{"id":2838,"date":"2011-05-15T13:50:43","date_gmt":"2011-05-15T12:50:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2838"},"modified":"2011-05-16T20:56:10","modified_gmt":"2011-05-16T19:56:10","slug":"atys-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2838","title":{"rendered":"ATYS &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean Baptiste Lully (1632-1687), (Trag\u00e9die en Musique in einem Prolog und f\u00fcnf Akten, Libretto: Philippe Quinault, Gedicht-Text nach Ovid, UA: Saint Germain-en-Laye, 10. Januar 1676<\/p>\n<p>Regie: Jean-Marie Vill\u00e9gier, Regieberater: Christophe Galland, B\u00fchne: Carlo Tommasi, Kost\u00fcme: Patrice Cauchetier, Licht: Patrick M\u00e9e\u00fcs, Per\u00fccken: Daniel Blanc, Choreographie: Francine Lancelot\/B\u00e9atrice Massin<\/p>\n<p>Dirigent: William Christie, Chor und Orchester <em>Les Arts Florissants<\/em><\/p>\n<p>Solisten: Bernard Richter (Atys), St\u00e9phanie d\u2019Oustrac (Cybele), Emmanuelle de Negri (Sangaride), Nicolas Rivenq (Celenus), Marc Mauillon (Idas), Sophie Daneman (Doris), Jo\u00ebl Azzaretti (Melisse), Paul Agnew (Schlafgott), Cyril Auvity (Morpheus) u.a., die <em>Compagnie F\u00eates Galantes <\/em>(T\u00e4nzer)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 13. Mai 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paris-atys1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2844\" title=\"Paris-atys\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paris-atys1.gif\" alt=\"\" width=\"262\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paris-atys1.gif 262w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Paris-atys1-224x300.gif 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 262px) 100vw, 262px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/strong><\/p>\n<p>Wie jede von Lullys Opern beginnt auch <em>Atys<\/em> mit einem von der Handlung unabh\u00e4ngigen Huldigungsprolog an den K\u00f6nig. Ihm folgt die Trag\u00f6die, in der zum ersten Mal in einer franz\u00f6sischen Oper der Held auf der B\u00fchne stirbt.<\/p>\n<p>Atys gibt vor, nicht lieben zu wollen, verliebt sich dann aber doch in Sangaride, die aber mit Celenus, dem K\u00f6nig der Phrygier, verlobt ist. Auch Sangaride liebt Atys. Doch auch die G\u00f6ttin Cybele hat ein verliebtes Auge auf Atys geworfen und ist bereit, ihn m\u00e4chtig zu machen. Als Atys bei seiner Liebe bleibt und Sangaride entf\u00fchrt, trifft ihn der G\u00f6ttin Rachestrahl in Form von geistiger Umnachtung, in der er Sangaride f\u00fcr ein Ungeheuer h\u00e4lt und t\u00f6tet. Wieder zu sich gekommen, gibt er sich selbst den Tod. Cybele erkennt, da\u00df ihre Rache zu weit gegangen ist und verwandelt den toten Atys in eine Kiefer, um ihn auf diese Weise unsterblich zu machen.<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind weit entfernt\u00a0 vom Sp\u00e4tbarock, von Vivaldis oder H\u00e4ndels italienischen Opern mit ihren Melismen und Da-Capo-Arien. F\u00fcr die erhaben-formelle, pomp\u00f6se Hofhaltung Ludwigs XIV., in der alles Geschehen auf die Majest\u00e4t des Sonnenk\u00f6nigs als absoluter Mittelpunkt ausgerichtet ist, nimmt auch die franz\u00f6sische Oper, die als solche erst Lully schuf, die Form einer streng und schmucklos gesungenen Deklamation eines dramatischen Huldigungsgedichts an. Dichtung, Verse sind dabei von ebenso gro\u00dfer Bedeutung, wie die Musik. Und die Musik Lullys ist <em>wie gemei\u00dfelt, pr\u00e4zise durchdacht, streng im Stil, schmucklos monumental<\/em> (Hans Renner). Die schlichten, liedartigen Rezitative<em> <\/em>ohne jegliche Koloraturen, welche die Handlung tragen, treten umso st\u00e4rker hervor, als sie nur von Cembalo, Laute und Violoncello begleitet sind. Auflockernd wirken die Instrumental-Ritornelle, die gro\u00dfen Ensembleszenen mit Chor und die unentbehrlichen Tanzeinlagen, bei denen dann auch das Orchester in voller Besetzung (Streicher und Holzbl\u00e4ser) h\u00f6rbar wird.