{"id":2953,"date":"2011-06-26T21:25:24","date_gmt":"2011-06-26T20:25:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2953"},"modified":"2011-06-29T15:37:03","modified_gmt":"2011-06-29T14:37:03","slug":"candide-berlin-staatsoper-im-schiller-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2953","title":{"rendered":"CANDIDE &#8211; Berlin, Staatsoper im Schiller Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Leonard Bernstein (1918-1990), Komische Operette in 2 Akten, Text: Richard Wilbur, Buch von Hugh Wheeler, nach dem Roman von Voltaire, UA: 29. Oktober 1956, Boston, Colonial Theater Scottish Opera Version<\/p>\n<p>Regie: Vincent Boussard, B\u00fchne: Vincent Lemaire, Kost\u00fcme: Christian Lacroix, Choreographie: Helge Letonja, Winkler: Licht: Guido Levi, Video: Isabel Robson, Dramaturgie: Katharina<\/p>\n<p>Dirigent: Wayne Marshall, Orchester: Staatskapelle Berlin, Chor: Staatsopernchor (Einstudierung: Eberhard Friedrich, Frank Flade)<\/p>\n<p>Solisten: Leonardo Capalbo (Candide), Graham F. Valentine (Pangloss, Martin, Se\u00f1or II), Stephan Loges (Maximilian, Inquisitor II, Judge II, Captain, Hermann Augustus), Maria Bengtsson (Cunegonde), Stephanie Atanasov (Paquette), Anja Silja (The Old Lady), Stephan R\u00fcgamer (Governor, Se\u00f1or I, Vanderdendur, Sultan Achmet, Crook), Michael Smallwood (Inquisitor I, Judge I, Charles Edward, Ragotski), Bernd Zettisch (Inquisitor III, Judge III, Tsar Ivan), Dominik Engel (Stanislaus)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Juni 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Berlin-St_Candide.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2954\" title=\"Berlin-St_Candide\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Berlin-St_Candide.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"230\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Berlin-St_Candide.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Berlin-St_Candide-300x197.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Candide w\u00e4chst mit Cunegonde, deren Bruder Maximilian und Kammerzofe Paquette im Schlo\u00df Thunder-ten-Tronck in Westfalen auf, wo Pangloss sie im Geiste der <em>besten aller m\u00f6glichen Welten<\/em> unterrichtet. Dann bricht Krieg aus, alle bis auf Candide werden (angeblich) get\u00f6tet. Dieser allerdings macht sich auf die Suche nach Cunegonde. Sein Weg f\u00fchrt ihn \u2013 begleitet von allerlei Katastrophen \u2013 nach Lissabon, Paris, Buenos Aires und Eldorado (\u201eNeue Welt\u201c), nach Neu-Westfalen und Venedig.<\/p>\n<p>In Paris findet Candide Cunegonde wieder, die sich inzwischen als Prostituierte mit Alkohol und Schmuck berauscht. Nachdem Candide zwei Freier get\u00f6tet hat, flieht er mit Cunegonde in die Neue Welt. Als M\u00e4tresse des argentinischen Gouverneurs wartet letztere drei Jahre vergeblich auf ihre Hochzeit. Candide landet in Eldorado, wo es ihm bald zu langweilig wird. Schlie\u00dflich reist er nach Venedig und trifft Cunegonde in einer Spielbank wieder. Trotz ihres Strebens nach Reichtum will Candide sie heiraten, denn: <em>Wir m\u00fcssen unseren Garten bestellen<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchnengestaltung von Vincent Lemaire verdeutlicht die komplexe Anlage des Candide-Stoffes. Ein \u00fcberdimensionaler, vertikal rund um die B\u00fchne laufender Rahmen grenzt die vielen verschiedenen Szenen visuell ein und wird je nach Bedarf als physikalischer Spannungsmesser, Bildschirm oder Rahmen eines Eldorado-Bildes eingesetzt. Extreme Orts- oder Zeitspr\u00fcnge werden knapp zusammengefa\u00dft als Regieanweisung direkt auf den B\u00fchnenrahmen projiziert; ebenso dient er der Vorstellung der Charaktere, deren Namen und Kurzbeschreibung zu Beginn w\u00e4hrend eines kurzen Auftritts am Rand des B\u00fchnen-Bilds eingeblendet werden, das die Darsteller betreten. In diese verschiedenen Tableaus werden die Geschichten eingebettet, die Candide auf seinen Reisen erlebt. Christian Lacroix entwarf daf\u00fcr sehr farbenreiche Kost\u00fcme, die sowohl die Atmosph\u00e4re der Tango-Stadt Buenos Aires illustrierten, als auch das paradiesgleiche Eldorado.