{"id":3094,"date":"2011-08-03T16:57:48","date_gmt":"2011-08-03T15:57:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3094"},"modified":"2011-08-06T17:01:37","modified_gmt":"2011-08-06T16:01:37","slug":"tannhauser-und-der-sangerkrieg-auf-wartburg-dresdner-fassung-bayreuther-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3094","title":{"rendered":"TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG (Dresdner Fassung) &#8211; Bayreuther Festspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, UA: 1845 Dresden<\/p>\n<p>Regie: Sebastian Baumgarten, B\u00fchne: Joep van Lieshout, Video Christopher Kondek<\/p>\n<p>Dirigent: Thomas Hengelbrock, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<\/p>\n<p>Solisten: G\u00fcnther Groissb\u00f6ck (Landgraf Hermann), Lars Cleveman (Tannh\u00e4user), Michael Nagy (Wolfram), Lothar Odinius (Walther), Thomas Jesatko (Biterolf), Arnold Bezuyen (Heinrich), Martin Snell (Reinmar), Camilla Nylund (Elisabeth), Stephanie Friede (Venus), Katja Stuber (Hirt), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. August 2011 (Premiere 25. Juli 2011)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Bayreuth-Tannh\u00e4user2.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3095\" title=\"Bayreuth-Tannh\u00e4user2\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Bayreuth-Tannh\u00e4user2.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Bayreuth-Tannh\u00e4user2.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Bayreuth-Tannh\u00e4user2-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Minnes\u00e4nger Tannh\u00e4user hat lange Zeit im Venusberg zugebracht. Tannh\u00e4user verl\u00e4\u00dft Venus, der erotischen Ekstase \u00fcberdr\u00fcssig. Von seinen Freunden und k\u00fcnstlerischen Konkurrenten wird er \u00fcberredet auf die Wartburg bei einem S\u00e4ngerwettstreit anzutreten. Thema des Wettstreits ist das Wesen der Liebe, der Preis wird von Elisabeth, der Tochter des th\u00fcringischen Landgrafen, vergeben, welche Tannh\u00e4user in Zuneigung ergeben ist. W\u00e4hrend seines Beitrags gesteht Tannh\u00e4user jedoch seinen Aufenthalt im Venusberg, und nur dank des Eintretens Elisabeths darf er sein Leben behalten, unter der Bedingung, nach Rom zu pilgern und f\u00fcr seine Verfehlung beim Papst Absolution zu erbitten. Der aber \u00fcberantwortet Tannh\u00e4user der ewigen Verdammnis, vor der ihn das selbstlose Opfer Elisabeths rettet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Bei ge\u00f6ffnetem Vorhang wuselt die Bev\u00f6lkerung der hermetisch abgeschlossenen Wartburg-Gesellschaft \u00fcber die B\u00fchne. Das fest installierte B\u00fchnenbild zeigt ein farbenfrohes System aus Beh\u00e4ltern und Schl\u00e4uchen, die zur Alkoholherstellung (4.000 Liter t\u00e4glich!) und Nahrungsaufarbeitung aus Gem\u00fcse und F\u00e4kalien dienen. Auf der ersten Etage eines beidseitigen Ger\u00fcstes befinden sich Arbeitsfl\u00e4chen z.B. zum Backen und in der zweiten Etage Stockbetten. Der Venusberg ist ein im B\u00fchnenboden versenkbarer K\u00e4fig mit allerlei absurden Gestalten, die mal kopulierend, mal durch die Gitter steigend, sich unter die Wartburg-Gesellschaft mischen. Ein Bacchanal findet nicht statt, daf\u00fcr darf Venus \u2013 mit sichtbarem B\u00e4uchlein abseits sitzend \u2013 dem S\u00e4ngerkrieg beiwohnen. Die Kost\u00fcme sind bunt. Die Pilger, Heinrich der Schreiber und Reinmar von Zweter, tragen M\u00f6nchskutten, die Damen tragen zus\u00e4tzlich Lampenschirmh\u00fcte. Dar\u00fcber hinaus gibt es noch pseudo-religi\u00f6se Videoeinspielungen (Heilige Jungfrau) und im zweiten Akt pseudo-intellektuelle Kommentare. Erst zum Ende der Vorstellung senkt sich erstmals der \u00a0Vorhang \u00fcber eine zwischen betrunken und debil schwankende Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Mit Spannung wurde der Auftritt des Spezialisten f\u00fcr alte Musik <strong>Thomas Hengelbrock <\/strong>erwartet. In Ermangelung historischer Instrumente reduzierten sich seine Ma\u00dfnahmen auf eine um einen Viertelton tiefere Stimmung und die Wahl einer gek\u00fcrzten Dresdner Fassung. Heraus resultierte eine historisch korrekte, sehr klangorientierte