{"id":274,"date":"2008-04-30T14:07:14","date_gmt":"2008-04-30T12:07:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=274"},"modified":"2012-06-25T09:06:19","modified_gmt":"2012-06-25T08:06:19","slug":"rom-teatro-dell%e2%80%99-opera-la-tosca","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=274","title":{"rendered":"TOSCA &#8211; Rom, Teatro dell\u2019 Opera"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini nach La Tosca von Victorien Sardou, Libretto: L. Illica und G. Giocosa<br \/>\nRegie\/B\u00fchnenbild: Franco Zeffirelli, Kost\u00fcme: Anna Biagiotti, Licht: Alessandro Santini<br \/>\nDirigent: Gianluigi Gelmetti, Orchester und Chor des Teatro dell\u2019Opera<br \/>\nSolisten: Myrt\u00f2 Papatanasiu (Floria Tosca), Giuseppe Gipali (Mario Cavaradossi), Silvio Zanon (Baron Scarpia), Francesco Facini (Cesare Angelotti), Matteo Ferrara (Mesner), Claudio Barbieri (Spoletta), Antonio Taschini (Sciarrone), Massimo Mondelli (Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 27. April 2008<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><br \/>\n<a title=\"tosca-roma.jpg\" href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/tosca-roma.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/tosca-roma.jpg\" alt=\"tosca-roma.jpg\" align=\"right\" \/><\/a>Was macht die Oper <em>La Tosca<\/em> so anziehend?<br \/>\n<em>Die Ingredienzien f\u00fcr Sardous Tosca waren Sex, Sadismus, Religion und Kunst; sie wurden von der Hand eines Meisterkochs gemischt und mit dem ganzen Gericht auf dem Tablett eines wichtigen historischen Ereignisses serviert<\/em>, so Mosco Carner in seiner lesenswerten Biographie <em>Puccini<\/em>. Die Spannung des St\u00fccks ergibt sich daraus, da\u00df Puccini die alte Regel (nach Aristoteles) angewendet und das Schicksal dreier Personen an einem einzigen Tag und am gleichen Ort Rom (die Kirche San Andrea della Valle, der Palazzo Farnese und die Engelsburg) schildert.<br \/>\nEs war der 14. Juni 1800, als die \u00d6sterreicher unter General Melas dem franz\u00f6sischen Heer unter Napoleon Buonaparte bei Marengo (bei Alessandria, Norditalien), gegen\u00fcberstanden. Am Vormittag siegten zun\u00e4chst die \u00d6sterreicher, doch konnte Napoleon am Nachmittag das Kriegsgl\u00fcck zu seinen Gunsten wenden. Vor dem f\u00fcr Italien einschneidenden historischen Ereignis dieser Schlacht (Italien wurde danach \u00fcber zehn Jahre von Frankreich beherrscht) spielt sich das f\u00fcr alle drei Personen t\u00f6dliche Drama ab.<br \/>\n<strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nDie ebenso sch\u00f6ne wie ber\u00fchmte S\u00e4ngerin Floria Tosca liebt den Maler Mario Cavaradossi, doch Baron Scarpia, Polizeichef von Rom, will Tosca besitzen. Der Zufall und Toscas grundlose Eifersucht gegen\u00fcber ihrem Mario kommt Scarpia zu Hilfe. Da Cavaradossi Cesare Angelotti Unterschlupf gew\u00e4hrte (dieser war Anh\u00e4nger Napoleons und aus der Engelsburg entflohen), wird er verhaftet und gefoltert, um Angelottis Fluchtort zu verraten. Diese Folterung mu\u00df Tosca miterleben. Unter diesem seelischen Druck verr\u00e4t sie Angelottis Versteck. Der Preis ihres Verrats: sie kann mit Cavaradossi Rom verlassen, mu\u00df sich aber daf\u00fcr Scarpia hingeben. Doch sie ersticht Scarpia und eilt zur Engelsburg, wo man Cavaradossi gefangenh\u00e4lt. Dieser mu\u00dfte sich, um den \u00e4u\u00dferen Schein zu wahren, einer Scheinerschie\u00dfung unterwerfen. Aber Cavaradossi stirbt im Kugelhagel. In Scarpias Palazzo Farnese entdeckt man den toten Scarpia. Seine Gefolgsleute eilen zur Engelsburg, aber Tosca springt von deren Plattform hinab in den Tod.