{"id":2782,"date":"2011-04-18T09:49:48","date_gmt":"2011-04-18T08:49:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2782"},"modified":"2011-04-19T17:29:29","modified_gmt":"2011-04-19T16:29:29","slug":"wozzeck-berlin-staatsoper-im-schillertheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2782","title":{"rendered":"WOZZECK &#8211; Berlin, Staatsoper im Schiller Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alban Berg (1885\u20131935), Oper in drei Akten, Libretto nach Georg B\u00fcchners <em>Woyzeck<\/em>, UA: 1925 Berlin<\/p>\n<p>Regie: Andrea Breth, B\u00fchne: Martin Zehetgruber, Kost\u00fcme: Silke Willrett und Marc Weeger, Dramaturgie: Jens Schroth, Licht: Olaf Freese<\/p>\n<p>Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor, Einstudierung: Eberhard Friedrich, Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden, Leitung: Vinzenz Weissenburger<\/p>\n<p>Solisten: Roman Trekel (Wozzeck), Nadja Michael (Marie), John Daszak (Tambourmajor), Florian Hoffmann (Andres), Graham Clark (Hauptmann), Pavlo Hunka (Doktor), Heinz Zednik (Narr) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. April 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-Staatsoper-Wozzek1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2784\" title=\"Berlin-Staatsoper-Wozzek\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-Staatsoper-Wozzek1.gif\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-Staatsoper-Wozzek1.gif 232w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-Staatsoper-Wozzek1-198x300.gif 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der arme Soldat Wozzeck, der Marie und ihren gemeinsamen unehelichen Sohn zu ern\u00e4hren hat, f\u00fchrt ein Leben in permanenter Dem\u00fctigung: Der Hauptmann, den er rasiert, weist ihn stets zurecht und wirft ihm vor, zuviel zu denken, der Doktor mi\u00dfbraucht ihn f\u00fcr medizinische Experimente. Sein Freund Andres nimmt ihn nicht ernst. Da es ihm an Geld fehlt, mu\u00df er in der Kaserne leben und sieht seine kleine Familie nur ab und zu. Als der betrunkene Tambourmajor sich vor Wozzeck damit br\u00fcstet, ein Verh\u00e4ltnis mit Marie angefangen zu haben um mit ihr viele Kinder zu zeugen, wird es Wozzeck zuviel. Nachdem ihn schon l\u00e4ngere Zeit apokalyptische Visionen geplagt haben, beschlie\u00dft er, Marie umzubringen. Nach dem Mord an ihr begeht er Selbstmord, zur\u00fcck bleibt ihr Kind.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Andreas Breths Inszenierung setzt auf Schlichtheit und \u00dcbersichtlichkeit des B\u00fchnenbildes. Entweder blickt man in eine winzige Zelle \u2013 z.B. bei den Szenen in Maries Zimmer \u2013 oder auf ein gro\u00dfes, sich drehendes Rad, in dem sich die Darsteller bewegen, oder auf eine weite, schwarze Fl\u00e4che wie in der dritten Szene des dritten Aktes. Der B\u00fchnenhintergrund ist tiefschwarz, die Kost\u00fcme sind in blassen Farben gehalten. Die Szeneneinteilung des Textbuches ist durch kurze Zwischenvorh\u00e4nge angedeutet. Die Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit des Librettos wird durch diese d\u00fcstere Szenerie, die von den rohen und teilweise obsz\u00f6nen Aktionen der Darsteller erf\u00fcllt ist, zum Ausdruck gebracht, etwa in der Wirtshausszene des zweiten Akts. Hier werden Woyzecks Worte <em>Alles w\u00e4lzt sich in Unzucht \u00fcbereinander<\/em> (2. Akt, 4. Szene) illustriert. Lediglich in der Schlu\u00dfszene weicht die Inszenierung vom Text des Librettos ab. Hier sind es nicht die Kinder, die Wozzecks Sohn vom Tod seiner Mutter berichten, sondern Wozzeck selbst, der wie angekettet in der Mitte der B\u00fchne liegt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Roman