{"id":2756,"date":"2011-04-16T05:34:11","date_gmt":"2011-04-16T04:34:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2756"},"modified":"2011-04-17T05:36:34","modified_gmt":"2011-04-17T04:36:34","slug":"salome-berlin-komische-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2756","title":{"rendered":"SALOME &#8211; Berlin, Komische Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Strauss (186-1949), Musikdrama in einem Aufzug, Libretto: Komponisten nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung, UA: 1905 Dresden<\/p>\n<p>Regie: Thilo Reinhardt, B\u00fchne: Paul Zoller, Kost\u00fcme: Katharina Gault, Dramaturgie: Ingo Gerlach, Licht: Franck Evin<\/p>\n<p>Dirigent: Alexander Vedernkov, Orchester der Komischen Oper<\/p>\n<p>Solisten: Morenike Fadayomi (Salome), Andreas Conrad (Herodes), Christiane Oertel (Herodias), Egils Silins (Joachanaan), Thomas Ebenstein (Narraboth), Christoph Schr\u00f6ter, Peter Renz, Matthias Siddharta Otto, Thomas Ebenstein, Marko Spehar (f\u00fcnf Juden), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. April 2011 (B Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-KO-Salome.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2757\" title=\"Berlin-KO-Salome\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-KO-Salome.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-KO-Salome.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Berlin-KO-Salome-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Pal\u00e4stina unter der Herrschaft des Herodes k\u00fcndigt sich das Ende der bisherigen Weltordnung an. Jochanaan ist einer der Endzeitpropheten und wird gefangengenommen. Die junge Stieftochter des Herodes, Salome, begehrt ihn zu sehen und verliebt sich in ihn, was Narraboth, der sie heimlich liebt, in den Selbstmord treibt. Doch wird sie von Jochanaan zur\u00fcckgewiesen. Als Herodes von Salome w\u00fcnscht, f\u00fcr ihn zu tanzen, ringt sie ihm das Versprechen ab, daf\u00fcr den Kopf des Jochanaan zu bekommen. Trotz seiner gro\u00dfen Bedenken gibt Herodes ihr nach. Entsetzt sehen er und die anderen Beteiligten, wie Salome mit dem abgeschlagenen Kopf spricht und ihn k\u00fc\u00dft. Herodes befiehlt, Salome zu t\u00f6ten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist buchst\u00e4blich mit groben Strichen angedeutet, wie in einem Comic. Die Kost\u00fcme changieren zwischen grell-bunten B\u00fcrokost\u00fcmen (Herodes und Herodias), Guerilla-Look (Jochanaan) und Pop-Diva (Salome). Die Kost\u00fcme einiger Juden erinnern an Wehrmachtsuniformen. Die Originalhandlung wird abgewandelt: Narraboth ersticht sich nicht selbst aus Verzweifelung, sondern wird von Salome get\u00f6tet. Jochanaan wird am Ende von Herodias und den Juden in St\u00fccke gehackt. Der Tanz der sieben Schleier entf\u00e4llt. Stattdessen bekommt man auf der sich drehenden B\u00fchne viele Bilder und kurze pantomimische Handlungen zu sehen: Salome mit einem Maschinengewehr und Jochanaan in einem Cabrio sitzend, die Juden, die sich selber auf das Kreuz zu nageln versuchen oder Herodias, die einem Gekreuzigten mit einem Hammer auf seinen grotesk gro\u00dfen Penis schl\u00e4gt. W\u00e4hrend Jochanaans Ausf\u00fchrungen \u00fcber das Ende der bisherigen Welt hantiert Salome mit einem silbernen Megaphon und einem roten Heftchen (einer Maobibel?). Am Ende der Oper wird sie nicht get\u00f6tet, sondern pr\u00e4sentiert sie sich trotzig mit diesen Accessoires.