{"id":310,"date":"2008-06-01T12:15:09","date_gmt":"2008-06-01T10:15:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=310"},"modified":"2008-06-01T12:16:16","modified_gmt":"2008-06-01T10:16:16","slug":"bremen-theater-am-goetheplatz-zaideadama","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=310","title":{"rendered":"Bremen, Theater am Goetheplatz &#8211; ZAIDE\/ADAMA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart\/Chaya Czernowin; Libretto Zaide: Johann Andreas Schachtner<br \/>\nLibretto Adama: Textfragmente aus dem Libretto von Zaide mit \u00dcbersetzungen ins Hebr\u00e4ische durch Chaya Czernowin sowie ins Arabische durch Samir Odeh Tamimi. UA: 17. August 2006 Landestheater Salzburg (Auftragswerk der Salzburger Festspiele)<br \/>\nRegie: Andrea Moses, B\u00fchne: Christian K\u00f6pper, Frank Kulas Ausstattung: Monika Gora, Dramaturgie: Hans Georg Wegner<br \/>\nDirigent: Daniel Montan\u00e9 (Zaide); Florian Pestell (Adama), Bremer Philharmoniker; Choreinstudierung: Tarmo Vaask<br \/>\nSolisten: Sara Hershkowitz (Zaide), Benjamin Bruns (Gomatz), Seth Keeton (Allazim), Thomas Scheler (Soliman), Jouni Kokora (Osmin); Noa Frenkel (Frau); Yaron Windm\u00fcller (Mann); Andreas Fischer (Vater)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: (25. Mai 2008 Premiere , deutsche Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/bremen-zaide.jpg\" TITLE=\"bremen-zaide.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/06\/bremen-zaide.jpg\" ALT=\"bremen-zaide.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Im Libretto wird der Konflikt zwischen Kulturen am Beispiel zweier Liebespaare dargestellt. Das von Mozart komponierte Singspiel (1779\/1780) Zaide wird in eine zeitgen\u00f6ssische Perspektive gesetzt : Soliman ist nicht Sultan, sondern ein t\u00fcrkischer Restaurantbesitzer. Dessen Tochter Zaide ist nicht Serailm\u00e4dchen, sondern arbeitet in einem Restaurant und hat sich in den christlichen Gastarbeiter Gomatz verliebt. Sie flieht mit ihm. Soliman l\u00e4\u00dft die beiden wieder einfangen und droht ihnen mit dem Tod.<br \/>\nIn dem von <strong>Chaya Czernowin<\/strong> (*1957) komponierten Musikst\u00fcck <strong>Adama<\/strong>  (hebr\u00e4isch: Erde, Adam= Mensch, Dam = Blut) sind die beiden Protagonisten namenlose durch politische und historische Ereignisse traumatisierte Liebende aus Israel (Frau) und Pal\u00e4stina (Mann), die nicht zueinander finden, weil der dogmatische Vater der Israelin und dessen Gefolgschaft sie f\u00fcr immer auseinanderbringt. Nach einer Reihe von bedrohlichen Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten sinken alle ersch\u00f6pft in sich zusammen und die Oper endet mit einem gemeinsamen Klagegesang der Israelin und Zaide.<br \/>\n<strong>Entstehungsgeschichte<\/strong><br \/>\nDas Libretto des Textdichters Schachtner zum Singspiel Zaide ging verloren: In Mozarts Nachla\u00df fand man Arien und Ensembles, die die einzelnen Figuren in ihrer Befindlichkeit charakterisieren. Es fehlten aber sowohl die Ouvert\u00fcre als auch ein Handlungsablauf und das Ende. Die israelische Komponistin Chaya Czernowin vertonte in ihrem musikalischen Werk Adama einzelne Textbruchst\u00fccke aus Zaide, sie werden als Silben, als Laute, Worte, halbe S\u00e4tze  in deutsch, hebr\u00e4isch oder arabisch gesungen, gefl\u00fcstert, gesto\u00dfen, geschrieen, gest\u00f6hnt, teilweise mit ger\u00e4uschvollem Orchesterkl\u00e4ngen, die die Stimmung, die vermittelt werden soll, unterst\u00fctzen.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Oper begann pantomimisch, ohne Vorhang, ohne musikalisches Vorspiel. Ein t\u00fcrkisches Restaurant, blieb w\u00e4hrend der gesamten Spielzeit von zweieinhalb Stunden das Einheitsb\u00fchnenbild. F\u00fcr Adama war das Orchester auf B\u00fchnenh\u00f6he links positioniert, das f\u00fcr Zaide fand sich im Orchestergraben.