{"id":276,"date":"2008-05-05T10:27:52","date_gmt":"2008-05-05T08:27:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=276"},"modified":"2008-05-05T14:46:22","modified_gmt":"2008-05-05T12:46:22","slug":"munster-stadtische-buhnen-manon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=276","title":{"rendered":"M\u00fcnster, St\u00e4dtische B\u00fchnen &#8211; MANON"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jules Massenet, Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto von Henri Meilhac und Philippe Gilles<br \/>\nUrauff\u00fchrung: 19. Januar 1884 an der Op\u00e9ra-Comique de Paris<br \/>\nRegie: Wolfgang Quetes, B\u00fchne: Manfred Kaderk, Kost\u00fcme: Tina Toeberg<br \/>\nMusikalische Leitung: Hendrik Vestmann, Sinfonieorchester M\u00fcnster Chor, Extrachor St\u00e4dtischen B\u00fchnen M\u00fcnster<br \/>\nSolisten: Julia Neumann (Manon), Juhan Tralla (Le Chevalier Des Grieux), Jaroslaw Sielicki (Lescaut), Andrea Shin (Guillot de Morfontaine), Donald Rutherford (De Br\u00e9tigny), Andrey Valiguras (Le Comte des Grieux), Annette Johansson (Pousette), Judith Gennrich (Rosette), Elena Hajfiz (Javotte), Peter Jahreis (Der alte Abb\u00e9 des Grieux)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 3. Mai 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"muenster-manon.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/muenster-manon.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"muenster-manon.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/muenster-manon.jpg\" \/><\/a>Wieviel Betrug, wieviel Verschm\u00e4hung, wie viele Verletzungen h\u00e4lt eine Liebe aus? Und ist es dann noch Liebe oder blo\u00df naive Schw\u00e4rmerei? Von diesen Fragen lebt Massenets Oper Manon. Dem Kloster entflohen und die Liebe und das G\u00f6nnertum des Chevalier Des Grieux ausnutzend, am\u00fcsiert sich Manon Lescaut in Paris, bis sie von einem heimlichen Liebhaber erf\u00e4hrt, da\u00df der Chevalier von Gehilfen seines Vaters entf\u00fchrt werden soll. Sie mu\u00df sich von ihm trennen.<br \/>\nEin Jahr sp\u00e4ter lebt Manon gemeinsam mit ihrem vormals heimlichen Liebhaber de Br\u00e9tigny und vergn\u00fcgt sich am Pariser Cours-la-Reine (heute Champs-\u00c9lys\u00e9es) Hier erf\u00e4hrt sie, da\u00df der Chevalier Des Grieux vorhabe, die Priesterweihe zu empfangen. Sie eilt zu ihm und kann ihn nach langem Z\u00f6gern davon \u00fcberzeugen, mit ihr zu fliehen. Erneut vereint, bringt Manon allen Sparma\u00dfnahmen zum Trotz, Des Grieux\u2019 Erbe durch. Ihr Cousin Lescaut \u00fcberzeugt beide davon, sich im Gl\u00fccksspiel zu versuchen. Obwohl Betrug dem Chevalier zuwider ist, willigt er ein. Inmitten des Spiels wird er von herbeigerufenen Gendarmen in Anwesenheit seinem Vater als Betr\u00fcger abgef\u00fchrt. Manon und Des Grieux werden abgef\u00fchrt. W\u00e4hrend man den Chevalier nach kurzer Zeit aus der Haft entl\u00e4\u00dft, soll Manon nach Amerika verschifft werden. Der Chevalier folgt Manons Spur bis nach Le Havre. Dort kann Lescaut Manons Wachen bestechen, sie frei zu lassen. Ihr schlechtes Gewissen plagt sie und die durch Entbehrungen zu Tode erkrankte Manon bittet den Chevalier um Vergebung f\u00fcr all das, was sie ihm angetan hat. Er sagt, es g\u00e4be nichts zu verzeihen. Manon glaubt, nun gl\u00fccklich sterben zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Inszenierung<\/strong><br \/>\nF\u00fcr den Zuschauer, der die Romanvorlage von Abb\u00e9 Pr\u00e9vost nicht kennt, ist es m\u00fchsam, der Handlung zu folgen, da die Oper in Tableaus unterteilt ist, die jeweils eine Station aus dem Romangeschehen zeigen. Der Zusammenhang hingegen wird dadurch verschleiert. Um diese Verst\u00e4ndnisprobleme auszumerzen, erg\u00e4nzt Regisseur <strong>Wolfgang Quete<\/strong><strong>s <\/strong>das musikalische B\u00fchnengeschehen als besonderen Kniff durch einen Sprecher (Peter Jahreis), welcher in der Rolle des gealterten Chevalier des Grieux retrospektiv seine Lebensgeschichte erz\u00e4hlt. Dazu verliest er Schl\u00fcsselsequenzen aus Abb\u00e9 Pr\u00e9vost Romanvorlage.<br \/>\nQuetes wei\u00df au\u00dferdem insbesondere in den Ensembleszenen, Manons Geltungssucht in den Mittelpunkt des Geschehens zu setzen. Die Intimit\u00e4t der Duette zwischen Manon und Des Grieux unterstreicht er, indem er die S\u00e4nger zu ausdrucksstarkem Spiel unabgelenkt von jedwedem \u00fcberfl\u00fcssigen Putz anh\u00e4lt.