{"id":2863,"date":"2011-05-21T21:41:14","date_gmt":"2011-05-21T20:41:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2863"},"modified":"2011-05-21T21:41:14","modified_gmt":"2011-05-21T20:41:14","slug":"superflumina-mannheim-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2863","title":{"rendered":"SUPERFLUMINA &#8211; Mannheim, Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Salvatore Sciarrino (*1947), Opera in einem Akt, Libretto vom Komponisten<\/p>\n<p>Regie: Andrea Schwalbach, B\u00fchne: Anne Neuser, Kost\u00fcme: Stephan von Wedel, Dramaturgie: Regine Elzenheimer, Choreographie: Thomas McManus, Licht: Bernard H\u00e4usermann, Video: Regina Hess\/Marc Reisner<\/p>\n<p>Dirigent: Tito Ceccherini, Orchester, Chor, Bewegungschor und Statisterie des Nationaltheater Mannheim, Chor: Tilman Michael,<\/p>\n<p>Solisten: Anna Radziejewska (La donna), Artur Janda (Un passante\/un poliziotto), Thomas Lichtenecker (Un giovane\/Voce lontana), Thomas McManus (T\u00e4nzer), Ludovica Bello\/Francesco Damiani (Altoparlanti degli annunzi\/Durchsagestimmen)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. Mai 2011 (UA, Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Mannheim-Superflumina.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2864\" title=\"Mannheim-Superflumina\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Mannheim-Superflumina.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Mannheim-Superflumina.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Mannheim-Superflumina-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Eine obdachlose Frau befindet sich in einem Bahnhof.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Vordergrund sieht man einen Platz mit vielen, (teilweise) kaputten Fernsehern, einem Einkaufswagen und alten Kleidern \u2013 wie es scheint, ist dies das triste Zuhause einer obdachlosen Frau, die am Bahnhof gestrandet ist. Dahinter verl\u00e4uft schr\u00e4g nach oben eine Rampe, die in einer erh\u00f6hten Ebene m\u00fcndet. Monitore h\u00e4ngen von der Decke herab. Hier treiben Menschenmassen, hetzen vorbei, dr\u00e4ngeln und rempeln sich an. Die Lautsprecherdurchsagen teilen den Passanten mit, da\u00df Z\u00fcge einfahren und es zu diversen Versp\u00e4tungen aufgrund vielf\u00e4ltiger Probleme kommt. Von allen unbeachtet, einsam und zur\u00fcckgewiesen reflektiert die Frau in den <em>tre canzoni \u2013 drei Liedern<\/em>, dem Herzst\u00fcck der Oper,<\/p>\n<p>\u00fcber Essen (<em>cibo selezionato ovunque trovi cibo di lusso \u2013 ausgew\u00e4hlte Speisen findest \u00fcberall Luxusspeisen<\/em>), Schlafen (<em>Dolce riposo dentro i cartoni \u2013 Sanfte Ruhe in den Kartons<\/em>) und Insekten (<em>Pidocchi e pulci, pulci e pidocchi<\/em> <em>\u2013 L\u00e4use und Fl\u00f6he, Fl\u00f6he und L\u00e4use<\/em>). Dabei wird eine graue Wand herabgelassen, die ihren Bereich v\u00f6llig abtrennt; das Bahnhofstreiben wird ausgeblendet, Demonstration einer gesellschaftlichen Isolation einer Person, die sich doch nur nach Liebe sehnt. An die Wand werden verschiedene Videoinstallationen projiziert. Am Ende ist das anf\u00e4ngliche B\u00fchnenbild wieder zu sehen und erneut hasten Passanten durch den Bahnhof \u2013 sie bleibt einsam und v\u00f6llig unbeachtet.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Textbehandlung des Komponisten <strong>Salvatore Sciarrino <\/strong>steht in direktem Zusammenhang mit dem Umgang der Orchesterstimme: die vielen Textwiederholungen, aber auch das Repetieren kleinster Worte oder Fragmenten findet sich auch in der Musik wieder. Weitgefa\u00dfte Akzente auf Schlaginstrumenten (wie ein gro\u00dfer Basisrhythmus) stehen fast kontrastiv den kleinen Drehfiguren und Trillern gegen\u00fcber. Vorsichtig entwickelt sich ein Perpetuum mobile aus kleinen Motiven, auf engsten musikalischen Raum gefa\u00dft. Gro\u00dfe Ausbr\u00fcche, wie im dritten Lied, sind eine seltene Ausnahme \u2013 ruhige Statik, quasi musikalische Nichtaktion, dominieren die Oper, fast so, als drehe sich die Musik um sich selbst. Durchsichtig, fast gl\u00e4sern muten die ger\u00e4uschhaften Kl\u00e4nge aus dem Graben an. Das <strong>Orchester<\/strong> besticht durch Pr\u00e4zision im Zusammenspiel, wird zum integralen Bestandteil der Oper und einem gleichberechtigten Dialogpartner mit dem Gesang. Auch die rein instrumentalen Intermezzi mit Lautsprecherdurchsage bleiben diesem Gestus verhaftet und <strong>Tito Cecherini <\/strong>beweist eindrucksvoll seine Sensibilit\u00e4t f\u00fcrs Detail und gro\u00dfartiges Verst\u00e4ndnis dieser Musik. Auch <strong>Anna Radziejewska<\/strong> als Obdachlose demonstriert viel Feinsinnigkeit und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen. Weitgespannt \u2013 wie in der Rolle prinzipiell angelegt \u2013 und hervorragend umgesetzt, ist die Vielfalt der Emotionen, die ihre letztlich tragische Figur durchlebt und die sie unmittelbar umzusetzen wei\u00df. Die psalmodischen Elemente stehen hier fast kontrastreich den sprechgesangartigen (Wort-)Repetitionen gegen\u00fcber. <strong>Anna Radziejewska<\/strong> wird dem Anspruch an ihren Part v\u00f6llig gerecht. Sehr gut f\u00fcgen sich <strong>Artur Janda <\/strong>(Passant und Polizist) und <strong>Thomas Lichtenecker <\/strong>(junger Mann und ferne Stimme) ein. Aus ihren kleinen Rollen werden reale Gegen\u00fcber einer Frau, die letztlich einen Monolog f\u00fchrt, ohne diesen zu unterbrechen. Ebenso expressiv und gleichfalls sich nicht in den Vordergrund dr\u00e4ngend sind die fast pantomimischen Tanzdarbietungen von <strong>Thomas McManus<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die immer wiederkehrenden Wiederholungen in der Gesangspartie gerieten zwar im Mittelteil etwas langatmig \u2013 dem Erfolg der Urauff\u00fchrung dieser Oper tat dies aber keinen Abbruch. Durchweg positiv fiel das Feedback des Publikums aus, allen Beteiligten wurde gro\u00dfer Applaus gezollt.<\/p>\n<p>Isabell Seider<\/p>\n<p>Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt<strong>:<\/strong> Anna Radziejewska (La donna), \u00a0Bewegungschor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Salvatore Sciarrino (*1947), Opera in einem Akt, Libretto vom Komponisten Regie: Andrea Schwalbach, B\u00fchne: Anne Neuser, Kost\u00fcme: Stephan von Wedel, Dramaturgie: Regine Elzenheimer, Choreographie: Thomas McManus, Licht: Bernard H\u00e4usermann, Video: Regina Hess\/Marc Reisner Dirigent: Tito Ceccherini, Orchester, Chor, Bewegungschor<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2863\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134,29,1],"tags":[],"class_list":["post-2863","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-featured","category-mannheim-nationaltheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2863","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2863"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2863\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2866,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2863\/revisions\/2866"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}