{"id":2944,"date":"2011-06-15T11:11:44","date_gmt":"2011-06-15T10:11:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2944"},"modified":"2011-06-18T11:21:25","modified_gmt":"2011-06-18T10:21:25","slug":"lulu-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2944","title":{"rendered":"LULU &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Text vom Komponisten nach den Trag\u00f6dien <em>Erdgeist <\/em>und <em>Die B\u00fcchse der Pandora<\/em> von Frank Wedekind, Deutsche Erstauff\u00fchrung der Neufassung des 3. Aktes von Eberhard Kloke, UA: 1937 Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Regie: Saskia Kuhlmann, B\u00fchne: Dieter Richter, Kost\u00fcme: Susanne Suhr<\/p>\n<p>Dirigent: Samuel B\u00e4chli, Philharmonisches Orchester Erfurt, Th\u00fcringen Philharmonie Gotha, Statisterie<\/p>\n<p>Solisten: Julia Neumann (Lulu), St\u00e9phanie M\u00fcther (Gr\u00e4fin Geschwitz), Matteo de Monti (Dr. Sch\u00f6n\/Jack), Dario S\u00fc\u00df (Medizinalrat\/Theaterdirektor\/Bankier\/Professor) Richard Carlucci (Maler\/Neger), Markus Petsch (Alwa), M\u00e1t\u00e9 S\u00f3lyom-Nagy (Schigolch), Sebastian Pilgrim (Tierb\u00e4ndiger\/Athlet) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Juni 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Erfurt-Lulu.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2945\" title=\"Erfurt-Lulu\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Erfurt-Lulu.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Erfurt-Lulu.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Erfurt-Lulu-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Als Zw\u00f6lfj\u00e4hrige wird Lulu vom einflu\u00dfreichen Dr. Sch\u00f6n aufgenommen, nachdem sie versuchte ihn\u00a0 zu bestehlen. Dr. Sch\u00f6n verf\u00e4llt den jugendlichen Reizen Lulus. Nach dem Tod seiner Ehefrau will er wieder standesgem\u00e4\u00df heiraten. Er kann sich aber auch nicht von Lulu trennen, welche er \u00fcber Jahre in Liebesdingen unterrichten lie\u00df und verheiratet sie mit seinem greisen Freund, einem Medizinalrat, welcher kurz darauf verstirbt. Lulu ist nun reiche Witwe. Dr. Sch\u00f6n verschafft ihr ein zweites Mal einen Ehemann, einen jungen Maler, obwohl Lulu eigentlich Dr. Sch\u00f6n heiraten m\u00f6chte. Der Maler wird schnell erfolgreich und verg\u00f6ttert Lulu als seine pers\u00f6nliche Muse. Ihre Liaison mit Dr. Sch\u00f6n ignoriert er. Dr. Sch\u00f6n will nun endlich seine langj\u00e4hrige Verlobte heiraten und berichtet dem Maler die Wahrheit \u00fcber Lulu. Dieser ertr\u00e4gt die Realit\u00e4t nicht und t\u00f6tet sich. Lulu beginnt eine Karriere als T\u00e4nzerin. Dr. Sch\u00f6n kann ihrem Bann nicht entkommen und l\u00e4\u00dft sich von ihr einen Abschiedsbrief an seine Verlobte diktieren. Trotz der Ehe mit Lulu verf\u00e4llt er immer mehr seinem Eifersuchtswahn. Er will Lulu mit einem Revolver zum Selbstmord zwingen, doch diese erschie\u00dft ihn. Ein kleiner Kreis von Verehrern kann durch eine List Lulu aus dem Gef\u00e4ngnis befreien und nach Paris bringen. Dort betreiben sie gemeinsam ein Edelbordell. Sp\u00e4ter geht sie in\u00a0 London Stra\u00dfenprostitution nach. Sie wir ein Oper von Jack the Ripper.