{"id":3132,"date":"2011-08-01T18:29:07","date_gmt":"2011-08-01T17:29:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3132"},"modified":"2011-08-23T18:34:45","modified_gmt":"2011-08-23T17:34:45","slug":"tiroler-festspiele-erl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3132","title":{"rendered":"Tiroler Festspiele, Erl"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musikalische Leitung und Regie: Gustav Kuhn, Orchester und Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl, Choreinstudierung: Marco Medved<\/p>\n<p><strong><em>Parsifal<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813-1883), Text vom Komponisten, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 1882, Bayreuth<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Gazheli (Amfortas), Michael Doumas (Titurel), Franz Hawlata (Gurnemanz), Michael Baba (Parsifal), Michael Kupfer (Klingsor), Mona Somm (Kundry), Michaela Bregantin (Stimme aus der H\u00f6he), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 29. Juli 2011 (Wiederaufnahme)<\/p>\n<p><strong><em>Messa da Requiem<\/em><\/strong><\/p>\n<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901)<\/p>\n<p>Solisten: Adela Golac Rilovic (Sopran), Renee Morloc (Mezzosopran), Zvetan Michailov (Tenor), Andrea Silvestrelli (Bass)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 30. Juli 2011<\/p>\n<p><strong><em>Tannh\u00e4user und der S\u00e4ngerkrieg auf Wartburg<\/em><\/strong> (Pariser Fassung)<\/p>\n<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, UA: 1845 Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Thomas Gazheli (Landgraf Hermann), Luis Chapa (Tannh\u00e4user), Michael Kupfer (Wolfram), Ferdinand von Bothmer (Walther), Julian Orlishausen (Biterolf), Wolfram Wittekind (Heinrich), Michael Doumas (Reinmar), Arpine Rahdjian (Elisabeth), Mona Somm (Venus), Michelle Buscemi (Hirt), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 31. Juli 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Tiroler Festspiele Erl wurden 1997 von Gustav Kuhn und Andreas Schett gegr\u00fcndet: Man begann damals 1998 mit <em>Rheingold<\/em>. Gustav Kuhn pr\u00e4gt die Festspiele ma\u00dfgeblich als Dirigent und Regisseur. Gespielt werden Opern mit Schwerpunkt Wagner, Konzerte und Kammermusikabende. In diesem Jahr wurde <em>Tannh\u00e4user<\/em> als Neuproduktion gegeben, <em>Die<\/em> <em>Meistersinger von N\u00fcrnberg<\/em> und <em>Parsifal <\/em>waren Wiederaufnahmen.<\/p>\n<p>Spielort f\u00fcr Opern ist das Passionsspielhaus, das alle sechs Jahre f\u00fcr die Passionsspiele ben\u00f6tigt wird. Deshalb wird nun ein Winterfestspielhaus errichtet.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Erl-Parsifal.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3133\" title=\"Erl-Parsifal\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Erl-Parsifal.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Erl-Parsifal.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Erl-Parsifal-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Auff\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das wichtigste Requisit des <strong><em>Parsifal<\/em><\/strong> ist ein gro\u00dfer rechteckiger E\u00dftisch mit einigen St\u00fchlen davor. Aus der Tischplatte wird sich zur Gralsszene der Gral erheben. Zuvor tritt noch der Schwan auf, getanzt von einem Ballett-Solisten, der auch kommentierend in das B\u00fchnengeschehen eingreift. Gurnemanz sitzt mit der roten Strickjacke auf einer Holzbank. Amfortas wirkt in seinem wei\u00dfen Anzug eher wie ein indischer Guru. Klingsor scheint in seinem italienischen Modeanzug ein schleimiger Zuh\u00e4lter zu sein. Parsifal ist in einen dunklen Anzug gekleidet, Kundry, zun\u00e4chst nur in Unterw\u00e4sche, entwickelt sich zu einer mond\u00e4nen Dame von Welt.<\/p>\n<p>Die auff\u00e4lligste S\u00e4ngerleistung stellte der Amfortas von <strong>Thomas Gazheli <\/strong>dar. Mit absoluter Textverst\u00e4ndlichkeit konnte er das Leiden des Amfortas in allen seinen Schattierungen darstellen, ein Musterbeispiel f\u00fcr die vielschichtige Gestaltung dieser Rolle! Gleich dahinter rangierte <strong>Michael Kupfer,<\/strong> der mit viel lyrischem Schmelz die Gestalt Klingsors zu einem schmierigen Kuppler umwandelte. Insgesamt \u00fcberzeugend das Rollendeb\u00fct des <strong>Franz Hawlata<\/strong> als Gurnemanz \u2013 mit viel teils gurgelnden, teils geschmeidigen Pathos gestaltete er die Partie sehr \u00f6konomisch und intelligent. Allerdings war die Grenze zum Sprechgesang streckenweise mehr als flie\u00dfend. Die St\u00e4rken von <strong>Mona Somm<\/strong> als Kundry liegen eindeutig in den lyrischen Erz\u00e4hlphasen, wenn sie im \u00a0zweiten Akt mit tiefem Timbre Parsifal zu verf\u00fchren sucht. Die dramatischen expressiven Ausbr\u00fcche sind ihre Sache nicht. <strong>Michael Baba<\/strong> in der Titelrolle teilte sich seine Kr\u00e4fte ein und konnte so eingeschr\u00e4nkt \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Die Blumenm\u00e4dchen hatten eine gewisse Erotik in der Stimme, pa\u00dften aber vom Klangbild her nicht optimal zusammen, hingegen waren Knappen und Ritter einheitlich gut besetzt.