Carr\u00e9, UA: 19. M\u00e4rz 1859, Th\u00e9\u00e2tre Lyrique, Paris (Version mit gesprochenen Dialogen), 3. 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