{"id":300,"date":"2008-05-28T13:27:48","date_gmt":"2008-05-28T11:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=300"},"modified":"2008-07-13T09:44:22","modified_gmt":"2008-07-13T07:44:22","slug":"gera-buhnen-der-stadt-lohengrin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=300","title":{"rendered":"Gera, B\u00fchnen der Stadt  &#8211; LOHENGRIN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 28. August 1850 in Weimar.<br \/>\nRegie: Florian Lutz, B\u00fchnenbild: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Andrea Kannapee<br \/>\nDirigent: Thomas Wicklein, Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera; Opernchor von Theater&amp;Philharmonie Th\u00fcringen und Slowakischer Philharmonischer Chor Bratislava<br \/>\nSolisten: Bernhard H\u00e4nsch (K\u00f6nig Heinrich), Lohengrin (John Horton Murray), Franziska Rauch (Elsa), Teruhiko Komori (Telramund), Susanne Gasch (Ortrud), Serge Novique (Heerrufer), Matthias Otto, G\u00fcnter Markwarth, Ji-Su Park, Matthias Dennerle (Brabantische Edle)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 25. April 2008 (Premiere:)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Inhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"gera-lohengrin.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/gera-lohengrin.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"gera-lohengrin.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/gera-lohengrin.jpg\" \/><\/a>K\u00f6nig Heinrichs ruft die Brabanter auf zu einem Feldzug. Graf Telramund von seiner Gattin Ortrud angestachelt, beschuldigt Elsa von Brabant, des Mordes an ihrem Bruder Gottfried.  Ein Gottesgericht in Form eines Zweikampfs soll \u00fcber Elsas Schuld oder Schuldlosigkeit entscheiden: Keiner aber will gegen Telramund antreten. Da erscheint in Fremder einem Boot, von einem Schwan gezogen, und stellt sich dem Kampf. Er besiegt Telramund. Dieser Fremder will Elsa heiraten unter der Bedingung, da\u00df sie nie nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen w\u00fcrde. Elsa willigt ein.<br \/>\nDoch Ortrud gibt nicht auf. Freundschaft und Mitgef\u00fchl heuchelnd, verunsichert sie Elsas Vertrauen zu ihrem Geliebten. Am Hochzeitstag bezichtigen Ortrud und Telramund vor dem M\u00fcnster den Fremden der Zauberei und des Betruges. Doch Elsa vertraut ihrem Br\u00e4utigam weiter. Doch sp\u00e4ter, als sie allein sind, bricht Elsa ihr Versprechen und fragt ihren Br\u00e4utigam nach seiner Herkunft. Im gleichen Moment dringt Telramund mit seinen Verschw\u00f6rern in das Brautgemach ein, um Lohengrin zu t\u00f6ten. Im Zweikampf stirbt Telramund. Danach offenbart Lohengrin vor dem K\u00f6nig und den Landesvertretern seinen Namen und seine Herkunft. Ortrud triumphiert. Doch durch sein Gebet bewirkt Lohengrin die R\u00fcckkehr des totgeglaubten Knaben Gottfried, des rechtm\u00e4\u00dfigen Thronnachfolgers.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas Paradox einer tragischen M\u00e4rchenoper in der \u00e4u\u00dferen Form eines politischen Historiendramas \u2013 so charakterisiert der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus Wagners Lohengrin: In der Figur des Schwanenritters verbinden sich politische und \u00e4sthetische Utopien, die f\u00fcr Wagner von Bedeutung waren. Im Scheitern Lohengrins, dessen Verschwinden am Schlu\u00df des St\u00fcckes einer Flucht gleicht, zeigt sich somit das Scheitern einer Revolution von oben.