{"id":298,"date":"2008-05-20T00:20:16","date_gmt":"2008-05-19T22:20:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=298"},"modified":"2008-05-20T00:20:16","modified_gmt":"2008-05-19T22:20:16","slug":"monchengladbach-rheydt-stadttheater-jesus-christ-superstar","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=298","title":{"rendered":"M\u00f6nchengladbach-Rheydt, Stadttheater &#8211; JESUS CHRIST SUPERSTAR"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Andrew Lloyd Webber, Rock-Oper in 22 Bildern, Text von Time Rice, Deutsch von Anja Hauptmann; UA: 12. Oktober 1971 New York, Mark Hellinger Theater (Broadway)<br \/>\nRegie: Reinhardt Friese, B\u00fchnenbild: G\u00fcnter Hellweg, Kost\u00fcme: Annette Mahlendorf, Video: Frank P. Huhn<br \/>\nDirigent: Giuliano Betta, Niederrheinische Sinfoniker, Chor, Extrachor, Jugendchor der Vereinigten St\u00e4dtischen B\u00fchnen Krefeld und M\u00f6nchengladbach<br \/>\nSolisten: Christian Venzke (Jesus), Kerstin Brix (Maria Magdalena), Ralf Meyring (Judas), Michael Kupfer (Pontius Pilatus), Matthias Wippich (Kaiphas), Luis Lay (Annas), Markus Heinrich (Petrus), Thomas Schweins (Simon\/Herodes), Frank Rammelm\u00fcller (1. Priester), Yasuyuki Toki (2. Priester), Jeong-Han Lee (3. Priester\/Fragender), Bong-Kil Lee Fragende), Jerzy Gurzynski (1. Soldat), Vladimir Schmurko (2. Soldat)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 18. Mai 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/moenchengladbach-jesus-chri.jpg\" TITLE=\"moenchengladbach-jesus-chri.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/moenchengladbach-jesus-chri.jpg\" ALT=\"moenchengladbach-jesus-chri.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Judas, das schwarze Schaf unter den J\u00fcngern, der Verr\u00e4ter? Judas, der tragische Held, der verhindern m\u00f6chte, da\u00df sein Anf\u00fchrer seine Ziele aus den Augen verliert? Der entt\u00e4uscht ist dar\u00fcber, da\u00df seine Worte keinen Anklang finden und zu sp\u00e4t erkennt, da\u00df die durch ihn erm\u00f6glichte Auslieferung Jesu an die Hohepriester mehr bewirkt, als was er erreichen wollte? Der seinen Verrat so sehr bereut, da\u00df er in seiner Verzweiflung nicht willens ist mit dieser Schuld zu leben? Oder ist es der Judas, der aller Bewunderung und Liebe zu Jesus zum Trotz zu zweifeln, zu fragen wagt, wer Jesus wirklich ist &#8211; und der sich in diesem Zweifel als zutiefst menschlich erweist? Eine Antwort auf diese Fragen gibt die Rock-Oper nicht. Zwar werden die Ereignisse der Karwoche aus der unkonventionellen Perspektive des Judas geschildert, doch ein Hinweis darauf, ob Jesus wahrer Gott und Mensch zugleich ist, fehlt. Hier begegnet ein Mensch einem Menschen.<br \/>\n<strong>Inszenierung<\/strong><br \/>\nVon dieser Lesart soll auch in der Inszenierung nichts ablenken, die Begegnung steht im Vordergrund. Aus einem einzigen Bau, f\u00fcr den sich<strong> G\u00fcnter Hellweg <\/strong>verantwortlich zeichnet, lassen sich alle Schaupl\u00e4tze durch wenige Ver\u00e4nderungen heraussch\u00e4len. Wie die B\u00fchne sind die Kost\u00fcme von <strong>Annette Mahlendorf<\/strong> ohne Ausnahme in schwarzen und wei\u00dfen T\u00f6nen gehalten. Dabei sind Konnotationen zwischen Rolle und Schattierung des Kost\u00fcms \u00fcberaus stimmig. Allein Jesus tritt unter seinem Mantel mit entbl\u00f6\u00dftem Oberk\u00f6rper auf, doch zeigt diese Nacktheit auch seine Verletzlichkeit und Schutzlosigkeit. Da\u00df die Begegnung zwischen den verschiedenen Charakteren den Kern der Inszenierung ausmacht, wird insbesondere in den Videoinstallationen von <strong>Frank Patrick Huhn<\/strong> deutlich, in Close ups der sich begegnenden Personen wird per Mimik das gesagt, was Musik, Text und Gestik nicht verm\u00f6gen: die Regungen der Seele. Auch die Regie <strong>Reinhardt Frieses<\/strong> ist auf Begegnung bedacht. Die Massenszenen, in denen s\u00e4mtliche Ch\u00f6re des Hauses sowie die Statisterie auftreten, wirken auf der kleinen B\u00fchne besonders eindrucksvoll.