{"id":296,"date":"2008-05-19T23:53:37","date_gmt":"2008-05-19T21:53:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=296"},"modified":"2008-05-19T23:53:37","modified_gmt":"2008-05-19T21:53:37","slug":"duisburg-deutsche-oper-am-rhein-lady-macbeth-von-mzensk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=296","title":{"rendered":"Duisburg, Deutsche Oper am Rhein  &#8211; LADY MACBETH VON MZENSK"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Dmitri Schostakowitsch, Oper in vier Akten (Originalversion), UA: 22. Januar 1934, Leningrad (St. Petersburg), Libretto: Alexander Preis und Dmitri Schostakowitsch, nach einer Erz\u00e4hlung von Nikolai Leskov<br \/>\nRegie\/B\u00fchnenbild: Dmitri Tcherniakov , Kost\u00fcme: Elena Zaytseva, Licht: Gleb Filshtinsky<br \/>\nDirigent: John Fiore, Duisburger Philharmoniker, Chor der Deutschen Oper am Rhein, Einstudierung: Christoph Kurig<br \/>\nSolisten: Morenike Fadayomi (Katerina Ismailowa), John Uhlenhopp (Sergej), Oleg Bryjak (Boris), Andrej Dunaev (Sinowij), Elisabeth Selle (Axinja), Udo Holdorf (Der Sch\u00e4bige), Michail Milanov (Pope), Bruno Balmelli (Polizeichef), Laura Nyk\u00e4nen (Sonjetka), Thorsten Gr\u00fcmbel (Alter Zwangsarbeiter), John In Eichen (Verwalter, Sergeant), Daniel Djambazian (Hausknecht, W\u00e4chter) u.a.<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 18. Mai 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"duisburg-lady-macbeth.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/duisburg-lady-macbeth.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"duisburg-lady-macbeth.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/duisburg-lady-macbeth.jpg\" \/><\/a>Die Kaufmannsgattin Katerina Ismailowa ist unzufrieden: Kinder hat sie keine, ihr Mann Sinowij ist ein Langweiler und mit dem l\u00fcsternen, tyrannischen Schwiegervater Boris gibt es immer wieder Streit. Als Sinowij verreisen mu\u00df, setzt Katerina dem brutalen Werben des neuen Arbeiters Sergej nur halbherzigen Widerstand entgegen.<br \/>\nBoris ertappt das Liebespaar in flagranti und pr\u00fcgelt Sergej vor Katerinas Augen halbtot. Ha\u00dferf\u00fcllt mischt sie dem Alten Rattengift ins Essen. Er stirbt \u2013 an einer Pilzvergiftung, wie Katerina Ismailowa die Zeugen glauben machen kann.<br \/>\nDie Heimkehr des Sinowij verlangt nach weiteren drastischen Mitteln: Sinowij wird von Katerina und Sergej ermordet, die Leiche im Keller versteckt. Ab sofort gilt Sinowij als verschollen: Die beiden k\u00f6nnen heiraten. Auf der Hochzeitsfeier entdeckt jedoch ein betrunkener Gast die Leiche. Das Paar wird verhaftet und zur Zwangsarbeit verurteilt. Auf dem Marsch nach Sibirien mu\u00df Katerina erkennen, da\u00df Sergej eine andere begehrt: die junge Mitgefangene Sonjetka. Verzweifelt t\u00f6tet Katerina erst Sonjetka und dann sich selbst.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\n<strong>Dmitri Tcherniakov<\/strong>, f\u00fcr Regie und B\u00fchnenbild verantwortlich, verlegt die urspr\u00fcnglich im zaristischen Ru\u00dfland angesiedelte Handlung in die Gegenwart. Aus dem Laden der Ismailowa wird ein mittelst\u00e4ndisches Unternehmen (Spedition?). Tcherniakov tut dem Werk damit keine Gewalt an, sondern beschr\u00e4nkt sich darauf, die schockierende Geschichte von Frustration, Obsession und Tod nahezu schl\u00fcssig bis zum bitteren Ende zu erz\u00e4hlen. Genial einfach seine L\u00f6sung f\u00fcr die Beischlafszene: Sergej und Katerina sind nicht zu sehen. Die Schatten, die eine schwankende Gl\u00fchbirne an die Wand wirft, machen deutlich, was zwischen den beiden vorgeht.<br \/>\n\u00dcberzeugende Bilder findet Tcherniakov auch f\u00fcr Katerinas sexuelle H\u00f6rigkeit: W\u00e4hrend der Orchester\u00fcberleitung vom vierten zum f\u00fcnften Bild w\u00e4scht und salbt sie Sergejs K\u00f6rper und h\u00e4ngt ihm schlie\u00dflich eine Decke als Mantel um: Er ist ihr K\u00f6nig.