{"id":2915,"date":"2011-06-10T20:51:59","date_gmt":"2011-06-10T19:51:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2915"},"modified":"2011-06-29T19:07:54","modified_gmt":"2011-06-29T18:07:54","slug":"die-gotterdammerung-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2915","title":{"rendered":"DIE G\u00d6TTERD\u00c4MMERUNG &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels <em>Der Ring des Nibelungen<\/em>, UA: 17. August 1876, Festspielhaus Bayreuth<\/p>\n<p>Regie: G\u00fcnter Kr\u00e4mer,\u00a0 B\u00fchne: J\u00fcrgen B\u00e4ckmann,\u00a0 Kost\u00fcme: Falk Bauer, Licht: Diego Leetz, Videobilder: Stefan Bischoff, Choreographie: Otto Pichler<\/p>\n<p>Dirigent: Philippe Jordan, Orchestre et Choeur de l\u2019Op\u00e9ra\u00a0 National, Chorleiter: Patrick Marie Aubert<\/p>\n<p>Solisten: Torsten Kerl (Siegfried), Iain Paterson (Gunther), Peter Sidhom (Alberich), Hans-Peter K\u00f6nig (Hagen), Katarina Dalayman (Br\u00fcnnhilde), Christiane Libor (Gutrune), Sophie Koch (Waltraute), Nicole Piccolomini\u00a0 (Flosshilde), Caroline Stein (Woglinde), Daniella Singram (Wellgunde)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Juni 2011 (Premiere 3. Juni 2011)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Paris-G\u00f6tterd.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2916\" title=\"Paris-G\u00f6tterd\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Paris-G\u00f6tterd.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Paris-G\u00f6tterd.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Paris-G\u00f6tterd-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Hagen, Alberichs dunkler Sohn, will sich durch Siegfried des Rings des Nibelungen bem\u00e4chtigen. Durch Hagens Zaubertrank vergi\u00dft Siegfried Br\u00fcnnhilde, wirbt um Gutrune, K\u00f6nig Gunthers Schwester und verspricht Gunther, Br\u00fcnnhilde f\u00fcr ihn zugewinnen. Mit seinem Tarnhelm durchschreitet er in Gestalt Gunthers den Feuerkreis, entrei\u00dft Br\u00fcnnhilde sein Liebespfand, den Ring des Nibelungen, und f\u00fchrt sie Gunther zu. Als Br\u00fcnnhilde, im K\u00f6nigsschlo\u00df, Siegfried und an seinem Finger den Ring erblickt, erhebt sie Klage: nicht Gunthers, sondern Siegfrieds Gemahlin sei sie. Immer noch vom Vergessenstrank der Erinnerung beraubt, schw\u00f6rt Siegfried, sie nie gekannt zu haben. Nach diesem Meineid \u00fcberzeugt Hagen Br\u00fcnnhilde Siegfried zu t\u00f6ten. Ohne zu wollen, verr\u00e4t sie Siegfrieds Verwundbarkeit am R\u00fccken. W\u00e4hrend der\u00a0 folgenden Jagd ermordet Hagen den Helden, der eben seine Erinnerung wiedergefunden hat und Br\u00fcnnhilde eine letzte Liebesbotschaft schickt. Durch Siegfrieds Tod ist Br\u00fcnnhilde wissend geworden, klagt Hagen an und verhindert, da\u00df er sich des Rings bem\u00e4chtigt. Sie wirft den Ungl\u00fccksjuwel zur\u00fcck in den Rhein, um seinen Fluch aufzuheben. Hagen hetzt ihm nach und verschwindet in den Fluten. Siegfrieds Leiche verbrennt auf dem Scheiterhaufen, und Br\u00fcnnhilde st\u00fcrzt sich selbst ins Feuer, um auf ewig mit ihm vereint zu sein. Doch Siegfrieds Leichenfeuer wird zum Weltenbrand, der Himmel und Erde in einem apokalyptischen Finale vernichtet.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung <\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fchnenbilder beginnen mit einer ganz stimmungsvollen nebeligen Industrielandschaft in der Morgend\u00e4mmerung (Vorspiel), es folgt ein Biergarten mit tanzenden Kellnerinnen in gr\u00fcn-roten Dirndln (Siegfrieds Rheinfahrt). Der Walk\u00fcrenfelsen\u00a0 ist ein neonbeleuchtetes E\u00dfzimmer mit wei\u00dfen M\u00f6beln und Portwein als Aperitif f\u00fcr die Walk\u00fcre auf Besuch. Gunthers Burg: Girlanden und bunte B\u00e4nder vor einem riesigem Gitterk\u00e4fig, aus dem die \u201eMannen\u201c