<br \/>\n<strong>Ausf\u00fchrende<\/strong><br \/>\nSeine Ohnmacht, seine Verzweiflung ob des Wissens \u00fcber das ihn erwartende Schicksal, seine Wut \u00fcber das Markthalten im Tempel \u2013 kurz: Jesu menschliche Empfindungen wei\u00df <strong>Christian Venzke<\/strong> in Stimme und K\u00f6rper umzusetzen. Beeindruckend ist seine Leistung sowohl in den Ensembleszenen als auch in den wenigen Momenten, in denen er alleine mit sich und Gott ist. Hier h\u00e4lt er innige Zwiesprache, sein Gegen\u00fcber wird durch die Intensit\u00e4t seiner Darstellung pr\u00e4sent. In der Spielintensit\u00e4t steht ihm <strong>Ralf Meyring<\/strong> (Judas) in nichts nach. Schien er in der ersten H\u00e4lfte des Abends sein Lampenfieber zu bek\u00e4mpfen, so war seine Unsicherheit sp\u00e4testens in der Szene seiner Selbstt\u00f6tung wie weggeblasen. Stimmlich nicht ganz so sicher wie die meisten seiner Spielpartner, l\u00e4uft er hier zu H\u00f6chsttouren auf. Diese Szene bildet den unangefochtenen H\u00f6hepunkt des Abends. <strong>Kerstin Brix<\/strong> (Maria Magdalena), kann das Publikum \u00fcberzeugen. Ob ihre Art zu interpretieren jedermann gef\u00e4llt, sei dahingestellt. Der Rolle stimmlich gerecht wird sie allemal, doch leider l\u00e4\u00dft ihr immer leidender Gesichtsausdruck sehr leicht nachvollziehen, warum Judas ihre Gegenwart nicht ertragen kann. In den Nebenrollen brilliert insbesondere <strong>Matthias Wippich<\/strong> (Kaiphas), der mit seiner Stimmgewalt auch ohne Mikrophon \u00fcber das Orchester hinweg singen k\u00f6nnte, sei die Lage auch noch so unangenehm. Die Rolle des B\u00f6sewichts bereitet ihm sichtlich Freude, wie auch <strong>Luis Lay<\/strong> in der Rolle seines Schwiegervaters Annas, der leichten Fu\u00dfes durch seine Falsettpassagen wandert. <strong>Michael Kupfer<\/strong> (Pontius Pilatus) wei\u00df Nachdenklichkeit und Verwirrung und Ohnmacht seiner Rolle \u00fcberzeugend umzusetzen. Der Gast <strong>Thomas Schweins<\/strong> tritt als Simon wie auch als K\u00f6nig Herodes in Aktion. Leider f\u00e4llt er stimmlich wie darstellerisch aus dem \u00fcberwiegend hervorragenden Ensemble negativ heraus, seine kom\u00f6diantische Leistung als Herodes kann nicht \u00fcber unangenehme Vokalf\u00e4rbungen hinweg tr\u00f6sten.<br \/>\nEine besondere Leistung dieser Produktion liegt wohl auch darin, eine gro\u00dfe Anzahl an Choristen zu organisieren und ein homogenes Klangbild zu erarbeiten. Anspruchsvolle Passagen werden dabei vom <strong>Chor<\/strong> \u00fcbernommen, w\u00e4hrend <strong>Extrachor<\/strong> und der eigens gegr\u00fcndete<strong> Jugendchor<\/strong> ihn in den Massench\u00f6ren unterst\u00fctzen. Die <strong>Niederrheinischen Sinfonike<\/strong><strong>r<\/strong> unter der Leitung von<strong> Giuliano Betta<\/strong> erweisen sich als dynamischer, musicalerfahrener Klangk\u00f6rper. Sichtbaren Spa\u00df hatte wohl der Pianist, der sich anscheinend w\u00e4hrend der ganzen Vorstellung auf Herodes\u2019 Ragtime-Nummer gefreut hat, zumindest machte sein Enthusiasmus diesen Eindruck.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin tobendes Publikum erlebt das Theater M\u00f6nchengladbach nicht selten, doch scheint es immer noch Steigerungsm\u00f6glichkeiten zu geben. Unz\u00e4hlige Male durfte sich das Ensemble verbeugen. Zu Recht, in den meisten F\u00e4llen. Leider sind die Vorstellungen in M\u00f6nchengladbach alle ausverkauft, doch sei darauf hingewiesen, da\u00df diese Produktion in Krefeld in der n\u00e4chsten Saison aufgenommen wird.<\/p>\n<p>Christine Lauter<\/p>\n<p>Bild: Matthias Stutte<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Judas (Ralf Meyring) verr\u00e4t Jesus (Christian Venzke) durch einen Bruderku\u00df an Annas (im Hintergrund Luis Lay).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Andrew Lloyd Webber, Rock-Oper in 22 Bildern, Text von Time Rice, Deutsch von Anja Hauptmann; UA: 12. Oktober 1971 New York, Mark Hellinger Theater (Broadway) Regie: Reinhardt Friese, B\u00fchnenbild: G\u00fcnter Hellweg, Kost\u00fcme: Annette Mahlendorf, Video: Frank P. 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