{"id":3115,"date":"2011-08-21T20:38:46","date_gmt":"2011-08-21T19:38:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3115"},"modified":"2011-08-23T20:37:52","modified_gmt":"2011-08-23T19:37:52","slug":"musikfestival-in-la-chaise-dieu-frankreich-auvergne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3115","title":{"rendered":"Musikfestival in La Chaise Dieu (Frankreich-Auvergne)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>18.-30. August 2011 (Besuchte Veranstaltungen: 18. 19. 20. August)<\/strong><\/p>\n<p>Die Auvergne, s\u00fcdwestlich der Handelsstadt Lyon, ist \u00fcbers\u00e4t mit wundervollen romanischen Kirchen mit breiter wuchtiger Front gegen Westen und von einem sechs- oder achteckigen Vierungsturm gekr\u00f6nt. Die meisten dieser romanischen Kirchen haben daher ein trutziges, fast wehrhaftes \u00c4u\u00dfere.<\/p>\n<p>Solch wuchtiges Aussehen zeigt auch die Benediktiner-Abtei Saint-Robert in <em>La Chaise Dieu<\/em>. Dieser <em>Stuhl Gottes<\/em> ist dem Himmel sehr nah, liegt er doch auf \u00fcber tausend Meter in der weitl\u00e4ufigen Landschaft der Auvergne, dort, wo die Loire die\u00a0 ersten Wiesen und Felder auf ihrem langen Weg zum Atlantischen Ozean durchflie\u00dft.<\/p>\n<p>Robert de Turlande hatte die einflu\u00dfreiche Abtei um das Jahr 1043 gegr\u00fcndet. Sie besteht bis heute. Einige Benediktinerpatres zeigen den Besuchern die romanische Kirche mit dem m\u00e4chtigen Gew\u00f6lbe und der Orgel aus dem 17. Jahrhundert mit ihrem \u00fcberreich geschnitzten Prospekt aus dunkelbraunem Holz. Die Freundlichkeit der M\u00f6nche ist ansteckend, und man w\u00fcrde gern mehr mit ihnen ins Gespr\u00e4ch kommen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3116\" title=\"La-Chaise-Dieu\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"196\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu-300x168.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>F\u00fcr 12 Tage im August \u00fcberlassen die Patres nun schon seit 45 Jahren das ehrw\u00fcrdige Gotteshaus der Musik. Das ausgesuchte Programm enth\u00e4lt nicht nur sakrale Werke, sondern widmet sich in \u00a0diesem Jahr auch dem Gedenken des zweihundertsten Geburtstags des Wahlungarn Franz Liszt<strong>. <\/strong>Es war der weltbekannte Pianist <strong>Georges Cziffra<\/strong>, auch ein Ungar, der dieses romanische Kleinod 1966 wachk\u00fc\u00dfte. Seine hier gegebenen Klavierkonzerte waren so erfolgreich, da\u00df er damit ein Musikfestival gr\u00fcnden konnte. Er spendete in Laufe der Jahre betr\u00e4chtliche Geldsummen zur Unterhaltung des Festivals, und ihm ist es zu verdanken, da\u00df die wertvolle Orgel restauriert und wieder spielbar wurde. So beeindruckt diese historische Orgel mit Musik der ber\u00fchmten franz\u00f6sischen Barockmeister wie Couperin, Grigny oder Cl\u00e9rambault zu Beginn jedes Konzerts f\u00fcnf Minuten lang die Besucher aus aller Welt und erinnert sie daran, von wo eigentlich die gro\u00dfe Musik Europas ihren Ursprung genommen hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit einer Komposition des aus Estland stammenden Arvo P\u00e4rt (1935), begann das erste Konzert mit <em>Silhouette<\/em>, einer Hommage an Gustave Eiffel, uraufgef\u00fchrt am 4. November 2010 im Salle Pleyel in Paris. Die Kontrab\u00e4sse begannen mit ihren tiefsten T\u00f6nen (pizzicato). Nach und kamen in einem gro\u00dfen Crescendo alle Streicher hinzu, unterst\u00fctzt durch die gro\u00dfe Pauke und anderes Schlagwerk. Der durchweg gehaltene Dreiertakt gab den Anstrich eines langsamen Walzers, und man konnte sich dabei die Pariser Bev\u00f6lkerung vorstellen, wie sie 1889 bei der Vollendung des riesigen Stahlturms, der sp\u00e4ter zum wohl bekanntesten Wahrzeichen der franz\u00f6sischen Hauptstadt wurde, vor Freude getanzt hat, alles in gro\u00dfer Harmonie, wie der H\u00f6reindruck dieses St\u00fccks best\u00e4tigte. Jedenfalls k\u00f6nnte man ein derartiges Programm dahinter vermuten, doch Genaues wei\u00df man ja nie.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu2.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3117\" title=\"La-Chaise-Dieu2\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu2.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"261\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu2.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/La-Chaise-Dieu2-300x223.