{"id":290,"date":"2008-05-17T10:54:21","date_gmt":"2008-05-17T08:54:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=290"},"modified":"2008-05-17T10:55:19","modified_gmt":"2008-05-17T08:55:19","slug":"regensburg-theater-der-hutmacher","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=290","title":{"rendered":"Regensburg Theater  &#8211; DER HUTMACHER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Oper von J\u00f3zsef S\u00e1ri (* 1935 in Lenti, Ungarn), Text von Franz Csiky (* 1950 in Mediasch, Siebenb\u00fcrgen, Rum\u00e4nien), UA: 29. M\u00e4rz 2008, Regensburg, Velodrom<br \/>\nRegie: Ern\u00f6 Weil, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Frank Lichtenberg, Licht: Hubert Goetz, Dramaturgie: Christina Schmidt, Dirigent: Raoul Gr\u00fcneis, Regensburger Philharmoniker<br \/>\nSolisten: Hutmacher (Markus Ahme), Rechtsanwalt (Adam Kruzel), Sohn des Hutmachers (Michael Suttner), Schwiegertochter (Susann Hagel), Drei Damen (Gesche Geier, Ruth M\u00fcller, Anna Peshes)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: 2. April 2008 (Urauff\u00fchrung 29. M\u00e4rz 2008)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das Werk<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/regensburg-der-hutmacher.jpg\" TITLE=\"regensburg-der-hutmacher.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/regensburg-der-hutmacher.jpg\" ALT=\"regensburg-der-hutmacher.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die Erz\u00e4hlung Der Hutmacher von Thomas Bernhard wurde vom Autor selbst 1968 f\u00fcr den Deutschlandfunk gelesen. Bis heute ist Der Hutmacher als Text nicht ver\u00f6ffentlicht. 1971 schrieb Thomas Bernhard Der Wetterfleck, ein St\u00fcck, das sich eng an den Hutmacher anlehnt. Statt eines Hutmachers haben wir es nun mit einem Bestattungsunternehmer zu tun, dem es letztendlich genauso \u00fcbel wie dem Hutmacher ergeht. Es ist ein Verdienst des Theaters Regensburg, einen noch unbekannten Bernhard der \u00d6ffentlichkeit in Form dieser Oper zug\u00e4nglich gemacht zu haben.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nDer Hutmacher geht zu einem Nachbarn, der Rechtsanwalt ist und klagt diesem sein trauriges Los. Nachdem er seinen Laden seinem Sohn \u00fcbergeben habe, sei er immer weiter abgeschoben worden. Der Sohn habe geheiratet, den Laden erweitert und weil jedes Jahr ein weiteres Kind geboren wurde, habe er, der Hutmacher, seine Wohnung erst im Parterre, dann auch im ersten Stock aufgeben m\u00fcssen und sei schlu\u00dfendlich ins Dachgescho\u00df abgeschoben worden. Der Hutmacher erz\u00e4hlt seine Leidensgeschichte einhundert Minuten lang, er h\u00e4tte sie auch in f\u00fcnf Minuten erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Aber er redet nur so um Belangloses herum, erz\u00e4hlt von seinen Restaurant-Besuchen und allen m\u00f6glichen Nebens\u00e4chlichkeiten. Von seinen eigentlichen Problemen berichtet er nur beil\u00e4ufig, denn die Geschichte ist in Wirklichkeit das, was man nicht erz\u00e4hlt. Indem man die eigentliche Geschichte nicht erz\u00e4hlt, erz\u00e4hlt man die Geschichte. Denn die ganze Geschichte erz\u00e4hlen ist unm\u00f6glich. Der Hutmacher bittet im Gehen den Anwalt, die ganze Sache nicht zur Kenntnis nehmen und zu vergessen. Kurz darauf liest man in der \u00f6rtlichen Presse von einem Mann, der durch einen Kopfsprung aus dem Dachgescho\u00df Selbstmord begangen hat. Der Selbstm\u00f6rder ist der Hutmacher.