{"id":3198,"date":"2011-09-24T21:24:46","date_gmt":"2011-09-24T20:24:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3198"},"modified":"2011-09-25T21:37:56","modified_gmt":"2011-09-25T20:37:56","slug":"carmen-stockholm-konigliche-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3198","title":{"rendered":"CARMEN &#8211; Stockholm, K\u00f6nigliche Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georges Bizet (1838-1875), Oper in vier Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy nach einer Novelle von Prosper M\u00e9rim\u00e9e, UA:\u00a03. M\u00e4rz 1875, Op\u00e9ra Comique, Salle Favart, Paris<\/p>\n<p>Regie: Vincent Boussard, B\u00fchne: Vincent Lemaire, Kost\u00fcme: Zana Bosnjak, Licht: Hans-\u00c5ke Sj\u00f6quist<\/p>\n<p>Dirigent: Lionel Bringuier, K\u00f6nigliche Hofkapelle, K\u00f6niglicher Opernchor, Kinder der Adolf Fredrik Musikklassen, Einstudierung: Bo Wannefors und Christina H\u00f6rnell<\/p>\n<p>Solisten: Katarina Dalayman (Carmen), Michael Weinius (Don Jos\u00e9), David Bizic (Escamillo), Emma Vetter (Mica\u00ebla), Vivianne Holmberg (Frasquita), Katarina Giotas (Merc\u00e9d\u00e8s), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. September 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Stockholm-Carmen.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3199\" title=\"Stockholm-Carmen\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Stockholm-Carmen.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Stockholm-Carmen.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Stockholm-Carmen-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Carmen, die in einer Zigarettenfabrik arbeitet, ist ber\u00fcchtigt f\u00fcr ihre Unberechenbarkeit. Nach einem Streit mit einer anderen Arbeiterin, die sie verletzt, wird sie in Arrest genommen. Der Soldat Don Jos\u00e9, der sie unter Aufsicht halten soll, verliebt sich in sie und l\u00e4\u00dft sie entkommen in der Hoffnung, ihr Herz zu gewinnen. Doch diese Hoffnung ist tr\u00fcgerisch. Carmen wirft alsbald ein Auge auf den Stierk\u00e4mpfer Escamillo und wird Don Jos\u00e9s und seiner Eifersucht \u00fcberdr\u00fcssig. Verzweifelt versucht Don Jos\u00e9 sie zu einem Liebesgest\u00e4ndnis zu zwingen. Als sie es ihm verweigert, ersticht er sie auf offener Stra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist einf\u00f6rmig und \u00e4u\u00dferst n\u00fcchtern. Jeder der vier Akte spielt auf einer Art Hinterhof, Requisiten kommen fast gar nicht vor und die Kost\u00fcme sind, vom zweiten Akt abgesehen, ganz im Stile der Alltagskleidung des sp\u00e4ten 20. Jahrhunderts gehalten. Die Soldaten treten mit Maschinengewehren und Barett auf. Bei den Auftritten Escamillos wird im Hintergrund bzw. auf dem geschlossenen Vorhang die Videoprojektion eines Stierkampfes gezeigt. An anderen Stellen umgeht die Regie hingegen f\u00f6rmlich die originale Handlung bzw. die Darstellung der darin erw\u00e4hnten Schaupl\u00e4tze. So verfolgt das Volk auf der B\u00fchne den Aufmarsch der Stierk\u00e4mpfer im vierten Akt auf einem Fernseher und bei dem Duett zwischen Mica\u00ebla und Don Jos\u00e9 im ersten Akt <em>Parle-moi de ma m\u00e8re! \u2013 Berichte mir von meiner Mutter!<\/em> wird kein Ku\u00df zwischen beiden ausgetauscht, obwohl im Gesangstext davon ausdr\u00fccklich die Rede ist. Durch das Fortlassen aller gesprochenen Dialoge wird die Handlung sprunghafter als das Original.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unter dem Stab von Vincent Bringuier spielte die Hofkapelle ausgesprochen flott auf, zu Anfang gar etwas zu flott. Das ber\u00fchmte Vorspiel und der musikalisch identische Marsch im vierten Akt wurden durch die Wahl des Tempos etwas gehetzt und undeutlich. Die \u00fcbrigen Orchesterzwischenspiele gelangen hingegen au\u00dferordentlich gut. S\u00e4ngerisch ist diese Produktion vollkommen gelungen. <strong>Katarina Dalayman<\/strong> (Carmen) verf\u00fcgt \u00fcber ein vollt\u00f6nendes mittleres und tiefes Register, sie spielte und sang ihre Partie klanglich ausgeglichen und kultiviert, blieb in ihrer Gestaltung aber vielleicht ein wenig zu brav. <strong>David Bizic<\/strong> (Escamillo) hat exakt das energische, sprechende Timbre, das f\u00fcr seine Partie vonn\u00f6ten ist und gab einen eindrucksvollen Toreador. Den st\u00e4rksten Eindruck hinterlie\u00df an diesem Abend <strong>Michael Weinius<\/strong> als Don Jos\u00e9. Sein Stockholmer Deb\u00fct in dieser Partie \u00fcberraschte insofern, als er bisher vor allem als Wagnertenor in Erscheinung getreten ist, doch gelang ihm der Wechsel in das franz\u00f6sische Fach, das eine andere Gesangstechnik verlangt. Statt der vollen Bruststimme setzte er stilgerecht die hohe Mischung ein, z.B. im Dialog mit Carmen im zweiten Akt bei <em>La Fleur que tu m\u2019avais jet\u00e9e \u2013 Die Blume, die du mir zugeworfen hast<\/em>, um ganz am Schlu\u00df der Oper das Brustregister quasi als sprechende Klangfarbe zu nutzen. Doch am meisten verbl\u00fcfft seine darstellerische Gewandtheit. Sein Don Jos\u00e9 ist ein unsicherer und nicht sonderlich attraktiver Charakter, der der d\u00e4monischen Carmen hilflos ausgeliefert ist. <strong>Emma Vetter<\/strong> (Mica\u00ebla) machte insgesamt eine gute Figur, hat jedoch die Tendenz, etwas zu dick aufzutragen, was Vibrato und Klanggebung angeht. <strong>Vivianne Holmberg<\/strong> gab eine humoristische, frenetisch agierende Frasquita, die im vierten Akt mit ihren hektischen Bewegungen aber etwas zu sehr zur Karikatur geriet. Sagenhaft kraftvoll und homogen wurden die Chorpassagen gesungen und erwachsene, wie kindliche Choristen zeichneten sich durch ein lebendiges und abwechslungsreiches darstellerisches Spiel aus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung an sich wurde im Gegensatz zu den Musikern mit deutlich ged\u00e4mpftem Beifall bedacht. Durch das Zusammenstreichen des Librettos auf die Musiknummern und das Fehlen eines dem Original vergleichbaren Handlungsfadens hatte man mitunter das Gef\u00fchl, in einem szenisch begleiteten Konzert zu sitzen. Einerseits geht hier das lokalkoloristische Moment verloren, andererseits bleibt man aber auch von obsz\u00f6nen Andeutungen verschont. Die Leistungen der S\u00e4nger machen die Indifferenz des B\u00fchnenbildes allerdings mehr als wett.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Alexander Kenney<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Katarina Dalayman (Carmen) li., Vivianne Holmberg (Frasquita) re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georges Bizet (1838-1875), Oper in vier Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy nach einer Novelle von Prosper M\u00e9rim\u00e9e, UA:\u00a03. 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