{"id":2738,"date":"2011-04-13T20:54:15","date_gmt":"2011-04-13T19:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2738"},"modified":"2011-04-17T05:38:07","modified_gmt":"2011-04-17T04:38:07","slug":"sonntag-oper-koln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2738","title":{"rendered":"SONNTAG &#8211; K\u00f6ln, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Karlheinz Stockhausen (1928\u20132007), Oper in f\u00fcnf Szenen und einem Abschied aus dem siebenteiligen Opernzyklus <em>LICHT<\/em>, Libretto vom Komponisten<\/p>\n<p>Regie: Carlus Padrissa, B\u00fchne: Poland Olbeter, Kost\u00fcme: Chu Uroz, Licht: Andreas Gr\u00fcter, Choreographie: Athol Farmer, Video: Franc Aleu (Urano), Dramaturgie: Thomas Ulrich, Theatergruppe <em>La Fura dels Baus<\/em><\/p>\n<p>Dirigent: Kathinka Pasveer und Peter Rundel, Klangregie: Kathinka Pasveer und Paul Jeukendrup, musikFabrik K\u00f6ln, Chor der Oper K\u00f6ln, Estonian Philharmonic Chamber Choir, Cappella Amsterdam, Knabenchor der Chorakademie Dortmund, Chorleitung: James Wood<\/p>\n<p>Solisten: Csilla Cs\u00f6v\u00e1ri (Sopran), Noa Frenkel (Alt), Anna Palimina (Sopran), Maike Raschke (Sopran), Michael Leibundgut (Ba\u00df), Hubert Mayer (Tenor), Alexander Mayr (Tenor), Jonathan de la Paz Zaens (Bariton)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. und 10. April 2011 (szenische Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Sonntag09-320.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2739\" title=\"Sonntag09-320\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Sonntag09-320.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"227\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Sonntag09-320.jpg 320w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/Sonntag09-320-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die letzte der sieben <em>LICHT<\/em>-Opern Stockhausens thematisiert die Gottesverehrung. Eine Handlung im herk\u00f6mmlichen Sinne findet nicht statt, sondern in den f\u00fcnf Szenen der Oper werden unterschiedliche Aspekte des Gotteslobes thematisiert. In der ersten Szene <em>LICHTER-WASSER<\/em> treten zwei der drei Hauptprotagonisten \u2013 oder besser: Prinzipien \u2013 des Zyklus auf, Eva und Michael, deren mystische Vereinigung den Schlu\u00df dieser Szene bildet. Textlich-szenisch steht hier die Sph\u00e4renharmonie im Mittelpunkt, also die antike Vorstellung, da\u00df die Himmelsk\u00f6rper des Universums T\u00f6ne von sich geben w\u00fcrden. In der zweiten Szene <em>ENGEL-PROZESSIONEN<\/em> wird das himmlische Gotteslob durch sieben Vokalgruppen illustriert, in der dritten <em>LICHT-BILDER<\/em> v.a. das irdische Gotteslob, das als Durchgang von der unbelebten Materie durch die Lebewesen hin zu den Heiligen und dem G\u00f6ttlichen selbst gestaltet ist. Die vierte Szene <em>D\u00dcFTE-ZEICHEN<\/em> ist eine Rekapitulation der vorangegangenen sechs <em>LICHT<\/em>-Opern, in der sieben Vokalsolisten und ein Knabe im Vordergrund stehen. Die f\u00fcnfte Szene <em>HOCH-ZEITEN<\/em> wird an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig gespielt: W\u00e4hrend in einem Saal f\u00fcnf Instrumentalgruppen spielen, findet in einem anderen ein f\u00fcnfsprachiger, von f\u00fcnf Ch\u00f6ren begleiteter Durchgang durch die Hochzeitsriten von f\u00fcnf verschiedenen Kulturkreisen statt. Das Publikum wird anschlie\u00dfend mit einem von f\u00fcnf Synthesizern gespielten <em>SONNTAGS-ABSCHIED<\/em>, der im Foyer und vor dem Geb\u00e4ude aus Lautsprechern zu h\u00f6ren ist, aus der Auff\u00fchrung entlassen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Jede der f\u00fcnf Szenen wurde szenisch grunds\u00e4tzlich anders konzipiert. Die erste fand in einem kreisrunden Saal statt, ein Teil des Publikums wurde auf Liegest\u00fchlen plaziert, und die Musiker und Videoprojektionen der Planeten rotierten nach den Vorgaben des Komponisten um die Zuschauer herum. Hier fand auch die anschlie\u00dfende Auff\u00fchrung der rein vokalen zweiten Szene statt. Die Engelsch\u00f6re waren \u2013 ebenfalls den Anweisungen Stockhausens gem\u00e4\u00df \u2013 in unterschiedlichen Farben kost\u00fcmiert. Diese Szene hatte Konzertcharakter. Die dritte Szene, bei der drei Instrumentalisten und ein Tenor musizieren, wurde von 3-D-Projektionen und Tanzeinlagen im Hintergrund begleitet; dem Publikum waren zuvor 3-D-Brillen ausgeh\u00e4ndigt worden. Die vierte, bei der dem Libretto entsprechend nacheinander sieben verschiedene R\u00e4ucherwaren den Raum mit Duft erf\u00fcllten und die vom Komponisten erdachten sieben Symbole der Wochentage als brennende Gebilde pr\u00e4sentiert wurden, schlo\u00df mit dem Erscheinen eines mechanischen wei\u00dfen Pferdes, das laut Stockhausen den Knaben, der in dieser Szene erscheint, zum Himmel tragen soll. Der Chorteil der letzten Szene fand auf einer begehbaren B\u00fchne statt, auf der f\u00fcnf Tanzgruppen agierten und z.T. mit dem Publikum interagierten. An der Wand waren Projektionen aus f\u00fcnf verschiedenen Erdteilen zu sehen und ein Countdown von 2011 bis 0. Der Orchesterteil fand hinter einem Gazevorhang statt, auf dem Projektionen von Instrumenten und Parolen in Englisch zu sehen waren. Die Reihe der Doppelsoli in dieser Szene wurde szenisch deutlich als Interaktion zwischen zwei Musikern inszeniert. Der <em>SONNTAGS-ABSCHIED <\/em>ging nahtlos in die Premierenfeier \u00fcber.