<br \/>\n<strong>Franco Zeffirellis Regie<\/strong><br \/>\nWie gelang Zeffirelli die Umsetzung dieser schon zigmal auf die B\u00fchne gebrachten Oper? H\u00f6ren wir seine Ansicht, die er in einem l\u00e4ngeren Interview gegen\u00fcber Michele Mirabella ge\u00e4u\u00dfert hat. Es steht im Opernprogrammheft, das in vorbildlicher Weise den gesamten Operntext mit eingestreuten ansprechenden Kommentaren zur Musik aufweist. Hier &#8211; etwa wortgetreu \u2013 einige \u00c4u\u00dferungen Zeffirellis: <em><\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind im Verismo, alles wird also beschrieben: die Seelenzust\u00e4nde der Personen, ihre Akzente beim Singen, ihre Geb\u00e4rden. All das findet sich im Operntext und in der Musik. \u2026. Ich sage es in aller Offenheit: es gibt eine Menge Narren, die sich die Willk\u00fcr erlauben, zu \u00e4ndern oder zu vereinfachen, was Puccini vorgegeben hat. Die Regisseure sollten gut die Geschichte erz\u00e4hlen, und zwar weniger das, was sie in der Tradition finden, als was Puccini geschrieben hat. Die Oper unserer Zeit anzupassen kann funktionieren, es ergibt aber ein mageres Resultat.<\/em><br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nGenau danach hat Zeffirelli gehandelt. Beim \u00d6ffnen des Vorhangs blickt man auf den Altar der Kirche Sankt Andrea della Valle, Angelotti kann hinter dem Gitter der Attavanti-Kapelle links verschwinden, das Malerger\u00fcst mit dem fast vollendeten Madonnenbild steht gegen\u00fcber. Das Tableau (Bild) zum Schlu\u00df des ersten Akts zeigt den hohen Kirchenraum \u00fcbervoll mit Volk, vielen Geistlichen und Ministranten in Anwesenheit des Kardinals. Beim Aufrauschen von Orgel und Chor beim Gesang des Te Deum befindet man sich wirkliche in einer Kirche. Man riecht den reichlich gespendeten Weihrauch. Ein recht verstandener Verismo, meine ich! In gleicher Weise auch die beiden folgenden Akten: Scarpias Residenz als bibliotheks\u00e4hnlicher Arbeitsraum in dunklem Holz get\u00e4felt, zuletzt die Plattform der Engelsburg.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nHervorragend alle S\u00e4nger, auch die Nebenrollen: <strong>Myrt\u00f2 Papatanasiu<\/strong> als Tosca, <strong>Giuseppe Gipali<\/strong> (Cavaradossi), <strong>Silvio Zanon<\/strong> (Scarpia) und <strong>Francesco Facini<\/strong> (Angelotti) singen ausgezeichnet. Die Darstellung, bei Zeffirelli genau nach der Musik ausgerichtet, bringen alle Protagonisten zwingend nachvollziehbar \u2013 besonders in der Begegnung Tosca\/Scarpia \u2013 zum Ausdruck.<br \/>\nBesonders gelingt Zeffirelli die letzte Szene: Cavaradossis Gef\u00e4ngnis ist zun\u00e4chst unterhalb der Plattform der Engelsburg. Nach dem ungemein gut vorgetragenen Klagegesang Cavaradossis: E lucevan le stelle \u2013 und die Sterne gl\u00e4nzten, der nach frenetischem Applaus wiederholt wird (ein Encore \u2013 Wiederholung habe ich seit \u00fcber zehn Jahre nicht erlebt!) und nach Cavaradossis und Toscas Hymne trionfal di nova speme \u2013 in Triumph und neuer Hoffnung f\u00e4hrt die Hebeb\u00fchne die beiden hoch auf die Plattform: sie werden sich im Himmel wiedersehen, kann man sich vorstellen.<\/p>\n<p>Bleibt noch zu erw\u00e4hnen, da\u00df <strong>Franco Zeffirelli<\/strong> bei ge\u00f6ffnetem Vorhang, also vor dem Schlu\u00dfbild (Tableau) und vor allen S\u00e4ngern, gemeinsam mit <strong>Gianluigi Gelmetti <\/strong>(der gro\u00dfartig das Riesenorchester leitet) erscheint, um sich bei S\u00e4ngern, dem Chor, seinen Mitstreitern und dem Publikum f\u00fcr das jedesmal ausverkaufte Opernhaus zu bedanken, eine ungemein sympathische Geste, wie mir scheint.<br \/>\nIch bin \u00fcberzeugt: eine veristische Oper sollte man auch veristisch auf die B\u00fchne bringen. Sollte jemand meinen, ich h\u00e4tte einem musealen Kost\u00fcmfest beigewohnt, so sei daran erinnert, da\u00df Fernseh\u00fcbertragungen vom Balkon des Petersdoms (mit allen Kardin\u00e4len im Ornat) mehr als eine Milliarde Zuschauer verfolgen, die die ehrw\u00fcrdige Zeremonie kaum als museal empfinden.<\/p>\n<p>Dr. O. Zenner<\/p>\n<p>Bild: Corrado Maria Falsini<\/p>\n<p>Das Bild zeigt Ende des 1. Aktes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini nach La Tosca von Victorien Sardou, Libretto: L. Illica und G. 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