{"id":2682,"date":"2011-03-30T18:57:37","date_gmt":"2011-03-30T17:57:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2682"},"modified":"2011-04-16T11:29:51","modified_gmt":"2011-04-16T10:29:51","slug":"idomeneo-bremen-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=2682","title":{"rendered":"Idomeneo &#8211; Bremen, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von W.A. Mozart (1756-1791), Dramma per Musica in drei Akten, Libretto: Giambattista Varesco nach Antoine Danchets <em>Idom\u00e9n\u00e9e,<\/em> UA: 29. Januar 1781, M\u00fcnchen, Hoftheater<br \/>\nRegie: Kay Kuntze, B\u00fchne: URBANSCREEN, Kost\u00fcme: Christa Beland, Dramaturgie: Hans-Georg Wegner, Juliane Luster<br \/>\nDirigent: Markus Poschner, Bremer Philharmoniker, Chor und die Herren des Extrachors des Theater Bremen, Einstudierung: Daniel Mayr<br \/>\nSolisten: Luis Olivares Sandoval\u00a0 (Idomeneo), Nadja Stefanoff\u00a0(Idamante), Patricia Andress\u00a0(Elektra), Nadine Lehner\u00a0(Ilia) Randall Bills\u00a0(Arbace), Christian-Andreas Engelhardt\u00a0(Oberpriester), Jakob von Borries (Stimme von oben)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 27. M\u00e4rz 2011 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/17_Idomeneo320.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2685\" title=\"17_Idomeneo320\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/17_Idomeneo320.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/17_Idomeneo320.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/17_Idomeneo320-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die Kreter erwarten die Ankunft ihres K\u00f6nigs Idomeneo, der gemeinsam mit den Griechen Troja erobert hat. In einem Seesturm geraten, wird er von Neptun gerettet. Aus Dankbarkeit schw\u00f6rt Idomeneo dem Meeresgott, den Menschen zu opfern, der ihm als erster an Land begegnet. Da\u00df dies sein Sohn Idamante ist, erf\u00fcllt Idomeneo mit Entsetzen. Um Idamantes Leben zu sch\u00fctzen, will er ihn zusammen mit Elektra, die auf Kreta im Exil lebt, nach Argos schicken, um dort die Rechte der K\u00f6nigstochter Agamemnons auf den Thron geltend zu machen. Doch Neptun schickt aus Rache ein Meeresungeheuer. Idomeneo ist gezwungen, seinen Sohn zu t\u00f6ten, um die Katastrophe abzuwenden. Als er Idamante hinrichten will, f\u00e4llt ihm\u00a0 die trojanische Prinzessin Ilia in den Arm, der den Schwertstreich ausf\u00fchrt. Aus Liebe zu Idamante bietet sie ihr Leben als Opfer. Durch so viel Heldenmut milde gestimmt, \u00e4ndert Neptun seinen Willen: Idamante und Ilia sollen heiraten und das neue K\u00f6nigspaar Kretas werden. Elektra, die Idamante ebenfalls liebt, wird \u00fcber die Niederlage wahnsinnig. Idomeneo freut sich \u00fcber den G\u00f6tterwillen, dankt ab und kr\u00f6nt Idamantes zum K\u00f6nig.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Inszenierung ist gepr\u00e4gt durch die mediale visuelle Gestaltung des B\u00fchnenraums, die von dem Medienkunst-Team \u201eUrbanscreen\u201c konzeptioniert wurde. Auf der B\u00fchne sieht man verschiedene dreidimensionale Objekte, die die felsige Silhouette der Insel Kreta darstellen. Auf diese wei\u00dfen, beweglichen Objekte werden je nach Szene passgenau Videos projiziert, die das an sich minimalistische B\u00fchnenbild sehr wandlungsf\u00e4hig machen. Die Inszenierung von Kay Kuntze folgt nicht immer dem Libretto: Sie kreist um die seelische Krise Idomeneos, die durch den Kampf zwischen seinem und dem G\u00f6tterwillen Neptuns ausgel\u00f6st wird. Neptun ist eine sehr pr\u00e4sente Figur: Immer, wenn Idomeneo seine Situation reflektiert, tritt Neptun als sein Schatten auf, indem er z.B. Idomeneos Bewegungen imitiert. Die innere Zerrissenheit Idomeneos l\u00f6st Kuntze am Schlu\u00df nicht in Freude auf: Idomeneo st\u00fcrzt sich ins Schwert, w\u00e4hrend das Volk die Kr\u00f6nung Idamantes und Ilias feiert.<\/p>\n<p><strong>Orchester und S\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p>Die Stimmen von <strong>Nadja Stefanoff <\/strong>(Idamante) und <strong>Nadine Lehner<\/strong> (Ilia) harmonieren wunderbar an diesem Premierenabend. Die Partie der Ilia, deren kriegerische, starke Seite in der Inszenierung hervorgehoben wird, gibt Lehner viel Kontur durch stimmliche Kraft und lyrische Innigkeit. Ihre Stimme klingt vor allem in den h\u00f6heren Lagen etwas forcierter als die Stefanoffs: sie ist weich im Ausdruck mit zarten, stimmlichen Farben. Das Liebes-Duett Idamantes und Ilias <em>S\u2019io non moro, a questi accenti \u2013 Sterbe ich nicht bei diesen Worten<\/em> ist der H\u00f6hepunkt des Abends: Das Publikum dankt mit kr\u00e4ftigem Szenenapplaus. Auch die anderen Solisten \u00a0erfreuen das Publikum durch technische Perfektion: Sie haben eine deutliche Aussprache (am deutlichsten artikuliert Tenor Randall Bills) und intonieren rein. Die Stimme des Orakels wird vom Knabensopran Jakob von Borries (Mozart hat im Libretto einen Ba\u00df vorgesehen) mit glockenheller Klarheit vorgetragen. Die Violinen der Bremer Philharmoniker zeigen in der Ouvert\u00fcre strahlende Glanzpunkte, die Bl\u00e4ser intonieren sauber. Der einzige Moment, in dem S\u00e4nger und Orchester nicht gut zusammenklangen, war wohl der Inszenierung geschuldet: Der Chor <em>Piet\u00e0, Numi, Piet\u00e0 \u2013 Erbarmen! G\u00f6tter, Erbarmen!<\/em> zerf\u00e4llt, weil die Chors\u00e4nger wild mit den F\u00fc\u00dfen stampfen und Seile auf den Boden schlagen, was der Orchesterbegleitung \u00a0Schwierigkeiten bereitete.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDas Publikum feiert diese Premiere mit langem Schlu\u00dfapplaus und Bravorufen f\u00fcr die Solisten, das Regieteam und den GMD zu Recht, denn die Inszenierung \u00fcberzeugt durch gute Einf\u00e4lle, trotz starkem Eingriff ins Libretto. Die Videoprojektionen setzen optische Akzente, die ein klassisches B\u00fchnenbild nicht vermocht h\u00e4tte. Sie wirken nicht wie gef\u00e4lliges Beiwerk zur Unterhaltung, sondern sind konstitutiver Bestandteil durch die Inszenierung.<\/p>\n<p>Annika Klanke<\/p>\n<p>Bild: J\u00f6rg Landsberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Luis Olivares Sandoval (Idomeneo mit erhobenem Schwert), Nadja Stefanoff (Idamante, liegend), Nadine Lehner (rechts im Hintergrund), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von W.A. 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