Darlegung ohne elegische Ausbr\u00fcche. So erklang das Vorspiel sehr detailliert, allerdings ohne Dramatik. Schnelle Tempowechsel oder \u00c4nderungen der Lautst\u00e4rke sind Hengelbrocks Sache nicht. So reduzierte sich das Orchester nach dem Vorspiel mehr oder weniger auf die Begleitung der Solisten. Der S\u00e4ngerkrieg erlebte man eher als eine intellektuelle Debatte, aber ohne Emotionen, der Einzug der S\u00e4nger wirkte fade und im Finale kam sogar Langeweile auf. Erfreulich die exakte Koordinierung zwischen <strong>Orchester<\/strong> und <strong>Chor. <\/strong>Unter <strong>Eberhard Friedrich<\/strong> wirkte der Chor so wunderbar einheitlich wie immer.<\/p>\n<p>Die Entdeckung war ohne Zweifel <strong>Michael Nagy<\/strong> als Wolfram. Sein sehr wortverst\u00e4ndlicher, lyrischer Bariton konnte auch dramatische Ausbr\u00fcche mitrei\u00dfend darstellen. Genausoviel Beifall erntete <strong>G\u00fcnther Groissb\u00f6ck<\/strong> als Landgraf. Als jugendlich dynamischer Ba\u00df mit sehr tiefem Timbre k\u00f6nnte er sich einmal zu einem schwarzen Ba\u00df weiter entwickeln. <strong>Camilla Nylund<\/strong> hat immer noch einen sehr hellen Sopran, aber leider verliert sie ihre jugendlich glasklare Strahlkraft. In der Hallenarie f\u00e4ngt ihre Stimme an, leicht zu tremolieren. Ihre nachdenklichen, lyrisch verhaltenen Momente im 3.Akt bei <em>Allm\u00e4chtge Jungfrau<\/em> waren immer noch beispielhaft. <strong>Lars Clevemann<\/strong> (Tannh\u00e4user) ist im Nebenberuf Rocks\u00e4nger und seine Leistung erinnerte an den sp\u00e4ten Peter Hoffmann, der auch meinte, Rock und Klassik ginge mit derselben Stimme zusammen. Er verf\u00fcgt \u00fcber eine sch\u00f6ne, etwas eng gef\u00fchrte Stimme mit klingender Mittellage. Die H\u00f6hen konnte er nur mit Kraft stemmen, und das klang dann sehr gepre\u00dft und kehlig. Gegen Ende der Partie verlor er an Kraft, so da\u00df die Romerz\u00e4hlung dann leider nur noch eine Erz\u00e4hlung war. Die Venus-Darstellerin Stephanie Friede wurde wegen ihrer h\u00f6rbar katastrophalen Fehlbesetzung so gnadenlos vom Publikum niedergemacht, da\u00df sie weinte \u2013 das sollte man nicht machen. Der stets betrunkene Hirtenjunge <strong>Katja Stuber<\/strong> sang mit ausdrucksvollem heiterem Knabensopran. Erfreulich die Besetzung aller kleineren Minnes\u00e4nger-Rollen, besonders hervorzuheben <strong>Thomas Jesatko<\/strong>, der einen rollenkonformen lautstarken Biterolf abgab.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Ein f\u00fcr Bayreuth ungewohnt heftiges Buh-Gewitter senkte sich nach Ende der Vorstellung \u00fcber die Protagonisten herab. Es wies die Verantwortlichen Baumgarten, van Lieshout und Kondek deutlich darauf hin, da\u00df Wagners Bezeichnung <em>Gro\u00dfe romantische Oper<\/em> lautet und nicht erlaubt, sie als Konzeptkunst ohne sichtbaren Bezug zum St\u00fcck viel M\u00fcll und absurde Handlung auf die B\u00fchne zu stellen. Und die Ermordung der Elisabeth im Gastank durch Wolfram hinterl\u00e4\u00dft einen ganz bitteren Nachgeschmack.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Enrico Nawrath<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Michael Nagy (Wolfram), Camilla Nylund (Elisabeth)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813 \u2013 1883), Gro\u00dfe romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung vom Komponisten, UA: 1845 Dresden Regie: Sebastian Baumgarten, B\u00fchne: Joep van Lieshout, Video Christopher Kondek Dirigent: Thomas Hengelbrock, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Choreinstudierung: Eberhard Friedrich<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=3094\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[173,134,116],"tags":[],"class_list":["post-3094","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bayreuther-festspiele","category-featured","category-musikfestivals"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3094"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3094\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3097,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3094\/revisions\/3097"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}