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Wahrlich beeindruckend war die Sicherheit, mit der die Musiker Stockhausens schwer zu spielende und zu singende, mit zahlreichen Zusatzanweisungen gespickte Musik zum Vortrag brachten. Die eben genannten Doppelsoli der letzten Szene, die gesamte dritte Szene und die solistischen Parts der ersten und vierten Szene wurden von den S\u00e4ngern und Instrumentalisten auswendig pr\u00e4sentiert. Dabei handelt es sich um bis zu 45 Minuten umfassende Partien. Am meisten imponierte die Leistung <strong>Hubert Mayers<\/strong>, der den Part des Michael \u00fcbernahm, und \u00fcber eine technisch meisterhaft beherrschte, lyrische Tenorstimme und eine deutliche Aussprache verf\u00fcgt. Ihm gelang die \u00dcbermittlung auch der von Stockhausen gelegentlich verfremdeten und zergliederten Textstellen. In der kammermusikalischen dritten Szene musizierten er und die drei Instrumentalisten nicht nur den Notentext, sondern zeigten auch die von Stockhausen vorgeschriebenen Gesten und Bewegungen. Beeindruckend war auch die Abstimmung zwischen dem aus f\u00fcnf unabh\u00e4ngig voneinander spielenden Gruppen bestehenden Orchester und den \u2013 in dieser Inszenierung allerdings vom Band kommenden \u2013 f\u00fcnf Ch\u00f6ren in dem anderen Saal. Dadurch, da\u00df Ausschnitte des Orchesters mitunter in die Chormusik eingeblendet werden, w\u00e4re andernfalls auch einem nicht so versierten H\u00f6rer die mangelnde Synchronizit\u00e4t offensichtlich gewesen. In der konventionellsten Szene der Oper, der vierten, traten die sieben erwachsenen Solisten stimmsicher auf und zeigten auch die von Stockhausen den jeweiligen Wochentagen zugeordneten Gesten. Eine verantwortungsvolle Aufgabe kommt in dieser Oper neben den zahlreichen Dirigenten \u2013 allein in dem Orchesterteil der f\u00fcnften Szene sind es sechs \u2013 auch den Tontechnikern zu, die mit ausgiebigem Beifall bedacht wurden. Unter ihnen war <strong>Kathinka Pasveer<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die erste szenische Realisierung dieser Oper ist mit einem Wort zu umschreiben: opulent. Nicht nur, da\u00df mit z.T. verbl\u00fcffenden und ausgekl\u00fcgelten technischen Effekten hantiert wurde \u2013 Michael oder das wei\u00dfe Pferd wurden z.B. auf einem in alle Richtungen schwenk- und drehbaren Kran herumgefahren \u2013, dar\u00fcber hinaus wurde auch akribisch vielen Regieanweisungen des Librettos Folge geleistet. Von einer derartigen Werktreue und einem solchen Respekt vor den Intentionen des Komponisten kann man heutzutage bei den meisten Repertoireopern nur tr\u00e4umen. Hinzu kamen spezialisierte Musiker, die mit ihrem Text ausnehmend gut vertraut waren, auch wenn die Musik mitunter von dieser \u00fcberaus einfalls- und abwechslungsreichen Inszenierung in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wurde. Das gilt in erster Linie f\u00fcr die dritte Szene und den Chorteil der f\u00fcnften. Vereinzelte Unstimmigkeiten mit Stockhausens Anschauungen kamen vor; hierauf wird in einer ausf\u00fchrlichen Werkpr\u00e4sentation an anderer Stelle n\u00e4her eingegangen. F\u00fcr Liebhaber der musikalischen Avantgarde ist diese enorm aufwendige Produktion ein Mu\u00df. F\u00fcr diejenigen, die wissen m\u00f6chten, was es mit der zeitgen\u00f6ssischen Musik auf sich hat, mag die Inszenierung dank ihres unterhaltsamen Eventcharakters ein guter Einstieg sein.<\/p>\n<p>Dr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Klaus Lefebvre<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: LICHTER\u00a0 \u2013 WASSER: <span style=\"color: #000000;\">Anna Palimina<\/span> (Eva) und Hubert Mayer (Michael), 1. Szene<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karlheinz Stockhausen (1928\u20132007), Oper in f\u00fcnf Szenen und einem Abschied aus dem siebenteiligen Opernzyklus LICHT, Libretto vom Komponisten Regie: Carlus Padrissa, B\u00fchne: Poland Olbeter, Kost\u00fcme: Chu Uroz, Licht: Andreas Gr\u00fcter, Choreographie: Athol Farmer, Video: Franc Aleu (Urano), Dramaturgie: Thomas<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2738\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1],"tags":[],"class_list":["post-2738","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-koln-buhnen-der-stadt","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2738"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2761,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2738\/revisions\/2761"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}