{"id":316,"date":"2008-06-05T19:08:38","date_gmt":"2008-06-05T17:08:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=316"},"modified":"2008-06-05T19:08:38","modified_gmt":"2008-06-05T17:08:38","slug":"bonn-opernhaus-pikowaja-dama-%e2%80%93-pique-dame","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=316","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus  &#8211; PIKOWAJA DAMA \u2013 PIQUE DAME"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893), Oper in 3 Akten und 7 Bildern; Libretto: Modest Iljitsch Tschaikowsky (Bruder des Komponisten) nach der Novelle Pikowaja dama  (1833) von Alexander Puschkin unter Verwendung von Versen anderer Dichter und Erg\u00e4nzungen des Komponisten.<br \/>\nUA: 19. Dezember 1890, Mariinsky Theater, St. Petersburg.<br \/>\nRegie: Johannes Schaaf, B\u00fchnenbild: Hans-Dieter Schaal, Kost\u00fcme: Ren\u00e9e Listerdal<br \/>\nDirigent: Roman Kofman, Beethoven Orchester Bonn, Chor-, Extrachor und Kinderchor des Theaters Bonn, Chorleitung: Sibylle Wagner, Kinderchor: Ekaterina Klewitz<br \/>\nSolisten: Kostadin Andreev (German), Vladimir Baykov (Graf Tomsky), Mikael Babajanyan (F\u00fcrst Jeletzky), Andrej Telegin (Ssurin), Mark Rosenthal (Tschekalinsky), Vera Baniewicz (Gr\u00e4fin), Irina Oknina (Lisa), Susanne Blattert (Pauline\/Daphnis), Anna Virovlansky (Mascha\/Chlo\u00e9), Peter Kajlinger (Festredner\/Plutus), Ramune Slizauskiene (Gouvernante), Josef Michael Linnek (Tschaplizky), Johannes Fl\u00f6gl (Namurov), Josef Bolten (Kinderkommandant)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 1. Juni 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"bonn-pick-dame.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/bonn-pick-dame.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"bonn-pick-dame.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/bonn-pick-dame.jpg\" \/><\/a>Der junge Offizier deutscher Abstammung German liebt Lisa, die einer aristokratischen Familie entstammt und Enkelin der alten Gr\u00e4fin ist. Diese war einst als  \u201eVenus von Moskau\u201c und Spielerin bekannt. Ein Ger\u00fccht besagt, sie bes\u00e4\u00dfe das Geheimnis zu gewinnen. German geht nachts in das Gemach der Gr\u00e4fin und verlangt von ihr das Geheimnis, um genug f\u00fcr die Heirat zu gewinnen. Die alte Dame stirbt vor Schreck: Aber ihr Geist erscheint dem verzweifelten German und verr\u00e4t die drei magischen Karten. German trifft sich mit Lisa, will aber sofort ins Kasino um zu spielen. Lisa glaubt, ihre Liebe einem spielbesessenen M\u00f6rder geschenkt zu haben und st\u00fcrzt sich in die Newa. German gewinnt mit den ersten zwei Karten Drei und Sieben, als er alles auf die dritte Karte, das Ass, setzt verliert er, denn es w\u00e4re die Pique Dame gewesen. Der Geist der alten Gr\u00e4fin erscheint erneut. German verliert den Verstand und erdolcht sich.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nBesonderes Augenmerk in der Bonner Fassung gilt der gelungenen Regie von <strong>Johannes Schaaf<\/strong>. Musikalisch wirkte die Auff\u00fchrung insgesamt zufriedenstellend, wenngleich die wenig in sich geschlossene Ouvert\u00fcre zun\u00e4chst nichts Gutes verhie\u00df. <strong>Roman Kofman<\/strong>, der sich mit dieser Auff\u00fchrung aus der Bonner Oper verabschiedet, lenkte insgesamt betrachtet eine souver\u00e4ne Auff\u00fchrung. Immerhin hatte Schaaf den Mut, sich die Zeit zu nehmen f\u00fcr die ansonsten gern reduzierten Volkslieder, nicht zu vergessen das herrliche, an Mozart erinnernde und dramaturgisch die Haupthandlung widerspiegelnde  Sch\u00e4ferintermezzo Die Aufrichtigkeit der Sch\u00e4ferin, in dem die Pr\u00e4sentation der Zarin Katharina in bester Theatermanier von oben herabgelassen, zum stilsicheren Spa\u00df geriet. <strong>Der Chor<\/strong> machte nicht nur optisch, sondern vor allem musikalisch eine gl\u00e4nzende Figur, inbegriffen der niedlich ausgestattete <strong>Kinderchor<\/strong>. <strong>Das Orchester<\/strong> gl\u00e4nzte in weiten Teilen.