{"id":288,"date":"2008-05-14T21:41:27","date_gmt":"2008-05-14T19:41:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=288"},"modified":"2008-05-15T21:50:04","modified_gmt":"2008-05-15T19:50:04","slug":"oper-leipzig-manon-lescaut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=288","title":{"rendered":"Oper Leipzig &#8211; MANON LESCAUT"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858 \u2013 1924), Dramma lirico in vier Akten, Text nach einer Erz\u00e4hlung von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost von Ruggero Leoncavallo, Luigi Illica, Domenico Oliva, Marco Praga, Giulio Ricordi, Giuseppe Giacosa, Giuseppe Adami und vom Komponisten; UA: 1896 Turin<br \/>\nRegie: Giancarlo del Monaco, Dramaturgie: Marita M\u00fcller, B\u00fchnenbild: Johannes Leiacker, Kost\u00fcm: Birgit Wentsch<br \/>\nLicht: Wolfgang von Zoubek<br \/>\nDirigent: Riccardo Chailly, Gewandhausorchester, Chor der Oper Leipzig, Einstudierung: S\u00f6ren Eckhoff,<br \/>\nSolisten: Sondra Radvanovsky (Manon Lescaut), Teddy T. Rhodes (Sergeant Lescaut), Aleksandrs Antonenko (Renato Des Grieux), James Moellenhoff (Geronte di Ravoir), Emanuele Giannino (Edmondo), Erwin Noack (Wirt), Gabriela Scherer (Musiker), Martin Petzold (Ballettmeister), Jordi Molina (Lampenanz\u00fcnder), Pavel Kudinov (Kapit\u00e4n)<br \/>\nBesuchte Vorstellung: Premiere 9. Mai 2008<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"leipzig-manon-lescaut.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/leipzig-manon-lescaut.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"leipzig-manon-lescaut.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/leipzig-manon-lescaut.jpg\" \/><\/a>Chevalier Des Grieux, ein Student, und die 18j\u00e4hrige Manon Lescaut verlieben sich Hals \u00fcber Kopf ineinander und beschlie\u00dfen, entgegen dem Vorhaben ihres Vaters seine Tochter in ein Kloster zu geben, zu fliehen. Nach einem kurzen gemeinsamen Zusammenleben in Paris verl\u00e4\u00dft Manon ihren Geliebten, um sich fortan von dem wesentlich \u00e4lteren, reichen Geronte di Ravoir aushalten zu lassen. Als es nach einer Weile zu einem Wiedersehen von Des Grieux und Manon im Hause di Ravoirs kommt, bei dem sich beide ihre immer noch vorhandene Liebe gestehen, werden sie von Manons reichem G\u00f6nner in flagranti ertappt. Die Polizei verhaftet Manon, die zur Verbannung nach Amerika verurteilt wird. Des Grieux beschlie\u00dft in einem Akt der Verzweiflung mit ihr zu gehen. Nach ihrer Ankunft in \u00dcbersee irren die beide Liebenden auf der Flucht durch eine \u00f6de Landschaft auf der Suche nach Wasser und einer Bleibe. Manon verschmachtet in den Armen ihres Geliebten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Leipziger Inszenierung von Puccinis erster Erfolgsoper ist tats\u00e4chlich als eine solche zu bezeichnen, d.h. als ein In-Szene-Setzen der von Partitur und Libretto vorgegebenen Handlung ohne \u2013 wie heute ja beinahe schon der Normalfall \u2013 einen eigenen Kommentar oder Subtext des Regisseurs bzw. Regieteams zu formulieren. Diese Herangehensweise zeitigte ein wirklich gelungenes Ergebnis. Einzig der Einfall, vor Beginn des zweiten Aktes ein paar Szenen aus einer Manon-Verfilmung von 1926 ohne musikalische Untermalung einzublenden, wirkte ein wenig deplaziert und sorgte wahrscheinlich f\u00fcr eine so nicht beabsichtigte Heiterkeit im Publikum. Del Monaco siedelt die Handlung im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert an, also in der Entstehungszeit des Werkes. Sehr konsequent sind Kost\u00fcm und B\u00fchnenbild im Stile der Jahrhundertwende gehalten, die Choreographie und Personenregie ist sehr abwechslungsreich und dabei geschickt auf die Hauptakteure konzentriert. Mit