{"id":312,"date":"2008-06-02T19:32:48","date_gmt":"2008-06-02T17:32:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=312"},"modified":"2008-06-02T19:34:27","modified_gmt":"2008-06-02T17:34:27","slug":"munchen-bayerische-staatsoper-die-bassariden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=312","title":{"rendered":"M\u00fcnchen, Bayerische Staatsoper &#8211; DIE BASSARIDEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Hans Werner Henze (geb.1926), Opera seria mit Intermezzo in einem Akt, Libretto: Wystan Hugh Auden und Chester Kallmann nach Euripides, deutsche \u00dcbersetzung von Maria Bosse-Sporleder; UA am 6. April 1966 Salzburg. Gro\u00dfes Festspielhaus<br \/>\nRegie: Christoph Loy, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Johannes Leiacker, Licht: Olaf Winter, Dramaturgie: Peter Heilker<br \/>\nDirigent: Marc Albrecht, Bayerisches Staatsorchester, Chor der bayerischen Staatsoper, Choreinstudierung: Andr\u00e9s M\u00e1spero<br \/>\nSolisten: Nikolai Schukoff (Dionysos), Michael Volle (Pentheus, K\u00f6nig von Theben), Sami Luttinen (Kadmos), Reiner Goldberg (Teiresias\/Kalliope), Christian Rieger (Hauptmann\/Adonis), Gabriele Schnaut (Agaue\/Venus), Eir Indrhaug (Autonoe\/Proserpina), Hanna Schwarz (Beroe)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 25. Mai 2008 (Premiere: 19. Mai 2008)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/munchen-bassariden.jpg\" TITLE=\"munchen-bassariden.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/munchen-bassariden.jpg\" ALT=\"munchen-bassariden.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>K\u00f6nig Pentheus, der neue K\u00f6nig von Theben verbietet seinem Volk den lustvollen und seiner Ansicht nach verwerflichen Kult um den Gott Dionysos. Ein Fremder \u2013 es ist Dionysos selbst \u2013 erscheint in der Stadt und verf\u00fchrt das Volk zu geheimnisvollen Riten auf dem nahen Berg Kytheron. Pentheus will mehr \u00fcber diese Riten erfahren und verh\u00f6rt zun\u00e4chst seine Mutter Agaue und sp\u00e4ter den Fremden selbst. Als Pentheus ihn festnehmen lassen will, wird Theben von einem Erdbeben ersch\u00fcttert. Alle bis auf Pentheus und Dionysos fliehen auf den Berg Kytheron.<br \/>\nIn einer Vision, welche das Intermezzo darstellt, erscheint Pentheus seine Mutter als l\u00fcsterne Venus, die gemeinsam mit der als Proserpina verkleideten Autonoe, den Hauptmann seiner Wache verf\u00fchrt.<br \/>\nPentheus will selbst auf den Berg Kytheron, wozu er sich auf Dionysos Rat Frauenkleider anzieht. Auf dem Berg hetzt Dionysos seine Anh\u00e4ngerinnen auf den Eindringling Pentheus. Agaue erschl\u00e4gt ihren Sohn. Wieder in der Stadt erkennt sie ihre Tat. Dionysos gibt sich allen zu erkennen und wird gepriesen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nMit den auf Euripides Bakchen basierenden Bassariden schrieb Henze nach diversen B\u00fchnenkammerspielen erstmals im Auftrag der Salzburger Festspiele eine Festspiel-Oper mit riesigem Orchesterapparat. Hinzu kommt ein gro\u00dfer Chor, genannt die Bassariden. Dieser tr\u00e4gt einen gro\u00dfen Teil der Handlung. Im wesentlichen wird der Konflikt zwischen Trieb und Intellekt, zwischen Rausch und Vernunft thematisiert. Regisseur Christoph Loy blendet in seiner Inszenierung dementsprechend alle mythologischen und politischen Elemente der Handlung aus und konzentriert sich ganz auf den Konflikt zwischen Dionysos und Pentheus. Damit schadet er dem Werk keineswegs, h\u00e4lt die Spannung aufrecht \u00fcber die gesamte Dauer der Oper von zweieinhalb Stunden.