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das Orchester spielte mit gro\u00dfem, volumin\u00f6sem Klang, der h\u00e4ufig die S\u00e4nger \u00fcberdeckte, doch mangelte es hier und da an der rhythmischen Pr\u00e4zision. Dem Dirigenten <strong>Alexander Vedernikov<\/strong> w\u00e4re unbedingt zu gr\u00f6\u00dferer dynamischer Zur\u00fcckhaltung v.a. bei den kleinen Partien zu raten, die gegen das gro\u00dfe Orchester keine Chance hatten. Stimmlich, darstellerisch und von der Textverst\u00e4ndlichkeit her war Andreas <strong>Conrad als Herodes<\/strong> der beste S\u00e4nger des Abends. Vor allem seine abwechslungsreiche Mimik war beeindruckend. <strong>Morenike Fayadomi<\/strong> als Salome hat eine etwas zu leise Stimme f\u00fcr die am st\u00e4rksten instrumentierten Teile ihrer Partie, machte das aber mit einer fein nuancierten Tongebung und \u2013 sofern es die Lage ihrer Gesangslinien zul\u00e4\u00dft \u2013 gut verst\u00e4ndlichen Aussprache wett. Besonders in den tiefen Registern, wenn sich ihre Partie der Sprechstimme am st\u00e4rksten n\u00e4hert, vermochte sie, ihre gro\u00dfe klangliche Variabilit\u00e4t unter Beweis zu stellen. Darstellerisch nahm man ihr die jugendlich-d\u00e4monische Rolle ab. \u00c4hnliches gilt von <strong>Egils Silins<\/strong> (Jochanaan), der zwar ebenfalls keine gro\u00dfe, raumf\u00fcllende Stimme hat, aber klanglich und vor allem mit seiner souver\u00e4nen Verk\u00f6rperung des Propheten f\u00fcr Begeisterung sorgte. <strong>Christiane Oertel<\/strong> in der Rolle der Herodias lie\u00df einige sehr forcierte, aber ausgeglichene Spitzent\u00f6ne h\u00f6ren und wurde auch darstellerisch ihrer Rolle vollauf gerecht. <strong>Thomas Ebenstein<\/strong> (Narraboth) hat einen lyrischen Tenor, der zu klein f\u00fcr diese Partie ist, und agierte ein wenig steif.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Diese Inszenierung ist angereichert mit einigen ironisierenden und provokativen Momenten. Dennoch bleiben Umrisse der Originalhandlung erhalten in Gestalt etlicher zentraler szenischer Momente wie z.B. Jochanaans Verfluchung Salomes. Es mangelt nicht an plakativen Momenten in der Wahl der szenischen Mittel. Die gew\u00e4hlten Requisiten \u2013 die Juden sollen bisweilen als konservative Parlamentarier oder sogar Altnazis erscheinen, Salome und Jochanaan hingegen als 68er \u2013 d\u00fcrften den j\u00fcngeren im Publikum allerdings nicht mehr gel\u00e4ufig sein. Musikalisch ist die Auff\u00fchrung vielleicht keine Sternstunde, aber solide von den s\u00e4ngerischen Leistungen her. Darstellerisch bekommt man \u2013 wie oft in der Komischen Oper \u2013 sehr gute Leistungen geboten. Das Publikum reagierte nicht enthusiastisch, war aber insgesamt mit dem Gebotenen zufrieden.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Morenike Fadayomi (Salome), Christiane Oertel (Herodias) und Andreas Conrad (Herodes)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Strauss (186-1949), Musikdrama in einem Aufzug, Libretto: Komponisten nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung, UA: 1905 Dresden Regie: Thilo Reinhardt, B\u00fchne: Paul Zoller, Kost\u00fcme: Katharina Gault, Dramaturgie: Ingo Gerlach, Licht: Franck Evin Dirigent: Alexander Vedernkov, Orchester der Komischen Oper<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2756\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,1],"tags":[],"class_list":["post-2756","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin-komische-oper","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2756","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2756"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2756\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2759,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2756\/revisions\/2759"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2756"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2756"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2756"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}