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die gesanglichen und schauspielerischen Leistungen aller beteiligten Solisten des Abends waren au\u00dferordentlich. Allen voran beeindruckten <strong>Leonardo Capalbo<\/strong> als Candide und <strong>Maria Bengtsson<\/strong> in der Rolle der Cunegonde. Nicht nur sahen sie in den phantasievollen Kost\u00fcmen blendend aus; beide \u00fcberzeugten auch musikalisch mit dynamisch abgestufter Phrasengestaltung, exzellenter Textverst\u00e4ndlichkeit und stets wohldosiertem Ausdruck. Au\u00dferdem bewies <strong>Leonardo Capalbo<\/strong> durchweg viel akrobatisches Geschick auch in gesanglichen und sportlichen Extremsituationen; <strong>Maria Bengtsson<\/strong> meisterte den Wandel von der prinzessinnenhaften Cunegonde hin zur <em>femme fatale<\/em> mit klanglicher Transparenz und schauspielerischer Bravour \u2013 sowie einigen ironischen Seitenhieben auf das Belcanto-Fach. <strong>Anja Silja <\/strong>(The Old Lady) bildete dazu einen gelungenen, temperamentvollen Konterpart. Lebendiger als <strong>Graham F. Valentine<\/strong> h\u00e4tte man Pangloss, Martin und Se\u00f1or II wohl kaum darstellen k\u00f6nnen. Sein spritziger Humor und die pr\u00e4gnante Stimme am\u00fcsierte das Publikum h\u00f6rbar, ging allerdings bisweilen durch allzu viele deklamatorische und rhythmische Freiheiten auf Kosten der musikalischen Qualit\u00e4t. Der Staatskapelle Berlin unter Leitung von Wayne Marshall an diesem Abend zuzuh\u00f6ren war insbesondere bei <em>What\u2019s the use<\/em> oder <em>Bon voyage<\/em> aufgrund der beschwingt t\u00e4nzelnden Gestaltung voller musikalischem Detail ein Vergn\u00fcgen, wobei insbesondere die Bl\u00e4serregister positiv zu erw\u00e4hnen sind. Einziger Wehmutstropfen bleibt die Lautst\u00e4rkerelation von Chor und Orchester: Der Chor kam in der musikalischen Gestaltung durchweg etwas tr\u00e4ge daher und bremste darum das schwungvolle \u2013 manchmal allerdings etwas zu laute \u2013 Spiel des Orchesters.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt wurden dem Publikum durchdachte musikalische Differenzierung und offenkundige Spielfreude aller Beteiligten auf der B\u00fchne und im Orchestergraben geboten. Die phantasievoll-eleganten Kost\u00fcme machten die Premiere von <em>Candide<\/em> zu einem farbreichen Genu\u00df f\u00fcr Auge und Ohr. Dies wurde mit dementsprechend \u00fcppigem Applaus honoriert, w\u00e4hrend man allerdings mit Bravo-Rufen sparsamer umging. Wie dem auch sei: Chapeau f\u00fcr einen \u00e4u\u00dferst kurzweiligen Abend auf hohem musikalischem Niveau!<\/p>\n<p>Carolin Krahn<\/p>\n<p>Bild: Cl\u00e4rchen und Matthias Baus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Wolfgang Stiebritz (Erzbischof), Leonardo Capalbo (Candide), Maria Bengtsson (Cunegonde), Ralf Stengel (Der Jude)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Leonard Bernstein (1918-1990), Komische Operette in 2 Akten, Text: Richard Wilbur, Buch von Hugh Wheeler, nach dem Roman von Voltaire, UA: 29. 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