Trekel<\/strong> (Wozzeck) hat eine sehr kultivierte Art zu spielen und zu singen. Vielleicht ist sie sogar zu kultiviert f\u00fcr diese Rolle. Ohne Frage bringt er den Text klar, verst\u00e4ndlich und fein nuanciert heraus und ist ein routinierter Darsteller. Doch sind Manieren in seiner K\u00f6rpersprache auszumachen, beispielsweise die Tendenz, bei seinen Eins\u00e4tzen stets den Kopf zu senken, wie auch eine gewisse Steifheit des Oberk\u00f6rpers. <strong>Nadja Michael<\/strong> (Marie) spricht ihren Text deutlich aus \u2013 auch wenn ihr starkes Lispeln anfangs irritiert \u2013 und hat vor allem in der H\u00f6he eine raumf\u00fcllende Stimme. Das hohe Register sticht bei ihr allerdings zu sehr vom \u00dcbrigen ihrer Stimme ab und klingt manchmal allzu forciert, ja beinahe schrill. Ihr Vortrag k\u00f6nnte durch eine leichte Zur\u00fccknahme in der H\u00f6he tats\u00e4chlich noch etwas gewinnen. Von den Nebenrollens\u00e4ngern boten <strong>Pavlo Hunka<\/strong> (Doktor) und <strong>Graham Clark<\/strong> (Hauptmann) ohne Frage die besten Leistungen. Ihr Vortrag lie\u00df an Deutlichkeit und Plastik in musikalischer wie auch darstellerischer Hinsicht nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Das kann auch von dem Narren <strong>Heinz Zedniks<\/strong> behauptet werden. <strong>Johan Daszak<\/strong> als muskelbepackter Tambourmajor sang heroisch und spielte seine brutale Rolle voll aus. Die Staatskapelle Berlin pr\u00e4sentierte die Musik souver\u00e4n und war absolut sicher bei allen \u00dcberg\u00e4ngen und der dynamischen Gestaltung. <strong>Daniel Barenboim<\/strong> arbeitete gekonnt die sp\u00e4tromantischen Anteile in Bergs Orchesterklang heraus. Die Integration der Stimmen in den Gesamtklang gelang perfekt. Lediglich im Chor der Wirtshausszene im zweiten Akt waren leichte Intonationsschwankungen zu erkennen, die vielleicht sogar so beabsichtigt waren.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Inszenierung besticht dadurch, da\u00df sie alles andere als pr\u00e4tenti\u00f6s ist. Die Regie tritt hier ganz in den Dienst der Verdeutlichung des Librettos und l\u00e4\u00dft dadurch auch der Musik viel Raum zur Entfaltung. Durch die guten S\u00e4nger und die reibungslos funktionierende B\u00fchnentechnik geriet die Premiere fast einen Hauch zu perfekt und lie\u00df \u2013 bei all der bedr\u00fcckenden Atmosph\u00e4re \u2013 ein wenig kalt. Doch ist das der einzige Vorwurf, den man dieser rundum gegl\u00fcckten Produktion machen kann. Musikalisch und szenisch \u00fcberragend wurde sie in allen Teilen lautstark vom Publikum begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Bernd Uhlig<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nadja Michael (Marie), Fabian Sturm (Knabe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alban Berg (1885\u20131935), Oper in drei Akten, Libretto nach Georg B\u00fcchners Woyzeck, UA: 1925 Berlin Regie: Andrea Breth, B\u00fchne: Martin Zehetgruber, Kost\u00fcme: Silke Willrett und Marc Weeger, Dramaturgie: Jens Schroth, Licht: Olaf Freese Dirigent: Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2782\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155,1],"tags":[],"class_list":["post-2782","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-staatsoper-im-schillertheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2782","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2782"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2782\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2797,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2782\/revisions\/2797"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}