<\/p>\n<p>Die Kunst William Christies bestand darin, diese dem Anschein nach zeremoniell und steif erscheinende Oper, in ein \u00e4u\u00dferst lebendiges, sinnenfreudiges Gesamtkunstwerk verwandelt zu haben, das uns auch heute noch anspricht und fasziniert, obwohl der urspr\u00fcngliche 335 Jahre zur\u00fcckliegende strenge K\u00f6nigskult verlorengegangen ist. Es ist ihm gelungen, alle in der Musik vorhandenen Farben und Lebendigkeit aufzusp\u00fcren und mit seinem pr\u00e4zise spielenden Ensemble zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<p>Bei bewundernswert klarer Diktion und makellos reiner Stimmf\u00fchrung in der Deklamation, werden auch die Personen der Handlung lebendig, sie lieben, jubeln, toben, zweifeln und verzweifeln bis zum bitteren Ende der Trag\u00f6die:<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Allen Kassandrarufen zum Trotz hatten William Christie und Jean-Marie Vill\u00e9gier mit ihren Mitarbeitern, zum 300. Todestag Lullys 1987eine epochemachende Atys- Produktion geschaffen. Diese inzwischen weltber\u00fchmte und legend\u00e4re gewordene Inszenierung ist heute noch einmal in neuer Frische aus der Taufe gehoben worden. Man hat das Gef\u00fchl, vom Sonnenk\u00f6nig Ludwig XIV selbst auf einen Opernabend im Schlo\u00df Versailles geladen zu sein. Bis ins letzte Detail ausgearbeitet, aufersteht\u00a0vor dem Auge des Zuschauers, in B\u00fchnenbild (ein schwarz-wei\u00dfer Marmorsaal), in den Kost\u00fcmen (h\u00f6fische schwarz-wei\u00dfgraue oder gold- und silberglitzernde Prachtgew\u00e4nder) und grau-wei\u00dfen Allongeper\u00fccken, sogar in den von der Etikette vorgeschriebenen Bewegungen, die steife Pracht des Hofes von Versailles. Die T\u00e4nze, in ihrer nach langer Forschungsarbeit \u201erekonstruierten\u201c Choreographie, sind entweder h\u00f6fisch zeremoniell und elegant (Courante, Gavotte, Menuett), oder\u00a0unbeschwert fr\u00f6hlich, wenn sie sich an Volkst\u00e4nze oder an die Commedia dell\u2019 Arte anlehnen.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester <\/strong><\/p>\n<p>Bernard Richter ist mit wohlklingendem samtenem Tenor ein jugendlicher, ewig unschl\u00fcssig-verwirrter Atys. Stephanie d\u2019Oustracs herrlicher, vielseitiger Mezzo macht sie sowohl in den lyrischen Momenten (II. Akt, 3. Szene), wie auch in der dramatischen Racheszene (III. Akt, 1. Szene) mitrei\u00dfend. <strong>Emmanuelle di Negri<\/strong> mit heller Sopranstimme als ruhelose Sangaride und <strong>Sophie Daneman<\/strong> mit etwas dunklerem Sopran als ihre Gef\u00e4hrtin Doris. Sehr reizvoll der Zwiegesang der beiden Sopranistinnen in <em>un amour malheureux<\/em> (I. Akt, 5. Szene). <strong>Nicolas Rivenq<\/strong> etwas steif-gebieterisch als Celenus, <strong>Marc Mauillon<\/strong> als Atys\u2019 beflissener Gef\u00e4hrte und <strong>Jo\u00ebl Azzaretti<\/strong> als unbeschwerte Melisse seien noch erw\u00e4hnt. Eine der bezauberndsten Momente der Oper durch seine lyrische M\u00e4rchenhaftigkeit ist die Schlafszene, wundersch\u00f6n gesungen von <strong>Paul Agnew<\/strong> (Gott des Schlafes) und seiner Gefolgschaft. Ein besonderes Lob verdienen sowohl der Chor der <em>Arts Florissants<\/em> wie auch die T\u00e4nzer der <em>Compagnie F\u00eates galantes<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wieder ist der Op\u00e9ra Comique ein gro\u00dfer Wurf\u00a0 gelungen: mit Hilfe eines amerikanischen M\u00e4zens die einmalige Inszenierung dieser \u201eop\u00e9ra du roi\u201c noch einmal auf die B\u00fchne gebracht zu haben. Das Premierenpublikum belohnte die Ausf\u00fchrenden mit anhaltendem, tosendem Applaus.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Pierre Groslois<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Bernard Richter (Atys) und davor liegend Paul Agnew (Gott des Schlafes)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jean Baptiste Lully (1632-1687), (Trag\u00e9die en Musique in einem Prolog und f\u00fcnf Akten, Libretto: Philippe Quinault, Gedicht-Text nach Ovid, UA: Saint Germain-en-Laye, 10. 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