{"id":2967,"date":"2011-06-21T21:39:40","date_gmt":"2011-06-21T20:39:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2967"},"modified":"2011-07-05T10:50:00","modified_gmt":"2011-07-05T09:50:00","slug":"bachfest-leipzig-2011","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2967","title":{"rendered":"Bachfest Leipzig 2011"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Die Kultur-, Musik- und Bachstadt Leipzig lud vom 10. bis 19. Juni 2011 zum diesj\u00e4hrigen Bachfest ein. \u00a0Werk- und K\u00fcnstlerauswahl spiegelten das Motto <em>Nach italienischem Gusto<\/em> wieder. An 32 Orten in und um Leipzig wurden 110 Veranstaltungen mit 470 Werken realisiert. Der internationale Besucherandrang schlug alle Rekorde. Das Besondere des Bachfestes ist die Authentizit\u00e4t der Auff\u00fchrungsorte, was auch die Qualit\u00e4t des Programms beeinflu\u00dft: Die K\u00fcnstler spielen offensichtlich gerne an den historischen Wirkungsst\u00e4tten Bachs. In diesem Jahr wurden erg\u00e4nzend der 100. Todestag Gustav Mahlers (18. Mai 1911) und der 200. Geburtstag von Franz Liszt (22. Oktober 1811) gew\u00fcrdigt. Neben thematisch orientierten Konzertreihen, Konzertfahrten, musikalischen Gottesdiensten, Orgelmusik, Jazz sowie F\u00fchrungen (im M\u00e4rz 2010 wiederer\u00f6ffnet) fand als H\u00f6hepunkt in diesem Jahr die Wiederauff\u00fchrung der in originaler Fassung der seit langem verschollenen Barockoper <em>Zanaida<\/em> von Johann Christian Bach im Barocktheater von Bad Lauchst\u00e4dt statt.<\/p>\n<p>Seit der Enth\u00fcllung des Bachdenkmals auf dem Thomaskirchhof im Jahre 1908 tritt die Stadt Leipzig als Organisator des Festes zu Ehren Bachs auf. Die Idee dazu wurde durch die Mitglieder der <em>Neuen Bachgesellschaft<\/em> (1900 gegr\u00fcndet) geboren und durch deren Initiative sowie durch den damaligen Thomaskantor Karl Straube (1873-1950) entscheidend vorangetrieben.<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bachgesellschaft ihre T\u00e4tigkeit wieder auf. Von 1962 bis 1990, zur Zeit der deutschen Teilung, wurde das Bachfest mit parit\u00e4tisch besetzten Leitungsgremien aus beiden deutschen Staaten und Ausland durchgef\u00fchrt. Seit 1999 organisiert das Bach-Archivs Leipzig die j\u00e4hrlichen Bachfeste. Anl\u00e4\u00dflich des 250. Todestages Johann Sebastian Bachs feierte man im Jahr 2000 das 75. Bachfest in Leipzig.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Leipzig,<\/strong><strong> <\/strong><strong>Thomaskirche <\/strong><\/p>\n<p><strong>Abschlu\u00dfkonzert des Bachfestes<\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p><em>Messe in h-Moll<\/em>, BWV 232<\/p>\n<p>Dirigent: Ren\u00e9 Jacobs, <em>Akademie f\u00fcr alte Musik Berlin<\/em>, <em>Balthasar-Neumann-Chor,<\/em> Choreinstudierung: Detlef Bratschke<\/p>\n<p>Solisten: Anna Prohaska (Sopran), Marie-Claude Chappuis (Mezzosopran), Andreas Scholl (Alt), Magnus Staveland (Tenor), Johannes Weisser (Bariton)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Juni 2011<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Bachfest-H_moll.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2968\" title=\"Bachfest-H_moll\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Bachfest-H_moll.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"252\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Bachfest-H_moll.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Bachfest-H_moll-300x216.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Zur Struktur der <em>h-Moll Messe<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Man nennt sie auch \u201egro\u00dfe katholische Messe\u201c .<\/p>\n<p>Sie besteht aus vier Teilen:<\/p>\n<p>1. Missa (Kyria und Gloria), 2. Symbolum Nicenum (Credo), 3. Sanctus, 4. Osanna (Benedictus, Agnus Dei, Dona nobis pacem). Ihre Entstehungszeit liegt zwischen 1748 und 1749. Sie ist deutlich chordominiert und enth\u00e4lt neun Arien. Nahezu alle St\u00fccke sind keine Neukompositionen Bachs, sondern sogenannte Parodien, das hei\u00dft Umarbeitungen bereits vorhandener S\u00e4tze.