<br \/>\nCzernowins Musik klang zun\u00e4chst v\u00f6llig fremd, der harmonischen Musik Mozarts v\u00f6llig entgegenstehend. Doch je mehr man sich als Zuh\u00f6rer auf diese gewagte Kombination einlie\u00df, desto eher waren Verbindungen h\u00f6rbar. Ger\u00e4uschcluster, Sprechges\u00e4nge, Glissandi, dumpfe und sph\u00e4risch klingende Streicher, Bl\u00e4ser und Percussion f\u00fchrten fort, was in Mozarts Musik anklang. Es gab in Czernowins Musik allerdings keinen Operngesang im traditionellen Sinn.<br \/>\n<strong>Sara Hershkowitz<\/strong> (Zaide) stellte  eine junge t\u00fcrkische Frau in Jeans und Turnschuhen dar, die ihr Kopftuch zum blitzschnellen Verwandlungssymbol zwischen der deutschen, rebellischen Frau mit eigenen Bed\u00fcrfnissen und der verschleierten T\u00fcrkin mit hoher Anpassungsbereitschaft nutzte. Sie sang ebenso wie alle anderen S\u00e4nger, wenn auch textlich schlecht verst\u00e4ndlich, so doch musikalisch auf hohem Niveau. Die Solisten aus Adama, <strong>Noa Frenkel<\/strong> (Frau), <strong>Yaron Windm\u00fcller<\/strong> (Mann) und <strong>Andreas Fischer<\/strong> (Vater) \u2013 alle drei  sangen schon bei der Urauff\u00fchrung in Salzburg \u2013 beeindruckten vor allem mit ihren rhythmisch-lautmalerischen Dialogen, die immer wieder zwischen Ann\u00e4herung und Entfremdung pendelten.<br \/>\nEine an KZ-H\u00e4ftlinge erinnernde Menschengruppe zusammen mit einer als Rabbiner verkleideten Chorgruppe hatte die Aufgabe, jeglicher Schrecklichkeit von Folter, Qual, Schuldgef\u00fchlen und Tod pantomimisch und singend Ausdruck zu geben. Der H\u00f6hepunkt der Oper fand sich in der Schlu\u00dfszene. Die Idee Czernowins, den Konflikt zwischen den Kulturen aus der Ersch\u00f6pfung heraus zu vers\u00f6hnen, wurde unter der \u00dcberschrift \u201eTr\u00e4nen\u201c vertont. Die beiden Frauen sangen eine solidarische Trauerklage, mahnend, vers\u00f6hnend \u2013 zum ersten Mal sang Zaide Czernowins Musik (Zaide tr\u00f6stete die Israelin), zum ersten Mal musizierten die beiden Orchester zusammen \u2013 Ausdruck einer Hoffnung auf Verst\u00e4ndigung? Die Szene zeigte das Gegenteil \u2013 ein erstarrtes Schlachtfeld der Verletzungen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nAus dramaturgischer und inhaltlicher Sicht gesehen ist eine Oper geschaffen worden, in der es gelingt, dieses schwierige politische Thema emotional eindr\u00fccklich darzustellen. Schon bei Mozart wird nach den M\u00f6glichkeiten des Dialogs zwischen Orient und Okzident gefragt, und damals wie heute gibt es kein (gutes) Ende \u2013 zumindest in der Oper.<br \/>\nAuch in musikalischer Hinsicht ein herausforderndes, mutiges Werk. Chaya Czernowin l\u00e4\u00dft Mozarts Musik unver\u00e4ndert, verschr\u00e4nkt aber beide Musikformen miteinander, indem sie Arien aus Mozarts Singspiel in ihre Musik \u00fcbergehen l\u00e4\u00dft. Gleichzeitig ist ihre Musik v\u00f6llig eigenst\u00e4ndig. Doch nirgends prallen die beiden so v\u00f6llig gegens\u00e4tzlichen Musikrichtungen unvermittelt aufeinander.<br \/>\nWenn die Oper ein Medium zur Mitteilung zeitlich aktueller Themen sein k\u00f6nnte, dann nur in einer solchen Form. So konnte sich wohl kaum jemand der emotional eindr\u00fccklichen Wirkung des St\u00fccks entziehen.  Ein ganz besonderer Abend und eine umjubelte Premiere!<\/p>\n<p>Carola Jakubowski<br \/>\nBild: J\u00f6rg Landsberg<br \/>\nDas Bild zeigt Liebespaare aus dem 1. Akt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart\/Chaya Czernowin; Libretto Zaide: Johann Andreas Schachtner Libretto Adama: Textfragmente aus dem Libretto von Zaide mit \u00dcbersetzungen ins Hebr\u00e4ische durch Chaya Czernowin sowie ins Arabische durch Samir Odeh Tamimi. UA: 17. 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