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Derart eingestimmt erwartete man mit Spannung <strong>Claire- Marie Le Guay<\/strong> zum Liszt\u2018sche Klavierkonzert Es-Dur, uraufgef\u00fchrt 1855 in Weimar unter Berlioz\u2018 Stabf\u00fchrung mit Liszt am Klavier. Die Gewinnerin des ARD-Wettbewerbs 1995 in M\u00fcnchen bewies eine unerh\u00f6rte Fingergel\u00e4ufigkeit und enorme Kraft bei diesem ungemein schwierigen Werk. Der Klavierton des Fl\u00fcgels, der zusammen mit Chor und Orchester auf der hohen B\u00fchne plaziert war, kam wohl nicht in der gespielten St\u00e4rke an unsere Ohren.\u00a0Hinzu kam, da\u00df die Blechbl\u00e4ser die virtuosen L\u00e4ufe des \u00f6fteren \u00fcberdeckten. Liszt hat einen ungemein kraftvollen Klaviersatz geschrieben mit vollgriffigen Akkorden, die die blonde Pianistin auch kunstgerecht darbot, jedoch wohl nicht mit der herkulischen Kraft, die Liszt selbst zur Verf\u00fcgung stand. Die bemerkenswert intelligente Komposition Prokofievs, die <em>Symphonie Classique<\/em>, ein in vielen Kur- und Wunschkonzerten drangsaliertes Werk, spielte das Orchester unter <strong>G\u00e9rard Korsten<\/strong> mit \u00fcberw\u00e4ltigender Energie und Pr\u00e4zision, dem stehende Ovationen zwangsl\u00e4ufig folgten.<\/p>\n<p>Mit au\u00dfergew\u00f6hnlicher Dynamik gestaltete <strong>Emmanuel Krevin<\/strong> und das Orchester <em>Chambre philharmonique<\/em> die Ouvert\u00fcre zur wenig bekannten Oper <em>B\u00e9atrice et B\u00e9n\u00e9dict<\/em> von Hector Berlioz den Anfang des zweiten Konzertabends. Au\u00dfergew\u00f6hnlich waren die Abstufungen: vom feinsten Pianissimo bis zum berstenden Forte oder die fast hingehauchten, flirrenden Passagen der Violinen. Die hier geweckten Erwartungen wurden noch \u00fcbertroffen von der gro\u00dfen Zur\u00fcckhaltung bei den darauffolgenden Gedichten von Berlioz\u2018 Freund Th\u00e9ophile Gautier. <strong>Karine Deshayes<\/strong> gab mit ihrem lyrischen Sopran den langausschwingenden Melodien der <em>Nuits d\u2019\u00e9t\u00e9 \u2013 Sommern\u00e4chte<\/em> ein weltentr\u00fccktes Leuchten. Das An- und Abschwellen ihrer gro\u00dfen Stimme, unterst\u00fctzt mit verschwenderisch viel Atem, versetzte den H\u00f6rer in einen einzigartigen Schwebezustand, den man ungern verlassen wollte. Diese bis ins kleinste ausgefeilte Liedkomposition (1830) von Berlioz war stilbildend f\u00fcr viele sp\u00e4tere franz\u00f6sische Komponisten. Riesiger Applaus eines sachverst\u00e4ndigen Publikums!<\/p>\n<p>Da\u00df das in der Liedbegleitung wunderbar zur\u00fcckhaltende Orchester auch brutal zuschlagen konnte, bewies es in den beiden symphonischen Dichtungen Liszts (<em>Mazeppa<\/em> und <em>Les Pr\u00e9ludes)<\/em>. Hier konnten besonders die Bl\u00e4ser mit Genauigkeit und Dynamik gl\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Der dritte Konzertabend stand ganz im Zeichen religi\u00f6ser Musik. Die au\u00dfergew\u00f6hnliche Komposition\u00a0<em>Missa sopra Ecco si beato giorno<\/em> von Alessandro Striggios f\u00fcr vierzigstimmigen (!) Chor <em> <\/em>boten Chor und Instrumentalisten des <em>Concert spirituel<\/em> unter <strong>Herv\u00e9 Niquet<\/strong> in gro\u00dfer Geschlossenheit dar. Zu Beginn feierlicher Einzug aller durch den Mittelgang der Kirche. \u00dcber eine Stunde faszinierte der perfekt vorgetragene ehrw\u00fcrdige Gesang des 16. Jahrhunderts, ohne da\u00df die Spannung nachlie\u00df. Lang anhaltender Beifall eines tiefbeeindruckten Publikums, das, soweit ich das von meinem Sitz im Gest\u00fchl der M\u00f6nche im Chor ausmachen konnte, den dynamisch \u00e4u\u00dferst unterschiedlich gestalteten Ges\u00e4ngen mit gr\u00f6\u00dfter Aufmerksamkeit gefolgt war.<\/p>\n<p>Wegen der Ruhe, den Abtei und Ort ausstrahlten (die franz\u00f6sischen Festivals beschr\u00e4nken sich zumeist auf einen Ort gegens\u00e4tzlich zu uns, wo ganze Bundesl\u00e4nder davon \u00fcberzogen werden) und des hohen musikalische Niveaus der Darbietungen, erhielten wohl viele Besucher einen unverge\u00dflichen Eindruck. In Frankreich sch\u00e4tzt man dieses bei uns unbekannte Festival, denn man \u00fcbertrug alle Konzerte live auf France Musique.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bilder: Privat<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die Abtei Saint-Robert, \u00a0Klavierspielerin\u00a0Claire- Marie Le Guay<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.-30. August 2011 (Besuchte Veranstaltungen: 18. 19. 20. August) Die Auvergne, s\u00fcdwestlich der Handelsstadt Lyon, ist \u00fcbers\u00e4t mit wundervollen romanischen Kirchen mit breiter wuchtiger Front gegen Westen und von einem sechs- oder achteckigen Vierungsturm gekr\u00f6nt. 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