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nSie war leider ein Beispiel f\u00fcr eine \u201epublikumsfreie Oper\u201c. Zu Beginn der Auff\u00fchrung verloren sich noch so um die hundert Leute im gro\u00dfen Velodrom, nach einer halben Stunde lichteten sich die Reihen schon merklich, unter lautstarken Unmuts\u00e4u\u00dferungen verlie\u00dfen viele Zuschauer den Saal und nur etwa drei\u00dfig Personen harrten bis zum bitteren Ende aus. Das St\u00fcck wurde offensichtlich vom Publikum nicht angenommen \u2013 und das ist eigentlich schade, denn Thomas Bernhards Erz\u00e4hlung ist tragisch und eindringlich. Ein Theaterst\u00fcck h\u00e4tte sicher ein volles Haus gebracht, aber mit einer Musik versehen, die diesen Namen eigentlich nicht verdient, ist die Oper zur musikalischen Groteske geworden und wurde Publikum vorbei produziert. Die Inszenierung von Intendant Ern\u00f6 Weil ist durchaus werkgerecht. Hutmacher und Anwalt unterhalten sich in der Anwaltskanzlei miteinander. Wenn der Hutmacher hin und wieder in all\u2019 seinen Geschichten sein Elend aufblitzen l\u00e4\u00dft, wie ihn die junge Generation verdr\u00e4ngt und kalt gestellt hat, dann erscheinen diese Szenen als Bild im Bild aufblitzend im Hintergrund. Das Problem ist, da\u00df das St\u00fcck eineinhalb Stunden lang praktisch nur \u2013 mit Ausnahme der erw\u00e4hnten Einblendungen \u2013 eine Dialog-Oper ist. Das w\u00e4re allein ja noch hinnehmbar, aber Hutmacher und Anwalt schreien sich in dissonantem Sprechgesang fast ununterbrochen lautstark an. Die sogenannte Musik ist nur ein schrilles Gel\u00e4rme. Melodien \u2013 gibt\u2019s nicht. Harmonie \u2013 nie geh\u00f6rt! Die drei Girls im US-Outfit gaben einem den \u2013 \u00fcberfl\u00fcssigen \u2013 Rest. So kann man moderne Oper dem Publikum nicht nahebringen. Die Abstimmung erfolgte mit den F\u00fc\u00dfen: Exodus der Zuschauer!<br \/>\n<strong>Musikalische Leistung<\/strong><br \/>\nSie ist f\u00fcr einen normalen Menschen weder nachvollziehbar noch beurteilbar. Soweit man das \u00fcberhaupt sagen kann, haben die <strong>Regensburger Philharmoniker <\/strong>unter<strong> Raoul Gr\u00fcneis<\/strong> einen fantastischen Job absolviert. Was da ert\u00f6nte, war f\u00fcr mich einfach nur Krach. <strong>Markus Ahme<\/strong>, als gepeinigter Hutmacher, leistete, anfangs nicht ganz wackelfrei, schier \u00dcbermenschliches. Von den hundert Minuten akustischen Grauens bestritt er deren neunzig. <strong>Adam Kruzel<\/strong> als Anwalt kann nur bewundert werden. Wie kann man einen solchen Singsang auswendig lernen, geschweige denn solche Laute hervorbringen? Ich wei\u00df es nicht. Jeder normale S\u00e4nger m\u00fc\u00dfte nach einem solchen Auftritt eigentlich vier Wochen heiser sein. Ich kann nur meinen Hut vor ihm und dem Darstellers des Hutmacher ziehen. Unglaublich, wozu sich ein S\u00e4nger heutzutage hergeben mu\u00df. So schlecht wie die Komposition war, so gut hat <strong>Michael Suttner<\/strong> als Sohn des bedauernswerten Hutmachers seine Sache gemacht und Schwiegertochter <strong>Susann Hagel<\/strong> hielt tapfer mit. Die drei Damen, deren Auftritt so sinnlos war wie die ganze musikalische Seite der Sache, waren <strong>Gesche Geier<\/strong>, <strong>Ruth M\u00fcller<\/strong> und <strong>Anna Peshes<\/strong>. Ich glaube, sie haben auch gut herumgeschrieen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nM\u00f6ge das St\u00fcck mit R\u00fccksicht auf S\u00e4nger und Publikum bald abgesetzt werden.<\/p>\n<p>Dr. R\u00fcdiger Ehlert<\/p>\n<p>Bild: Regensburger Theater<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Gesche Geier, Ruth M\u00fcller und Anna Peshes als drei Damen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper von J\u00f3zsef S\u00e1ri (* 1935 in Lenti, Ungarn), Text von Franz Csiky (* 1950 in Mediasch, Siebenb\u00fcrgen, Rum\u00e4nien), UA: 29. 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