<br \/>\nBevor er sich hebt, zieht minutenlang ein Video mit Menschen aller Altersstufen in farblich einheitlicher Kleidung \u00fcber den wei\u00dfen Zwischenvorhang. Danach wird klar, da\u00df es sich um den ganz in graue Anz\u00fcge und Kost\u00fcme gekleideten Bassariden handelt. Das B\u00fchnenbild ist ebenfalls \u00e4u\u00dferst spartanisch und besteht nur aus einer gro\u00dfen wei\u00dfen Stoffbahn, neben der Seiten- und Hinterb\u00fchne sichtbar sind. Mit dem Erdbeben f\u00e4llt die Stoffbahn, so da\u00df die B\u00fchne praktisch leer ist. In dieser sp\u00e4rlichen Kulisse gelingt es Loy, alle Figuren und Situationen nur durch geschickte Personen- und vor allem Chorf\u00fchrung zu charakterisieren. Auch Olaf Winters Lichtkonzept hatte betr\u00e4chtlichen Anteil an der kontinuierlichen Spannung. Die St\u00e4rke der Inszenierung liegt in der Reduktion auf das Wesentliche, wodurch die Eindr\u00fccklichkeit aber nicht geschm\u00e4lert wird. So treten zu Beginn der Szene auf dem Kytheron die Chordamen in wei\u00dfer Unterw\u00e4sche an die Rampe und rufen nach Dionysos. Dieser steht mit dem R\u00fccken zum Publikum im Hintergrund und singt in ein Mikrophon. Pentheus beobachtet die Szene auf einem Stuhl stehend, den er w\u00e4hrend der anschlie\u00dfenden Orgie verl\u00e4\u00dft, als er seine Mutter erkennt. Doch hat Autonoe der Agaue schon das t\u00f6dliche Beil in die Hand gedr\u00fcckt\u2026<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nGl\u00fccklicherweise sind in dieser Produktion, die so auf die Gegenspieler Pentheus und Dionysos fokussiert ist, beide Partien hervorragend besetzt. <strong>Michael Volle<\/strong> verk\u00f6rpert den K\u00f6nig s\u00e4ngerisch wie darstellerisch glaubhaft und <strong>Nikolai Schukoff<\/strong> verleiht Dionysos mit dunkel timbriertem, aber h\u00f6hensicherem Tenor Profil. Von den durchwegs ausgezeichnet besetzten Nebenrollen ist vor allem<strong> Christian Rieger<\/strong> herauszuheben, der als Adonis mit Falsetteinlagen im Intermezzo der Opera seria f\u00fcr einige Lacher sorgte. Star des Abends war jedoch der von <strong>Andr\u00e9s M\u00e1spero<\/strong> einstudierte <strong>Staatsopernchor<\/strong>, dem musikalisch wie szenisch einiges abverlangt wurde. <strong>Marc Albrecht<\/strong> sorgte am Pult f\u00fcr facettenreichen Orchesterklang und perfekte Kordination von B\u00fchne und Graben.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nFreunde konzentrierter Regiearbeiten kommen auf ihre Kosten. Musikalisch wie szenisch die gelungenste Neuproduktion der laufenden Spielzeit.<\/p>\n<p>Christoph Lang<br \/>\nBild: Wilfried H\u00f6sl, Das Bild zeigt Nikolai Schukoff  als Dionysos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Hans Werner Henze (geb.1926), Opera seria mit Intermezzo in einem Akt, Libretto: Wystan Hugh Auden und Chester Kallmann nach Euripides, deutsche \u00dcbersetzung von Maria Bosse-Sporleder; UA am 6. April 1966 Salzburg. 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