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Zirkusmanege in Blau und Gold mit Oberlichtern, welche die Decke eines Zeltes imitieren, dominiert die B\u00fchne durch alle drei Akte hindurch. Geschicktes Drehen, Umdekorieren und Verschiebung des Ganzen hinaus aus dem B\u00fchnenausschnitt am Ende der Paris-Szene sowie die teilweise Abtrennung des hinteren Teils der Manege durch eine Spiegelwand erm\u00f6glichen eine vielf\u00e4ltige und abwechslungsreiche, an die Szeneninhalte gebundene Nutzung des B\u00fchnenbildes. Das gesamte B\u00fchnenkonzept greift somit auch die dramaturgische Quintessenz des Werkes auf, die Vorf\u00fchrung des Weibes als Naturelement und gef\u00e4hrliches Tier. Lediglich die letzte Szene des Werkes, Lulus Abstieg zur Stra\u00dfenprostituierten in London, bricht mit dem Gesamtkonzept. Die schwarze, leere B\u00fchne wird nur durch einen kleinen, heruntergekommenen Wohnwagen mit Leuchtherzen und einem alten Sofa dahinter erf\u00fcllt. <strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Unumstrittener Star des Abends war eindeutig die Sopranistin <strong>Julia Neumann<\/strong> in der technisch \u00e4u\u00dferst anspruchsvollen Titelrolle der Lulu. Ihre au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Stimme blieb trotz extremer Intervallspr\u00fcnge, Stilwechsel und ungew\u00f6hnlichster Gesangshaltungen, ob kopf\u00fcber an einem Trapez h\u00e4ngend oder flach am Boden auf dem Bauch liegend, ausdrucksstark, klangvoll-volumin\u00f6s und in perfekter Balance. Ihr zur Seite stand <strong>Matteo de Monti<\/strong> als sowohl stimmlich als auch darstellerisch gleichwertiger Dr. Sch\u00f6n. Der Tenor <strong>Richard Carlucci<\/strong> (Maler) bewies in dieser Spielzeit zum wiederholten Male sein hinzugewonnenes schauspielerisches Talent. Seiner geschmeidigen Stimme blieb trotz der vorwiegend spr\u00f6de deklamierenden oder in Extreme ausschlagenden Bergschen Gesangsgestaltung gen\u00fcgend Raum zum Brillieren. Auch die weiteren m\u00e4nnlichen Verehrer Lulus, der gewohnt sonore Ba\u00df <strong>Dario S\u00fc\u00df<\/strong> (Medizinalrat) sowie <strong>Markus Petsch<\/strong> (Alwa), <strong>M\u00e1t\u00e9 S\u00f3lyom-Nagy<\/strong> (Schigolch) und <strong>Sebastian Pilgrim<\/strong> (Tierb\u00e4ndiger\/Athlet) \u00fcberzeugten sowohl stimmlich als auch darstellerisch. Die Mezzosopranistinnen <strong>St\u00e9phanie M\u00fcther<\/strong> (Gr\u00e4fin Geschwitz) und <strong>Karolina Krogius<\/strong> (Gymnasiast) rundeten das zahlreiche Solistenensemble mit ihren warmen, ausdrucksstarken Stimmen ab.<\/p>\n<p>Die Kooperation aus <strong>Philharmonischem Orchester Erfurt<\/strong> und der <strong>Th\u00fcringen Philharmonie Gotha<\/strong> unter der Leitung von <strong>Samuel B\u00e4chli<\/strong> konnte an vorherige erfolgreiche Zusammenarbeiten anschlie\u00dfen, wenn auch die leider schon gewohnten Lautst\u00e4rkedifferenzen zwischen S\u00e4ngern und Orchestern den Opernabend ein wenig tr\u00fcbten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wie auch Wedekinds Doppeltrag\u00f6die in einem scheinbar zeitlosen Raum spielt, so gibt auch die Erfurter Inszenierung keinen eindeutigen Hinweis an Hand von B\u00fchne und Kost\u00fcmen zur chronologischen Einordnung der Geschehnisse.<\/p>\n<p>Der langanhaltende, ausgiebige Applaus des Premierenpublikums wurde der in sich geschlossenen Inszenierung und vor allem der hervorragenden Leistungen von Solisten und Orchester gerecht.<\/p>\n<p>Josephin Wietschel<\/p>\n<p>Bild: L. Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Julia Neumann (Lulu) und Matteo de Monti (Dr. Sch\u00f6n) am Ende ihrer verworrenen Beziehung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885-1935), Oper in drei Akten, Text vom Komponisten nach den Trag\u00f6dien Erdgeist und Die B\u00fcchse der Pandora von Frank Wedekind, Deutsche Erstauff\u00fchrung der Neufassung des 3. 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