<br \/>\nTcherniakovs Blick auf das Werk st\u00f6\u00dft dann an seine Grenzen, wenn es um Szenen geht, die vom urspr\u00fcnglichen Schauplatz bzw. von der Entstehungszeit des Werkes schwer zu trennen sind. Das siebte Bild, die Polizeiwache, ergibt in Tcherniakovs Inszenierung keinen Sinn. Auch wird die Funktion dieser Szene als retardierendes Moment zu sehr auf die Spitze getrieben: Das l\u00e4ssige Umherschlendern der Polizisten zwischen den f\u00fcr Katerinas Hochzeit gedeckten Tischen langweilt rasch. Auf den Marsch nach Sibirien mu\u00df Tcherniakov verzichten. Die Schlu\u00dfszene ist in einer Gef\u00e4ngniszelle angesiedelt, Chor und Alter Zwangsarbeiter sind unsichtbar. Dadurch, da\u00df Tcherniakov die t\u00f6dliche Dreiecksbeziehung des Schlu\u00dfbildes auf engsten Raum verbannt, gelingt ihm zwar ein Coup de Th\u00e9atre, zu gro\u00df sind jedoch die Diskrepanzen zwischen Dargestelltem und Text. Wenig geeignet ist auch das Einheitsb\u00fchnenbild. Es steht dem Tempo der Musik entgegen, das nach schnellen, filmischen Schnitten verlangt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nSpannung zu entfachen beherrscht <strong>John Fiore<\/strong> meisterhaft: die <strong>Duisburger Philharmoniker<\/strong> steigern die musikalische Spannung fast bis ins Unertr\u00e4gliche. Innige Streicherfiguren, scharfe Blechbl\u00e4serkl\u00e4nge, satirische, an die Jazz-Suiten Schostakowitschs erinnernde Rhythmen oder brutale Tutti im dreifachen Forte \u2013 Fiores Zugriff auf die Partitur vermag in jeder Sekunde zu \u00fcberzeugen. Das Prinzip der Verlangsamung und Beschleunigung, Schostakowitschs krasse Gegens\u00e4tze entfalten unter seiner Stabf\u00fchrung eine unwiderstehliche Kraft.<br \/>\nIn <strong>Morenike Fadayomi<\/strong> hat die Rheinoper ihre stimmliche und darstellerische Idealbesetzung f\u00fcr Katerina gefunden. Leichte Intonationstr\u00fcbungen und ein etwas zu starkes Vibrato im Forte st\u00f6ren nicht, sondern f\u00fcgen sich in das Ganze der musikalischen Extreme. <strong>Oleg Bryjak<\/strong> (Boris) ist ein Tyrann und Polterer, wie er im Buche steht: Stimmlich nicht weniger stark als Fadayomi, beherrscht er die B\u00fchne in jedem Augenblick seines Auftritts. <strong>John Uhlenhopp<\/strong> (Sergej) vervollst\u00e4ndigt das Protagonisten-Trio kongenial. Allerdings sei ihm empfohlen, einer Unart vieler dramatischer Ten\u00f6re nicht noch mehr Raum zu geben, n\u00e4mlich T\u00f6ne zu tief anzusetzen und dann in die korrekte H\u00f6he zu \u201eschleifen\u201c.<br \/>\n<strong>Andrej Dunaev <\/strong>(Sinowij), an der Rheinoper zu Recht als Alfredo in La Traviata oder als Duca im Rigoletto gefeiert, vermag bei seinem Ausflug ins Charakterfach nicht zu \u00fcberzeugen. Zu sch\u00f6nstimmig kommt seine Interpretation daher. Dagegen holte <strong>Laura Nyk\u00e4nen<\/strong> (Sonjetka) aus ihrem kurzen Auftritt heraus, was nur eben herauszuholen war. Die Balance zwischen Sinnlichkeit und ordin\u00e4rer Laszivit\u00e4t gelang ihr perfekt.<br \/>\nUnter den \u00fcbrigen Nebenfiguren machten <strong>Michail Milanov<\/strong> (Pope), <strong>Udo Holdorf<\/strong> (Der Sch\u00e4bige), <strong>Daniel Djambazian<\/strong> (Hausknecht, W\u00e4chter) sowie <strong>Thorsten Gr\u00fcmbel<\/strong> als (unsichtbarer) Alter Zwangsarbeiter die beste Figur. Der Chor empfahl sich nachhaltig f\u00fcr weitere Projekte aus dem russischen Repertoire.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin musikalisches Ereignis, das den Zuschauer atemlos macht \u2013 und eine Inszenierung, die trotz einiger Schw\u00e4chen bis zum Ende zu fesseln vermag: Wer die Gelegenheit hat, eine der Auff\u00fchrungen zu besuchen (die Produktion kommt in der n\u00e4chsten Spielzeit nach D\u00fcsseldorf), l\u00e4\u00dft sie sich besser nicht entgehen.<\/p>\n<p>Eva-Maria Ernst<br \/>\nBild: Eddy Straub<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Morenike Fadayomi (Katerina Ismailowa) und John Uhlenhopp (Sergej), liegend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dmitri Schostakowitsch, Oper in vier Akten (Originalversion), UA: 22. 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