Ausnahme des B\u00fchnenbildes im letzten Akt, das lediglich ein gro\u00dfes, farbig beleuchtetes Halbrund darstellt, vor dem sich der tragische Schlu\u00df der Oper abspielt \u2013 welches nebenbei bemerkt auch von der Kost\u00fcmierung der Protagonistin her sehr an das Schlu\u00dfbild von J\u00fcrgen Flimms Bayreuther Walk\u00fcre erinnert \u2013, sind die \u00fcbrigen vier Akte dem veristischen Sujet entsprechend realistisch ausgestattet. <strong>Riccardo Chaill<\/strong>y, der an diesem Abend erstmalig die Urfassung der Oper vollst\u00e4ndig auff\u00fchrte, hatte das Gewandhausorchester und die S\u00e4nger hervorragend im Griff und vermochte der Partitur ihren ganzen Farbenreichtum zu entlocken. Die S\u00e4nger, allen voran die der beiden Hauptpartien, boten an diesem Abend \u00fcberragende musikalische Leistungen und spielten mit gr\u00f6\u00dftem Engagement. <strong>Sondra Radvanovsky<\/strong> (Manon Lescaut) und<strong> Aleksandrs Antonenko<\/strong> (Des Grieux) gebieten exakt \u00fcber die technischen Mittel, die von einer hochdramatischen Puccini-Partie verlangt werden: also eine m\u00e4chtige und volumin\u00f6se Mitte und H\u00f6he, die auch im Fortissimo ohne Sch\u00e4rfe ist, zugleich aber auch \u00fcber ein leicht ansprechendes Portamento sowie einen melodramatischen Sprechton. Lobend hervorzuheben ist ferner der warme, dabei mit einer fast schon tenoralen Spitze ausgestattete Bariton von <strong>Teddy T. Rhode<\/strong>s (Sergeant Lescaut). <strong>Die Ch\u00f6r<\/strong>e, vor allem im ersten Akt, wurden rhythmisch pr\u00e4zise und dynamisch ausgeglichen zum Vortrag gebracht. Dabei zeigte sich auch an den turbulenten Stellen wie dem Schlu\u00df dieses Aktes, der in der Urfassung seinerzeit als unauff\u00fchrbar galt, im Zusammenspiel mit dem Orchester nicht der Hauch einer Unsicherheit. F\u00fcr die hohe Qualit\u00e4t von szenischer und musikalischer Ausf\u00fchrung sprach nicht zuletzt die enthusiastische Publikumsreaktion, dergestalt, da\u00df noch etliche Sekunden, nachdem der letzte Akkord der Oper verklungen war, gespannte Stille herrschte, bevor es die Zuschauer f\u00f6rmlich von den Sitzen ri\u00df. Das Leipziger Publikum bedankte sich bei S\u00e4ngern, Dirigent und \u2013 was hervorgehoben zu werden verdient \u2013 auch dem Regieteam mit stehenden Ovationen und lauten Bravorufen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nMusikalisch und szenisch bietet die Oper Leipzig eine sehr gute Inszenierung der Manon Lescaut ohne jegliche Abstriche. Eine solide und dezente Regie, S\u00e4nger, die in ihrem Fach vollkommen sattelfest sind und nat\u00fcrlich ein Orchester, das die rhythmischen und klanglichen Finessen der Oper brillant zu meistern versteht, machen es einfach, den Gesamteindruck der Leipziger Premiere, die zudem dem Kenner bisher unbekannte musikalische Teile dieses Werkes bietet, knapp zusammenzufassen: rundum empfehlenswert!<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<br \/>\nBild: Andreas Birkigt<br \/>\nDas Bild zeigt Aleksandrs Antonenko (Des Grieux) und Sondra Radvanovsky (Manon Lescaut).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858 \u2013 1924), Dramma lirico in vier Akten, Text nach einer Erz\u00e4hlung von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost von Ruggero Leoncavallo, Luigi Illica, Domenico Oliva, Marco Praga, Giulio Ricordi, Giuseppe Giacosa, Giuseppe Adami und vom Komponisten; UA: 1896 Turin Regie:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=288\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-288","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leipzig-oper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/288\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}