{"id":2777,"date":"2011-04-18T09:45:42","date_gmt":"2011-04-18T08:45:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2777"},"modified":"2011-04-20T17:26:38","modified_gmt":"2011-04-20T16:26:38","slug":"otello-freiburg-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2777","title":{"rendered":"OTELLO &#8211; Freiburg, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: Arrigo Boito, UA: 1887, Mailand, Teatro alla Scala. Regie: Eva-Maria H\u00f6ckmayr, B\u00fchne: Nina von Essen, Kost\u00fcme: Julia R\u00f6ssler, Licht: Michael Philipp, Dramaturgie: Dominica Volkert<\/p>\n<p>Dirigent: Fabrice Bollon, Orchester: Philharmonisches Orchester und Opernchor, Extrachor sowie Zusatzchor des Theater Freiburg, Choreinstudierung: Bernhard Moncado<\/p>\n<p>Solisten: Luis Chapa (Otello), Christina Vasileva (Desdemona), Juan Orozco (Jago), Roberto Gionfriddo (Cassio), Christoph Waltle (Roderigo), Jin Seok Lee (Lodovico), Lorenz Minth (Montano), Sang Hee Kim (Emilia), Leon Warnock (Herold)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. April 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Freiburg-Otello.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2778\" title=\"Freiburg-Otello\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Freiburg-Otello.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Freiburg-Otello.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Freiburg-Otello-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Handlung der Oper folgt der von Shakespeares gleichnamiger Trag\u00f6die: Der \u00fcbergangene F\u00e4hnrich Jago beschlie\u00dft, den Oberbefehlshaber der venezianischen Flotte Otello und den von ihm bef\u00f6rderten Cassio zu Fall zu bringen. Dies gelingt Jago, indem er nach und nach Otellos unbegr\u00fcndeten Verdacht sch\u00fcrt, da\u00df seine Frau Desdemona ihn mit Cassio betr\u00fcgt. Jago geht dabei so geschickt vor, da\u00df Otello schlie\u00dflich den Entschlu\u00df fa\u00dft, Desdemona zu t\u00f6ten. Zuvor beschimpft der von Eifersucht zerfressene Otello Desdemona in aller \u00d6ffentlichkeit und wirft sie vor Augen des venezianischen Botschafters zu Boden. Zwischenzeitlich schafft es Jago, Roderigo dazu zu \u00fcberreden, Cassio zu ermorden. Am Ende erw\u00fcrgt Otello die unschuldige Desdemona in ihrem Bett. Zu sp\u00e4t erscheint Jagos Frau Emilia und kl\u00e4rt die Intrige auf. Otello begeht Selbstmord, Jago entkommt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Freiburger Auff\u00fchrung lebt zum einen von einem auf vielf\u00e4ltige Weise einsetzbaren, labyrinthartigen Ger\u00fcst aus Metall, Holz und Plexiglas, das sich \u00fcber alle f\u00fcnf Akte hinweg auf der Drehb\u00fchne befindet und die verschiedenen Orte des St\u00fcckes darstellen. Zum anderen werden viele Symbole eingesetzt, die das Innere der Figuren darstellen sollen. So f\u00e4rbt sich Otellos Gesicht nach und nach schwarz. Erst am Schlu\u00df, als der Mord an Desdemona geschehen ist und Jagos Plan aufgegangen, wischt er sich die Farbe aus dem Gesicht. Die Eifersucht repr\u00e4sentieren vier schwarz geschminkte und gekleidete Frauen mit blonden Haaren, die Otello umgeben und denen er sich zuwendet, immer wenn die Eifersucht an ihm nagt. Ebenso ist eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl wei\u00dfgekleideter Frauen vorhanden, die Desdemonas Unschuld repr\u00e4sentieren, die Otello jedoch allesamt ignoriert. Zu Beginn des vierten Aktes schluckt Desdemona eine \u00dcberdosis Schlaftabletten, nur um am Ende doch von Otello erw\u00fcrgt zu werden.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>In Sachen musikalischer Dramatik bleibt die Freiburger Auff\u00fchrung kaum etwas schuldig. Das <strong>Philharmonische Orchester Freiburg<\/strong> unter <strong>Fabrice Bollon<\/strong> verstrahlt schon in der die Naturgewalten heraufbeschw\u00f6renden Anfangsszene der Oper jene Expressivit\u00e4t und Wucht, wie sie f\u00fcr Verdis modernes Sp\u00e4twerk n\u00f6tig erscheint, ohne jedoch im weiteren Verlauf die S\u00e4nger zu \u00fcbert\u00f6nen. Einzig in den Streichern gibt es gelegentlich intonatorische Wackler. Wuchtig und vor allem expressiv klingt auch der <strong>Opernchor des Theater Freiburg. Luis Chapa<\/strong> beginnt als Otello zun\u00e4chst schleppend, steigert sich aber dann zunehmend, so da\u00df im zweiten Akt sein Tenor \u00fcber die erforderliche Durchschlagskraft verf\u00fcgt und sein Timbre an W\u00e4rme gewonnen hat. <strong>Christina Vasileva<\/strong> als Desdemona dagegen stellt mit ihrem tragf\u00e4higen und hochdramatischen Sopran von Beginn an beinahe alle anderen in den Schatten. So stark und bl\u00fchend gestaltet sie ihren Vortrag, da\u00df man beinahe beginnt an ihrer Opferrolle zu zweifeln. Dementsprechend erh\u00e4lt <strong>Vasileva <\/strong>am Schlu\u00df den gr\u00f6\u00dften Applaus. <strong>Juan Orozco<\/strong> \u00fcberzeugt gesanglich mit Pr\u00e4senz und Pr\u00e4zision, bleibt schauspielerisch allerdings an D\u00e4monie manches schuldig, was jedoch auf die Regiearbeit zur\u00fcckzuf\u00fchren sein k\u00f6nnte, die Jagos Bosheit eventuell weniger in den Vordergrund gestellt sehen will. Bleibt <strong>Christoph Waltle<\/strong> als Roderigo eher unauff\u00e4llig, so kann <strong>Roberto Gionfriddo<\/strong> als Cassio mehr f\u00fcr sich einnehmen. F\u00fcr \u00dcberraschung sorgt <strong>Jin Seok Lee<\/strong> als Lodovico, von dessen klangsch\u00f6ner und deutlicher Stimme man an diesem Abend gerne mehr geh\u00f6rt h\u00e4tte, so war sein Auftritt zu kurz. \u00c4hnlich verhielt es sich mit <strong>Sang Hee Kim<\/strong> als Emilia w\u00e4hrend <strong>Lorenz Minth<\/strong> als Montano haupts\u00e4chlich schauspielerisch \u00fcberzeugte.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der offenkundigen Modernit\u00e4t und teilweisen Drastik der Auff\u00fchrung spendete das Freiburger Publikum starken langanhaltenden Applaus nicht nur f\u00fcr S\u00e4nger und Orchester, sondern ebenfalls f\u00fcr die Regie. Fast keine Buhs waren im Jubel zu vernehmen. Insgesamt bewegte sich die Auff\u00fchrung auf einem mehr als soliden Niveau.<\/p>\n<p>Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: M. Korbel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt:Otello (Luis Chapa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: Arrigo Boito, UA: 1887, Mailand, Teatro alla Scala. 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