<br \/>\nIm eher schlicht bleibenden B\u00fchnenbild, ein mit durchbrochenen Fenstern einmal mehr einmal weniger begrenzten Raum, wirkten die im Stil der Entstehungszeit der Oper angelehnten Kost\u00fcmierungen als lebendiges Kolorit: wei\u00dfe R\u00fcschenkleider der M\u00e4dchen, schwarze strenge Gouvernantenrobe, Offiziersuniformen, bunte Bauerntrachten und Ammenkleidung, phantasiereiche T\u00e4nzerkost\u00fcme und Rokokoausstattung. Sehenswert war das in der Mitte angesiedelte Sch\u00e4ferspiel der Ballszene (3. Bild), in dem skurrile Kost\u00fcme in Rokokomanier den Chor zur Augenweide werden lie\u00dfen oder die n\u00e4chtliche Szene im M\u00e4dchenschlafzimmer, in der die Gouvernante f\u00fcr ein ordentliches Abendgebet sorgte. Schade, da\u00df die Geisterauftritte der Gr\u00e4fin dagegen wenig gespenstisch blieben. Gut gefiel die Veranschaulichung der Doppeldeutigkeit ihres  Liedes Je crains de lui parler la nuit\u201c aus Andr\u00e9 Erneste Modeste Gr\u00e9tys Oper Richard Coeur de Lion (1785), in dem das besungene amour\u00f6se Herzversagen real zum letalen Herstillstand bei der Begegnung mit German umschl\u00e4gt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger<\/strong><br \/>\nUnter den S\u00e4ngern ist nat\u00fcrlich besonders erw\u00e4hnenswert der Tenor <strong>Kostadin Andreev<\/strong>, der die s\u00e4ngerische M\u00f6rderpartie des German \u00fcbernommen hatte. Er ging jedoch leider sehr kraftvoll mit seiner Stimme um, was klanglich kaum gefallen konnte und in der Liebesarie f\u00fcr Lisa fast st\u00f6rte. Eindringlich war seine gro\u00dfe schauspielerische Intensit\u00e4t, mit der er den Au\u00dfenseiter German verk\u00f6rperte.<br \/>\nUnter den M\u00e4nnerstimmen ragten neben dem Bariton von <strong>Vladimir Baykov <\/strong>(Tomsky), <strong>Mikael Babajanyan<\/strong> als F\u00fcrst Jeletzky hervor. <strong>Irina Oknina<\/strong> war eine stimmlich und optisch eine bezaubernde Lisa, die mit <strong>Anna Virovlansy<\/strong> (Mascha\/Chlo\u00e9) und<strong> Susanne Blattert<\/strong> (Pauline) klanglich einnehmend harmonierte. Ganz hinrei\u00dfend war das Duett <strong>Blattert<\/strong> (Daphnis)\/<strong>Virovlansky<\/strong> (Chlo\u00e9) in der Sch\u00e4ferszene. Die Nebenrollen \u2013 Offiziere und Bedienstete &#8211;  waren gut besetzt. Besonderes Augenmerk galt den Kindern \u2013 etwa der ausdauernden Reifenh\u00fcpferin &#8211;  und last but not least dem <strong>Chor<\/strong>.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEine im wahrsten Sinne des Wortes sehenswerte Inszenierung, da sich der Filmregisseur (bekannt durch seine Regie bei Momo oder Trotta) Johannes Schaaf wundersch\u00f6ne Bilder hat einfallen lassen. Musikalisch gibt es, trotz mancher Dominanzen gegen\u00fcber den S\u00e4ngern, in der Musik Tschaikowskys, den Volksliedern und in den barocken Anspielungen eine Flut musikalischer Einfl\u00fcsse zu h\u00f6ren, die mitunter \u2013 zugegebenerma\u00dfen ausgefeilter, mitunter feinsinniger \u2013 h\u00e4tten dargebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<br \/>\nBild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt; in der Mitte Lisa (Irina Oknina) und German (Kostadin Andreev), rechts,<br \/>\nliegend die Gr\u00e4fin (Vera Baniewicz).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893), Oper in 3 Akten und 7 Bildern; Libretto: Modest Iljitsch Tschaikowsky (Bruder des Komponisten) nach der Novelle Pikowaja dama (1833) von Alexander Puschkin unter Verwendung von Versen anderer Dichter und Erg\u00e4nzungen des Komponisten. 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