<br \/>\nIn dieser Handlung ist eigentlich nur eine historische Inszenierung m\u00f6glich \u2013 bevorzugt mit Schwanenhelm, Mittelalter und historischem M\u00fcnster. Versucht man den Lohengrin ins Hier und Jetzt zu verlegen, um ihn unter politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten von heute darzustellen, ist eigentlich ein Scheitern vorprogrammiert, weil die Verhaltensmuster der handelnden Personen in Wagners Oper heutzutage kaum nachvollziehbar sind. Jedoch mu\u00df man der \u00fcberaus couragierten Inszenierung am Theater Gera ein Scheitern \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 auf h\u00f6chstem Niveau attestieren. Aus sozialpolitischem Blickwinkel gelingt eine sehenswerte und detailverliebte Analyse der politischen Entwicklung Th\u00fcringens und Geras in der Zeit zwischen Wiedervereinigung und heute.<br \/>\nK\u00f6nig Heinrich in der Gestalt des Kanzler Schr\u00f6der kommt nach Gera, um f\u00fcr einen Einsatz der UNO eine Hilfstruppe zusammen zu rufen. Nun sucht man f\u00fcr Elsa einen Gatten und einen Einsatzleiter aus dem Volk. Mit einem Nun langt es mir aber erhebt sich ein 68er-Intellektueller aus dem Publikum. Er schl\u00e4gt den Industriellen Telramund, den er als Heuschrecke karikiert und im Duell mit Tinte besiegt: Die Macht der Feder schl\u00e4gt das Schwert. Die gescheiterten Telramund und Ortrud spinnen eine Intrige und schleichen sich auf Elsas Bachelor-Party ein. Die Party ist ein Th\u00fcringer Heimatabend, an dem auch Goethe und Schiller vom Denkmal herabsteigen, Luther schl\u00e4gt seine Thesen an die B\u00fchnenwand und das Brautbett steht auf der Festwiese. Lohengrin wird als Versager entlarvt, er mu\u00df fliehen und hinterl\u00e4\u00dft eine gescheiterte UN-Mission f\u00fcr Kanzlerin Merkel (K\u00f6nig Heinrich). Hier ist Bernhard H\u00e4nsch in der Doppelrolle als Schr\u00f6der und Merkel sehr \u00fcberzeugend.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger<\/strong><br \/>\nMusikalisch stellen die B\u00fchnen der Stadt Gera ihre hohe Leistungsf\u00e4higkeit unter Beweis, einzig der Chor mu\u00dfte verst\u00e4rkt werden. Eine dynamische Interpretation mit recht mitrei\u00dfenden weil flotten Tempi unter <strong>Thomas Wicklein<\/strong>. Die wenigen Abstimmungsfehler zwischen Chor und Orchester sind dem Premierenfieber geschuldet.<br \/>\nEine Entdeckung zum Weiterempfehlen ist die Sopranistin <strong>Franziska Rauch<\/strong> als Elsa, eine glockenklare Stimme, die mit viel Durchschlagskraft wortsicher \u00fcberzeugen konnte. Ausgezeichnete Leistungen, mu\u00df man sowohl <strong>Teruhiko Komori<\/strong> als Telramund bescheinigen, der lyrisch und gleichm\u00e4\u00dfig diese m\u00f6rderische Partie meisterte, ebenso wie <strong>Susanne Gasch<\/strong> (Ortrud), <strong>Serge Novique <\/strong>(Heerrufer) und <strong>Bernhard H\u00e4nsch<\/strong> als K\u00f6nig Heinrich, der auch in Frauenkleidern eine \u00fcberzeugende Figur macht. <strong>John Horton Murray<\/strong> (Lohengrin) sprang kurzfristig ein und rettete damit die Premiere.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nInsgesamt betrachtet ist das hochmotiviertes, sehr unterhaltsames Theater, das ein klein wenig \u00fcber das Ziel hinaus schie\u00dft. Aber aus soziologischen Aspekten unbedingt sehenswert!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<br \/>\nBild: B\u00fchnen der Stadt Gera<br \/>\nDas Bild zeigt Brautgemach zwischen Th\u00fcringer Volksfest und Bacchelor-Party.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen; Dichtung vom Komponisten; Urauff\u00fchrung: 28. August 1850 in Weimar. 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