<\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Die wahrlich Bewegende Interpretation der <strong><em>Messa da Requiem<\/em><\/strong> hat ihren H\u00f6hepunkt im <em>Dies Irae<\/em>. Furios soll der Satz sein, und er wurde es auch, so furios wie ihn der Rezensent noch nie erlebt hat: aber jede Note genau gespielt, jedes Detail h\u00f6rbar und die Abstimmung zwischen Chor und Orchester exakt. Gustav Kuhn nutzt jede Wiederkehr des Themas zu einer aufpeitschenden Publikumsansprache. \u00dcberragend auch das Zusammenspiel des verst\u00e4rkten Chores mit den Solisten, wo neben dem stimmlich sehr gelenkigen Tenor <strong>Zvetan Michailov<\/strong> der sehr tief fundierte, fast rabenschwarze Ba\u00df <strong>Andrea Silvestrelli<\/strong> auffiel.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr das umfangreiche <strong><em>Tannh\u00e4user-<\/em><\/strong>Bacchanal in der Pariser Fassung gibt es in Erl kein klassisches Ballett, sondern eher das Schaulaufen von zehn Damen, die \u00fcber schwarzer Unterw\u00e4sche eine Kappe mit Glitterumhang tragen. Auf einer blauen, konvexen Schale mit drei Ecken liegt Venus, mit gespreizten Schenkeln \u2013 Tannh\u00e4user hat seinen Kopf in ihrem Scho\u00df. Streng getrennt tritt die Wartburg-Gesellschaft auf, die Herren in Schwarz und mit Zylindern, die Damen ebenfalls in Schwarz, mit tiefem Dekollet\u00e9, aber mit extravaganten gr\u00fcnen H\u00fcten.<\/p>\n<p>Die jungen Pilger f\u00fchren aus Rom St\u00e4be mit frischem Gr\u00fcn zur\u00fcck. Das Venusberg-Personal, Pilger, und alle Wartburg-S\u00e4nger bilden aus diesen St\u00e4ben eine neue Krone.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die dominanteste Stimme in der letzten Vorstellung 2011 hatte <strong>Michael Kupfer<\/strong> (Wolfram): lyrisch mit viel samtener Ausstrahlung, ohne Anstrengung in den H\u00f6hen und sicherer Tiefe. Da konnte <strong>Luis Chapa<\/strong> in der Titelpartie nicht mithalten. Im ersten Akt konnte er noch mit Kraft und Stahl sich durch die Strophen an die G\u00f6ttin m\u00fchen. Nach dem Einbruch im S\u00e4ngerkrieg konnte er noch mit viel Zerknirschung in der Stimme das Schlu\u00df-Ensemble im zweiten Akt gestalten \u2013 sp\u00e4testens die Romerz\u00e4hlung war nur noch eine Erz\u00e4hlung. Die beste Damenstimme und umjubelt gefeiert wurde <strong>Arpin\u00e9 Rahdjian<\/strong> (Elisabeth), ein Sopran mit viel Stahl in der Stimme. Allerdings zu viel Stahl f\u00fcr die Hallenarie, die geriet nicht glockenklar sondern mit zuviel Tremolo. Gleich dahinter \u2013 mit sch\u00f6nem, tiefem, erotischem Timbre gab <strong>Mona Somm<\/strong> der Venus Gestalt. Wenig \u00fcberzeugend ist. Den Landgraf charakterisiert Thomas Gazheli als durchschlagsstarken Heldenbariton, ist aber von der Stimmfarbe zu hell und ger\u00e4t in der Tiefe in gef\u00e4hrliche Untiefen. Weithin gelobt stellt die Chorakademie ihre Pr\u00e4zision in den Stimmgruppen unter Beweis, die sich zu einem homogenen Klangk\u00f6rper formt. Und <strong>Gustav Kuhns<\/strong> Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Pariser Fassung \u00fcberzeugt auch das heftig tobende Publikum in allen Belangen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Erl steht f\u00fcr einen schn\u00f6rkellosen und werkgetreuen Blick auf das jeweilige Werk. Es steht auch f\u00fcr die bedingungslose Hingabe der Besucher Gustav Kuhns Leistung gegen\u00fcber. Erl hat noch die Authentizit\u00e4t, die Richard Wagner vorschwebte, als er sein Festspielhaus in die Einsamkeit des <em>Gr\u00fcnen H\u00fcgels<\/em> baute. Schon deshalb lohnt die Fahrt nach Erl. Im kommenden Jahr gibt es eine Neuproduktion des <em>Lohengrin<\/em> sowie eine Wiederaufnahme von <em>Parsifal<\/em> und <em>Tristan und Isolde<\/em>.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Tom Benz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michael Baba (Parsifal), Mona Somm (Kundry) und zwei Blumenm\u00e4dchen im 2. Akt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikalische Leitung und Regie: Gustav Kuhn, Orchester und Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl, Choreinstudierung: Marco Medved Parsifal von Richard Wagner (1813-1883), Text vom Komponisten, B\u00fchnenweihfestspiel in drei Akten, UA: 1882, Bayreuth Solisten: Thomas Gazheli (Amfortas), Michael Doumas (Titurel), Franz Hawlata<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3132\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[116,177],"tags":[],"class_list":["post-3132","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikfestivals","category-tiroler-festspiele-erl"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3132"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3132\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3136,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3132\/revisions\/3136"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}