<\/p>\n<p><strong>Orchester und S\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p>Das vielfach ausgezeichnete Orchester zeichnet sich vor allem durch seinen warmen Streicherklang und die immer h\u00f6chst leichtf\u00fc\u00dfig bleibenden Bl\u00e4ser aus. <strong>Ren\u00e9 Jacobs<\/strong> nahm sehr rasche Tempi.<\/p>\n<p>Die professionelle Formation junger Solisten des Balthasar-Neumann-Chores erzeugte mit sechsfach besetzten Stimmen einen durchsichtigen Chorklang, in dem die das jeweilige St\u00fcck charakterisierenden Motive deutlich in den Vordergrund traten und gut zu identifizieren waren. Mit 24 S\u00e4ngern erhielt die Messe einen eher kammermusikalischen Charakter. Chor und Orchester gingen h\u00f6chst flexibel aufeinander ein, so da\u00df sie den \u00dcbergang in das jeweils folgende St\u00fcck ohne Pause gestalten konnten.<\/p>\n<p>Die beiden monumentalen Eingangschors\u00e4tze <em>Kyrie eleison<\/em> wurden in gro\u00dfen B\u00f6gen ganztaktig schwingend gefa\u00dft. Das anschlie\u00dfende <em>Gloria<\/em> baute sich schnell auf, davon dynamisch deutlich abgesetzt folgte das <em>Et in terra pax<\/em>. Das mit Chorsolisten und pulsierendem Continuo gef\u00fchrte <em>Incarnatus<\/em> wurde ebenso wie das <em>Crucifixus<\/em> im Tempo zur\u00fcckgenommen. Nachdem es in einem kaum noch h\u00f6rbaren Pianissimo verklang, schlo\u00df sich das <em>Et<\/em> <em>resurrexit<\/em> nach nur einem Atemzug in strahlendem Forte an.<em> <\/em>Hervorzuheben ist auch das in unglaublichem schnellem Tempo gesungene <em>Sanctus<\/em> und das zweimalige <em>Osanna in excelsis. <\/em>Die langen Koloraturen schmolzen zu einem gro\u00dfen Vibrieren mit kurz angesto\u00dfenen ersten Taktz\u00e4hlzeiten zusammen. Im immer wieder aufsteigenden Motiv, das sich im vierstimmigen Schlu\u00dfchor <em>Dona nobis pacem<\/em> von Stimme zu Stimme schwingt, fand die Messe ihr prachtvolles Ende.<\/p>\n<p>Die schwerpunktm\u00e4\u00dfig als Operns\u00e4nger ausgebildeten Solisten musizierten alle auf hohem Niveau. <strong>Anna Prohaska<\/strong> sang die Arie <em>Laudamus te<\/em> sowie die Duette mit Tenor und Alt mit leichter Stimmgebung und perlenden Koloraturen. <strong>Andreas Scholls<\/strong> Altstimme bleibt eine Ausnahmeerscheinung, die durch das Fehlen eines Tremolos sowie eine au\u00dferordentlich saubere, klare Intonation immer wieder neu beeindrucken kann. <strong>Magnus Staveland<\/strong> gab seiner Tenorarie, dem <em>Benedictus<\/em>, einen innigen Charakter. <strong>Johannes Weisser<\/strong> sang die beiden Soli, besonders das gef\u00e4llige <em>Et in spiritum sanctum<\/em>, mit ausdrucksstarker Stimme.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Thomaskirche war bis auf den letzten Platz besetzt und das Publikum klatschte begeistert minutenlang. Wenn die musikalische Umsetzung des Werkes sicherlich geradezu perfekt zu nennen ist, so ver\u00e4nderten die rasanten Tempi \u2013 die auf ca. 110 Minuten angesetzte Auff\u00fchrungsdauer schrumpfte um gut 10 Minuten \u2013 den Charakter der Messe. Teilweise klang sie wie eine Barockoper.<\/p>\n<p>Carola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild: Bach-Archiv Leipzig, Gert Mothes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung Die Kultur-, Musik- und Bachstadt Leipzig lud vom 10. bis 19. Juni 2011 zum diesj\u00e4hrigen Bachfest ein. \u00a0Werk- und K\u00fcnstlerauswahl spiegelten das Motto Nach italienischem Gusto wieder. An 32 Orten in und um Leipzig wurden 110 Veranstaltungen mit 470<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2967\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[166,116],"tags":[],"class_list":["post-2967","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bachfest-leipzig","category-musikfestivals"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2967"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2967\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3023,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2967\/revisions\/3023"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}