{"id":2987,"date":"2011-06-28T14:26:19","date_gmt":"2011-06-28T13:26:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2987"},"modified":"2015-12-18T19:04:39","modified_gmt":"2015-12-18T18:04:39","slug":"gesprache-der-karmelitinnen-berlin-komische-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2987","title":{"rendered":"GESPR\u00c4CHE DER KARMELITINNEN &#8211; Berlin, Komische Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten, Text: Francis Poulenc, nach dem Drehbuch von Georges Bernanos, deutsche Textfassung von Peter Funk und Wolfgang Binal, UA: 26. Januar 1957, Teatro alla Scala, Mailand<\/p>\n<p>Regie, Calixto Bieito, B\u00fchne: Rebecca Ringst, Kost\u00fcme: Info Kr\u00fcgler, Dramaturgin: Bettina Auer, Licht: Franck Evin, Video: Robert Lehniger<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Blunier, Orchester und Chorsolisten der Komischen Oper Berlin, Einstudierung: Andr\u00e9 Kellinghaus<\/p>\n<p>Solisten: Claudio Otelli (Marquis de La Force), Maureen McKay (Blanche de La Force), Dmitry Golovnin (Der Chevalier), Christiane Oertel (Madame de Croissy), Erika Roos (Madame Lidoine) Irmgard Vilsmaier (Mutter Marie), Julia Giebel (Schwester Constance) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. Juni 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Berlin-Ko-Gespraeche.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2988\" title=\"Berlin-Ko-Gespraeche\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Berlin-Ko-Gespraeche.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"252\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Berlin-Ko-Gespraeche.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Berlin-Ko-Gespraeche-300x216.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Das Leben von Blanche De La Force wird seit ihrer Geburt, w\u00e4hrend derer ihre Mutter starb, von unerkl\u00e4rlicher Angst \u00fcberschattet. Sie beschlie\u00dft darum in der Abgeschiedenheit eines Karmelitinnenklosters in Compi\u00e8gne zu leben \u2013 gegen den Willen ihrer Familie, zu Zeiten der Franz\u00f6sischen Revolution. Obwohl die Priorin Blanches Motivation bei der Bewerbung f\u00fcr das Kloster anzweifelt, wird Blanche in den Orden aufgenommen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Priorin qualvoll im Sterben liegt, prophezeit Schwester Constance ihrer Mitnovizin Blanche den gemeinsamen fr\u00fchen Tod; die Priorin vertraut Blanche auf dem Sterbebett Mutter Marie an. Blanche wird immer wieder von Angstzust\u00e4nden geplagt. Als die Schwestern die Blutzeugenschaft ablegen, flieht Blanche in das Haus ihres ermordeten Vaters. Dort erf\u00e4hrt sie von der Verhaftung der Mitschwestern, denen das Todesurteil verk\u00fcndet wird. Auf dem Weg zum Schafott singen sie das <em>Salve Regina<\/em>. Pl\u00f6tzlich stimmt Blanche ein und folgt ihren Mitschwestern in den Tod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung wird von einem sperrigen B\u00fchnenbild dominiert: eine regalartige Bettenburg auf einer Drehb\u00fchne in tristen Farben und in sich vollkommen unbeweglich. Links und rechts davon jeweils eine vertikale Reihe von Bildschirmen, welche die B\u00fchne visuell zusammendr\u00e4ngen \u2013 und durch Spiegelungen bisweilen w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung den Dirigenten in Aktion zeigen. Dazwischen bahnen sich die Akteure ihre Wege, inmitten des unterk\u00fchlten Szenarios stirbt die Priorin und wird das Todesurteil verlesen. Hier wandelt auch die vom Regisseur hinzugef\u00fcgte zombieartige Zusatzfigur in transparenter Kleidung umher, die das Geschehen bis zum Ende passiv mitverfolgt. Auf ihren K\u00f6rper wird das Grauen visuell mit projiziert (z.B. durch das Scheren ihrer blonden Haare). Weitere Dramatisierung erfolgt durch