f\u00e4hnchenschwingend in roten Uniformen wie zu einer 1. Mai-Feier aufmarschieren. Das Gehaben ist roh, die \u201eLiebeszene\u201c Siegfried-Gutrune hat betrunkenes Biergartenniveau. Die Schlu\u00dfszene der Oper bewahrt durch die Videobilder eine gewisse Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der auf ein riesiges Metallger\u00fcst gespannte Videoschirm war die einzig gute Erfindung dieser Inszenierung. Sie l\u00f6ste eindruckvoll und einleuchtend die Wasser- und Feuerszenen und spielte auch bei Siegfrieds Aufstieg ins Totenreich eine eindrucksvolle Rolle. Sonst sind Regie, B\u00fchnenbilder und Kost\u00fcme langweilig und entbehren origineller Einf\u00e4lle. Aus dem dicklichen Mechaniker-Siegfried ist ein dicker Siegfried-<em>businessman<\/em> in dunklem Anzug geworden. Die anderen Interpreten sind nicht weniger banal gekleidet, am wenigsten vorteilhaft die bedauernswerte Gutrune in einem zu engen, dunkelroten Wollkost\u00fcm. Br\u00fcnnhilde erst in wei\u00dfem\u00a0 und dann im dunklen langen Kleid macht noch die beste Figur. Ganz heiter die Rheint\u00f6chter als schwarz-rote Flittchen. Hagen bewegt sich nur im Rollstuhl.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Fast mehr noch als in <em>Walk\u00fcre<\/em> und <em>Siegfried<\/em> war <strong>Katarina Dalayman<\/strong> (Br\u00fcnnhilde) der entschiedene Star des Abends. Sowohl in den lyrischen wie in den emotional-dramatischen Szenen entfaltete sich ihre klare, kraftvolle Sopranstimme ohne jemals zu forcieren. Besonders eindrucksvoll der Opfertodmonolog, in dem sie ihr Schicksal mit Entschlossenheit wieder in die Hand nimmt <em>Starke Scheite schichtet mir dort<\/em> (3.Akt, 3. Szene). Bei <strong>Torsten Kerl<\/strong> (Siegfried) vermi\u00dfte man den jugendlich-starken Heldentenor der Siegfried-Auff\u00fchrung drei Monate zuvor. Und auch <strong>Iain Paterson<\/strong>s Bariton als Gunther kam erst gegen Ende der Oper zur Geltung. Eigentlich konnte nur\u00a0 Hans Peter K\u00f6nigs gewaltiger, tragender Ba\u00df als d\u00fcsterer Hagen der Heroin stimmlich die Stirne bieten. Dunkel-d\u00e4monisch in der 3. Szene, 2. Akt <em>Hoiho! Hoihoho! Ihr Gibichsmannen machet euch auf! <\/em>Tragisch-verhalten und sch\u00f6n war der Zweigesang Br\u00fcnnhilde und Waltraute (<strong>Sophie Koch<\/strong>) (3. Szene, 1. Akt). <strong>Peter Sidhom<\/strong> glaubhaft als Alberich und <strong>Christiane Libor<\/strong> als Gutrune. D\u00fcster oder fr\u00f6hlich, erfreulich das Trio der Nornen oder der Rheint\u00f6chter.<\/p>\n<p><strong>Philippe Jordan<\/strong> dirigiert die dunkel-tragische Partitur souver\u00e4n und beherrscht, auch in den <em>crescendi. <\/em>Hervorragend die\u00a0 Blechbl\u00e4ser.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Nach den Erfahrungen der vorangegangenen Auff\u00fchrungen h\u00e4tte man sich vom Team Kr\u00e4mer-B\u00e4ckmann-Bauer f\u00fcr den letzten Abend der Tetralogie zumindest einen besonders extravaganten Klamauk erwartet. Der ist ausgeblieben. So war der letzte Abend dieser Neuinszenierung des <em>Ring<\/em>, die erste an der Pariser Oper seit \u00fcber 50 Jahren, szenisch eher eine Antiklimax. Und man bedauert wieder, da\u00df die musikalische Darbietung auf sehr hohen Niveau in einem so mittelm\u00e4\u00dfigen Rahmen ablaufen mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Das Publikum bedachte die Interpreten mit rauschendem Applaus.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Op\u00e9ra national de Paris\/ Elisa Haberer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Katarina Dalayman (Br\u00fcnnhilde) et Sophie Koch (Waltraute)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813\u20131883), Dritter Tag des B\u00fchnenfestspiels Der Ring des Nibelungen, UA: 17. 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