<br \/>\nDas B\u00fchnenbild, entworfen von Manfred Kaderk, ist sehr reduziert, wenige Wandelemente erlauben mit wenigen \u00c4nderungen s\u00e4mtliche Schaupl\u00e4tze darzustellen. Die Kost\u00fcme von <strong>Tina Toeberg<\/strong> sind keiner spezifischen Epoche zuzuordnen, sie sind irgendwo zwischen Biedermeier und fr\u00fcher Moderne anzusiedeln. Beide Aspekte sind jedoch nicht von Nachteil &#8211; weder f\u00fcr die Interpretation noch f\u00fcr die Produktion an sich, zeigen sie doch, da\u00df auch mit wenig Mitteln Sinnvolles geschaffen werden kann. Das Publikum zeigte sich hier allerdings geteilter Meinung.<br \/>\n<strong>Ausf\u00fchrende<\/strong><br \/>\nEs mu\u00df nicht immer Anna N. sein. <strong>Julia Neumann<\/strong> in der Rolle der Manon beweist sich als unkaprizi\u00f6ser Star des Abends. In der mittleren Lage f\u00fcgt sie Ton f\u00fcr Ton zu einer langen Perlenkette aneinander, ihre Intonation ist auch in den aberwitzigsten Koloraturen atemberaubend perfekt. Einzig der Klang ihrer Stimme in den h\u00f6chsten Passagen mag f\u00fcr manchen Zuh\u00f6rer ein Hauch zu metallisch sein, doch sollte dies das durchweg positive Bild der K\u00fcnstlerin nicht tr\u00fcben. Bei einer derma\u00dfen starken Hauptdarstellerin ist es immer schwierig, sich an ihrer Seite behaupten zu k\u00f6nnen, auch wenn diese alles andere will als sich in den Vordergrund singen. Und so verbla\u00dft <strong>Juhan Tralla<\/strong> (Des Grieux) neben ihr, er kann kaum gegen die strahlende Stimmgewalt <strong>Julia Neumann<\/strong>s sowie gegen das Orchester ansingen, wobei ihm zugute gehalten werden sollte, da\u00df seine Interpretationsans\u00e4tze durchaus ausbauenswert sind, seine Stimme diese Ideen aber leider nicht tragen kann. Doch ist die Rezensentin hier offenbar anderer Meinung als das Gros der Premiereng\u00e4ste.<strong> Jaroslaw Sielicki <\/strong>(Lescaut) ist im Spiel \u00fcberzeugend, kommt im Gesang dem allerdings nicht durchweg nach. Dies mag zu gro\u00dfem Teil daran liegen, da\u00df seine Rolle nicht f\u00fcr Glanzpartien ausgelegt ist, und es zudem schwer ist, an der Seite einer so formidablen Manon zu brillieren. In einer anderen Rolle h\u00e4tte er es sicher leichter, sein K\u00f6nnen unter Beweis zu stellen.<br \/>\nBesonders Gefallen findet das Publikum neben den Hauptdarstellern an <strong>Andrey Valigura<\/strong><strong>s<\/strong> in der Rolle von Comte Des Grieux. Die Rezensentin kann sich dieser Meinung nicht anschlie\u00dfen, zu gro\u00dfe Intonationsprobleme aufgrund eines \u00fcbertriebenen Vibratos sowie gepre\u00dfter Spitzent\u00f6ne stehen dazu im Weg. Gleiches gilt f\u00fcr <strong>Andrea Shin<\/strong> (Guillot de Morfontaine) und <strong>Donald Rutherford<\/strong> (De Br\u00e9tigny), die sowohl stimmlich als auch spielerisch im B\u00fchnengeschehen untergehen.<br \/>\nDer <strong>Chor<\/strong> und <strong>Extrachor der St\u00e4dtischen B\u00fchnen<\/strong> \u00fcberzeugen durch einen \u00fcberaus homogenen Klang, was ja nicht immer der Fall ist, wenn der Hauschor durch einen Extra(laien)chor erg\u00e4nzt wird. Hier ist ein Beispiel, da\u00df dies durchaus gelingen kann.<br \/>\nDas <strong>Sinfonieorchester M\u00fcnster<\/strong> erweist sich unter der energischen F\u00fchrung des jungen estnischen Dirigenten <strong>Hendrik Vestmann<\/strong> als agiler und dynamischer Klangk\u00f6rper, sieht man \u00fcber einige kleine Patzer hinweg. Vestmanns Interpretation ist sehr selbstbewu\u00dft, dabei aber h\u00f6chst musikalisch und streckenweise hart an der Grenze zum Kitsch.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nFrankophile Theaterg\u00e4nger sollten von vornherein davon absehen auch nur zu versuchen, den Text zu verstehen. Man zweifelt h\u00e4ufig daran, ob auf der B\u00fchne wirklich Franz\u00f6sisch oder nicht doch Italienisch, Russisch oder gar eine fern\u00f6stliche Sprache gesungen wird. Will man\u00a0aber einen Opernabend\u00a0&#8211;\u00a0 fern allen Medienrummels &#8211;\u00a0mit hervorragenden und gleichzeitig sch\u00f6nen Sopranistinnen genie\u00dfen, so ist man hier gut aufgehoben. Ein starkes Ensemble kann man hier hingegen nicht erleben. Liebhabern gro\u00dfer romantischer Musik wiederum sei diese Inszenierung empfohlen, denn ein solch spielw\u00fctiges junges Orchester bekommt man an manch gro\u00dfem Haus nicht geboten.<br \/>\nChristine Lauter<\/p>\n<p>Bild: Michael H\u00f6rnschemeyer<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Manon (Julia Neumann) wie sie Des Grieux (Juhan Tralla)  auf Knien  bittet, nicht in den Priesterstand einzutreten und statt dessen mit ihr zu fliehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jules Massenet, Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto von Henri Meilhac und Philippe Gilles Urauff\u00fchrung: 19. 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