den Einsatz ausgedehnter Generalpausen. Eine immer wieder auftretende lange Stille, die es auszuhalten gilt, bis die Bettenkonstruktion schlie\u00dflich direkt zum Schafott umfunktioniert wird und das brutale Niederrauschen der Klinge zum <em>Salve Regina<\/em> das Ende verk\u00fcndet. Das dominante B\u00fchnenbild tritt dann in den Hintergrund, wenn die Karmelitinnen w\u00e4hrend der Ensembles als Chor geschlossen am B\u00fchnenrand stehen und frontal in den Zuschauerraum singen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die st\u00e4rkste Gesangsleistung des Abends zeigte das <strong>Vokalensemble<\/strong> der Karmelitinnen. Mit den h\u00f6chst empfindsam vorgetragenen liturgischen Texten, durch sch\u00f6ne B\u00f6gen und gut abgestimmte Dynamik schafften sie es, trotz des B\u00fchnenbildes eine intime, fragile Atmosph\u00e4re zu erzeugen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr <strong>Maureen McKay<\/strong> als Blanche, die in lauteren Passagen allerdings manchmal zu starkes Vibrato einsetzte, daf\u00fcr aber bei sehr guter Textverst\u00e4ndlichkeit besonders im Pianissimo mit beeindruckender Zartheit sang. Gerade die bedr\u00fcckende Szene am Sterbebett der Priorin gewann durch diese stimmlichen M\u00f6glichkeiten, w\u00e4hrend <strong>Julia Giebel<\/strong> in der Rolle der Schwester Constance leider vor allem im ersten Akt sehr oft dynamisch \u00fcbertrieb \u2013 schade angesichts ihrer lyrischen Stimme. Ein negativer Beigeschmack der gesamten Premiere bleibt das Schauspielerische: Man sah in jedem Augenblick, dass auf der B\u00fchne gespielt wurde, und man fragt sich, ob das Stehtheater passend zur brachialen B\u00fchne Absicht des Regisseurs ist.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n anzuh\u00f6ren waren jedenfalls den gesamten Abend \u00fcber <strong>Irmgard Vilsmaier<\/strong> (Mutter Marie), ebenso <strong>Claudio Otelli<\/strong> (Marquis de La Force) und <strong>Erika Roos<\/strong> (Madame Lidoine). <strong>Christiane Oertel<\/strong> gefiel dank ihrer wohldosierten Deklamation besonders als alte Priorin, ging nur leider im insgesamt sehr laut klingenden Orchester schon in den mittleren Lautst\u00e4rkeregistern h\u00e4ufig unter. Perlte das <strong>Orchester <\/strong>noch in der Anfangsszene (mit einem bestens aufgelegten Schlagwerk), so lie\u00df es sp\u00e4ter deutlich nach: Zwar produzierten Streicher und Harfe einen durchweg warmen, einnehmenden Klang, doch wurde alle Expressivit\u00e4t durch die oft schwachen, unkoordiniert einsetzenden Bl\u00e4ser ged\u00e4mpft. Auch daf\u00fcr gilt: Schade, denn gerade die Interludes h\u00e4tten mit den kraftvollen B\u00e4ssen \u2013 aber eben insgesamt mit mehr Homogenit\u00e4t \u2013 oft eine wahrhaft mystische Stimmung kreieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum reagierte mit anfangs eher zur\u00fcckhaltendem Applaus; auch wenn es sogar Fu\u00dftrampeln und vereinzelte Bravorufe gab: man wirkte irritiert. W\u00e4hrend der langen Generalpausen begann hier und dort eine private Konversation. Die bewu\u00dft eingesetzte Stille im B\u00fchnenraum konnte offenbar nicht fesseln. Diese Unkonzentriertheit im Publikum ging konform mit dem letztlich nicht ganz einnehmenden musikalischen und schauspielerischen Gesamtverlauf des Abends. Schade um die Musik, schade um die vielen guten einzelnen Koordinaten der Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p>Carolin Krahn<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt:\u00a0Maureen McKay (Blanche de La Force)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten, Text: Francis Poulenc, nach dem Drehbuch von Georges Bernanos, deutsche Textfassung von Peter Funk und Wolfgang Binal, UA: 26. 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